GURU AMAR DAS

( 1479-1574, Guruschaft: 1552-1574 )

 

            Guru Amar Das wurde am zweiten April 1479 im Dorf Basarka im Bezirk

Amritsar geboren. Er war der älteste Sohn seiner Eltern Bhai Tej Bhan and Mata Lakhmi (Sulakhni). Im Alter von 24 Jahren, heiratete er Mansa Devi, die ihm zwei Söhne  Mohan and Mohri und zwei Töchter Bibi Dani and Bibi Bhani schenkte. Die frühe Lebensgeschichte des Guru Amar Das wurde im letzten Kapitel erzählt.

 

DIE FEINDSELIGKEIT DES DATU:

 

            Guru Angads Söhne waren verärgert, da sie forderten, dass sie nach ihrem Vater die rechtmäßigen Erben der Guruschaft seien. Aus diesem Grund  erklärte sich Guru Angads Sohn Datu zum Guru in Khadur; aber die Sikh nahmen ihn als solchen nicht an. Außerdem war es unter Guru Amar Das strenger Führung Pflicht, dass alle Menschen, egal ob von hohem oder niederem Rang, ob reich oder arm, König oder Untertan, Brahman oder Sudra, Hindu oder Moslem, als Gleichgestellte in der selben Reihe sitzen mussten, um in der Küche des Gurus zu speisen. Dies hatte die Brahmanen sehr verärgert und sie suchten nach einer Gelegenheit diese Situation zu korrigieren. Diese Brahmanen und andere hohe Kastenführer sahen in Datsus Aufstand eine Chance, den Guru gefangen zu nehmen. Auf ihre Unterstützung hin begab sich Datu nach Goindwal, wo sich der Guru aufhielt.

            Guru Amar Das saß gerade auf seinem geistlichen Thron, und war dabei, den Versammelten Anweisungen zu geben, als Datu mit einer großen Zahl an Begleitern des Weges kam, und den Guru trat, so dass dieser vom Podium fiel. Datu ergriff Besitz vom Platz des Gurus und erklärte sich selbst zum Guru. Guru Amar Das stand auf und sagte in äußerster Demut: „Mein Herr, bitte verzeihen Sie mir, meine harten Knochen  könnten ihre zarten Füße verletzt haben.“ Danach verließ der Guru Goindwal und ging zu seinem Dorf, Basarka. Er sperrte sich in ein Haus, außerhalb der Stadt ein, ohne jemanden von seiner Anwesenheit wissen zu lassen.

            Datu saß auf dem Thron des Gurus in Goindwal und war sehr stolz auf seine Position. Die Sikh nahmen ihn jedoch nicht als Guru ihren Guru an. Und all die Pilger in Goindwal zogen davon, als sie von den Beleidigungen hörten, die ihrem Guru widerfahren waren. Als er sich der Verachtung der Sikh ihm gegenüber bewusst wurde, lud Datu sein neuerworbenes Vermögen auf ein Kamel und kehrte nach Khadur zurück. Unterwegs begegnete er Räubern, die ihm das Kamel mitsamt seiner Ladung entrissen. Ein Räuber schlug Datu auf denselben Fuß, mit dem er den Guru getreten hatte. Datus Fuß schwoll an und verursachte ihm große Schmerzen.

            Die Sikh waren über den Verlust ihres Gurus sehr betrübt. Sie suchten überall, aber sie konnten ihn nirgendwo finden.

Unter der Anleitung von Bhai Buddha beteten sie, ließen das Pferd1 des Gurus frei, und folgten ihm ängstlich für einen kurzen Abschnitt des Weges. Das Pferd lief zum Haus des Gurus in Basarka und stand schließlich vor seiner Tür. An der Eingangstür stand geschrieben: „Wer auch immer diese Tür öffnet ist weder einer meiner Sikhs, noch bin ich sein Guru.” So öffneten sie die Tür nicht, sondern machten ein Loch in die Wand, durch welches sie dem Guru demütig ihre Bitte vortrugen. Der Guru konnte die Liebe und Hingabe seiner Sikh nicht missachten. So ging er zurück nach Goindwal. Die Rückkehr des Gurus wurde mit Lichtern, fröhlichen Gesängen und einem Festessen gefeiert.

 

EINIGE BEMERKENSWERTE SIKH:

 

            Bhai Paro gehörte zum Dorf Dalla in Doaba, einer Gegend zwischen den Flüssen Beas and Satluj. Er wurde vom Guru in religiösen Dingen und in Belangen der Gleichstellung unterwiesen.

 Alayar, ein reicher muslimischer Pferdehändler aus Delhi, brachte fünfhundert Pferde aus Arabien mit sich, als er in Beas ankam. Er konnte seine Reise nicht fortsetzen, da der Beas Fluss über die Ufer getreten war und sich die Bootsmänner weigerten, das Risiko in Kauf zu nehmen und den reißenden Fluss zu überqueren  Am nächsten Morgen sah Alayar, wie sich Bhai Paro auf seinem Pferd in den schäumenden Fluss stürzte und wie er unbeschadet das andere Ufer erreichte. Alayar traf Paro bei dessen Rückkehr und beglückwünschte ihn zu seiner wagemutigen Flussüberquerung. Bhai Paro sagte ihm, dass er den Fluss dank des Segens des Gurus habe überqueren können. Er berichtete Alayar mehr vom Ruhm des Gurus. Alayar wurde es zum dringenden Bedürfnis dem Guru zu begegnen. Am nächsten Tag gingen sie beide los um ihn zu treffen.

            Alayar (Ala bedeutet Gott und yar bedeutet Freund) war höchst erfreut darüber, den Guru zu sehen. Als er seinen Namen hörte, sagte der Guru zu ihm: „Es ist schwierig der Freund (yar) Gottes (Ala) zu werden, aber ich werde Gott zu deinem Meister machen und dich zu Seinem Diener.“

Der Guru segnete Alayar und machte ihn zu seinem Schüler. Alayar wurde die Verantwortung für die erste der 22 Manjis (Diozösen) übertragen, welche Guru Amar Das später gegründet hatte, um den  Duft von Nam zu verbreiten. Es existieren zahlreiche Geschichten von Sikh, die vom Guru gesegnet wurden.

    

BAWLI BEI GOINDWAL:

 

            Guru Amar Das erwarb etwas Land in Goindwal and legte 1559 den Grundstein für ein

Bawli (einer Quelle mit in den Boden eingelassenen Stufen ). Alle beteiligten sich am Graben des Bawli. Es herrschte ein reges Treiben während der Errichtung des Bawli.

            Hari Das, ein Khatri vom Stamm der Sodhi, lebte mit seiner Frau, Daya Kaur, in Chuna Mandi, einem Vorort von Lahore. Sowohl der Mann als auch seine Frau waren sehr religiös. Nachdem sie zwölf Jahre verheiratet waren, wurde ihnen am 24. September 1534 ein Sohn geboren. Sie nannten ihn Ram Das, der allgemein als Jetha (Erstgeborener) bekannt war. Er war sehr gutaussehend und hatte ein freundliches Äußeres mit einer angenehmen Persönlichkeit. Als er heranwuchs, mochte er die Gesellschaft heiliger Männer. Eines Tages buk die Mutter Hülsenfrüchte, füllte sie in einen Korb und gab sie dem Sohn, damit dieser sie verkaufen und Gewinn machen solle. Jetha ging zum Ravi Fluss. Bald sah er eine Gesellschaft heiliger Männer. Er gab ihnen die gekochten Hülsenfrüchte und ging nach Hause.

            Die heiligen Männer waren sehr erfreut und beteten für den Jungen. Eines Tages sah Jetha eine Gesellschaft von Sikh, die Hymnen sangen und voll Freude ihres Weges zogen. Als er sie fragte, wohin sie denn gingen, antwortete ihm einer von ihnen: „Wir gehen nach Goindwal, wo Guru Amar Das sein Gericht abhält. Jeder Segen in dieser Welt und in der nächsten wird durch seine Gunst erreicht. Komm mit uns.“ Als er dies hörte, war Jetha höchsterfreut und schloss sich ihnen auf ihrer Pilgerreise an.

            Beim Anblick des Gurus wurde Jethas Herz von Liebe und Hingabe erfüllt. Als er dem Guru seine Ehrerbietung darbrachte, fühlte er sich  von dessen angenehmer Persönlichkeit angezogen. Der Guru bemerkte: „Wenn du gekommen bist um allem weltlichen Verlangen zu entsagen, so sollst du hier wahre Unabhängigkeit erhalten. Verrichte die Arbeit und diene.“ Glücklich begab sich Jetha in die Dienste des Gurus. Er arbeitete in der Küche, säuberte das Geschirr, wusch seinem Meister die Haare und brachte Feuerholz aus dem Wald. In seiner Freizeit arbeitete er in den Schächten des Bawli.     

            Bibi Dani, die älteste Tochter des Guru (auch unter dem Namen Sulakhni bekannt) war mit Rama verheiratet. Seine andere Tochter, Bibi Bhani war sehr religiös, schon seit frühester Kindheit. Als sie in das heiratsfähige Alter kam, erinnerte ihre Mutter den Guru daran,  dass es an der Zeit sei, einen passenden Ehemann für sie zu finden. So veranlasste der Guru die Suche nach einem geeigneten Ehemann. Als der von ihm Beauftragte gerade im Begriff war, aufzubrechen, sah Bibi Bhanis Mutter einen jungen Mann, der draußen stand und sie sagte zu dem Agenten: „Suche nach einem Jungen wie diesen.“ Der Guru hörte ihre Bemerkung und rief: „Er ist einmalig, da Gott keinen wie ihn gemacht hat.“ So war der Jethaji (Ram Das) der Junge Mann, den sie auswählten.

             Zur Zeit der Hochzeit wurde der Bräutigam vom Guru gebeten, für sich selbst ein Geschenk auszusuchen, wie es der Brauch war. Jethaji antwortete: ”Mein Herr, segnet mich mit der Gabe Hari Nams.“ Bibi Bhani sah im Guru ihren Vater, aber auch ihren Guru. Auf die gleiche Weise diente sie Jetha nicht nur als ihrem Ehemann, sondern auch als Heiligem. Prithi Chand war ihr erster Sohn und drei Jahre später kam Mahadev, ihr zweiter Sohn, zur Welt. Am 15. April 1563 wurden Jetha and Bibi Bhani mit der Geburt ihres dritten Sohns, Arjan, gesegnet, bei dessen Geburt ungewöhnliche Freude in der Luft lag.

            In der Zwischenzeit fuhren die Sikh mit der Ausgrabung des Bawli fort.

Nachdem sie sehr tief gegraben hatten, fanden sie große Steine, die sie am Weitergraben hinderten.

 Der Guru fragte die Sikh, ob es unter ihnen jemanden gebe, der mutig genug sei einen Pflock in das Fundament zu treiben, um so das Hindernis zu entfernen. Er hatte sie jedoch gewarnt, dass diese Tat eine große Gefahr in sich berge. Falls es demjenigen, der dies wage, nicht gelinge, dem Strom des aufsteigenden Wassers zu entrinnen, könne er ertrinken. Die Sikh schwiegen und niemand trat hervor ,um solch ein Risiko auf sich zu nehmen. Schließlich bot Manak Chand von Vairowal, der mit der Nichte des Gurus verheiratet war, seine Dienste an. Dies war derselbe Manak Chand, dessen Eltern mit einem Sohn (Manak Chand) von Guru Nanak gesegnet waren.

            Indem er den Namen Gottes anrief, und indem ihm der Guru seine Gunst schenkte, gelang es Manak Chand den Stein zu verkeilen, so dass der Wasserstrom das Bawli augenblicklich flutete und er von den Wassermassen mitgerissen wurde. Beinahe wäre er ertrunken, aber durch die Gunst des Gurus tauchte er an der Wasseroberfläche auf, und man zog ihn heraus und brachte ihn zurück ins Leben. Aus diesem Grund, wurde er 'Marjiwra' (nach dem Tode wiederbelebt) genannt.

            Als das Bawli fertiggebaut war, spendete es sauberes Trinkwasser. Die Sikh waren höchst erfreut über die Vollendung ihres Werkes. Es gab achtundvierzig Stufen, die zum Bawli hinabführten. Man glaubt, dass jemand, der auf jeder Stufe aufmerksam und ehrfurchtsvoll den Japji, rezitiert, vom Zyklus der Wiedergeburt verschont wird.

 

GURU KA LANGAR (FREIE KÜCHE):

 

            Die freie Küche des Gurus (Guru ka Langar), die von Guru Nanak gegründet und von Guru Angad weiterentwickelt worden war, wurde durch Guru Amar Das gestärkt. Es war der ausdrückliche Wunsch von Guru Amar Das, dass keiner eine Audienz erhalten solle, ehe er nicht vom Laangar gegessen habe. Der Guru beabsichtigte, die Einschränkungen durch das Kastensystem und die Vorurteile über die Unberührbarkeit abzuschaffen. Aus diesem Grund war unzweideutig festgelegt worden, dass die Menschen aller Kasten, egal ob hoch oder nieder, reich oder arm, Brahmanen oder Sudra, Hindu oder Muslime, in derselben Reihe sitzen und dasselbe Essen aus der Küche des Gurus zu sich nehmen müssten. Wenn der Raja von Haripur oder sogar Akbar, der Mughal Herrscher von Indien, kamen um den Guru zu sehen, mussten sie bei den gewöhnlichen Leuten sitzen und mit ihnen essen, ehe sie eine Audienz beim Guru haben konnten. Auf diese Weise wurden die Leute über die Scheinheiligkeit des Kastensystems gestellt und waren so in der Lage einander als Brüder und Gleichgesinnte zu begegnen.

            Mai Das war ein namhafter Pandit und  ein ergebener Verehrer von Lord Krishna.

Er war ein strenger Vaishnav, er aß nur was er mit eigenen Händen innerhalb eines gereinigten Vierecks2 zubereitet hatte. Der Guru lehnt diese gereinigten Vierecke ab:

      „Alle aufgetragenen gereinigten Rechtecke sind falsch, O Nanak,

      Gott allein ist rein.“

                                                 (Maru ki Var, Slok Mohalla 3, Seite 1090)

 

Als er kam um den Guru zu sehen, informierte man ihn, dass er den Guru nicht sehen könnte, wenn er nicht in seiner Küche esse. Da er ein strenger Vaishnav war, konnte er dies nicht tun, deshalb ging er nach Dwarka, da er dachte, dort Lord Krishna erblicken zu können. Am elften Tag des Mondmonats fastete Mai Das für gewöhnlich und aß in dieser Zeit nur Früchte. Da gerade Winter war, gab es im Wald keine Früchte. Mai Das wanderte hungrig im Wald umher, wobei er sich nach Früchten umsah, aber keine finden konnte.

Schließlich rief er seine Götter um Hilfe an. Zu guter Letzt hörte er eine Stimme: „Du hast nicht von der Küche des Gurus gegessen und du hast sein heiliges Antlitz nicht erblickt; Deshalb sollst du Vollkommenheit nicht erreichen. Falls du aber dies wünscht, dann begegne zuerst Guru Amar Das.“

            Daraufhin kehrte Mai Das nach Goindwal zurück. Er nahm an einer Mahlzeit in der Küche des Gurus teil und durfte ihn dann sehen. Der Guru hieß ihn willkommen: „Komm, Mai Das, Du bist ein besonderer Heiliger Gottes.“ Der Guru weihte ihn als Sikh ein, segnete ihn mit Nam und verlieh ihm die spirituelle Kraft, das Seelenheil auf andere zu übertragen. Mai Das übernahm eine der 22 Manjis (Diozöse), die von Guru Amar Das gegründet worden waren.

 

 

 

 

DER HERRSCHER AKBAR  BESUCHT DEN GURU:

 

            Akbar, der Herrscher von Indien, besuchte auf seinem Weg nach Lahore den Guru in Goindwal. Er war darüber informiert, dass er den Guru nicht sehen könne, bis er mit den anderen in der Küche des Gurus gegessen hätte. Akbar nahm an der Mahlzeit im Langar teil und je länger er aß, desto mehr Gefallen fand er daran. Anschließend hatte er eine Unterredung mit dem Meister. Man sagt, dass der Guru aufstand um den Herrscher in seine Arme zu nehmen, aber Akbar verbeugte sich spontan, um die Füße des Meisters zu berühren. Der Monarch empfand durch die heilige Berührung eine Welle von Freude und Frieden.

            Nachdem er die große Zahl von Menschen, die durch die Küche des Gurus gespeist wurden, gesehen hatte,  bat Akbar den Guru seine Dienste und Gaben anzunehmen. Aber der Guru antwortete: „Ich habe Länderein und mietfreie Unterkünfte von meinem Schöpfer erhalten. Was auch immer kommt, wird am selbigen Tage ausgegeben, und für das Morgen vertraue ich auf Gott.“

Daraufhin sagte Akbar: „Ich sehe dir fehlt es an nichts. Von deinem Reichtum und von deiner Küche empfangen zahllose Menschen Spenden, und auch ich hege ähnliche Wünsche. Ich werde diese 84 Dörfer deiner Tochter Bibi Bhani zukommen lassen.“ Dies war das Gut, worauf Guru Ram Das die Stadt Ramdaspur, die jetzt  Amritsar genannt wird, errichten ließ.

 

BESCHWERDE AN AKBAR ÜBER DEN GURU:

 

            Als die Brahmanen und die Khatris sich darum bemühten dem Guru die Guruschaft zu entreißen (sie hatten Datu dazu angestiftet, sich selbst zum Guru zu ernennen), brachten sie eine besondere Beschwerde vor den Herrscher Akbar. In ihrer Klage behaupteten sie: „Die Religion eines jeden Menschen liegt ihm am Herzen. Guru Amar Das von Goindwal hat die religiösen und gesellschaftlichen Bräuche der Hindus aufgegeben. Er hat auch die Unterscheidung der vier Kasten abgeschafft. Er lässt die Mitglieder der verschiedenen Kasten in einer Reihe sitzen und zusammen von seiner Küche essen, ungeachtet ihrer Kaste oder Religion. Es gibt keine Opfer an die Vorfahren, keine Pilgerreisen, keine Anbetung von Idolen, Göttern oder Göttinnen. Der Guru verehrt weder Jogis, noch Jatis, noch Brahmanen. Aus diesem Grunde bitten wir darum, ihn jetzt zurechtzuweisen, ansonsten wird es später sehr schwierig sein.“

            Akbar sandte einen hohen Beamten nach Goindwal um den Guru um einen Besuch zu bitten. Die Vorladung war nicht roh, wie die eines modernen Gerichts: „Lasst mich nicht im Stich und gewährt mir die Gunst eines Besuches“ Der Guru sandte Jetha, wobei er ihm mit auf dem Weg gab: „Du bist mein Abbild; Guru Nanak wird mit dir sein und niemand soll über dich die Oberhand gewinnen. Fürchte niemanden und gib (die für dich) passende Antwort.“

            Jetha gab angemessene Antworten auf all die Fragen und stellte den Herrscher zufrieden. Dieser gelangte zur folgenden Entscheidung: „Ich sehe weder Feindseligkeit gegen den Hinduismus in diesem Mann, noch finde ich etwas Falsches an seinen Ausführungen.“

Schwer geschlagen verließen die Brahmanen das Gericht. Macauliffe zitiert “Suraj Parkash”:   „Daraufhin nahm der Herrscher Jetha  zur Seite und sagte ihm, er solle den Guru (welcher es vor seinem Übertritt zum Sikhismus gewohnt war, jährliche Pilgerreisen zum Ganges zu machen) darum bitten, zumindest noch eine weitere Pilgerfahrt auf sich zunehmen, um den Zorn der Hindus zu zerstreuen. Der Herrscher ergänzte, er würde den Befehl erlassen, dass auf der Gefolgschaft des Gurus keine Steuern erhoben werden sollen.  ......Zum Einen um dem Wunsch des Herrschers nachzukommen, zum Anderen um die Gelegenheit zu haben, seine Religion zu predigen, machte sich der Guru auf den Weg nach Hardwar.“

            „Die Reise des Gurus nach Hardwar für eine weitere Pilgerschaft um den Zorn der Hindus abzuwenden“, erscheint völlig aus der Luft gegriffen, da sie gegen die Grundsätze des Gurus ist, welcher sagt: 

 

            „Tirath nawan jao, tirath nam hai

            Tirath sabad bichar untar gian hai.”

                                                                  (Dhanasri Mohalla 1, Seite 687)

            „Was ist eine Pilgerreise?  Eine Pilgerreise ist Nam,

            Pilgern ist inniges sich Versenken im Wort und Erkennen des

            inneren Wissens.” 

                                                             (Übersetzung des Obigen)

            „Ist der Geist voll Sünde, so ist alles voll Sünde,

            Durch das Waschen des Körpers, wird der Geist nicht rein werden.“                       

                                                                   (Wadhans Mohalla 3, Seite 558)

Es ist nicht richtig zu behaupten, dass Guru Amar Das noch einmal nach Hardwar pilgerte, um den Hindus zu gefallen. Guru Amar Das ging nicht nach Hardwar und Kurukshetra um eine Pilgerfahrt zu machen, sondern um seine Lehre und das Glaubensbekenntnis von Nam vor Tausenden von bedürftigen Seelen zu predigen.

 

DIE ABSCHAFFUNG DES SATI:

 

            Der Status der Frau war zu dieser Zeit in der Hindugesellschaft sehr niedrig. Wenn der Ehemann starb, ließ sich die Frau entweder freiwillig mit ihm auf dem Scheiterhaufen verbrennen  oder wurde ohne ihre Zustimmung ins Feuer geworfen. Der bekannte Ausdruck für solche Frauen war Sati (ehrlich). Guru Amar Das leitete eine energische Kampagne gegen die Ausübung von Sati.

Er widmete der Verbesserung des Ansehens der Frau eine besondere Aufmerksamkeit und verbot folglich die Durchführung solcher Praktiken. G.B. Scott bezeichnet den Guru als ersten Reformer, der die vorherrschende hinduistische Praxis des Sati verurteilte. Der Guru befürwortete dies:

 

             „Satis sind nicht jene, die sich mit ihren Männern verbrennen lassen,

O Nanak, wahre Satis sind jene, die der Schmerz der Trennung nicht vernichten kann

            Jene werden als Satis gesehen, die in Zufriedenheit leben, die sich makellos verhalten;

            Und den Herrn lieben und ehren und sich auf  Ihn berufen.“ 

                                                                                                (Var Suhi ki- Slok Mohalla 3, p-787)

Der Guru hob den Status der Frauen an, so dass sie den Männern gleichgestellt waren.

Er verbot das Praktizieren von Sati und predigte für die Heirat von Witwen und Witwern.

 

DIE EINRICHTUNG DES MANJI-SYSTEMS:

 

            Die Anhängerschaft des Gurus nahm erheblich zu. Es wurden Schritte unternommen, um die verstreute Gemeinde innerhalb eines vereinten Ganzen zu organisieren. Dies geschah durch das Manji-System. Sein gesamtes spirituelles Reich nahm die Form von 22 Manjis (Diozösen) an. Es wurde so genannt, weil die Verantwortlichen der Manji auf einer Matratze saßen (Manji in Punjabi genannt) um die Botschaft des Gurus zu verbreiten. Der Vorsitzende einer jeden Manji war ein ergebener Sikh, der vom Guru gesegnet wurde, ehe man ihm diese Position zuteilte. Seine Aufgabe war es, für die Mission des Gurus zu predigen, den Kontakt zwischen dem Guru und der Sangat (Versammlung) aufrecht zu erhalten. Ebenso war er für die Opfer der Sikh zuständig, die sie als Ausdruck der Verehrung für den Guru darbrachten. Dies waren die zweiundzwanzig Manjis:

 

            1. Alayar: Alayar, auch Allah Shah genannt, war ein Pathan Händler, dessen Geschichte bereits erwähnt wurde. Er wurde ein Sikh des Gurus und war mit der ersten Manji betraut, um den Glauben der Sikh zu verbreiten.

           

            2. Sachan Sach: Er war ein Brahmane aus dem Dorf Mandar im Bezirk Lahore. Er verwendete ständig das Wort 'Sachan Sach' und wurde deshalb Sachan Sach genannt. Eine der Königinnen des Raja von Haripur wurde geisteskrank. Durch die Gnade des Gurus erlangte sie ihre geistige Gesundheit zurück Der Guru gab sie Sachan Sach zur Frau. Gemeinsam predigte das Paar den Sikhismus.

            3. Sadharan: Er war ein Bewohner von Goindwal und man gab ihm eine Manji aufgrund seiner Hingabe an den Guru.

 

            4. Sawan Mal: Er war ein Neffe von Guru Amar Das. Der Guru sandte ihn nach Haripur im Bezirk Kangra, damit er Holz für den Bau der Häuser in Goindwal beschaffe. Sawan Mal verbreitete den göttlichen Gesang der Sikh in diesem Gebiet.

 

            5. Sukhan: Er war ein Bewohner des Dorfes Dhamian im Bezirk Rawalpindi. Er predigte Sikhismus in dieser Gegend des Landes.

           

            6. Handal: Er kam aus dem Dorf Jandiala im Bezirk Amritsar. Er verrichtetet großartige Dienste in der Küche des Gurus.

           

            7. Kedari: Bhai Kedari war ein Bewohner des Dorfes Batala im Bezirk Gurdaspur. Er war ein sehr berühmter Anhänger des Gurus.

           

            8. Kheda: Er kam aus dem Dorf Khemkaran im Bezirk Lahore. Er war ein Anhänger der Göttin Durga, bevor er ein Sikh des Gurus wurde.

 

            9. Gangushah: Er war ein Bewohner von Garh Shankar. Der Guru sandte ihn aus um Sikhismus im Staat Sarmaur zu predigen.

 

            10. Darbari: Bhai Darbari kam aus dem Dorf Majitha im Bezirk Amritsar.

 

            11. Paro: Bhai Paro war ein  Sikh von Guru Angad. Er war ein Bewohner von Dalla. Seine Hingabe bescherte ihm die elfte Manji.

 

            12. Phera: Bhai Phera war ein Bewohner von Mirpur im Jammu Gebiet. Er war ein Schüler der Jogis, bevor er Guru Amar Das' Sikh wurde. Er predigte Sikhismus in jener bergigen Gegend.

 

            13. Bua: Bhai Bua wurde ein Sikh des Gurus und war mit Nam gesegnet, dessen Duft er in seinem Gebiet verbreitete.

 

            14. Beni: Er war ein gelernter Pandit von Chunian im Bezirk Lahore. Er war stolz auf seine Kenntnisse bzgl. Hindu Shastras und er besiegte viele in Debatten durch dieses Wissens. Als er nach Goindwal kam, fiel er dem Guru vor die Füße und wurde sein Sikh. Der Guru vertraute ihm die vierzehnte Manji an.

 

            15. Mahesa: Er war ein Bewohner des Dorfes Sultanpur und verrichtete Missionarsarbeit in diesem Gebiet.

 

            16. Mai Das: Mai Das' Geschichte wurde auf den vorhergehenden Seiten wiedergegeben.

Er  predigte Sikhismus in der Gegend von Majha.

 

            17. Manak Chand: Er wurde bereits erwähnt. Als er im Bawli ertrank und dann vom Guru wiederbelebt wurde, nannten die Sikh ihn Marjiwra - den nach dem Tode Wiederbelebten. Im Dorf Vairowal im Bezirk Amrisar werden seine Nachkommen Marjiwre genannt. Der Guru ernannte Manak Chand zum spirituellen Führer für Mai Das.

 

            18. Murari: Er war ein Bewohner des Dorfes Khai im Bezirk Lahore. Sein ursprünglicher Name war Prema und er war ein Leprakranker. Er hörte von Guru Amar Das und kam den ganzen Weg nach Goindwal auf allen Vieren. Durch die Gnade des Gurus wurde er vollständig geheilt. Er bekam einen neuen Namen: Murari. Der Guru gab ihm Matho, die Tochter von Bhai Sihan zur Frau. Er wurde dann als einer der Wanderprediger der Lehren des Gurus ausgesandt.

 

            19. Raja Ram: Er war ein Brahmane und wurde ein Sikh des Gurus. Seine Generation lebt jetzt im Dorf Sandhma im Bezirk Jullundhur.

 

            20. Rang Shah: Er war ein Bewohner des Dorfes Malupote im Bezirk Jullundhur. Er verbreitete den Glauben des Gurus in der Gegend um Doaba..    

 

            21. Rang Das: Er stammt aus dem Dorf Gharooan (in der Nähe von Kharar) im Bezirk Rupar.

 

            22. Lalo: Er war ein Einwohner des Dorfes Dallas und war auch ein berühmter Vaid (Arzt). Er wurde ein Sikh des Gurus und predigte den Glauben des Gurus.

 

Guru Amar Das gründete eine andere Organisation, die das Piri System genannt wurde.

Die Verantwortlichen der Piris waren Damen, deren Ziel es war die Flamme, die vom Wort des Gurus ausgeht unter Frauen zu entzünden und unter ihnen den Wohlgeruch von Nam zu verbreiten. Bibi Bhani, Bibi Dani and Bibi Pal waren einige der am meisten verehrten Vorgesetzten der verschiedenen Piris. Guru Amar Das verlieh 146 seiner Jünger Autorität und Macht, in die unterschiedlichen Teile des Landes zu reisen und dort den Ruhm von Nam zu entfalten. Von diesen 146 Personen waren 94 Männer und 52 Frauen. Sie alle waren von Nam erleuchtet und erfüllt vom Göttlichen Geiste.

 

DIE ZUSAMMENSTELLUNG DES ANAND SAHIB:

 

            Eines Tages kam ein Sidh Jogi zum Guru und klagte, dass er jede Form der Buße durchführe, aber keine Seelenruhe erreiche. Überdies zeigte er ein Verlangen danach, seinen Körper zu verlassen, um in der Familie des Gurus wiedergeboren zu werden, auf dass er frohen Herzens Gott anbete und ihm seine Loblieder singe. Sein Wunsch wurde erfüllt. Der Guru hatte zwei Söhne Mohan und Mohri. Mohris ältester Sohn war Arth Mal und man sagt, dass dieser Sidh Jogi als Mohris zweiter Sohn wiedergeboren wurde. Als der Guru von Jogis Wiedergeburt hörte, sandte er Bhai Ballu aus, damit er das Kind zu ihm bringe. Als er das Kind sah, sprach der Guru die Strophen des Anand (Ramkali Mohalla 3, Anand), auch als Lied der Freude bekannt, und nannte das Kind Anand. Diese Komposition (Anand Sahib) wird heutzutage bei Hochzeiten und anderen freudigen Anlässen rezitiert.

 

AUSWAHL DER GURUSCHAFT:

 

            Es sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass Bibi Dani, die älteste Tochter des Gurus, mit Rama, der ein überzeugter Sikh war, verheiratet war. Er arbeitete für gewöhnlich in der Küche des Gurus und kümmerte sich um die Pilger. Jetha war sein jüngerer Schwiegersohn. Eines Tages bat der Guru Rama und Jetha: „Ein jeder von euch soll an der Seite des Bawli ein Podest bauen. Ich werde auf einem am Morgen, auf dem anderen am Abend sitzen.“ Als die Rampen vollendet waren, ging der Guru los, um sie zu begutachten. Rama zeigte ihm sein Werk in der Überzeugung, dass er gute Arbeit geleistet hätte. Der Guru sagte zu Rama: „Dein Podest ist schief, baue es ab und dann nochmals auf.“ Rama war anderer Meinung, aber er baute das Podest erneut. Diese sagte dem Guru noch immer nicht zu. Nach einem langen Wortwechsel riss Rama das Podest ab, weigerte sich aber es ein drittes Mal zu errichten.

            Der Guru begutachtete Jethas Rampe und sagte: „Jetha, ich mag sie nicht. Reiß sie ab und baue eine andere.“ Jetha errichtete die zweite, die auch nicht den Wünschen des Gurus entsprach. Er zerstörte sie und baute sie erneut auf. Der Guru fand weiterhin Makel an ihr, bis sie schließlich sieben Mal abgerissen und wiederaufgebaut worden war. Dann fiel Jetha dem Guru zu Füßen und flehte ihn an: „Ich bin ein Narr und mir fehlt das Verständnis, wohingegen dir all das Wissen zu eigen ist. Segne mich mit deiner Weisheit, damit ich in der Lage sei eine Rampe zu errichten, wie sie deiner Vorstellung entspricht.“

            Als er dies hörte, lächelte der Guru, umarmte Jetha und erklärte ihm: „Meinem Befehl gehorchend, hast du die Rampe sieben Mal gebaut. Deshalb soll deine Familie sieben Generationen lang den Thron von Guru Nanak innehaben“.

            Bibi Bhani, die jüngste Tochter des Gurus pflegte ihren Vater zu begeleiten. Sie fächelte ihm Luft zu, um ihm Kühle zu verschaffen, versorgte ihn mit Wasser und arbeitete in der Küche.

Eines Tages saß er in tiefer Meditation auf seiner Couch (chauki), als Bibi Bhani bemerkte, dass ein Bein der Couch abgebrochen war. Da sie befürchtete seine Meditation könnte gestört werden, legte sie ihren Arm an die Stelle des abgebrochenen Beins, um die Couch zu tragen. Als der Guru seine Augen öffnete, sah er, dass Blut aus Bibi Bhanis Arm strömte. Auf seine Nachfrage hin erklärte ihm Bibi, das abgebrochene Bein hätte seine Meditation stören können. Sie war glücklich, dem Guru dienen zu können, indem sie das abgebrochene Bein der Couch durch ihren Arm ersetzte. Der Guru gab ihr daraufhin zu verstehen: „Wer auch immer ein Gutes Werk vollbringt, soll den Lohn dafür ernten.“ Er forderte sie dazu auf, ihn um einen beliebigen Gefallen zu bitten.  Bescheiden bat sie darum, dass die Guruschaft in ihrer Familie bleiben solle. Man glaubt, der Guru erklärte Bibi Bhani, dass die Guruschaft kein Kinderspiel sei. Man glaubt auch, dass er sie vor den Schwierigkeiten und Qualen warnte, welchen sich die späteren Gurus stellen müssten. Bibi Bhani war damit einverstanden, all diese Schwierigkeiten auf sich zu nehmen und bat noch einmal um die Erfüllung des Wunsches: die Guruschaft solle in ihrer Familie bleiben.

Bisher wurde die  Guruschaft durch Gehorsam und Hingabe gegenüber dem Guru erlangt. Auch in diesem Fall erwarb Bibi Bhani die Guruschaft für ihre Familie durch Ergebenheit und Aufopferung. Der Guru erfüllte ihren Wunsch und die Guruschaft blieb daraufhin in Bibi Bhanis Familie.

            Guru Nanak ernannte seinen Nachfolger bei Kartarpur, aber bat ihn nach Khadur zu gehen und dort zu leben. Guru Angad bat seinen Nachfolger Guru Amar Das in Goindwal zu leben. Guru Amar Das bat Jetha nach einem anderen Ort als Goindwal zu suchen, der für eine Niederlassung der Sikh geeignet wäre. Jetha fand 225 Meilen von Goindwal entfernt ein unberührtes Stück Land und ließ sich dort nieder. Er baute ein Haus für sich selbst und ließ einen Teich graben, der Santokhsar genannt wurde. Man glaubt auch, dass der Guru Jetha darum bat, einen weiteren Teich in Richtung Osten auszuheben, der Amritsar –Nektarteich genannt wurde.

 

DIE NACHKOMMEN VON GURU RAM DAS: Teich

 

     Nachdem er ihn auf jede erdenkliche Weise geprüft hatte, befand Guru Amar Das Jethaji für perfekt und berief eine besondere Versammlung ein. Dann bat er Bhai Ballu darum, Kokosnüsse und fünf paise zu bringen. Er gebot Jethaji zu baden und sich neu einzukleiden. Dann stieg der Guru von seinem Thron hernieder, ließ Jethaji darauf Platz nehmen und nannte ihn Guru Ram Das.

Wie es der Brauch war, befestigte Bhai Buddha, das Tilak, welches die Hoheitsgewalt widerspiegelt, an Guru Ram Das' Stirn. Unter großem Jubel brachten alle Sikh entsprechend ihren Mitteln Gaben dar und bejubelten Guru Ram Das bei seiner Ernennung.

Diese Zeremonie wurde am 30. August 1574 bei  Goindwal durchgeführt

 

GURU AMAR DAS' ABREISE:

 

     Guru Amar Das verkündete: „Gott ruft mich zu sich. Da soll kein Wehklagen sein, wenn ich gegangen bin, singt Gott Loblieder, lest das Wort Gottes (Gurbani), hört das Wort und gehorcht Gottes Willen“. Am ersten September des Jahres 1574, ging Guru Amar Das in das himmlische Dasein über und sein Geist ging in den Urgeist ein.

 



1              Der Guru hatte eine Stute

2           Ein  Brahmane zeichnet ein kleines Viereck, wäscht die Stelle mit Wasser und nennt es dann ein gereinigtes Viereck. Darin bereitet er dann seine Mahlzeiten zu.

Wenn jemand das Viereck betritt, wird es verunreinigt und das Essen, das darin zubereitet wird, gilt dann ebenfalls als unrein.