GURU ARJAN DEV

(1563-1606, Guruschaft 1581-1606)

           

            Guru Arjan wurde am 15. April 1563 in Goindwal, einer kleinen Stadt in Amritsar geboren. Er war der jüngste Sohn von Guru Ram Das und Bibi Bhani. Als Kind ging er eines Tages ans Bett von Guru Amar Das, der gerade ruhte. Seine Mutter kam gerannt, um den Jungen wegzuholen, ehe er den Guru stören konnte, aber er hatte ihn bereits aufgeweckt. Der Guru sagte: “Laß ihn zu mir kommen; ‘ye mera dohita bani ka bohita howega’ – dieser meiner Enkel soll das Schiff sein, das die Menschheit quer über den Ozean der Welt bringt.”

            Guru Arjan war mit Ganga verheiratet, der Tochter von Krishen Chand, einem Bewohner des Meo Dorfes in der Nähe von Phillor in Jullundhur. Die Hochzeit fand 1589 statt, als er etwa 26 Jahre alt war. Guru Ram Das begann mit der Ausgrabung zweier Teiche (tank), die Santokhsar und Amritsar hießen, und gründeten die Stadt Ramdaspur. Nach seinem Vater, sah Guru Arjan es als seine Aufgabe an, die Teiche fertig zu machen und die Stadt auszuweiten. Er ging jeden Tag los, um die Arbeiten zu beaufsichtigen.

 

DAS MASAND SYSTEM:

 

            Guru Nanak hatte während seiner Missionsreise mehrere Sangats an vielen unterschiedlichen Orten des Landes errichtet. Die Verbindung mit dem Zentrum wurde durch regelmäßige Besuche des Gurus seitens der Sikh aufrechterhalten. Während der Zeit von Guru Amar Das, wurde die Missionsarbeit immer geregelter und methodischer. Er teilte das spirituelle Sikh-Königreich in 22 Manjis auf. Guru Ram Das formte den Kern eines neuen Missionarordens, den man Masands nannte. Das Wort Masand scheint von ‘Mas Nad’ zu kommen, was die Kurzform von ‘Masnedi-Ali’ oder Seine Exzellenz bedeutet. Diesen Titel hatten die Mogulgouverneure oft inne. Das Ziel dieser Organisation war es, den Sikh Glauben schnell zu verbreiten, und Geld für die Anlage von Teichen und der Stadt Ramdaspur zu sammeln. Guru Arjan organisierte das gesamte Masand System neu. Er ernannte neue Masands die Integrität und Aufrichtigkeit bewiesen, um sich um die weltlichen, als auch die spirituellen Angelegenheiten der Sikh zu kümmern. Masands mussten Daswandh (ein Zehntel des Einkommens) von den Sikh eintreiben, was dann zum Schatz des Guru (Golak) zugegeben, und für die Instandhaltung der Sikh Tempel verwendet wurde.

            Manche Schreiber sind der Auffassung, dass Daswandh unter Zwang eingesammelt wurde. Daswandh wurde nie unter Druck eingetrieben, noch wurde es als ‘Steuer’ angesehen. Was auch immer die Sikh beitrugen, oder heute noch beisteuern, wird aus freiem Willen, mit Liebe und Hingabe gegeben.

            Masands mussten jährliche Besuche nach Amritsar machen, um dort auf dem Baisakhi-Markt Anweisungen vom Guru entgegenzunehmen, und um das gesammelte Daswandh zu übergeben. Man stellte regelmäßige Bilanzübersichten zu diesen Opfergaben, sowie Quittungen aus.

            Abgesehen von finanziellen Pflichten, waren Masands energische Prediger. Für die Initiierungszeremonie war derjenige Charanamrit der am besten geeignetste, der von dem Guru persönlich vollzogen wurde. Da es für den Guru nicht möglich war, körperlich überall anwesend zu sein, wurde das Privileg, neue Mitglieder des Sikh Sangat aufzunehmen, an die ansässigen Missionare übertragen . Dies geschah, indem sie den selbst vorbereiteten Charanamrit ausführten. Dies locket eine große Anzahl von Bekehrten an. Zu Zeiten von Guru Arjan gab es kaum einen Ort in Indien, wo man keine Sikh finden konnte. Masands arbeiteten schwer, um den Sikhismus in jeder Ecke des Landes zu propagieren.

 

VOLLENDUNG DER BAUARTBEITEN:

 

            Guru Arjan vollendete die Ausgrabungen der Teiche Santokhsar und Amritsar. Bhai Buddha, welcher der treueste unter den Jüngern war, wurde dazu bestimmt, die Bauarbeiten zu leiten. So wurde Santokhsar im Zeitraum von 1587-89 fertiggestellt. Nachdem der Teich des Nektars fertiggestellt wurde, legte der Guru in seine Mitte das Fundament für Hari Mandar, heute als Goldener Tempel bekannt. Es wird gesagt, dass die Sikhs wollten, dass Hari Mandar das höchste Gebäude in der Nachbarschaft sein sollte, wogegen der Guru jedoch hielt, “Hari Mandar sollte das niedrigste Gebäude sein, denn was bescheiden ist, soll gepriesen werden. Je mehr Früchte ein Baum trägt, umso mehr neigen sich seine Äste der Erde entgegen.”

            Mian Mir, ein berühmter muslimischer Heiliger, war ein Freund und Anhänger des Guru. Der Guru bat Mian Mir darum, den Grundstein von Hari Mandar zu legen. Dies geschah im Januar 1589. Der Obersteinmetz bewegte den Ziegelstein, um ihn zurecht zu rücken, woraufhin der Guru prophezeite, dass, da der Ziegelstein vom Steinmetz bewegt wurde,  das Fundament des Tempels  in der darauffolgenden Zeit wieder gelegt werden würde. Seine Worte bewahrheiteten sich sogleich, denn Ahmad Shah Abdali zerstörte den Tempel und entweihte den  im Jahre 1763. Zwei Jahre später gelang es der großen Armee der Khalsa jedoch, den Tempel wieder in ihren Besitz zu bekommen, woraufhin der Grundstein ein weiteres Mal gelegt und der Tempel rekonstruiert wurde.

            Hindu Tempel waren auf drei Seiten geschlossen, und ihre Eingänge waren für gewöhnlich gen Osten ausgerichtet, wohingegen moslemische Moscheen ihre Eingänge im Westen hatten. Hari Mandar, der heilige Sikh Tempel, hatte seine Eingänge auf allen vier Seiten, was dafür stand, dass Gott in jeder Richtung präsent war. Außerdem bedeuteten vier Türen in alle Himmelsrichtungen (Osten, Westen, Norden und Süden), dass alle vier Kasten gleichermaßen Zugang zum Tempel hatten. Während die Hindu Tempel nur auserwählten Klassen zugänglich waren, war der Goldene Tempel für all diejenigen offen, die sich Gott zuwandten. Moslemische Moscheen waren nur muslimischen Männern zugänglich, der Goldene Tempel war gleichermaßen für alle Männer, Frauen und Kinder offen, unabhängig von Kaste, Glaubensrichtung, Rasse, Farbe, Geschlecht, Religion oder Nationalität. Das Adi Granth, die Heilige Schrift der Sikh, wurde in die Mitte des Tempels gelegt.

            Als der Bau des Teichs und des Tempels vollendet war, ließ Guru Arjan den folgenden Sabat voll Freude und Dankbarkeit verlauten:

            “Der Schöpfer stand inmitten der Arbeit,

            Und nicht einmal ein Haar eines der Männer wurde berührt.1

            Möge der Guru meine Waschung erfolgreich machen.

            Und mögen alle Sünden durch das Nachsprechen des Namen Gottes

            verschwinden.

            Oh Heilige, Ramdas 2 Teich ist wunderschön,

            Derjenige, der in ihnen badet, soll seine und die Seelen seiner Familie retten,

            Die ganze Welt soll ihm gratulieren,                  

            Und er soll die Belohnung erhalten, die sein Herz ersehnen mag.

            Derjenige, der, während er über seinen Gott meditiert

Hierher kommt, um zu baden, soll sicher und vollkommen sein.

            Derjenige, der im Teich der Heiligen badet

            Soll endgültige Rettung erfahren.

            Wenn er über Gottes Namen meditiert,

            So soll er nicht unter Seelenwanderung leiden.

            Derjenige, dem Gott gnädig ist

            Besitzt göttliches Wissen.

            Die Sorgen und Ängste desjenigen mögen verschwinden

            Der den Schutz Baba Nanaks und Gottes sucht.”

                                                (Sorath Mohalla 5, S. 623)

GOLDEN TEMPLE

Golden Temple, Amritsar City

 

            BEACHTE: An dieser Stelle sollte darauf hingewiesen werden, dass Baden im Teich des Goldenen Tempel allein nicht zur gewünschten Erlösung führen kann. Der obige Sabat sollte nicht als Wallfahrtsritual gebraucht werden. Es handelt sich dabei nicht um eine ledigliche Reise zum heiligen Ort. Der Sikh Glaube lehnt jegliche Zeremonialakte ab. Tatsächlich gibt es zwei Teiche in Amritsar – den äußeren Teich und den inneren Teich. Der Erste ist der äußere voll mit Wasser gefüllt. Es ist gebräuchlich für einen Sikh, jeden Morgen ein Bad zu nehmen, um sich zu säubern und zu reinigen, bevor man sich in die ‘Anwesenheit Gottes’, d.h. Meditation, begibt. Der äußere Teich in Amritsar dient diesem Zwecke. Die Mission eines Sikh ist an dieser Stelle jedoch nicht beendet. Guru Amar Das bestätigt dies:

            'Wenn der Geist sündig ist, so ist alles sündig,

            Indem man den Körper wäscht, wird der Geist nicht rein werden.’

                                                (Wadhans Mohalla 3, S. 558)

 

            Dann gibt es den inneren Teich, der Hari Mandar genannt wird. Dieser Teich ist ‘Gurbani’ – Guru Granth Sahib der voll von ‘Lobpreis und Gebet’ ist – NAM. Nachdem er sein Äußeres im äußeren Teich gewaschen hat, geht ein Sikh zum inneren Teich um seinen sündigen Geist im Teich von Nam zu reinigen. Dies bezeichnet Guru Nanak als Wallfahrt:

            “Wallfahrt ist Nam.”

                                                (Dhanasri Mohalla 1 Chhant, S.687)

 

            Ohne Nam wird das unzählige Eintauchen ins Wasser keine Erlösung bringen. Dieser Prozess der Reinigung des sündigen Geistes im inneren Teich von Nam ist die Voraussetzung für spirituelles Wachstum. Es führt zum Abschluss spirituellen Bewusstseins – einem Durchbruch zu Ewiger Erleuchtung. Nach der Reinigung des inneren und äußeren Selbst erkennt ein Sikh den Ruhm von Nam und betritt ein Stadium ewigen Glückes, wodurch er mit dem Ewigen Wesen verschmelzt. Ein Körper ist tot ohne das Leben, und das Leben selbst ist tot ohne Nam.

            Was ist also dann Amritsar?

            Als es kein Schild von der Stadt Amritsar gab, bat Guru Nanak seine Jünger darum, sich in ‘Amritsar’ zu baden:

 

a)      “Bikhia mal jai amritsar navo

Gur santokh paya.”

                  (Maru Mohalla 1, S. 1043)

            ‘Alle Sünden werden durch das Baden in Amritsar hinfortgewaschen, und durch Gurus Gnade wird Zufriedenheit erlangt.’

                                                (Übersetzung des obigen)

 

b)      “Gur sagar amritsar, jo echhai so phal pai.”

                                    (Maru Mohalla 1, S. 1011-12)

‘Göttliches Wort (Gurbani) ist Amritsar

Wer auch immer darin badet, dem werden seine Wünsche in Erfüllung gehen.’

                                    (Übersetzung des obigen)

 

c)      “Untar nirmal amritsar nai.”

                                    (Asa Mohalla 3, S. 363)

‘Durch das Baden in Amritsar werden Unreinheiten hinfortgewaschen.’

                                    (Übersetzung des obigen)

 

d)      “Undro trisna agan bujhi Har amrtisar nata.”

                                    (Mohalla 3 – pauri, S. 510)

‘Verschwunden das innere Feuer der Sehnsucht

Wenn gebadet in Amritsar.’

                                    (Übersetzung des obigen)

 

         e)   "Meil gaee man nirmal hoa

               Amritsar tirath nai."     

                                                 (Mohalla 3, p-587)

         

”Die Unreinheiten verschwinden und werden rein, wenn man in der Wallfahrt zu Amritsar badet.”

                                                (Übersetzung des obigen)

 

            Alle der oben genannten Verse von Guru Nanak und Guru Amar Das beziehen sich auf  ’Amrtsat’, obwohl es damals noch keine Spur von der Stadt oder von dem Teich von Amritsar gab. Das heisst, dass ’Amritsar’ wörtlich übersetzt den Teich voll Nektar beschreibt, welcher für Gurbani, das Göttliche Wort steht. Deswegen steht die Wallfahrt von Amritsar fur die Wallfahrt, die sich im Geiste abspielt. Die Wallfahrt des Göttlichen Wortes, des NAM. Ohne NAM, kann man sich hundert Mal baden, ohne das die Unreinheiten des Geistes weggewaschen werden:

 

          "Mal haumai dhoti kivai na uterai je sau tirath nai."

                                                     (Sri Rag Mohalla 3, p-39)

           

 

            ‘Der Schmutz von Egoismus wird selbst durch hundert Wallfahrten nicht weggewaschen.’

                                    (Übersetzung des obigen)

 

                        Der Guru sagt, dass ohne Nam, alle anderen Wege zur Erlösung vergeblich wären:

 

           "Nam bina phokat sabh karma jiun bajigar bharm bhulai."

                              (Parbhati Mohalla 1, p-1343)

            ‘Ohne Nam ist alles vergeblich, die Rolle eines Schauspielers ist nicht echt.’         

                                    (Übersetzung des obigen)

                               

            Als der Teich und der Tempel fertiggestellt wurden, wurde viel gefeiert. Enorme Strapazen und Opfer wurden von den Sikhs dargebracht. Der Guru ehrte alle Sikhs, die sich in seinen Dienst gestellt hatten, um das Projekt zu vollenden. Herausragend unter diesen Leuten waren: Bhai Buddha, Bhai Bhagtu, Bhai Bahla, Bhai Kalyana, Bhai Ajab, Bhai Ajaib, Bhai Umar Shah, Bhai Sangho, Bhai

Salho und Bhai Jetha. Bhai Buddha war für den Hari Mandar verantwortlich.

Bahi Bhagtu wurde beauftragt den Sikh Glauben in der Malwa Gegend zu predigen und Bhai Salho wurde zum Leiter der Stadt, um deren Entwicklung zu beaufsichtigen. Die Stadt Ramdaspur wurde zu dieser Zeit Amritsar genannt. Aus dem Grund, dass der Guru dort seinen Wohnsitz hatte und es das Zentrum des Glaubens darstellte, wurde Amritsar das Zentrum für den Sikh Glauben.

           

DIE FEINSELIGKEIT DES PRITHI CHAND:

 

            Wie schon im vorausgehenden Kapitel erwähnt, wurde Prithi Chand von der Guruschaft ausgeschlossen und sie wurde von seinem Vater,  auf Chands jüngeren Bruder, Guru Ram Das, übertragen. Daraufhin wurde Prithi Chand seinem jüngeren Bruder sehr feindlich gesinnt. Er traf sich mit Sulhi Khan, dem Steuerbeamten der Provinz Lahore and sagte, dass er gegen seine jüngeren Bruder eine Beschwerde vorbringen wollte. Die Beschwerde wollte er vor dem Imperator vorbringen und aus dem Grund, weil die Guruschaft auf seinen jüngeren Bruder übertragen wurde. Danach schloss er sich mit den Dorfoberhäuptern aus der Gegend zusammen and erzählte dem Guru Arjan, dass er Anspruch auf den gesamten besitz des Vaters hatte, da er der älteste Sohn wäre. Der Guru gab Prithi darauf den Besitz des Vaters, und gab auch einiges davon an seinen älteren Bruder Mahadev und behielt nur die freiwilligen Spenden der Sikhs.       

            Prithi Khan, vereint mit Sulhi Khan, fand reichlich Gelegenheit, den Guru zu drangsalieren. Aber, Wazir Khan, der Vizeministerpräsident, setzte sich für den Guru ein und bat Sulhi Khan die zwei Bruder zu einem Kompromiss zu bringen. Nachdem Wazir Khan dem Sukhami (dem Lied vom ewigen Frieden, das von Guru Arjan zusammengestellt wurde), zugehört hatte, war er von seinem Wasserbauch geheilt. Deshalb unterstutzte Wazir Khan den Guru. Obwohl es zu einem Kompromiss kam, drangsalierte Prithia den Guru weiterhin, wo er nur konnte. Deshalb entschloss sich der Guru die Stadt Amritsar zu verlassen und das Majha Gebiet zwischen den Flüssen Ravi und Beas zu besuchen.

 

DER GURU REIST, UM ZU PREDIGEN:

 

Zuerst besuchte der Guru Khadur, dann ging er weiter nach Sarhauli, wo er versuchte Land zu kaufen, um sich eine Unterkunft zu bauen.

            Ein Sikh des Dorfes Bhaini lud den Guru dazu ein, ihn zu besuchen. Als der Guru dort ankam, war es schon spät. Die Frau des Sikhs hatte eine Speise zubereitet, die aus einem Stuck Brot mit Butter und Zucker bestand. Sie legte die Speise vor den Guru. Er genoss diese, die mit Liebe und Hingebung zubereitet war. Er blieb dort fur ein paar Tge gab dem Dorf sein eigenes Chola und nannte das Dorf von da an Chola Sahib.   

            Dann besuchte der Guru das Dorf Khanpur, das zwischen Goindwal und der heutigen Stadt Tarn Tran liegt. Er wurde von fünf Sikhs begleitet, Bidhi Chand und Bhai Gurdas inbegriffen. Es war eine kalte Nacht und der Wind wehte sehr stark. Bidhi Chand sah ein hochaufragendes Gebäude und bat den Guru darum, dort hinzugehen. Aber der Guru wies diese Bitte ab, und sagte dass es besser wäre zu bleiben wo sie sind anstatt an einen Ort zu gehen wo das Böse behaust werde. Bidhi Chand war nicht der gleichen Meinung wie der Guru und ging dennoch dorthin und bat die Bewohner um eine Unterkunft für diese Nacht. Aber jene wiesen ihn zurück und nannten den Guru und die Sikh Heuchler. Hema, ein hingebungsvoller Sikh aus dem Dorf, kam und bat den Guru seine bescheidenen Unterkunft zu besuchen und mit seiner Gegenwart zu erfüllen und zu segnen. Als der Guru dessen Liebe und Hingebung erkannte, nahm er seine Gastfreundschaft an. Hema kochte sein bestes Essen für den Guru und seine Sikh. Er nahm seine einzige Decke und gab sie dem Guru, der Hemas Hingebung erkannte und darauf den folgenden Sabat äußerte:

 

            “Sehr schön ist die Hütte, in der Gottes Lobpreisungen gesungen werden, während man die Villa, in der Gott vergessen wurde, nicht betreten kann.

            Selbst in der Armut liegt Freude, wenn man sich in der Begleitung Heiliger an Gott erinnert.

            Möge der Größenwahn, der mit dem Geld verbunden ist, verschwinden!

            Gesegnet soll es sein, eine Mühle zu drehen und nur eine plumpe Decke zu tragen. Wenn das Herz damit zufrieden ist.

            Das Imperium, dass man nicht erreichen kann, bringt keine Freude und Zufriedenheit mit sich, diejenigen  die umherwandern, selbst nackt, diejenigen verdienen die Liebe Gottes. Seide und Satin, das ist doch alles oberflächlich, diese machen den Menschen habgierig. Alles liegt in deiner Macht, Gott: Du bringst uns dazu, wie wir uns verhalten.

            Möge Nanak die Gabe erhalten, Deiner bei jedem Atemzug zu gedenken.“

                                                      (Rag Suhi Mohalla 5, Seite 745)

 

            Der Guru blieb einige Zeit an diesem Ort. Während seines Aufenthalts, ging Hemas Wunsch in Erfüllung und er fand die ewige Ruhe. Nach der Abreise des Gurus schickte der Stellvertreter des Herrschers, der aus irgendeinem Grunde mit den Bewohnern  von Khanpur unzufrieden war seine Armee aus, um das Dorf dem Erdboden gleichzumachen und seine Anführer zu ermorden.

    

            Der Guru zog weiter zum Dorf Khaira, dessen natürliche Umgebung ihn anzog  Die Führer des Dorfes hießen ihn auf das Herzlichste willkommen. Später halfen sie ihm Land von den Dorbewohnern zu erhalten. Dort legte er den Grundstein der heute berühmten Stadt Tarn Taran und machte sich ans Werk, eine Wasserstelle zu errichten. Dies geschah 1590. Der Guru baute unter großen Mühen einen Ofen um die Ziegelsteine brennen zu können. Nur-ud-din, der örtliche Gesetzeshüter beschlagnahmte die Ziegel für den Bau eines Sarai, welcher auf Staatskosten errichtet wurde. Die Sikh ärgerten sich deswegen sehr und verlangten vom Guru dem Herrscher zu schreiben, um der Willkür Nur-ud-dins Einhalt zu gebieten. Der Guru aber weigerte sich, diesem Ereignis Beachtung zu schenken.

Er zog sich ruhig zurück und wartete auf eine bessere Gelegenheit zur Vollendung des Vorhabens. Nach nicht allzu langer Zeit, war das Wasserbecken fertiggestellt.

            Der Guru überquerte dann den Fluss Beas und zog weiter in die Gegend von Jullundhur, wo er Land erwarb, um darauf eine Stadt zu bauen, welche Kartarpur (Stadt des Schöpfers) heißen sollte.

Eigenhändig vollzog er den ersten Spatenstich für den Bau der Stadt und des Brunnens, welcher die Einwohner mit Wasser versorgen sollte. Dieser Brunnen wurde Gangsar genannt.

            Einer Einladung seiner Anhänger folgend, machte er sich auf den Weg nach Nakka. Er besuchte Khemkaran, Chunian und andere Dörfer. Dann gelangte er nach  Jambar und blieb einige Zeit dort. Er fand in dieser Gegend etliche neue Gefolgsleute.

Auf die Einladung seiner Sikh hin, zog er nach Lahore. Menschen aller Kallsen strömten herbei, um ihn zu sehen. Die Yogis Shambhunath, Shah Husain, Shah Suleman und andere kamen um die seelenrettenden, religiösen Unterweisungen  des Gurus zu ersuchen. Der Guru sprach bei dieser Gelegenheit den folgenden Sabat.:

             “O  ihr Weisen, denkt an den Herrn in euren Herzen,

            den wahren König, der euch von Euren Fesseln befreit,

             taucht ein in eure Herzen durch die Regung des Geistes.

             Nichts gleicht dem Anblick Gottes.Du bist die reine Liebe, Du bist der Herr, großartig und unvergleichlich.Reich mir Deine Hand, o Tapferer, Du bist der Einzige, der mir beistehen kann.

            O Schöpfer. Durch Deine Macht, erschufest du die Welt;

            Du bist die Stütze Nanaks.

                                                           (Tilang Mohalla 5, Seite 724)       

 

            Dieser Sabat, hinterließ einen tiefen Eindruck im Geiste des Vizekönigs von Lahore. Er fragte den Guru, wie er ihm zu Diensten sein könne. Mit seiner Zustimmung veranlasste der Vizekönig dann das Graben eines Bawli.

            Hierauf begab sich der Guru zum Schrein von Guru Nanak bei Dera Baba

Nanak. Danach zog er weiter nach Barath, um Sri Chand, Guru Nanaks Sohn, zu besuchen. Schließlich kehrte der Guru nach Amritsar zurück, aber Prithia hörte nicht auf, ihm Schwierigkeiten zu machen. Prithias Ehefrau war tief getroffen und beschwerte sich: “Der älteste Sohn wurde übergangen. Der Jüngste erhielt die Guruschaft und die ganze Welt, sowohl der Herrscher als auch der gewöhnliche Mensch verehren ihn.“ Prithia erwiderte: “Arjan hat keinen Sohn. Sein Wohlstand wird also nur von begrenzter Dauer sein.Unser Sohn Meharban wird der nächste Guru sein.“Die Frau des Gurus hörte dieses Gespräch und berichtete dem Guru davon. Sie betete dafür, dass er ihr einen Sohn schenken würde. Er bat sie, den Worten Prithias keine Beachtung zu schenken, sondern stattdessen weiterhin den Wahren Namen aufzusagen. Eines Tages bat sie den Guru erneut: “O König, jene die deinen Schutz suchen, empfangen das Glück in diesem Leben und das Seelenheil im nächsten Leben. Mein Eheleben wäre am glücklichsten, wenn du mir einen Sohn gewährtest.“

            Der Guru segnetet stets Sikh und dann wurden die meisten Taten des Glaubens durch sie vollbracht. Als seine Frau weiter auf das Geschenk eines Sohnes drängte, sagte er ihr, sie solle zu seinem verehrten Sikh Bhai Buddha gehen und für das ersehnte Geschenk beten.

            Am nächsten Tag machte sich die Frau des Gurus in Hochstimmung auf dem Weg zu Bhai Buddha. Sie nahm ihr Gefolge und die Frauen der Dorfoberen mit sich und ritt in einer prunkvollen Kutsche vor. Sie brachte auch Teller mit Süßigkeiten als Gabe an den Heiligen. Als Bhai Buddha die Prozession sah, bemerkte er: „ Was ist geschehen? Gibt es ein Erdbeben in Amritsar, so dass die Bewohner die Stadt verlassen und hierher kommen?“ Sie stellte die Teller mit Süßigkeiten vor Bhai Buddha und erbat seinen Segen. Bhai Buddha entgegnete: “Verehrte Dame, Ich bin nur ein Diener eures Hauses. Einzig der Guru ist ein Ozean an übermenschlichen Kräften, der jedermanns Wünsche erfüllen kann. Auch bin ich dieser edlen Speisen nicht wert. Äße ich sie, wie könnte ich daraufhin noch daran denken, Gras zu schneiden?“ So kam sie sehr enttäuscht zurück und erzählte dem Guru die ganze Geschichte, der daraufhin bemerkte: “Die Heiligen und den wahren Guru sind nicht erfreut über das zur Schaustellen von Reichtum. Wenn du etwas von ihnen erwünschst, so erscheine nicht in einem Zustand der Überlegenheit, sondern auf bescheidene Weise. Falls du den Segen des Heiligen noch immer ersehnst, bereite Brot mit deinen eigenen Händen und mit Hingabe im Herzen, kleide dich wie ein gewöhnlicher Mensch und mache dich alleine und zu Fuß auf den Weg.“ So wie es ihr vom Guru gesagt wurde, ging sie am nächsten Tag alleine los.

Bei ihrem Anblick rief Bhai Buddha:  “Heil dir, o holde Dame! Gib mir, was du mitgebracht hast.“ Während er aß, sagte er: “Der Guru ist der Besitzer des Warenlagers, aber ich habe Anweisungen erhalten, es zu öffnen. So wie du mir Essen zur Zufriedenheit meines Herzens gegeben hast, so sollst du einen Sohn zur Zufriedenheit deines Herzens bekommen.“Bei ihrer Rückkehr, berichtete sie dem Guru von Bhai Buddhas Gnade.

            Als Prithias von der Schwangerschaft der Frau des Gurus erfuhr, ärgerten sich er und seine Frau sehr darüber und hetzten Sulhi Khan  gegen den Guru auf. Um einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, zog der Guru ins Dorf  Wadali, ungefähr sechs bis sieben Meilen von Amritsar entfernt.

             Am 19. Juni 1595 (am 21. des Monats Har, Sambat 1652),

brachte die Frau des Gurus bei Wadali ihren Sohn3, genannt Har Gobind,  zur Welt. Anlässlich der Geburt seines Sohnes, sprach der Guru den folgenden Sabat:

    

             “Der wahre Guru sandte mir einen Sohn;

             Ein Sohn mit langem Leben ward vom Schicksal geboren worden.

            Als er im Mutterleib heranwuchs,

 

            War das Herz seiner Mutter voller Freude gewesen.

             Das zu Beginn aufgezeichnete Schicksal, hatte sich in allem  erfüllt.

            Auf Geheiß Gottes, war der Sohn im zehnten Monat geboren worden.       

                                 (Asa Mohalla 5, S. 396)

 

 

Nachdem Prithia von der Geburt des Har Gobinds gehört hatte, wurde er sehr traurig. Sie begannen sofort damit, Pläne zu schmieden, um das Leben des Kindes auszulöschen. Es wurden einige Versuche gestartet dies in die Tat umzusetzen. Prithia heuerte ein Kindermädchen an, um das Baby zu vergiften. Sie rieb Gift auf ihre Brustwarzen und ging nach Wadali. In der Zwischenzeit erzählte man sich, dass das Kind aufgrund einer Abneigung aufgehört hatte, die Brust anzunehmen. Das Kindermädchen gratulierte der Frau des Gurus zur Geburt ihres Kindes. Dann liebkoste und hätschelte sie das Baby, während sie versuchte es zu stillen. Das Kind weigerte sich ihre Brust anzunehmen. Aus ungeklärten Gründen fiel das Kindermädchen dann in Ohnmacht und fiel rücklings zu Boden. Als sie wieder zu sich kam, empfand sie Reue und offenbarte, dass Prithia sie darauf angesetzt habe, das Kind zu töten. Diese Geschichte  von der liederlichen Absicht von Prithia wurde von da an überall herumerzählt. 

            Dann heuerte Prithia einen Schlangenbeschwörer an, und verleitete ihn dazu, das Kind zu töten, indem er es einer Kobra aussetzte. Er versprach dem Schlangenbeschwörer sehr viel Geld, sollte es ihm gelingen, den Tötungsversuch erfolgreich durchzuführen. Der Schlangenbeschwörer hatte darauf bald eine Gelegenheit, eine Kobra im Innenhof des Gurus auszusetzen. Man erzählt sich, dass Har Gobind die zischende Kobra in seine Hand nahm und sie sofort tötete.

            Während der Abwesenheit des Gurus kamen Sikhs aus fernen Orten nach Amritsar. Prithia versuchte sie davon zu überzeugen, dass er der wahre Guru sei, jedoch gelang ihm das nicht. Als Har Gobind zwei Jahre alt war, kamen angesehene Sikhs nach Wadali und baten den Guru darum nach Amritsar zurückzukehren, was er dann auch tat.

            Har Gobind bekam sehr ansteckende Röteln. Die Leute des Dorfes schlugen vor, dass der Guru der Gottheit der Röteln Opfergaben darbringen sollte, das lehnte der Guru jedoch ab. Er hingegen zog es vor, den wahren und einzigen Gott zu verehren, welcher der Erschaffer von allem sei und er der einzige zu Wertschätzende sei. Der Guru äußerte daraufhin viele Sabats in Rag Bilawal und Sorath, in denen er die Krankheit seines Sohnes ansprach. Durch die Gnade Gottes, erholte sich Har Gobind innerhalb weniger Tage.

            Prithia versuchte es dennoch wieder und verleitete Har Gobinds männliches Kindermädchen dazu, das Kind zu vergiften. Am nächsten Tag, füllte er Gift in die Milch des Babys. Das Kind jedoch drehte sich von der Milch weg und weigerte sich, die Milch zu trinken. Der Diener versuchte das Kind mit Liebkosungen dazu zu bringen die Milch zu trinken, doch auch das half nichts. Als das Kind anfing zu weinen, wollte der Guru den Grund dafür wissen. Der Diener erwiderte, dass das Baby seine Milch nicht trinken wolle und als er es dazu bringen wollte, sie zu trinken, fing das Baby an zu schreien. Dann versuchte der Guru selbst dem Kind die Milch zu geben, doch auch ihm gelang es nicht. Daraufhin gab der Guru seinem Hund eine Kostprobe der Milch . Ihm wurde sogleich schlecht davon und er fiel zu Boden. Dem Diener wurde seine schlechte Tat bewusst und er beichtete dem Guru von Prithia’s Tötungsabsichten.

            Prithia war außer sich vor Wut und ging mit Sulhi Khan nach Delhi, um sich beim Kaiser über den Guru zu beschweren. Vor Beginn seiner Reise versuchten Mahadev, der andere Bruder des Kaisers und Bhai Gurdas, Prithias zu beschwichtigen, doch dieser wollte nicht hören. Sulhi Khan trug dem Herrscher seine Beschwerde vor, der daraufhin beschloss sich nicht in die Angelegenheiten religiöser Männer einzumischen und außerdem sagte er, dass er nicht an die gemachten Anschuldigen glaube. Prithia war sehr enttäuscht.

            Als Har Gobind alt genug war, unterrichtet zu werden, gab man ihn in die Obhut von Bhai Buddha. Dieser lehrte ihn in angemessener Weise und brachte ihm auch die Kunst der Verteidigung, des Angriffs, des Reitens, der Chemie, der Astronomie, der Medizin, des Ackerbaus, des Verwaltens, und anderer Wissenschaften bei. Der Guru erwies sich Bhai Buddha als äußerst dankbar für dessen erfolgreichen und leicht verständlichen Unterricht.

 

DIE ZUSAMMENSTELLUNG DES ADI GRANTH:

 

            Prithia schrieb seine eigenen religiösen Hymnen, die er als Kompositionen von Guru Nanak und seinen Nachfolgern ausgab. Das einfache Volk war nicht gebildet genug, um diese Hymnen von den wahren Hymnen zu unterscheiden. Guru Arjan hielt es deshalb für angebracht, Regeln für seine Anhänger bezüglich deren täglicher Pflichten aufzustellen. Somit begann er Regeln für das Adi Granth zusammenzustellen. Darum suchte er sich eine einsame Stelle außerhalb der Stadt, die heutzutage Ramsar genannt wird. Dort wurde eine Wasserstelle ausgehoben und Zelte wurden zum Zweck einer Unterkunft aufgestellt. Guru Arjan wohnte neben der Wasserstelle und diktierte Bhai Gurdas Hymnen, welcher diese dann niederschrieb.

Die Verse waren gemäß des Raga und musikalischer Einheiten angeordnet. Die Hymnen der ersten Gurus standen an erster Stelle und hießen Mohalla 1 (gelesen als Mohalla Pehla), dann kamen die des zweiten Gurus: Mohalla II (Mohalla Duja) usw. danach kamen die Verse der Bhagats oder der Indischen Heiligen. Die Hymnen des Adi Granth wurden deshalb den dreißig Indischen Klassischen Ragas nach angeordnet (In der Endversion, so wie sie heute ist, gibt es 31 Ragas. Das einunddreißigste Raga wurde vom neunten Guru geschrieben, der später kam).

            Als der Guru fertig war, schrieb er das Madawni als Schlusswort und befestigte sein Siegel:

              

            “Drei Dinge wurden in das Gefäß4 gelegt - Wahrheit, Geduld

            und Meditation.

Der liebreizende Name Gottes, die Unterstützung von allem,

            wurde auch hineingelegt.

Der, der sie isst und verdaut, der soll errettet werden.

Die Vorschrift soll niemals gebrochen werden; umklammert sie

            mit euren Herzen.

Dadurch, dass wir uns an Gottes Füße erinnern, dadurch

überschreiten wir die Welt der Maya;

 

 

Nanak, die Verbreitung Gottes bedeutet alles.“

                                                (Mundawni Mohalla 5, S. 1429)

 

Danach äußerte der Guru den folgenden Slok:

    

            ”Ich kann nicht wertschätzen, was Du für mich getan hast, und

            trotzdem hast Du mich wertgeschätzt.

            Ich habe keine Tugenden; ich habe keine Vorzüge, und

            dennoch hast Du Mitgefühl mit mir.

            Du zeigst mir Mitgefühl und erweist mir Güte; Ich habe den

wahren Guru gefunden, meinen Freund.

            Nanak, wenn ich den Namen erhalte, so soll ich leben und

            mein Körper und meine Seele sollen erfrischt werden.“

                                                (Slok Mohalla 5, S. 1429)

 

            Ein Moslem wird wohl die Hymnen eines hinduistischen Heiligen nie gerne lesen, genauso wenig wie ein Hindu die religiösen Verse eines moslemischen Heiligen nie gerne lesen wird. Zur damaligen Zeit war es einem heiligen Hindu, der in einer niederen Position im Kastensystem geboren wurde, nicht erlaubt, in den Hindutempel zu gehen. So ein religiöser Fanatismus beherrschte diese Zeit.  Deshalb schuf Guru Arjan einen Ozean, in den alle Flüsse und kleineren Bäche münden konnten und die Erscheinung des Ozeans selbst übernahmen. Die Gestaltung eines solchen Ozeans wurde am ersten Bhadon Vadi 1661 (am 15. August 1604 A.D.) verwirklicht und wurde Adi Granth genannt. Diese Bibel war mitnichten eine Bibel nur für die Sikh, sondern sie galt für alle Religionen. Sie beinhaltete keine Biographien und Erlebnisse der Gurus, sondern einzig und allein die Ewige Wahrheit, wirklich jedes Wort war dem Einzigen Allmächtigen Gott gewidmet.

 

            Das Werk Adi Granth bestand aus Hymnen der ersten fünf Gurus (4.840 Hymnen), 15 Bhagats (778 Hymnen) - hinduistischen Heiligen (Brahmanen ebenso wie Sudras) und moslemischen Sufis. Diese Heiligen waren  Beni, Bhikhan, Dhanna, Farid, Jai Dev, Kabir, Nam Dev, Parmanand, Pipa, Ramanand, Ravidas, Sain, Sadhna, Sur Das und Trilochan. Es beinhaltete weiterhin die Hymnen von 11 Sängern (Bhats oder Bards, 121 Hymnen, manche sagen, es gibt 123). Diese Sänger waren alle Brahmanen und wurden dann Sikh des Gurus, sie hießen- Kal, Jalap, Bhika, Sal, Bhal, Nal, Bal, Gyand, Mathura, Kirat und Harbans. Es handelte auch von Vars von Satta and Balwand, Ramkali Sadd von Baba Sundar und Sabate von Bhai Mardana, dem Sänger Nankas (17 Hymnen).

Insgesamt gibt es 5.756 Hymnen, manche sagen es gibt 5.758.

 

            Am ersten Bhadon Sudi, Sambat 1661 (am dreißigsten August 1604), wurde das Adi Granth im Hari Mandar (der Goldene Tempel  in Amritsar) eingeführt und Bhai Buddha wurde zum ersten Granthi (Priester) ernannt. Das Buch wird aufs Geratewohl geöffnet und der erste Absatz wird vom Beginn (oben) der linken Seite an gelesen . Somit ergibt sich der Göttliche Befehl des Tages. An jenem Tag erhielt man folgenden Befehl:

 

“Gott selbst ist gekommen um die Aufgabe seiner Heiligen zu

erfüllen.

Er selbst ist gekommen, um Unsere Aufgaben zu erfüllen.

Und nun ist das Wasserbecken der Erde gesegnet und der

Nektar Gottes, mit dem es gefüllt ist.

Randvoll mit Gottes Nektar,  ist der Segen Gottes perfekt über

uns und alle unsere Wünsche werden wahr.

Und unser Sieg ertönt laut durch das Universum , und all

unsere Sorgen sind verschwunden.

Die Vedas und Puranas erzählen von dem Perfekten,

Alleskönnenden, Ewigen, und Unvergänglichem Gott.

Gott hat sein angeborenes Wesen akzeptiert und Nanak hat

über Gottes Namen meditiert.“

                                    (Suhi Moh. 5, S. 783)

 

 

 

DIE EIFERSUCHT DES PRITHIA CHAND GEHT WEITER:

           

            Prithia wandte sich an diejenigen Qazis und Pandits, die eine feindliche Gesinnung gegen den Guru wegen der Zusammenstellung des Adi Granth hegten. Deshalb verleitete er sie dazu, beim Herrscher eine Beschwerde vorzubringen, die daraus bestand, dass der Guru ein Granth zusammengestellt hatte, die moslemische und hinduistische Propheten verschmähte. Daraufhin ließ der Herrscher nach dem Guru und dem Granth schicken. Der Guru selbst ging nicht dorthin, aber er sandte Bhai Buddha und Bhai Gurdas, die dem Herrscher aus dem Granth vorlesen sollten. Ihm wurden zahlreiche Verse (Sabats) vorgelesen und der Herrscher fand großen Gefallen daran. Er sagte: “Außer Liebe und Hingebung zu Gott, finde ich weder Lobpreis noch Beschuldigungen an irgendjemanden im Granth. Das Granth ist es wohl wert daraus vorzulesen. Die Verleumder und Feinde des Gurus waren fassungslos. Akbar gab Bhai Budda und Bhai Gurdas die Siropas (Kleidung der Ehre) und versprach, den Guru auf seinem Rückweg von Lahore zu besuchen.    

            Wie versprochen, besuchte Akbar den Guru auf seiner Rückreise nach Delhi. Er war entzückt und fasziniert von der geistlichen Haltung des Gurus. Der Herrscher nahm die Gastfreundschaft des Gurus an und bat ihn, dazu beitragen zu dürfen, das geistige und weltliche Wohlergehen und Glück zu sichern. Der Guru antwortete: “Das Wohl und die Glückseligkeit der Monarchen hängt von der Wertschätzung und der Gerechtigkeit ab, die sie ihren Untertanen entgegenbringen.“ Der Guru erzählte ihm dann von der schlimmen Hungersnot, die zu dieser Zeit im Land herrschte, und dass die Landwirte den Herrscher um seine Unterstützung bitten würden. In diesem Jahr erließ der Herrscher die Steuern im Punjab. Die Berühmtheit und der Einfluss des Gurus wuchs an der Ehrerbietung, die ihm der Herrscher dargebracht hatte. Natürlich wurde Prithia darüber noch verbitterter.     

                                                           

 

DAS MÄRTYRERTUM DES GURU ARJAN: 

 

            Während der Guruschaft von Arjan, wurden Massen zum Sikhismus in Punjab und in zahlreichen anderen Teilen in Indien und sogar in den Nachbarländern bekehrt.

Man erzählt sich, dass die Rajas von Kulu, Suket, Haripur und Chamba den Guru besuchten, wie auch der Raja von Mandi. Das Ansehen und der Einfluss des Gurus verbreitete sich immer mehr.

            Zu dieser Zeit war Chandu Lal der Diwan oder Finanzberater des Herrschers Akbar. Er war ein Khatri im Kastensystem und kam ursprünglich aus dem Dorf Rohella welches in Gurdaspur, einer Region im Punjab liegt. Seine amtlichen Pflichten machten einen Aufenthalt in Delhi notwendig. Er hatte eine jüngere Tochter, die außergewöhnlich schön war. Ihre Mutter sagte deshalb eines Tages zu ihrem Vater: “Unsere Tochter wird bald reif für die Ehe sein, wir sollten uns nach einem Mann für sie umsehen.“ Deshalb sandte Chandu Lal den Priester und den Friseur der Familie aus, um einen passenden Mann für seine Tochter zu finden. Der Priester und der Friseur suchten jede Stadt in Punjab ab, aber dennoch fanden sie keinen passenden Partner für das Mädchen. Eines Tages bestand die Frau von Chandu darauf, dass sie ihre Bemühungen fortsetzen sollten. So wurden die Beiden erneut losgeschickt. Sie suchten und suchten und als sie nach Lahore kamen, hörten sie von dem jungen Sohn des Gurus, Har Gobind. Sie gingen nach Amritsar und fanden, Har Gobind sei der passendste Partner für das Mädchen. So kehrten sie zurück und überbrachten Chandu sofort die Nachricht. Sie erzählten ihm von der Außergewöhnlichkeit Har Gobinds und dass sein Vater  außerordentlichen Respekt bei den Einwohnern der Stadt Amritsar genoss. Chandu gefielen die Lobpreisungen auf den Guru nicht und so fragte er den Priester und den Haarschneider5: “Seht ihr ihn auf gleicher Stufe mit mir? Die Kaste des Gurus ist weit unter meiner. Der Guru ist steht unter mir im Kastensystem. Wollt ihr Perlen vor die Säue werfen? Wo stehe ich, der Finanzminister des Reiches; und wo steht der Guru, selbst wenn er bei seiner Anhängerschaft große Verehrung genießen möge?“

             Nachdem Mann und Frau darüber die ganze Nacht diskutiert hatten, wurde entschieden, dass Sada Kaur (ihre Tochter) Har Gobind heiraten sollte. Deshalb wurden die Hochzeitsgeschenke nach Amritsar entsandt.

           

Es kam den Sikh zu Ohren, dass Chandu abfällige Bemerkungen über den Guru gemacht hatte. Sie entsandten einen Boten mit einem Brief, der von den Äußerungen Chandus handelte, zum Guru und baten ihn, Chandus Bund mit ihm zurückzuweisen. Die Sikh aus Delhi, so wie aus Amritsar beteten, dass der Bund mit einem solchen hochmütigen Kopf wie Chandu nicht akzeptiert werde. Der Guru wurde dazu verpflichtet den Rat der Sikh anzunehmen und mit äußerster Demut erklärte er dem Priester und dem Friseur: “Ich bin mit meinem bescheidenen Grundstück zufrieden und ich wünsche keine Verbindung mit dem großartigen Chandu. Man sollte keine Perlen vor die Säue werfen.“

            Während die Kuppler noch immer versuchten den Guru zu beschwichtigen,

stand ein Sikh namens Narain Das, ein Enkelkind des Bhai Paro (eines berühmten Sikh des Gurus Amar Das) bei der Versammlung und flehte den Guru an: “Oh König, ich bin der Staub deiner Lotusfüße. Ich habe eine Tochter, die meine Frau und ich deinem Sohn versprochen haben. Solltest du sie zur Sklavin deiner Füße machen, so schätze ich mich als glücklichen Mann. Ich bin ein armer, ehrenloser Sikh, aber dein ist die Kunst der Verehrung der Ehrenlosen.“ Der Guru antwortete: “Hast du Liebe in deinem Herzen, so ist  dein Vorschlag für mich annehmbar.“ Narain Das ging sofort los und kaufte die Hochzeitsgeschenke und die Verlobung wurde initiiert. Daraufhin stand ein anderer Sikh, Hari Chand auf und rief aus: “Oh wahrer König, ich habe versprochen meine Tochter deinem Sohn zu geben. Wenn du meine Bitte annehmen möchtest, so möchte ich dir meine Tochter als Sklavin für Har Gobind geben.“ Der Guru, der zuerst keine zweite Frau für seinen Sohn annehmen wollte, wusste, dass er das Angebot eines gläubigen Sikh6 nicht ausschlagen konnte.

           

Das Ganze passierte vor den Augen der Kuppler, die nach Delhi zurückkehrten und ihren Herrn mit den traurigen Nachrichten enttäuschten. Chandu war sehr erregt und schrieb einen Brief an den Guru, in dem er sich für seine gedankenlose Ausdrücke entschuldigte. Er flehte den Guru an, seinen Bund mit ihm zu akzeptieren. Dann werde er seiner Tochter auch viel Mitgift vererben und dem Guru würden vom Kaiser sehr viele Gefallen erwiesen werden. Zuletzt schrieb er ihm, dass er mit seinem Bruder Prithia Chand bereits ein schlechtes Verhältnis hätte und wenn er jetzt auch noch zu ihm ein schlechtes Verhältnis hätte, so könnte das ein Feuer entfachen, welches nur schwer zu löschen sei.

            Er entsandte den Brief mit dem Priester. Der Guru sagte, nachdem er den Brief gelesen hatte: “Der Hochmut ist es, der den Menschen ruiniert Er büßt für seine Sünden. Denn jene, die in den Bund Gottes treten, sind in ihm vereint, jene aber, die

in den Bund der Menschen treten, sind es nicht. Die Regel besagt, dass sich der Guru

nach den Wünschen der Sikhs zu richten hat. Ihre Worte sind unveränderlich7

Als Antwort auf seine Drohungen, möchte ich sagen, dass ich keine Angst habe, denn Gott beschützt uns alle.“Der Priester kehrte mit dieser Nachricht zurück. Dies veranlasste Chandu dazu, üble Machenschaften gegen den Guru auszubrüten.

            Der Kaiser Akbar starb kurz danach und sein Nachfolger wurde sein Sohn Jahangir. Akbar hätte lieber seinen Enkelsohn Khusro, statt seines eigenen Sohnes auf dem Thron gesehen. Khusro forderte Punjab und Afghanistan, welche ihm sein Vater zu geben nicht bereit war. Jahangir befahl Khusro festnehmen zu lassen, doch er entkam und floh nach Afghanistan. Auf seinem Weg dorthin, besuchte er den Guru in Tarn Taran und erzählte ihm, dass er keine Freunde hätte, dass er hilfsbedürftig und arm sei und außerdem das Geld für die Reisekosten nicht aufbringen konnte. Deshalb bat er den Guru um finanzielle Unterstützung.8

Khusro hatte den Guru erst vor kurzem in Begleitung seines Großvaters Akbar besucht und deshalb kannte ihn der Guru gut. Außerdem wurde im Haus des Gurus jeder, egal ob Freund oder Feind, König oder Bettler, gleich behandelt. Der Guru wusste, was auf ihn zukam, aber als er die Notlage des Prinzen erkannte, gab er ihm Geld. Als er versuchte, Jehlum zu durchqueren, wurde Khusro jedoch festgenommen und von der Armee seines Vaters in Ketten zurückgebracht.

            Prithia unterstützte Sulhi Khan weiterhin und arbeitete mit ihm zusammen. Unter dem Vorwand, Steuern in Punjab einzutreiben, erhielt Sulhi Khan Ausgang vom Kaiser. Unterwegs  traf er auf Prithia in dessen Dorf Kotha, wo sie Pläne für die Zerstörung des Gurus ausheckten. In der Zwischenzeit jedoch, zeigte Prithia Sulhi Khan seine Ziegelöfen. Dabei  kam Sulhi Khan durch einen Unfall ums Leben, da er aus Versehen in einen heißen Ziegelofen fiel.

            Prithia war sehr traurig über den Tod seines Verbündeten.

Unter diesen Umständen kam ihm Chandu zu Hilfe und füllte die Lücke, die Sulhi Khan hinterlassen hatte. Chandu schrieb Prithia und sagte ihm, dass er doch seinen Einfluss dazu nutzen sollte, seine Tochter mit Har Gobind zu vereinen, um so ein Bündnis mit dem Guru zu schaffen. Prithia erklärte sich dazu bereit, Chandu  bei seinen üblen Plänen gegen den Guru zu unterstützen. Er schrieb ihm zurück, dass der Guru ihn um seine Guruschaft gebracht hätte und er ihn sowieso als Feind ansehe. Es würde ihn nur all zu sehr erfreuen, ihm dabei zu helfen, dem Guru eine angemessene Lektion zu erteilen. In seinem Brief flehte er Chandu an, seinen Einfluss auf den Herrscher auszunutzen, damit der Guru endlich angemessen betraft werde. Also schmiedeten die beiden einen Plan, der den Herrscher dazu verleiten sollte  Punjab zu

besuchen.  Dort hätten sie dann die Gelegenheit ihre Intrigen in die Tat umzusetzen.

            Chandus Plan war zunächst erfolgreich und eine kurze Zeit später kam der Imperator dann auch ins Punjab. Chandu erzählte dem Herrscher, der Guru Arjan versuche, das Punjab zu beherrschen, indem er Diebe unterstütze und sich selbst als Herrscher sähe und somit die Autorität des Herrschers untergrub. Daraufhin sandte der Herrscher durch Sulabi Khan, einen Neffen des verstorbenen Sulhi Khan, den Befehl aus, dass der Guru von solchen Praktiken absehen möge. Auf seinem Weg nach Amritsar, geriet Sulabi Khan in eine Konfrontation mit Pathans und wurde dabei getötet.  Als Chandu vom Tod von Sulabi Khan hörte, überzeugte er den Herrscher davon, dass dies durch üblen Machenschaften des Gurus geschehen wäre. Er fügte außerdem hinzu, dass der Guru solche Praktiken schon vorher angewandt hätte. Zum Beispiel hätte der Guru seinen älteren Bruder Prithia Chand um die Guruschaft gebracht. Überdies wäre er auch bestrebt, die Hindus und die Moslems um ihre Religion zu bringen. Der Herrscher ließ sofort nach Prithia schicken, welcher über die Einladung des Herrschers hocherfreut war. So bereitete er sich vor, zum Herrscher zu gehen. Nach dem Abendessen aber bekam er Bauchkrämpfe  und starb noch in derselben Nacht.

            Meharban, der Sohn Prithias, verlor keine Zeit und überbrachte Chandu die Nachricht vom Tod seines Vaters. In der Folge berichtete Chandu dem Herrscher und erzählte ihm auch, dass der Guru seinem Sohn Khusro versprochen hätte, dass er Herrscher werden würde. Man erzählte dem Kaiser weiterhin, dass die Pundits und Qazis sehr aufgebracht über die Erstellung des Adi Granth waren, welche sich über die Regeln der Lobpreisung der Hindus und das Gebet und das Fasten der Moslems lächerlich machte. Aufgrund dieser Anschuldigungen, verleitete Chandu den Herrscher dazu, Guru Arjan vor Gericht zu laden.

    

            Der  Kaiser Jahangir schreibt in seiner Autobiographie:

           

“In Goindwal am Fluss Byah (Beas)  gab es einen Hindu, namens Arjan, der sich so sehr hinter den Gewändern von Heiligtum versteckte, dass er damit viele der einfachen und primitiven Hindus, sogar die ignorante und dumme Anhängerschaft des Islam, mit dem, was er tat, so sehr in die Irre führte, dass sie aus lauter Kehle dessen Heiligkeit in die Welt hinausprusteten. Sie nannten ihn Guru und aus allen Richtungen kamen dumme Leute herbei, um diesem Lob zu preisen und ihm die Treue zu schwören. Drei oder vier Generationen (von heiligen Nachkommen) lief das so ab. Ich dachte oft daran, dies zu unterbinden und ihn vor den Rat des Islams zu bringen.

 

Zum Schluss, als auch Khusro diesen Weg einschlug, entschied dieser unbedeutende Mann auf Khusro zu warten. Khusro hielt bei dessen Haus an. Der Guru kam heraus und Khusro erwies ihm die Ehre. Er verhielt sich in Khuros Nähe  besonders auffällig/anders als sonst und malte ein Zeichen aus Safran auf dessen Stirn, welches die Inder Qasqua nennen und welches als Gunst angesehen wird. Als ich dies hörte, erkannte ich seine Ketzerei und befahl, dass dieser zu mir gebracht werde und nachdem ich seine Häuser, seine Unterkünfte und Kinder Murtaza Khan (Sheikh Farid Bukhari) übergeben und sein ganzes Hab und Gut beschlagnahmt hatte, befahl ich dessen Tod, bei dem er furchtbare Qualen erleiden sollte.“

            Die folgenden Ereignisse führten zum Märtyrertod des Gurus:

 

            Zunächst war da sein älteren Bruder, Prithi Chand, der sein Leben damit verbrachte den Guru in jeder erdenklichen Weise zu verletzen. Eine weitere Ursache war Chandus Feindseligkeit, die daher rührte, dass seine Tochter Har Gobind nicht heiratete und somit nicht in ein Bündnis mit dem Guru trat. Diese Männer, deren Herzen voller Eifersucht waren, heckten die Geschichte von Khusro aus, um den Zorn des Herrschers Jahangir auf den Guru anzustacheln. Dadurch gossen sie Öl ins brennende Feuer. Neben diesen Ereignissen war es natürlich auch der wachsende Einfluss des Gurus auf die Hindus und Moslems, die er bekehrte, der den Pundits (Brahmanen) und Qazis (moslemische Priester) ein Dorn im Auge war. Die Erstellung des Adi Granth wurde als schwerer Angriff auf andere Religionen angesehen. Unter all diesen Umständen fiel der Guru Arjan der Intoleranz und der Unmenschlichkeit des Mohammedanischen Herrschers zum Opfer.

            Bevor er nach Lahore aufbrach, ernannte der Guru seinen Sohn Har Gobind zu seinem Nachfolger und erteilte ihm eine angemessene Einweisung. Er nahm fünf Sikh, Bhai Bidhi Chand, Bhai Langaha, Bhai Piara, Bhai Jetha, und Bhai Pirana mit sich. Manche Autoren schreiben, dass der Imperator Jahangir nach Kaschmir gereist war, bevor der Guru nach Lahore kam.

            Der Herrscher Jahangir wandte sich an den Guru: “Du bist ein Heiliger, ein großartiger Lehrer, und ein heiliger Mann; Du siehst alle, ob reich oder arm, als gleich an. Darum stand es dir nicht zu, meinem Feind Khusro Geld zu geben. Der Guru erwiderte: “Ich sehe alle Menschen, ob Hindu oder Moslem, ob reich oder arm, ob Freund oder Feind, als gleich an; aus diesem Grund gab ich deinem Sohn Geld für seine Reise, und nicht weil er dir feindlich gesinnt war. Wenn ich ihm in seiner aussichtslosen Lage nicht geholfen hätte, und deinem Vater, dem Herrscher Akbar selbst, auf diese Weise meine Achtung nicht erwiesen hätte, hätten mich alle für herzlos und undankbar gehalten oder sie hätten gesagt, dass ich vor dir Angst hätte. Und das sieht einem Nachfolger des Guru Nanaks nicht ähnlich.“

Die Antwort des Gurus milderte Jahangirs Zorn nicht und er befahl dem Guru zwei Lakh Rupien zu bezahlen (zweihunderttausend Rupien), und gleichzeitig alle Hymnen aus der Granth zu nehmen, die gegen die Religion der Hindus und der Moslems gerichtet waren. Der Guru antwortete: “All mein Geld, das ich besitze, ist für die Armen, die Fremden und für die ohne Freunde bestimmt. Wenn du um Geld bittest, so nimm alles was ich habe; aber wenn du das Bezahlen meiner Strafe forderst, so werde ich dir keinen Penny geben, denn eine Strafe wird nur den lasterhaften, weltlichen Menschen dieser Welt auferlegt, nicht den Priestern oder Heiligen. Und um auf das Granth zurückzukommen, es steht mir nicht zu die Hymnen des Granth zu löschen oder zu ändern. Ich verehre den Unsterblichen Gott; es gibt keinen Herrscher außer ihm; und was er den Gurus, angefangen mit Guru Nanak bis zu Guru Ram Das und später mir, offenbart hat, das steht im heiligen Granth.

Die Hymnen im Adi Granth sind weder respektlos gegenüber den Hindus noch gegenüber den Moslems. Gewiss, es wird gesagt, dass Propheten, Priester und Wiedergeburten die Handschrift des Unsterblichen Gottes tragen, dessen Ewigkeit keiner begreifen kann. Mein Hauptanliegen ist es, die Wahrheit zu verbreiten und die Falschheit zu zerstören; wenn es hilft dieses Ziel zu erreichen, und wenn ich deshalb meinen sterblichen Körper verlassen muss, dann werde ich es als mein Glück annehmen.“

            Der Herrscher ging daraufhin fort und der Guru wurde unter die Aufsicht des Chandu gestellt. Manche Schreiber meinen, dass die Hinrichtung des Gurus der eines Steuersünders glich.

Es scheint so, als ob diese Schreiber keine Ahnung von der Tradition der Sikh haben. Als die Sikh von Lahore von den zweitausend Rupien Strafe erfuhren, entschieden sie, das Geld für die Freilassung des Gurus zu beschaffen. Der Guru sprach daraufhin eine strikte Warnung an seine Sikh aus: wer auch immer versuche die Strafe für ihn zu bezahlen, wäre kein Sikh mehr. Der Guru tat dies aus Prinzip und nicht wegen der zweitausend Rupien, die man in einer kurzen Zeitspanne hätte aufbringen können. Strafen sind für Diebe, Räuber, Verleumder, und die Lasterhaften. Männer, die sich der Religion verschrieben haben, gehören nicht in diese Kategorie. Es entbehrt daher jedweder Grundlage, dass seine Hinrichtung der eines Steuersünders glich. Die Qazis und Brahmanen baten dem Guru Alternativen zur Hinrichtung an. Diese bestanden darin, die angeblich anstößigen Stellen aus dem Adi Granth zu streichen und stattdessen die Lobpreisungen Mohammeds und der Hindu Gottheiten aufzunehmen. ,

Der Guru wich keinen Fingerbreit von seiner Meinung ab.

            Guru Arjan musste sich auf eine rote, heiße Eisenpfanne setzen, heißer Sand wurde über seinen nackten Körper geschüttet. Er wurde in einen rotglühenden Kessel gesetzt, und wurde in kochendem Wasser gebadet. Der Körper des Gurus verbrannte und war mit Blasen übersäht.

            Sein Freund und Verehrer, Mian Mir, ein moslemischer Heiliger, eilte, um ihn zu sehen. Als er die schrecklichen Szenen vor sich sah, schrie er laut: “Oh, Meister! Ich kann es nicht ertragen, zu sehen welch schreckliches Leid Euch zugefügt wird. Wenn ihr es mir erlaubt, werde ich die Herrschaft dieses Tyrannen zerstören (Man sagt, dass Mian Mir zu dieser Zeit magische Kräfte gehabt hätte).“

            Der Guru lächelt ihn an und bat Mian Mir gen Himmel zu blicken. Man erzählt sich, dass Mian Mir Engel sah, die um Erlaubnis baten,  die Bösen und Stolzen vernichten zu dürfen. Der Guru wandte sich an Mian Mir: “Mian Mir, du bist zu schnell beunruhigt. Dies ist der Wille meines Meisters (Gott) und ich gebe mich mit größter Freude Seinem Süßen Willen hin.“ Der Guru wiederholte die Strophe und erklärte die Bedeutung anhand eines Beispiels:    

 

"Tera kia meetha lagei

 Har Nam padarath Nanak mangei."

                                    (Asa Mohalla 5, p-394)

Süß ist dein Wille, mein Gott

Nanak  erhielt das Geschenk Nam.“

(Übersetzung des obigen Verses)

 

Der Guru nahm die Qualen mit Gleichmut hin und ließ weder einen Seufzer noch ein Stöhnen verlauten.

Der Guru ließ sich nicht aus der Ruhe bringen!

Der Guru blieb still und unbewegt/ungerührt wie ein Meer!

Der Guru war in einem Zustand absoluter Glückseligkeit!

Dies war das Wunder des Herrn -ein noch nie da gewesenes

Beispiel in der Geschichte der Menschheit.

 

            Mian Mir fragte ihn, warum er denn Qualen durch die Hände abscheulicher Sünder litt, wo er doch übermenschliche Kräfte besaß?

Der Guru antwortete: “Ich halte diese Qualen aus, um für alle Lehrer des Wahren Namens ein Zeichen zu setzen, auf dass sie in der Not nie die Geduld oder den Weg zu Gott verlieren mögen.  Die wahre Prüfung des Glaubens findet in der Stunde des Elends statt. Ohne Beispiel das sie leitet, lassen gewöhnliche Menschen inmitten des Leids den Mut sinken.“ Daraufhin ging Mian Mir fort, wobei er die Stärke des Gurus lobpreiste und Gebete für ihn sang.

            Man wandte sich wieder an den Guru, damit er den Forderungen seiner Feinde nachgebe. Als man ihm mit noch mehr Qualen drohte, erwiderte er: “Oh ihr Narren! Ich werde niemals Qualen fürchten. Dies alles geschieht durch den Willen Gottes, jedes Leid wird mir somit zum Vergnügen.“

Man erzählt sich, dass er daraufhin den folgenden Sabat sprach:

“Das Ei des Aberglaubens ist geborsten; der Geist ist erleuchtet;

Der Guru hat die Fesseln von den Füßen genommen und die Gefangenen befreit.

Meine Seelenwanderung hört hier auf.

Der heiße Kessel ist kalt geworden; der Guru hat den kühlen

Namen der Welt gegeben..

Seit der heilige Mann mit mir ist, haben mich die Schergen des

Todes, die mir auflauerten, verlassen.

Ich wurde von jenem losgelöst, der mich beherrscht hat; Was

soll mir der Richter jetzt noch anhaben?

Die Last des Karma ist von mir gefallen; davon bin ich jetzt frei.

Vom See aus habe ich das Ufer erreicht; Der Guru hat mir

diesen Gefallen erwiesen.

Wahr ist mein Ort, wahr ist mein Sitz und die Wahrheit machte

ich zu meinem Hauptanliegen.

Die Wahrheit ist das Kapital; die Wahrheit sind die

Warenbestände, die Nanak in sein Haus gestellt hat.“

(Maru Mohalla 5, Seite 1002)

 

Chandu wollte ihn in frischer Kuhhaut ersticken, in die er eingenäht werden sollte. Stattdessen bat der Guru ihn um ein Bad im Fluss Ravi, der an den Mauern der Stadt Lahore entlang floss. Chandu  genoss den Gedanken, dass der mit Blasen übersäte Körper des Gurus, im kalten Wasser noch größeren Schmerzen ausgesetzt wäre und so erlaubte er ihm, im Fluss zu baden. Die Soldaten wurden als Begleiter des Gurus mitgeschickt. Die Schüler des Meisters sahen ihn. Er betrachtete sie und verbat ihnen noch immer jegliche Einmischung. Er sagte: „So ist der Wille meines Gottes, gib dich dem Göttlichen Willen hin, bewege dich nicht und bleib ruhig trotz allen Leids.“

            Viele Menschen sahen den Meister im Wasser stehen und dann untertauchen. Lo! Das Licht verband sich mit göttlichem Licht und der Körper war verschwunden. Gepriesen sei der Meister! Du bist ein Wunderbarer Märtyrer, der Größte. Du bist der Größte! HEIL DEM ALLMÄCHTIGEN KÖNIG!

 

            Der Sikhismus legt genau so viel Wert auf Raza, auch Bhana (Gottes Wille) genannt, wie auf die Entsagung der asketischen Kulte und Glaubensbekenntnissen. Es ist ein Geisteszustand, in dem man klar den Willen Gottes versteht. Die Bhana Doktrin ist die Akzeptanz des Willen Gottes, welcher den Kern der Sikh Religion darstellt. Ein erleuchteter Geist lebt gemäß der inneren Vorschriften Seines Hukams (Seines Befehls). Es bedarf einer hingebungsvollen Unterwerfung und einer ungeheuren Geduld Seinen Willen zu akzeptieren. Guru Arjan sähte den Samen des Märtyrertums, welcher nach ihm zunehmend aufblühte und so das Erbe der Sikh wurde.

           

            Um Zeugnis darüber abzulegen und um zu beweisen, dass Propheten und Heilige Tod und Leid überwinden können, haben zwei Gurus der Sikh und zahlreiche andere Heilige den Märtyrertod gewählt. Sie taten dies, um der Welt ihren Glauben an die Unvergänglichkeit ihres Geistes und die Furchtlosigkeit zu zeigen, die sie durch die Liebe zu Gott erhielten. Es ist eine Lehre für die Welt, dass wahre Hingabe an Gott das Leid des Lebens überwindet. Der Meister Gott steht den Werten nicht gleichgültig gegenüber und auch nicht dem Leid das den Tugendhaften von den schlechten Leuten verursacht wird. Man muss sein Charaktermerkmal (Birdh) retten und verteidigen. Er sorgt sich um die Hingebung dieser die sich ihm hingeben und beschützt seine Propheten und Heiligen vom Elend bis zu dem Punkt an dem er möchte und erstrebt, dass ihr mit sich Ringen und das schmerzhafte Märtyrertum einem höheren Grund dienen sollen.

            Dies geschah am vierten Tag des Lichts in der Mitte des Monats Jehts, Sambat 1663 (30 Mai, 1606 A.D.)

 

 

 



1 Die Arbeit wurde von niemandem unterbrochen

2 Ramdas bedeutet in diesem Zusammenhang auch Gottes Sklave

3     John Clark Archer schreibt in seinem Buch  „Die Sikh“, dass Har Gobind nicht der richtige Sohn von Guru Arjan, sondern adoptiert sei. Wie wir oben lesen konnten, dankt der Guru dem Herrn für die Geburt seines Sohnes. Außerdem glaubt die ganze Sikh Gemeinschaft, dass Har Gobind der Sohn des Gurus war. Nur Gott allein weiß, woher Archer diese falsche Information nahm. Er hätte etwas mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen sollen, wenn er über ein solches Thema schreibt. Solche Nichtübereinstimmungen findet man sehr häufig in seinem Buch und wir nehmen diese sehr ernst. 

 

4 Bedeutet Guru Granth Sahib

5 Damals war es so an der Ordnung, den Priester der Familie und den Friseur zu schicken, um eine passenden Partner ausfindig zu machen.

 

 

6 Die Gurus wurden damals in einem solchen Maße verehrt, dass die religiösen Leute dachten, sie müssten den Gurus ihr Leben, ihre Kinder und ihr Eigentum übergeben. Zahlreiche Sikhs  schworen bei der Geburt ihrer Tochter, dass sie diese nur dem Guru oder seinen Verwandten in die Ehe geben würde. Niemand würde dies heiraten, nur diejenigen, denen sie versprochen waren. Deshalb fühlte sich der Guru verpflichtet deren Wunsche nachzugehen.

 

7 Der Guru steht unangefochten an erster Stelle, hält aber dennoch den Sangat (Versammlung seiner Anhänger) in Ehren. Es heißt, der Guru sei zwanzig Biswei (eine Maßeinheit) und der Sangat einundzwanzig Biswei. Chandus Bündnis wurde vom Sangat abgelehnt. Aus diesem Grund war der Guru dayu verpflichtet, die Entscheidung des Sangats yu akzeptieren.

8 Wie wir später noch sehen werden, schrieb Jahangir, dass der Guru einmal ein Zeichen aus Safran auf Khusros Stirn malte, welches so gedeutet wurde, dass Khusro mit Herrschaft gesegnet wurde. Das war nicht wahr. Es scheint als ob dies eine ausgeheckte Geschichte gewesen wäre um Jahangir gegen den Guru aufzuwiegeln.