Guru – Das göttliche Licht                                                                                                     7

 

GURU – DAS GÖTTLICHE LICHT

 

Das Wort Guru ist so populär in Indien, dass man, um das grundlegende Konzept von ‘guru’ im Sikhismus verstehen zu können, sich geistig erst völlig von bestehenden Vorstellung eines Gurus lösen muss. Der weit verbreitete Ausdruck ‘Guru’, der häufig für einen Brahmanen, einen Yogalehrer, oder sogar einen Schullehrer verwendet wird, hat die „Guruschaft“ so wertlos gemacht, dass ein Gelehrter solche Gurus als ‘Dochte, die schlecht riechen, nachdem die Lichter erloschen sind’ bezeichnet.

 

            Im Sikhismus wir der Ausdruck ‘Guru’ weder für einen Lehrer, noch einen Führer, Experten, oder gar menschlichen Körper verwendet. Das Wort Guru setzt sich aus zwei Teilen zusammen –

            GU – bedeutet Dunkelheit und

            RU – bedeutet Licht

 

            Im Sikhismus wird das Wort Guru daher als das Licht, das alle Dunkelheit vertreibt, bezeichnet. Dies wird wiederum JOT (Göttliches Licht) genannt.

 

Gott saß allein in einem Zustand absoluter Trance, ehe die Welt geschaffen wurde, und der Sikhismus nennt Ihn den Guru:

            “Wie soll ich mich zur Herrlichkeit des Gurus äußern,

            wo doch der Guru der immerwache Frühling der Wahrheit ist

            in der Blüte und im Anfang aller Zeiten und durch alle Zeiten hindurch

            ist Er der vollkommene Herr, unser Gott.”

                                    (Asa Mohalla 5, Seite 397, Guru Granth Sahib)

 

Im Sikhismus ist Gott Selbst der Guru, und deshalb, so sagt Guru Nanak, solle man 24 Studen am Tag  über diesen Guru meditieren –

            „Der Guru Selbst  ist der Alles Durchdringende Herr, der Höchste Gott,

Sagt Nanak: richte deine Meditation auf diesen Guru.”

                                    (Asa Moh. 5, Seite 387)

 

 

8                                                                                                                    Sikh Religion

 

Das Wort ‘Guru’ ist für den Allmächtigen benutzt worden, den Formlosen und den Unendlichen in der Sikh Religion. Wie man Seine Charakteristika beschreiben kann, erklärt Guru Nanak –

            „Der Guru ist Allmächtig, Guru ist Formlos, Hoch, Unerreichbar und Unendlich, Unbeschreiblich in Seinem Heil, was kann ein Redner sagen?“

                                                (Sri Rag Moh. 5, Seite 52)

 

Der Guru ist das Göttliche Licht der drei Welten –

            „Der Guru ist der Wohltäter, das Heiligtum des Friedens,

            Das Licht der drei Welten.”

                                                (Slok Moh. 1, Seite 137)

 

Eine Welt ist das, was über uns in die Ewigkeit führt, und die zweite Welt ist das, was unter uns in die Ewigkeit führt. Die dritte Welt ist das, was auf unserer Ebene zur Unendlichkeit führt. Das Göttliche Licht, das alles erfüllt und alle drei Welten erstrahlt, brachte ihn dazu sich ‘Guru Nanak’ zu nennen –

 

            “Jot-roop Har aap Guru Nanak kahayio.”

                                                            (Swayai Moh. 5, Seite 1408)

“Guru, die Verkörperung des Göttlichen Lichtes, hat sich Guru Nanak nennen lassen.”

                                                (Übersetzung des Obigen)

Guru Nanak war deshalb die Verkörperung des Göttlichen Lichtes:

            ‘Guru Nanak Dev Govind roop.’

                        (Basant Mohalla 5, Seite 1192, Guru Granth Sahib)

            ‘Guru Nanak ist die Verkörperung des Lichts Gottes.’

                                    (Übersetzung des Obigen)

 

            Im Sikhismus ist der Guru ein perfekter Prophet oder Bote Gottes, in welchem das Licht Gottes auf vollständige, sichtbare und alles umfassende Weise scheint. Guru ist vereint mit dem Göttlichen. Deshalb geleitet er die Anhänger, die Sucher der Wahrheit in eine spirituelle Geburt

Guru – Das göttliche Licht                                                                                           9

 

Durch ihn wird der Menschheit die Herrlichkeit Gottes überbracht. Aufgrund seiner Göttlichen Vorrechte ist der Guru, trotz seiner menschlichen Form, Göttlich im Geiste.

 

            Wörtlich genommen, war Guru Nanaks Körper eine Plattform, von der aus Gott Selbst sprach und Seine Botschaft übermittelte – Gurbani (Sikh Göttliches Wort). Gott manifestierte sich in Guru Nanak:

 

            ‘Gur meh aap samoai sabad vartaya.’

                                                (Var Malar ki Mohalla 1, Seite 1279)

            ‘In den wahren Guru (Nanak) legte er seinen Eigenen Geist

Durch ihn, spricht Gott Selbst.’

                                    (Übersetzung des Obigen)

An einer anderen Stelle in Gurbani (Göttliches Wort aus dem Mund Gurus – Heilige Schrift der Sikh) steht geschrieben:

‘Gur meh aap rakhaya kartarey.’

                                    (Maru Mohalla 1(15), Seite 1024)

‘Im Körper des Gurus (Nanak) offenbart Gott sich Selbst.’

                                    (Übersetzung des Obigen)

 

Gott ist im Guru und Guru ist in Gott. Obwohl Gott überall und in jedem ist, werden seine Charakterzüge durch den Guru ans Licht gebracht. Das Jot (Göttliches Licht), welches Guru Nanaks Körper bewahrte, und das Ursprüngliche Jot Gottes, sind deshalb ein und dasselbe:

 

‘Gur Nanak Nanak har soai.’

                                    (Gaund Mohalla 5, Seite 865)

‘O Nanak, Jot des Nanak und Gott sind eins.’

                                    (Übersetzung des Obigen)

Und ebenso zeigen die Janamsakhis (Biographien), dass Gott zu Guru Nanak sprach:

 

10                                                                                                                  Sikh Religion

‘Mei aad parmeshar aur tu gur parmeshar.’

‘Ich bin der Ursprüngliche Gott und du bist der Guru Gottes.’

Guru Nanak behauptete niemals, dass nur seine Jünger oder Anhänger Erlösung erfahren könnten oder in den Himmel kommen würden. Da er die Verkörperung des Göttlichen Lichtes war, und daher nicht zu irgendeiner bestimmten Sekte oder Religion gehörte, setzte er sich für die gesamte Menschheit ein und sagte, “Wer auch immer über Einen Gott, den Formlosen, meditiert, wird Erlösung erfahren.”

‘Jo jo japai so hoi punit

Bhagat bhai lavai man hit.’

                                    (Gauri Sukhmani Mohalla 5, Seite 290)

‘Derjenige, der Seinen Namen mit Hingabe, Zuneigung und inniger Liebe wiederholt,

soll rein werden.’

                                    (Übersetzung des Obigen)

 

Als Guru Nanak Guru Bhai Lehna (seinem Anhänger, später Guru Angad genannt) die Guruschaft übertrug, wurde das JOT weitergegeben und auch Guru Angad wurde zur Verkörperung Göttlichen Lichts. Nachdem er die Guruschaft weitergegeben hatte, verbeugte Guru Nanak sich selbst vor Guru Angad Dev. Jedoch tat er dies nicht vor dem Körper des Guru Angad Dev, sondern vor dem Göttlichen Licht (Guru), welches er mittels seiner Göttlichen Macht weitergab. Alle neun Gurus verkörperten auf dieselbe Art und Weise Guru Nanak Jot[1]. Der zehnte Meister, Guru Gobind Singh gab dann die Guruschaft an ‘Adi Granth’ weiter (Heilige Schrift der Sikh), welche auch die Verkörperung des Göttlichen Lichtes darstellte und Guru Grant Sahib genannt wurde. Guru Gobind Singh verbeugte sich alsdann vor dem Guru Grant Sahib und forderte auch seine Sikh dazu auf. Manche Menschen nennen ihn immer noch ‘Adi Granth’, was nicht richtig und dem Guru gegenüber überaus respektlos ist. Gur Nanak JOT wird deshalb bewahrt und erhalten im Guru Granth Sahib und wird so für immer zum Lebenden Guru. Für die Sikh ist der Guru Granth die Manifestation des Geistes des Gurus, und durch ihn besteht Guru Nanak im Glauben der Sikh weiter.

Guru – Das göttliche Licht                                                                                         11

 

Sikhismus ist bestrebt, die menschliche Seele von den Fesseln des Maya (Materialismus) zu befreien. Er zielt auf ein tugendhaftes Leben ab, welches zur ultimativen Erkenntnis eines Zustands von Ewigem Glück führt. Die Zielsetzung von Guru Nanaks Guruschaft war es, im Wahren Namen Anweisungen zu geben, um die Menschheit davor zu retten, in einem Meer aus Verzweiflung und Leid zu versinken, welches durch das weltliche Leben entsteht. Ebenso wurde das Ziel verfolgt, die menschlichen Seelen mit ihrem Schöpfer zu vereinen, um sie somit aus dem Kreislauf der Seelenwanderung zu befreien und alle Barrieren und Fesseln des Leidens zu durchbrechen.

Das Gesetz von Karma oder Schicksalglauben wird von der Sikh Religion abgelehnt, da es nicht mit dem gnadenvollen Wesen des Allmächtigen Herrn vereinbar ist. Im Sikhismus gibt es keine ewige Verdammnis, oder eine immerwährende Hölle, die von einem rachsüchtigen Gott geschaffen wurde. Die Gnade des Gurus löscht die Schandflecken tausender böser Taten der Vergangenheit und der Gegenwart. Sie ist auch der Erlöser der Zukunft. Die Meditation über  Naam (Name Gottes) verbrennt unzählige Sünden.

 

Ein reuevoller Sünder kann erlöst werden, indem er durch das Wort Gottes über die Herrlichkeit des Herrn singt.  Deshalb hört die Lehre von Karma hier zu wirken auf. Dies ist die Pracht der Lehre Guru Nanaks von Gottes Würde und Erbarmen.

 

 

 

 

 

 

 

 



[1]               Guru Nanak Kot ist kein menschlicher Körper, sondern Göttliches Licht.