GURU HAR RAI

( 1630-1661, Guruschaft 1644-1661 )

 

     Guru Har Gobind hatte fünf Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn war Baba Gurditta, der selbst zwei Söhne hatte Dhir Mal and Har Rai. Dhir Mal stellte sich als treulos und ungehorsam heraus. Er hatte einigen Einfluss am Hof des Kaisers Aurangzeb und stand mit den Feinden des Gurus  in Verbindung. Als Guru Har Gobind nach Kiratpur umzog, blieb Dhir Mal mit seiner Mutter (Mata Nihal Kaur) in Kartarpur und ergriff Besitz vom Eigentum des Gurus, wie auch von der unbezahlbaren Originalausgabe der Adi Granth. Er dachte, dass die Sikh zu ihm als ihren religiösen Führer aufblicken würden, solange er die Adi Granth in seinem Besit hätte.  Wie bereits im letzten Kapitel erwähnt, lehnte Dhir Mal die Einladung des Gurus  anlässlich des Todes seines Vaters nach Kiratpur zu kommen, ab. Guru Har Gobind ernannte Har Rai, den jüngeren Bruder von Dhir Mal, zu seinem Nachfolger, ehe er am dritten März 1644 verschied und in seine himmlische Ruhestätte überging. Eines Tages in seiner Kindheit, als er gerade durch einen Garten spazierte, beschädigte sein lose zum Boden hängender Umhang einige Blumen und verstreute ihre Blütenblätter am Boden. Dieser Anblick berührte sein zartes Herz und ließ ihm Tränen in die Augen steigen. Nach diesem Ereignis ging er immer mit hochgesteckten Kleidern und beschloss nichts und niemandem in der Welt Schaden zuzufügen. Als er heranwuchs, trug er diesen Geist noch immer in sich.. Häufig gebrauchte er Baba Farids Zitat:

 

     “Die Herzen aller Menschen sind Juwelen, ihnen Kummer zu bereiten

            ist alles andere als gut;

      Wenn du dich nach dem geliebten Gott sehnst, betrübe keines Menschen Herzen.”

 

     Guru Har Rai war äußerst großherzig. Sein Essen war einfach, er spürte kein Verlangen nach ausgefallenen Leckerbissen.

Welchen Wert die Gaben auch immer hatten, die ihm dargereicht wurden, er gab sie seinen Gästen. Auf den Ratschlag seines Großvaters Guru Har Gobind hin, behielt er 2200 berittene Soldaten. Am Nachmittag pflegte er auf die Jagd zu gehen. Der Guru nahm einige der Tiere, die er durch die Jagd erhalten hatte, ließ sie frei und schützte sie in seinem Tiergarten, den er für die Erholung seiner Anhänger hatte anlegen lassen.

Am Abend hielt der Guru gewöhnlich seinen Hof ab, lauschte den Hymnen, die von seinem Chor gesungen wurden und gab dann göttliche Unterweisungen.

             

     Der Kaiser Shah Jahan hatte vier Söhne, Dara Shikoh, Shuja

Mohammad, Aurangzeb und Murad Bakhsh. Dara Shikoh, der rechtmäßiger Erbe seines Vaters war, stand diesem sehr nahe. Aurangzeb war sehr klug, gerissen und ehrgeizig und zielte darauf ab, seinem Vater auf den Thron zu folgen.  Man sagt, Aurangzeb habe einem schmackhaften Gericht die Barthaare eines Tigers beigemischt, welches Dara Shikoh aß und als Folge daraus lebensgefährlich erkrankte. Man  konsultierte die besten Ärzte, aber vergebens.

Voller Angst schickte der Kaiser nach Astrologen und Wahrsagern aus aller Herren Länder, aber auch das war nutzlos. Die weisen Männer gelangten zu dem Schluss, dass es keine Hoffnung auf Genesung gebe, solange die Tigerhaare nicht aus Daras Eingeweiden entfernt werde. Sie waren der Ansicht, dass die Gesundheit des Patienten wiederhergestellt werden könnte, wenn man ihm eine Myrobalan-Frucht der Pflanze Terminaria Chebula mit einem Gewicht von 14 Chitanks (7/8 Pound, knapp 400 Gramm) und eine Gewürznelke mit einem Gewicht von einem Masha (etwa 1 Gramm) verabreichen würde. Der Kaiser suchte überall in seinem Reich nach diesen Zutaten, aber vergeblich. Schließlich sagte ihm jemand, dass die gewünschten Gegenstände im Warenlager des Gurus vorrätig seien.  Auf den Ratschlag seiner Höflinge hin, befand es der Kaiser für nötig, sich vor dem Guru demütig zu zeigen., worauf er sich mit diesem Brief an ihn wandte:

     

     „Dein Vorgänger, der heilige Baba Nanak gewährte Kaiser Babar, dem Gründer meiner Dynastie die höchste Staatsgewalt. Guru Angad war seinem Sohn, dem Kaiser Humayun überaus wohlgesinnt. Und Guru Amar Das beseitigte zahlreiche  Hindernisse vom Pfad meines Großvaters Akbar. Ich bedauere zutiefst, dass dieselbe freundliche Bande nicht auch zwischen Guru Har Gobind und mir selbst bestehen, und dass, Missverständnisse durch das Einmischen von Fremden auftraten. Dies war nicht meine Schuld. Mein Sohn Dara Shikoh ist sehr krank. Das Heilmittel für ihn ist in deinen Händen. Wenn du ihm die Myrobalanfrucht  und die Gewürznelken gibst, die in deinem Lagerhaus vorrätig sind, und sie weihst, wirst du mir einen  treuen Dienst erweisen.“

Ein Adliger brachte den Brief zum Guru nach Kiratpur, der wie folgt dazu Stellung nahm:

„Schau, mit der einen Hand bricht der Mensch die Blumen ab, mit der anderen bietet er sie als Geschenk an, aber die Blumen lassen beide Händen gleichermaßen duften.

Auch wenn die Axt den Sandelbaum fällt, hinterlässt das Sandelholz ihren Duft auf der Axt. Aus diesem Grund sollte der Guru Böses mit Gutem vergelten.“ Er schickte die benötigte Medizin, die dann Dara Shikoh verabreicht wurde. Die Medizin bewirkte eine rasche und vollständige Heilung. Der Kaiser war natürlich sehr erfreut, vergaß alle Feindschaft gegen den Guru und gelobte, er würde ihm nie wieder Unannehmlichkeiten bereiten.

     Eines Tages, als der Guru gerade unterwegs war, machte an der Tür einer armen Frau Halt, klopfte und sprach: „Gute Frau, ich bin sehr hungrig. Bringt mir das Brot, dass ihr gebacken habt.“ Die Frau brachte voller Freude etwas grobkörniges Brot, welches er auf dem Pferd zu sich nahm, ohne sich die Hände zu waschen und es schmeckte ihm vorzüglich. Dann segnete er die Frau und durchschnitt die Fesseln der Wiedergeburt. Am nächsten Tag bereiteten die Sikh leckere Gerichte vor, wobei sie sehr auf Sauberkeit achteten, und boten diese dem Guru zur selben Stunde an. Er lachte und sagte: „Oh Sikh, ich nahm das Essen aus den Händen jener Frau, weil sie heilig war. Dieses Essen, welches ihr zubereitet habt unter Einhaltung altertümlicher Zeremonien, gefällt mir nicht.“ Die sikh fragten: „Oh wahrer König, gestern aßest du Brot auf dem Rücken des Pferdes, Brot aus den Händen einer alten Frau, die du nicht kanntest. Es gab keinen geweihten Ort und das Essen war auf jede erdenkliche Weise unrein. Heute haben wir für dich das Essen zubereitet. An diesem essen ist nichts Unreines, dennoch lehnst du es ab. Sei so freundlich und erkläre uns warum.“ Der Guru antwortete: „Die Frau bereitete mir mit großer Hingabe und tiefem Glauben ein Essen aus dem, was sie im Schweiße ihres Angesichts verdient hatte. Unter diesem Aspekt war das Essen sehr rein und ich nahm es zu mir. Der Guru ist hungrig nach Liebe und nicht nach Köstlichkeiten. On this account the food was very pure, and I partook of it. Was die Liebe zu Gott betrifft, so gibt es keine Regeln. Nicht das, was der Mensch isst, interessiert Gott, es ist die Hingabe des Menschen, die Ihm etwas bedeutet.

DIE PREDIGERFAHRTEN DES GURUS:

 

     Guru Arjan hatte die Organisation seiner Anhänger auf friedlichen Pfaden so gut wie beendet. Unter Guru Har Gobind wurde der Sikhismus in einer Armee integriert. Neben der Betonung auf der freie Küchen, den religiösen Versammlungen und dem Glauben an die Adi Granth, unternahm Guru Har Rai ausgedehnte Reisen in den Malwa and Doaba Regionen von Pandschab. Diese Regionen boten dem Glauben der Sikh eine gute Gelegenheit zu wachsen. Guru Har Rai gewann für den Glauben der Sikh einige bemerkenswerte Menschen unter den Familien auf dem Lande, die zu dieser Zeit als die Führer der Menschen betrachtet wurden.  Auf  einer der Reisen des Gurus, blieb er in der Nähe von Mukandpur, im Bezirk, der heute als Jullundhur bekannt ist.  Dort trieb er einen Bambusschössling in die Erde, zur Erinnerung an seinen Besuch. Noch heute steht dort ein stattlicher Baum, der aus jenem Trieb entsprungen war. Von dort machte er sich auf den Weg nach Malwa und besuchte die Wasserstelle nahe Nathana, an dem  Guru Har Gobind gekämpft hatte. Kala und Karm Chand, zwei Brüder und Angehörige des Mahraj Stamms, kamen zu ihm und beschwerten sich über die Leute vom Kaura Stamm, die ihnen nicht erlaubten unter ihnen zu leben.

     Der Guru versuchte die Angelegnheit freundschaftlich zu regeln, aber als sich der Kaura Stamm weigerte zuzuhören, half er den Mahraj Brüdern, gewaltsam ein Stück Land in Besitz zu nehmen, und sich dort niederzulassen. Er blieb einige Zeit in Nathana  und predigte zu den Menschen. Kala und seine Freunde besuchten ihn häufig.  Er gewann zahlreiche neue Schüler. Seine Zuhörer ließen von der Anbetung von Friedhöfen und Krematorien ab und öffneten sich der Verehrung Gottes.

Eines Tages besuchte Kala den Guru zusammen mit seinen beiden Neffen, Sandali and Phul,  deren Vater zu Zeiten Guru Har Gobinds in der Schlacht gefallen war. Als die Kinder die Anwesenheit des Gurus spürten, schlug der fünfjährige Phul mit seinen Händen auf seinen nackten Bauch, wie auf eine Trommel. Als man ihn nach dem Grund fragte, erklärte Phul, er sei hungrig und wolle etwas zu essen. Der Guru zeigte Mitgefühl für ihn und sagte: „Er wird bedeutsam, berühmt und wohlhabend werden. Die Stuten seiner Nachfahren werden Wasser bis hinauf zum Fluss Jamna trinken. Sie werden die Staatsgewalt viele Generationen lang innehaben und in dem Verhältnis geehrt werden, wie sie dem Guru dienen.“  Als Kala nach Hause kam und seine Frau den Segen des Gurus vernahm, drängte sie ihn dazu seine eigenen Söhne zum Guru zu bringen und sie zu lehren auf ihre Bäuche als Zeichen des Hungers zu schlagen. Als Kala und seine eigenen Söhne vor dem Guru erschienen, sagte er ihm, dass er gemäß den Wünschen seiner Frau handelte. Der Guru sprach: „ Die Eltern dieser Kinder sind am Leben, aber gleichzeitig sollen ihnen ihre eigene Verehrung zu teil werden,. Sie sollen die Früchte ihrer Mühen ernten, keinen Tribut zollen müssen und von niemandem abhängig sein.." Diese Prophezeiung erfüllte sich und ihre Nachkommen besaßen zweiundzwanzig Dörfer, genannt die Bahia. Phul hatte sechs Söhne. Von seinem ältesten, Tilok Singh, stammen die  Rajas von Nabha und Jind ab. Der Maharadscha von Patiala war der Nachfahre von Phuls zweitem Sohn, Ram Singh. Diese drei waren als die Phul ke Raje, oder “Phulkian chiefs” bekannt.. Nachdem Indien 1947 unabhängig geworden war, wurden diese Staaten wie auch Hunderte weiterer Staaten in diesem Landstrich von der indischen Regierung annektiert. Der Guru, überzeugt vom Verfall des Masand Systems, entwickelte Bakhshishs oder Missionarsstationen. Sechs Zentren wurden von Suthrashah, Sahiba, Sangata, Mihan Sahib, Bhagat Bhagwan, Bhagat Mal und Jeet Mal geleitet. Bhagat Bhagwan wurde zum Verantwortlichen der Missionarsarbeit im Osten ernannt, wo er zusammen mit seinen Anhängern nicht weniger als 360 gaddies (Zentren) gründete, um diese Bestrebungen voranzutreiben. Bhai Familien von Kaithal und Bagrian wurden für die Missionarsarbeit im Land zwischen den Flüssen  Jamna und Satluj  verantwortlich gemacht.. Bhai Pheru war für das Gebiet zwischen den Beas und Ravi Flüssen zuständig. Ein anderes Zentrum wurde im Zentralbezirk von Pandschab errichtet. Bhai Aru, Sewa Das, Naik Das, Durga Chand und Suthra Shah waren die wichtigen Priester zu Zeiten des Gurus, welche Missionarsarbeit in Kaschmir leisteten.

 

DER GURU, SEIN SOHN RAM RAI UND DER KAISER VON MUGHAL:

 

     Der Kaiser Shah Jahan, behielt seinen ältesten Sohn Dara Shikoh in seiner Nähe. Er machte seinen zweitältesten  Sohn Shujah Mohammad zum Gouverneur von Bengalen. Der dritte Sohn Aurangzeb wurde zum Gouverneur von Dekkan ernannt und Murad Bakhsh erhielt die Provinz Gujarat. Ihr Ehrgeiz war nicht zufriedenzustellen und ein jeder von ihnen strebte danach Kaiser zu werden. Zu diesem Zweck sammelten sie in ihren jeweiligen gebiten Reichtümer und Armeen an. Als Shah Jahan krank wurde und es kein Zeichen der Besserung gab, brach ein Thronfolgekrieg aus. Dara Shikoh sandte Raja Jai Singh gegen Shujah Mohammad und schickte Raja Jaswant Singh aus Jodhpur nach Dekkan. Jai Singh besiegte Shujah Mohammad, aber die vereinten Armeen  von Aurangzeb und Murad zwangen Jaswant Singh zum Rückzug. Daraufhin sann Aurangzeb nach Rache und versuchte die Herrschaft über das Reich an sich zu reißen. Dara machte sich mit großem Prunk daran,  Aurangzeb gegenüberzutreten und schlug sein Lager bei Samugarh, am Ufer des Flusses Chambal, auf. Aurangzeb erschien bald als Kopf seiner eigenen und Murads Armeen und Aurangzeb gelang es einige Adelige von Dara gefangen zu nehmen. Dara selbst floh vom Schlachtfeld. Aurangzeb kam nach Agra, sperrte seinen Vater und seinen Bruder Murad ein, und zog dann weiter nach Delhi. Dara floh Richtung Lahore.

     Der berühmte muslimische Heilige Mian Mir war Daras Priester, von dem er die Lobpreisungen des Gurus gehört hatte. Daras Leben wurde durch die Medizin des Gurus gerettet.

Im Anbetracht dieser Umstände hatte Dara große Hochachtung vor ihm. Da Dara Gouverneur von Pandschab wurde, bestand ein gesundes Verhältnis zwischen dem Kaiser und dem Guru Shah Jahan hatte ein Verbot der Hindu Tempel angeordnet, wohingegen die Tempel der Sikh davon verschont blieben..

     Während Dara Shikoh sich auf dem Weg nach Lahore befand, war der Guru gerade in Goindwal. Sie trafen aufeinander. Viele Autoren  liefern ihre eigenen, ausgeschmückten  Berichte von der Hilfe, die der Guru Dara gewährte. Um welche Art von Beistand bat Dara? Welche Art von Beistand leistete der Guru? Das ist eine schwierige Frage. Dara besaß all den königlichen Reichtum, er hatte seine Generäle und eine Armee von Abertausenden von Männern. In Lahore gelang es ihm innerhalb weniger Tage zwanzigtausend Männer für seine Armee anzuwerben. Er hatte alles, aber ihm fehlte ein mutiges Herz um auf dem Schlachtfeld zu kämpfen. Er floh von der Schlacht und wurde letztlich durch einen Pathan gefangengenommen, der ihn verraten hatte. Er wurde nach Delhi gebracht und hingerichtet.

     Nachdem er seine Stellung als Kaiser von Delhi gesichert hatte, begann Aurangzeb seinen Kreuzzug gegen die Hindus.

Nach Daras Tod, bot sich den Feinden des Gurus eine Gelegenheit, Aurangzebs Geist zu vergiften, indem sie behaupteten der Guru habe Dara im Kampf gegen ihn Beistand geleistet.  Daraufhin lud Aurangzeb den Guru vor. Der Guru hatte entschieden, den Kaiser nicht zu sehen. Stattdessen sandte er seinen ältesten Sohn Ram Rai nach Delhi, wobei er ihn anwies sich auf die göttliche Macht des Gurus zu verlassen, unter keinen Umständen von den Prinzipien seiner Religion abzuweichen und bei allen Worten und Taten seine Gedanken auf Gott zu richten. Dann werde seine Mission von Erfolg gekrönt sein. Der Kaiser wurde darüber informiert, dass der Guru nicht selbst gekommen war, sondern seinen Sohn geschickt hatte. Daraufhin beschloss er, er würde nach dem Guru  persönlich schicken lassen, falls sein Ziel, ihn auf eine Probe zu stellen, durch seinen Sohn nicht erreicht werden sollte. Es heißt, Ram Rai vollbrachte 72 Wunder.

Der Kaiser schickte ihm vergiftete Kleidung, die er auch trug, allerdings ohne Schaden davonzutragen. Vor einer Unterredung wurde ein Tuch über einen tiefen Brunnen gelegt, damit Ram Rai hineinfalle, sobald man ihn bitten würde, Platz zu nehmen. Das Tuch gab nicht nach und Ram Rai  blieb auf wundersame Weise vom Fall verschont.

Dem Kaiser wurde der Anblick Mekkas gezeigt, während er in Delhi saß. Nach siebzig solcher Wunder war Aurangzeb beinahe von Ram Rais Fähigkeiten überzeugt und so wurde er freundlicher mit ihm. Dann kam die letzte Frage. Die Qazis fragten Ram Rai:  „Ram Rai, hat sich in seinen Schriften gegen die muslimische Religion gewandt. An einer Stelle sagte er:

    

 

    'Mitti Musalman ki peirei paee kumiar;

      Ghar bhandei itan kia, jaldi karei pukar.'

                         (Asa Mohalla 1, p-466)

     “ Die Asche der Mohammedaner fällt in den Tonklumpen;

      Gefäße und Ziegelsteine werden daraus gemacht; sie schreien laut auf, während sie verbrennen.

                         (Übersetzung des Obigen)

Was bedeutet das?“

 

     Nachdem Ram Rai Aurangzebs Respekt hatte, wollte er ihm vermutlich nicht missfallen und vergaß deshalb den ausdrücklichen Befehl seines Vaters nicht von den Grundsätzen seiner Religion abzuweichen.. Aus diesem Grunde antwortete Ram Rai im Bemühen dem Kaiser zu Gefallen: „Eure Majestät, Guru Nanak schrieb[1]: 'Mitti beiman ki', dies bedeutet die Asche der Ungläubigen, nicht der Muslime fällt in den Tonklumpen. Unwissende verdarben den Text und schändeten sowohl die Religion Eurer Majestät als auch meine eigene. Die Gesichter der Ungläubigen, nicht die der Muslime sollen in beiden Welten geschwärzt werden.“ All die Priester der Muslime waren hocherfreut über seine Antwort. Der Kaiser All die Priester der Mohammadaner waren hocherfreut über diese Antwort. Der Kaiser vermittelte Ram Dai ein Zeichen der Gewogenheit und löste die Versammlung auf.

     Die Sikh von Delhi schickten unmittelbar darauf einen Gesandten nach Kiratpur und

informierten den Guru über den Prunk und die Ehren mit denen Ram Rai in Delhi empfangen worden war, und auch über die ausführlichen Wunder, die er zum Vorschein gebracht hatte. Der Gesandte erklärte dann, wie Ram Rai eine Veränderung an einer Zeile von Guru Nanaks Worten vorgenommen hatte, um dem Kaiser zu gefallen. Der Guru war über die Beleidigung sehr verärgert und bemerkte, dass kein Sterblicher die Worte Guru Nanaks verändern könnte und dass, “der Mund der dies zu tun wagt, nie wieder vor mein Antlitz treten soll. Der Guru entschied, dass Ram Rai für die Guruschaft nicht geeignet war. Er bestätigte: „Die Guruschaft ist wie die Milch einer Tigerin, die nur in einem goldenen Kelch  gefasst werden konnte. Nur der, der bereit ist sein Leben zu lassn, hat sie verdient. Nachdem Ram Rai einige Zeit in Delhi gewohnt hatte, beschloss er nach Kiratpur zu gehen. Er wollte versuchen seinen Vater davon zu überzeugen, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Er schlug sein Lager nahe Kiratpur auf und bat seinen Vater per Brief um die Erlaubnis ihn besuchen zu dürfen.

Er gestand, dass er wegen seiner Sünde gelitten hätte und sich nach Vergebung sehnte. Der Guru gab ihm zur Antwort: „Ram Rai, du hast dich meinem Befehl widersetzt und gesündigt. Wie kannst du danach streben, ein Heiliger zu werden? Geh wohin dein Wahn dich führt. Ich werde dich niemals wiedersehen, aufgrund deiner Untreue.”

     Als der Guru sein Ende nahen sah, dachte er über seinen Nacfolger nach und berief ein Treffen mit seinen Sikh ein. Er hieß seinen jüngeren Sohn Har Krishen, der erst fünf Jahre alt war, auf Guru Nanak's Thron Platz nehmen. Dann legte er eine Kokosnuss und fünf Paise vor ihn, schritt drei Mal um ihn herum und ließ ein Tilak  oder einen Fleck auf seinen Kopf malen. Daraufhin erhoben sich alle Versammelten und huldigten dem jungen Guru. Guru Har Rai gebot all seinen Sikh Har Krishen als sein Abbild zu betrachten, ihm die Treue zu halten und sie würden das Heil erlangen.

     Am sechsten Oktober 1661 schloss Guru Har Rai seine Augen für immer und gin ein in seine himmlische Ruhestätte.



[1] Es wird auch geschrieben, dass Ram Rai Aurangzeb erzählte, Guru Nanak hätte nicht die Asche der Muslime gemeint, sondern eigentlich die der 'beiman', der Ungläubigen. Ram Rai hat also nicht den Originalvers, sondern nur dessen Bedeutung verändert.