GURU GOBIND SINGH
( 1666-1708, Guruschaft 1675-1708 )

 

     Es erscheint wohl nicht als all zu abwegig, hier zu behaupten, dass es in der gesamten Menschheitsgeschichte keine zweite, derartig beeindruckende Persönlichkeit, wie Guru Gobind Singh, gab. Auf seinem Höhepunkt flößte der zehnte Nanak dem Verstand und den Herzen seiner Anhänger sowohl den Geist der Heiligkeit als auch den der Furchtlosigkeit ein, auf dass sie gegen die Unterdrückung kämpften, die Gerechtigkeit und die Rechtschaffenheit (Dharma) wiederherstellten und die unterdrückten Menschen in dieser Welt wieder aufrichteten. Es heißt, der zehnte Meister erklärte nach dem Märtyrertod von Guru Tegh Bahadur, er würde eine Panth (Nation) hervorbringen, die sich nicht von tyrannischen Herrschern einschüchtern ließe, sondern die Unterdrücker bei jedem Schritt dazu herausfordern würde, Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit und Frieden für die Menschheit wieder herzustellen.    

 

Überdies beschloss er, dass er nur dann den Namen Gobind Singh tragen wolle, wenn ein einzelnes Mitglied seines Khalsa Panth unerschrocken und erfolgreich eine hundertfünfundzwanzigtausend Mann starke, gegnerische Armee auf dem Schlachtfeld herausfordern würde. Dies wurde in Chamkaur Sahib bestätigt, als  Sahibzada Ajit Singh (der älteste, etwa 18 Jahre alte Sohn des Gurus)

die Mogulstreitkräfte und ihre Verbündeten, die Rajas aus den Bergen, herausforderte. .

 

     “Der Göttliche Guru hat mich um der Religion willen gesandt     

       Aus diesem Grund bin ich in diese Welt gekommen;

      Verbreitet den Glauben überall

      Unterwerft und zerstört das Böse und die Sünde   

      Versteht dies, ihr Heiligen, in eurem Geiste habe ich den Ursprung 

      zum Zwecke der Verbreitung unseres Glaubens erweckt.“

                    (Guru Gobind Singh- Chaupai, Bachitar Natak)

 

     Guru Tegh Bahadurs Märtyrertod symbolisierte in sich den Widerstand gegen die Tyrannei der muslimischen Herrschaft zu Gunsten einer neuen Gesellschaft.

 

Wenn das Böse sein Haupt erhebt, sollte sich ihm ein Heiliger untergeben oder die Waffen für den Kampf ergreifen und das Böse vernichten?

Der junge The Guru Gobind Rai entschloss sich zu Letzterem, d.h. dem Bösen den Kampf anzusagen und die Rechtschaffenheit zu verteidigen.

Deshalb wies er seine Anhänger dazu an, vom Schwert Gebrauch zu machen, wen alle anderen Mittel, um das Böse auszulöschen, scheitern.

Um diese Mission zu erfüllen, verteilte er “Hukamnamas” (Rundschreiben der Befehlsgewalt) an seine Gefolgschaft, auf dass sie ihm verschieden gestaltete Waffen zeigen mögen. Die Befehle des Gurus wurden mit großer Begeisterung und Hingabe ausgeführt. Er selbst trug Uniform und Waffen und leitete andere dazu an, das Schießen mit dem Bogen und der Muskete zu üben. 

Er förderte verschiedene anstrengende und Muskel bildende Sportarten als Teil der Schulung der physischen Entwicklung.  Anhänger mit Kriegsinstinkt, deren Vorfahren dem Vater und dem Großvater des Gurus gedient hatten, kamen in Scharen zusammen.

Seine obersten Kampfgenossen waren zu dieser Zeit die fünf Söhne seiner Tante Bibi Viro (Guru Har Gobinds Tochter): Sango Shah, Jit Mal, Gopal Chand,

Ganga Ram, Mohri Chand; die beiden Söhne seines Onkels Suraj Mal:Gulab Rai

and Sham Das; Kirpal Chand, sein Onkel mütterlicherseits; Bhai Daya Ram, sein Jugendfreund, und Bhai Nand Chand, ein beliebter Masand.

     Der Guru wies seine Gefolgschaft an, ein wohlgesinntes und diszipliniertes Leben zu führen. Entsprechend den Gebräuchen seiner Vorgänger pflegt er frühmorgens aufzustehen um Andacht zu halten.

Er war besonders erfreut beim Hören der Asa di Var. Bei Tagesanbruch erteilte er den Sikh seine göttlichen Unterweisungen und übte sich dann im Kampfsport.

Am Nachmittag empfing er seine Anhänger, ging Bogenschießen oder ritt Pferde. Er beendete den Tag, indem er den Gottesdienst “Rehras” ausübte

     Das stattliche Äußere des Gurus wurde sowohl von Frauen, als auch Männern strak bewundert. Ein Mensch, genannt Bhikhia aus Lahore kam um ihn zu besuchen. Beim Anblick des gutausehenden jungen Gurus bot Bhai Bhikhia ihm an, seine Tochter Jito zu heiraten. Der Antrag wurde angenommen und so herrschte große Freude in Anandpur aufgrund der Verlobungszeremonie.

Der dreiundzwanzigste des Har, Sambat 1734 (1677 A.D.) wurde für die Hochzeit festgehalten. Der Guru ließ diese Botschaft in alle Himmelsrichtungen verkünden, worauf die Sikh aus aller Herren Länder (einschließlich Lahore) nach Anandpur drängten. Nahe Anandpur wurde ein Ort festgelegt, Guru ki Lahore genannt, wo die Trauungszeremonie stattfand[1].

 

BESUCH VON DUNI CHAND UND RAJA RATTAN RAI:

 

     Eine Woge Menschen mit Herzen voller Liebe und Hingabe an den Meister, machten sich auf ihn zu sehen.  Einige kamen aus Kabul, Kandhar, Gazni, Balkh and Bukhara. Als sie kamen, um ihrem Herrn zu huldigen, brachten sie zahlreiche unschätzbare Geschenke- Decken, Teppiche, Umhänge und andere Wertgegenstände.

 

Einer der Untergebenen namens Duni Chand,  besuchte Anandpur im 1681 und bot dem Guru ein wollenes Zelt dar („Shamiana” oder  königlicher Baldachin), das alles Andere in den Schatten stellte. Es war mit Gold und Silber bestickt und von Perlen übersät. Man sagt es habe in seiner Herrlichkeit sogar den Baldachin des Kaisers übertroffen.

     Durch die Gnade Guru Tegh Bahadurs, wurde Raja Ram von Assam mit einem Sohn, genannt  Rattan Rai, gesegnet. Raja wollte seinen Sohn zum Guru bringen, starb aber bald, so dass er Anandpur nicht besuchen konnte. Sein letzter Wille war, das sein Sohn wie ein gläubiger Sikh erzoegen werden sollte. Seine treue Rani (Ehefrau) führte das Geheiß ihres Mannes durch vermittelte dem heranwachsenden Prinzen das Wissen über die Lebensgeschichten und Lehren der Gurus.

Als Rattan Rai, der Prinz, das Alter von zwölf Jahren erreichte, verlangte es ihm danach, den Gru zu sehen.  Folglich machte er sich zusammne mit seiner Mutter und einigen seiner Minister auf den Weg nach Anandpur. Er brachte 12 goldgeschmückte Pferde, einen sehr kleinen Elefanten und eine besondere Waffe als Gastgeschenk mit sich. Aus dieser einen Waffe ließen sich fünf Waffenarten machen: eine Pistole, ein Schwert, eine Lanze, ein Dolch und ein Knüppel.

     Der Raja wurde mit allen Ehren empfangen. Er überreichte seine Geschenke und betete zum Guru, dass er ihm den Glauben der Sikh zugestehe. Alle seine Wünsche wurden erfüllt. Der Raja führte daraufhin seine Geschenke vor: Er ließ den Elefanten die Schuhe des Gurus putzen und hieß ihn vor ihm Platz zu nehmen. Ein Wort genügte und das Tier nahm einen Chauri um dem Guru Luft zuzufächeln. Der Raja bat den Guru, den Elefanten niemals außer Besitz zu geben.

     Der Prinz und seine Gesellschaft bleiben fünf Monate in Anandpur. In dieser Zeit

erfreute er sich an den Mantren und fühlte sich durch die Predigten des Gurus erhoben.

Zum Zeitpunkt der Abfahrt begleitete der Guru sie ein Stück des Weges und nahm von ihnen Abschied. Sie waren mit zahlreichen Geschenken entlassen worden. Außer der materiellen Geschenke gab der Guru Rattan Rai einen RATTAN -  ein Juwel von Nam, das höchste geschenk des Lebens.

 

      “Nam ist das unbezahlbare Geschenk, das dem vollendeten Guru zu eigen ist;     

       Gibt sich Einer der Liebe zum Wahren Guru hin,

       so entfacht er in dessen Herzen das Licht der Weisheit und offenbart ihm Nam.                                                      

       Gesegnet sei der Glückliche, der sich auf den Weg macht, um den Guru zu 

       sehen.”           

                              (Sri Rag Mohalla 4, Seite 40)

 

RANJIT NAGARA:

 

     Die Armee des Gurus wurde von Tag zu Tag größer und war so in der Lage eine große Trommel zu bauen, was ihm nötig schien, um seine Armee zu begeistern. Ohne sie schien ihm seine Ausrüstung unvollständig. Seinem Dewan Nand Chand wurde der Bau der Trommel anvertraut  In jenen Tagen war der Gebrauch einer solchen nur einem unabhängigen Führer innerhalb der Grenzen seines Staatsgebiets gestattet. Das Schlagen der Trommel im Herrschaftsbereich eines Anderen, galt als feindlicher Akt und stellte eine offene Kriegserkärung dar. Die Vollendung der großen Trommel, die man Ranjit Nagara (oder siegreiche Trommel auf dem Schlachtfeld) nannte,  wurde mit Gebeten und dem Verteilen von geweihtem Essen (Parshad) gefeiert.

Als die Trommel geschlagen wurde, kamen Männer und Frauen aus der Stadt, um  sie zu betrachten. Überall herrschte große Freude.

     Am selben Tag gingen der Guru und seine Männer jagen. Als sie in die ähe von Bilaspur, der Hauptstadt von Kahlur kamen, wurde die Trommel geschlagen und sie klang wie ein Donner für Bergeleute klingt, die eine Gefahr spüren. Raja Bhim Chand von Kahlur konsultierte seine obersten Minister, die ihm bewusst machten, dass es die Trommel des Gurus war, der es wert war angebetet zu werden. Sie machten ihn auch darauf aufmerksam, dass der Guru große und gefürchtete Armee anführte. Überdies sei der Guru ein mutiger Mann, und somit wohl sehr nützlich als Verbündeter.

Als Raja Bhim Chand dies hörte, verlangte es ihm danach, dem Guru zu begegnen. Deshalb sandte er seinen obersten Minister um ein Treffen zu arrangieren, was vom Guru genehmigt wurde. Demzufolge machte sich der Raja mit seinen Höflingen auf den Weg nach Anandpur.

 

RAJA BHIM CHAND UND DER GURU:

 

     Raja Bhim Chand wurde mit den höchsten Ehren im darbar (Hof) des Gurus empfangen. Er bat den Guru darum, die Geschenke von Raja of Assam sehen zu können, und so zeigte man sie ihm. Bhim Chand wr durch die Herrlich keit des Zelts aus Kabul in höchstes Erstaunen versetzt.

 

Man sagte ihm, dies sei eine Gabe eines frommen Sikh aus Kabul. Als der Elefant während dieser Unterhaltung vor ihn geführt wurde, stand Bhim Chand wie gefesselt da und brachte seine uneingeschränkte Bewunderung zum Ausdruck, ob der Dinge die er gesehen hatte. Auf seiner Heimreise brannte er vor Neid auf die Besitztümer und den Wohlstand des Gurus, und so beschloss er –zumindest- den Elefanten in seinen Besitz zu bringen.

      Nach seiner Ankunft in der Hauptstadt eröffnete er den Angehörigen des Hofes seine Pläne. Man entschied sich dazu, dem Guru per Boten mitteilen zu lassen, dass Raja Fateh Chand von der Gesellschaft Garhwals kommen werde, um seine Tochter mit Bhim Chands Sohn zu vermählen, und dass sich Bhim deshalb gerne den Elefanten leihen wolle, um seinen Gästen den Wohlstand des Gurus vorführen zu können. Der Guru wusste, dass dies nur ein Trick war um in den Besitz des Tieres zu gelangen. Er sandte diese Antwort an Bhim Chand: “Der Raja, der mir den Elefanten zukommen ließ, verlangte, dass ich das Tier niemals aus meinem Besitz gebe. Es ist das Gebot im Hause des Gurus, solchen Bitten nachzukommen.“ 

Es heißt, dass der Raja seine Gesandten dreimal sandte, zuletzt Kesari Chand, den Raja von Jaswal, aber der Guru gab nicht nach und Bhim Chands Begehren blieb unerfüllt. Dadurch geriet er in rage und wollte Rache üben.

     Die meisten Masands waren von den kriegsgleichen Vorbereitungen des Gurus auf das Höchste beunruhigt und wandten sich deshalb an seine Mutter, damit sie ihn von solchen Handlungen abbringe und er nicht in Schwierigkeiten gerate. 

Als seine Mutter mit ihm darüber sprach, antwortete er: „Liebe Mutter. Ich wurde vom unsterblichen Gott gesandt. Sie, die Ihn verehren, sollen glücklich werden, aber jene, die unehrenhaft handeln und Steine verehren, sollen den entsprechenden Lohn dafür bekommen. Dies ist der Auftrag, den ich von Gott bekommen habe. Gebe ich heute Raja Bhim Chand den Elefanten, so werde ich morgen dafür bezahlen müssen.”

 

Nand Chand nahm an der Untteredung tel und sagte: “Mutter, hat ein Löwe jemals einen Wüstenhund gefürchtet? Hat jemals ein Mensch das Licht eines  Glühwürmchens bei hellem Sonnenschein gesehen? Was ist schon ein Tropfen Wasser im Vergleich zum Ozean? Der Guru ist ein mutiger Tiger, so glanzvoll wie die Sonne. Soll er sich vor Bhim Chand fürchten?“ Der Meister beendete die Diskussion, indem er sagte: “Liebe Mutter, befolge nicht den schlechten Rat der Masands. Sie sind feige geworden vom Essen der Gaben der Sikh.“ 

     Der Guru und seine Truppen übten sich weiterhin im Bogenschießen und widmeten sich der Jagd. Die Sikh kamen zu Besuch und brachten Waffen als Gaben dar. Jene, die für den Militärdienst kamen wurden bereitwillig aufgenommen und die Handhabung der Waffen gelehrt. Auf diese Weise versammelte der Guru eine Armme von beträchtlicher Größe.

 

DER GURU MACHT SICH AUF NACH PAUNTA SAHIB:

 

     In der Zwischenzeit lud der Raja Medani Parkash von Nahan den Guru zu sich ein. Die Einladung wurde angenommen und so machte sich der Guru auf den Weg nach Nahan. Gulab Rai und Sham Das wurde die Verteidigung von Anandpur anvertraut. Der Raja kam um den Guru zu begrüßen und ihn Willkommen zu heißen. Dann brachte er ihn in seinen Palast. Eines Tages nahem der Raja ihn mit auf einen Jagdausflug und beklagte sich über Streit mit Raja Fateh Shah von Garhwal wegen des Grunds, auf dem sie sich gerade aufhielten. Er meinte, er wäre sehr erfreut, wenn an dieser Stelle - zum Schutz vor dem Feinde-  eine Festung erbaut werden würde.

Der Guru errichtete ein Zelt an jener Stelle und hielt seinen Hof (darbar) ab. Er legte den Grundstein für eine Festung. Mit der Hilfe der Armee des Raja und dem Eifer und der Energie der Arbeiter, wurde die Festung binnen kurzer Zeit fertiggestellt. Der Guru nannte sie Paunta und begann dort zu leben und den Ausbau seiner Armee dort fortzusetzen. 

     Raja Fateh Shah von Garhwal gelangte zu dem Schluss, dass es angebracht sei mit dem Guru auf gutem Fuße zu stehen, da der Guru ja nun nahe seinem Herrschaftsgebiet lebte. Dem folgend, entschloss er sich dazu, dem Guru einen Besuch abzustatten. Er wurde mit großen Ehren am Darbar (Hofe) des Gurus empfangen.

Während seines Besuchs, sandte der Guru seinen Onkel Kirpal zu ihm, um vorzuschlagen, dass wohl in beider Sinne sei, wenn er und der Raja von Nahan gut miteinander auskämen.

 

Raja Fateh Shah gab augenblicklich seine Zustimmung. Dann ließ der Guru  nach dem Raja von Nahan schicken. Er brachte die beiden Rajas in vor seinem offenen Hofe zusammen, ließ sie einander umarmen und Freundschaft schließen.

     In  der Zwischenzeit kam ein Mann aus den Bergen mit den Neuigkeiten eines fürchterlichen Tigers, der das Vieh in der Gegend zerfleischte. 

Er bat den Guru, das Land von diesem wilden Tier zu befreien.

Er nahm die beiden Rajas und andere mit zu dem Ort, von dem es hieß, der Tiger halte sich dort auf.

Als er die Schritte der Jäger hörte, setzte sich der Tiger auf seine Hinterbeine und starrte seine Verfolger an.

Der Guru forderte alle auf, den Tiger mit Schwert und Schild anzugreifen. Niemand wagte sich vor. Also nahm er selbst sein Schwert und Schild und forderte den Tiger heraus. Der Tiger richtete sich mit lautem Gebrüll auf und sprang auf den Guru zu, der ihn mit dem Schild abwehrte und ihn gleichzeitig mit dem Schwert entzwei schlug. Die Rajas und die Jagdgesellschaft waren erstaunt und erleichtert über seine Stärke und Tapferkeit.

 

 

RAM RAIS RÜCKGEWINNUNG:

 

      Ram Rai, ältester Sohn Guru Har Rais, als er im Namen des Gurus nach Delhi gesandt wurde, verdrehte die heiligen Worte Guru Nanaks am Hof von Aurangzeb, um dadurch dem Imperator zu gefallen. Daraufhin enterbte ihn der Guru und exkommunizierte ihn von der Sikhreligion. Der Imperator schenkte ihm ein Anwesen, worauf er die Stadt Dehra Dun gründete und danach auch weiterhin wohnte. Ram Rai behauptete, er selbst wäre der echte Guru. Als bereitwilliges Werkzeug in den Händen des Muhgal Imperators war er immer bestrebt der Sache der Sikhs Abbruch zu tun. Da Guru Gobind Singh nun nach Paunta gekommen war, die nur dreißig Meilen von Dehra Dun entfernt lag, wurde Ram Rai ängstlich vor ihm und konnte den Mut nicht aufbringen, ihm entgegenzutreten. In Ram Rais Ratversammlung begann eine Diskussion über das Ganze. Als er von Ram Rais Angst hörte, sandte der Guru Nand Chand und Daya Ram zu ihm, ihn zu versichern, daß ihm nichts zuleide getan werden würde. Als Ram Rai die Botschaft des Gurus empfing, war er sehr erfreut. Nand Chand und Daya Ram schenkte er Ehrengewänder und entschied in freundschaftlichem Verhältnis zum Guru zu stehen.

      Es soll ein Treffen zwischen dem Guru und Ram Rai auf einer Fähre in der Mitte des Stromes stattgefunden haben. In Ehrerbietung berührte Ram Rai dem Guru die Füße und sagte, „Ich schätze mich glücklich, deinen Anblick bekommen zu haben. Schütze meine Familie, wenn ich nicht mehr da bin …früher pflegte mein Vater Guru Har Rai zu sagen, jemand von unserem Geschlecht geboren werden würde, der das Gefäß für die sichere Übertragung der Seelen wiederherstellen und ausbessern würde. Er bat ihn um Verzeihung. Während er in einer Trance war und den Bitten und Gebeten seiner Frau Punjab Kaur zum Trotz wurde Ram Rai von seinen Masands eingeäschert. Der Guru entsprach dann dem Wunsch Punjab Kaurs, indem er den schuldigen Masands ein strenges Strafmaß erteilte und diejenigen belohnte, die ihr treu geblieben waren.

 

PIR BUDHU SHAH:

 

      Pir Budhu Shah war ein moslemischer Heiliger, der zu Sadhaura wohnte, etwa zehn oder fünfzehn Meilen von Paunta Sahib entfernt. Wegen seiner Frömmigkeit war er bekannt und hatte eine große Anzahl von Anhängern. Er hatte von Guru Nanak und seiner Mission gehört. Er hatte auch noch erfahren, daß Guru Gobind Singh Guru Nanaks Thron zu der Zeit innehatte, und daß er sich in der Nachbarschaft aufhielte. Schließlich entschied er ihm einen Besuch abzustatten. Der Guru ließ den Pir bei dem hinsetzen, der flehentlich bat, „Bitte, sag uns doch, wie man Gott dem Allmächtigen begegnet.“ Während des Gesprächs fügte sich der Pir demütig dem Meister. Es gab ein Glühen in den Augen des Gurus, das göttliches Licht ausstrahlte und der Pir rief mit plötzlicher Freude aus, „Allah-hu-Akbar!“ – Groß ist Gott der Allmächtige. Nach einer Weile gestand der Pir, „Meister, ich war geistig blind und du hast mir das Licht gezeigt.“ Gesegnet sind die Seelen derer, denen der Guru die göttliche Gnade spendet.

 

DIE SCHLACHT ZU BHANGANI:

 

      Eines Tages bekam der Guru eine Einladung von Fateh Shah von Garhwal zur Hochzeit seiner Tochter mit dem Sohn Raja Bhim Chands von Kahlur, der dem Guru feindselig gesonnen war. Er entschied der Trauung nicht selbst beizuwohnen, sondern seinen Dewan, Nand Chand und Daya Ram, mit teueren Geschenken für die Prinzessin  abzusenden.

      Der kürzeste Weg für die Hochzeitsgäste führte durch Paunta Sahib; der Guru weigerte sich denen den Durchlass zu gewähren, da er kein Vertrauen in Bhim Chand hatte, der in Begleitung vieler Soldaten reiste. Nach vielen Verhandlungen erlaubte der Guru dem Bräutigam und einer kleinen Anzahl seiner Gefährten, die Furt bei Paunta Sahib überzusetzen. Die übrige Reisegruppe einschließlich Bhim Chand mussten einen großen Umweg machen nach Srinagar, der Hauptstadt des Staates Garhwal. Dieser Zwischenfall erboste Bhim Chand und er begann sich auf die Gelegenheit zu freuen, seine Wut auszulassen. Er wurde noch zorniger, als er erfuhr, daß der Gesandte des Gurus bei der Braut war, der Trauung beizuwohnen. Also weigerte er sich Fateh Shahs Tochter für seinen Sohn zu akzeptieren, solange er seine Freundschaft mit dem Guru aufrechterhielt. Darum bat Bhim Chand Fateh Shah zwischen ihm und dem Guru zu entscheiden. Fateh Shah musste nachgeben. Daraus ergab sich, daß Nand Chand und Daya Ram ihre Geschenke zurückbringen mussten. Auf dem Rückweg wurden Nand Chand und seine Reisegruppe von Bhim Chands Truppen überfallen, konnten aber nichtsdestoweniger heil und wohlbehalten zurückkehren. Nachdem die Hochzeit zu Ende war, hielte Bhim Chand eine Konferenz mit Fateh Shah und anderen Hügel-Rajas ab: Kirpal von Katoch, Gopal von Guler, Hari Chand von Hadur und dem Raja von Jaswal, die dort zugegen waren. Sie alle beschlossen den Guru auf dem Rückweg anzugreifen.

      Die Hügel-Rajas befahlen ihren Truppen auf Paunta Sahib zu marschieren. Schnell kam die Nachricht in bezug auf den bevorstehenden Angriff, bevor das Heer sich in Bewegung setzen konnte, sodaß der Guru nicht durch den Angriff überrascht wurde.

      Auf Empfehlung von Pir Budhu Shah hin wurden fünfhundert Pathaner ins Heer des Gurus einberufen und standen unter dem Befehl von fünf Hauptmännern: Kale Khan, Bhikan Khan, Nijabat Khan, Hyat Khan und Umar Khan. Die Panthans wurden besorgt wegen der Knappheit der dem Guru zur Verfügung stehenden Ressourcen und alle—ausgenommen  Kale Khan mit hundert Mann—ließen den Guru in letzter Minute im Stich und schlossen sich den Hügel-Rajas an. Außer ihrem Häuptling Mahant Kirpal ergriffen die Udasi Sadhus die Flucht. Der Guru informierte Budhu Shah in bezug auf das Fehlverhalten der Pathanenchen Soldaten. Pir Budhu Shah betrachtete ihr Verhalten als seine eigene Schande. Um den Verlust wiedergutzumachen, stellte Budhu Shah dementsprechend sich, seinen Bruder, seine vier Söhne und siebenhundert Jünger dem Guru zur Verfügung.

      Seine Truppen stationierte der Guru an einen herausragenden Ort in der Nähe von Bhangani, einem Dorf etwa sechs Meilen von Paunta Sahib entfernt. Die fünf Söhne Biba Viros (Sango Shah, Jit Mal, Gopal Chand, Ganga Ram und Mohri Chand) organisierten den Angriff für die Truppen des Gurus. Geschickte Unterstützung bekamen sie von Bhai Daya Ram, Dewan Nand Chand, Kirpal (dem Onkel des Gurus) und Mahant Kirpal. Während er seine Befehle wiederholte gürtete sich der Guru sein Schwert um, warf sich seinen Köcher um die Schultern, nahm seinen Bogen in die Hand, stieg auf sein Ross und „Sat Sri Akal“ mit seiner lautesten Stimme rufend stellte er sich seinen Feinden. Es steht aufgezeichnet, daß die Hufen seines Pferdes mit ihrer schnellen Bewegung Staubwolken aufwirbelten, welche die Sonne verschleierten, und die Jubelrufe seiner Männer ähnelten dem Donner der stürmischen, regnerischen Jahreszeit. Wie schon erwähnt schlossen sich Pir Budhu Shahs Truppen sowie einhundert Pathanen den Truppenn des Gurus an, die alle unter Kale Khans Kommando standen.

      Die feindlichen Truppen wurden von Raja Fateh Shah geführt, der von Raja Hari Chand von Hadur, Raja Gopal von Guler, Raja von Chandel, die Rajas von Dadhwal und Jaswal und vierhundert Pathanen angeschlossen wurde, die von der Seite des Gurus übergegangen waren. Es tobte ein heftiger, blutiger Kampf. Viele tapfere Soldaten fielen auf beiden Seiten. Obgleich das feindliche Heer den Männern des Gurus an Zahl weit überlegen war, hatte es doch weder die gleiche Opferbereitschaft noch die gleiche Hingabe seinen Führern gegenüber, wie die Sikhs sie hatten.

      Mahant Kirpal schlug Hayat Khan, den Häuptling der Pathanen, und tötete den Fahnenflüchtigen. Jit Mal und Raja Hari Chand lieferten sich einen Einzelkampf. Die Pfeile bohrten sich den Pferden in die Stirn hinein und beide Pferde fielen. Nach einer kurzen Atempause, als ihre Schwerter zusammenprallten, sank Hari Chand in Ohnmacht zum Boden und Jit Mal fiel tot um. Sango Shah, ein anderer Cousin des Gurus, sowie der Pathanerche Häuptling Nijabat Khan kämpften miteinander und beide fielen tot um. Daraufhin stieg der Guru auf sein Dienstpferd und ritt mitten in den Kampf hinein. Er schoss einen Pfeil auf den Pathanerchen Hauptmann Bhikan Khan. An diesem flog der Pfeil vorbei, tötete aber sein Pferd und Bhikan Khan suchte das Weite. Daraufhin begannen Nand Chand und Daya Ram eine grimmige Attacke gegen die entmutigten Pathaner, was eine große Abschlachtung der verräterischen Pathaner zur Folge hatte. Als die Hügelmänner die Niederlage der Pathaner sahen, fingen sie an vom Schlachtfeld zu fliehen. Bis jetzt hatte Hari Chand das Bewusstsein wiedererlangt, trat wieder auf der Szene auf und erschoss viele tapfere Männer mit seinen Pfeilen. Als er das sah, trat der Guru Hari Chand entgegen und er beschreibt die Schlacht in seiner Autobiographie Bachitar Natak wie folgt:

           

„Hari Chand, einer der Hügelhäuptlinge, zog die Pfeile wutentbrannt aus dem Köcher. Mit einem davon traf er mein Ross, schieß dann einen weiteren auf mich, aber Gott bewahrte mich und er zerkratzte mir nur das Ohr im vorbeifliegen. Sein dritter Pfeil durchdrang die Schnalle um meine Taille und kam in Kontakt mit meinem Körper, verletzte mich aber nicht. Es war allein Gott, der mich, seinen Diener, schützte. Als ich den Pfeil spürte, wurde mein Geist entfacht. Ich nahm meinen Bogen auf, zielte auf und tötete den jungen Häuptling Hari Chand beim allerersten Schuss. Ich ließ Pfeile im Überfluss fliegen. Daraufhin fingen meine Gegner an zu fliehen. Der Häuptling der Korari wurde auch vom Tode gepackt. Daraufhin flohen die Hügelmänner in Verwirrung und durch die Gunst Gottes des Allmächtigen trug ich den Sieg davon……“

                                                (Übersetzt)

      Der Guru ging zu der Stelle hin, wo die Leichen Sangho Shans, Jit Mals und anderer tapferen Sikhs lagen. Zwei Söhne Budhu Shahs wurden auch getötet. Der Guru befahl, daß die Erschlagenen auf beiden Seiten mit großen Ehren entsorgt werden sollten. Die Leichen der Sikhs wurden eingeäschert, die der Hindus in den Fluss hineingeworfen und die der Mosleme mit aller Feierlichkeit begraben. Pir Budhu Shah erschien mit seinen zwei überlebenden Söhnen vor dem Guru. In dem Moment kämmte sich der Guru gerade die Haare. Budhu Shah flehte ihn darum an, ihm den Kamm samt seinen losen Haaren als heiliges Andenken zu schenken. Der Guru schenkte ihm den Turban, sowie den Kamm mit Haaren und ein kleines Schwert. Als allergrößte Gabe segnete ihn der Guru mit Naam.

 

Bedeutung der Schlacht zu Bhangani:

 

      Der Sieg bei der Schlacht zu Bhangani war von weitreichender Bedeutung. Er erbaute den Geist und stärkte die Moral der Sikhs. Da der Guru nicht einmal einen Zoll des Territoriums erwarb und keinen materiellen Vorteil gewann, erhielte die von ihm befürwortete Sache zusätzliche Kraft. Er wurde weit und breit berühmt, was zur Folge hatte, daß der dem Guru zukommende Vorrat an Waffen und Pferden sich reichlich vermehrte und Hunderte und Aberhunderte von Menschen warben sich freiwillig seinem Heer an.

      Der Sieg des Gurus sorgte auch für Unruhe für die Mogul Regierung zu Delhi.

      Auch die Hügel-Rajas betrachteten die ganze Frage von neuem. Obwohl die Rajas und der Guru ideologisch völlig gegensätzliche Meinungen vertraten, wollten die Rajas freundliche Beziehungen zu dem Guru, und zwar vom eigenen Interesse angetrieben, den Moguls wegen der Herrschaft entgegenzuarbeiten und sich dadurch der Last ledig zu werden, dem Mogul Imperator jährliches Tribut entrichten zu müssen. Deswegen kam ihr Führer Raja Bhim Chand mit ihm überein.

 

RÜCKKEHR NACH ANANDPUR:

 

      Der Guru verweilte etwa drei Jahre zu Paunta Sahib und sein Ruhm lockte Dichter, Sänger und Gelehrte zu seinem Hof herbei. Während dieser Periode verfasste er Jap Sahib, Swayas und Akal Ustat.

      Seinem Heer befahl er nach Andapur zurückzukehren und er kam über Sadhura zurück und dann lagerte er ein paar Tage lang  zu Laharapur. Raja von Nahan sandte seinen Boten, um seinen Wunsch mittzuteilen, sich mit dem Guru zu treffen, aber dieser hat das nie getan. Als der Guru Nahan verließ, betrat er den Staat Ramargh und verweilte länger als eine Woche zu Tabra. Dann reiste er nach Raipur[2] auf eine Einladung der hiesigen Rani hin. Sie erwies ihm die größte Gastfreundschaft und schenkte ihm ein schönes Pferd mit kostbarem Schmuck und einen Geldbeutel voller Rupien als Opfergabe. Er schenkte ihrem Sohn ein Schwert und einen Schild. Danach setzte er seine Reise nach Anandpur fort und gelangte über Toda, Nada, Dhakoli, Kotla, Ghanaula und Bunga nach Kiratpur. Von dort aus erreichte er Anandpur im Oktober 1687. Der älteste Sohn Ajit Singh wurde am vierten Tag der hellen Hälfte Maghs, Sambat 1743 (1687 n. Chr.) geboren.

 

EXPIDITION ALIF KHANS:

 

      Südindien war aufgebracht. Daher war Imperator Aurangzeb viele Jahre lang damit beschäftigt, den Aufstand in Südindien zu unterdrücken. Der ganze Aufwand eines so langen Krieges wurde dadurch gedeckt, indem man viel Tribut in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes erhob. Zu der Zeit war Mian Khan ein Vizekönig von Jammu. Er sandte seinen Oberbefehlshaber Alif Khan auf die Hügel-Rajas Tribut zu erheben. Zunächst sprach er zu Raja Kirpal von Kangra, „Entweder du zahlst mir den Tribut oder wir streiten mit Waffen.“ Raja Kirpal machte ihm gewisse Geschenke, wonach er ihm sagte, Raja Bhim Chand von Kahlur der größte aller Rajas sei. Wenn er als erster den Tribut zahlte, würden alle anderen es ihm gleich tun. Wenn Bhim Chand sich weigerte zu zahlen, so würde er (Kirpal) ihm beistehen. Raja Dayal von Bijarwal wurde von Kirpal überredet, Alif Khans Forderungen zu entsprechen.

      Alif Khan nahm Raja Kirpals Vorschlag an und machte sich auf nach der Hauptstadt von Bhim Chands Staat. Er hielte zu Nadaun an und sandte seinen Boten mit seinen Forderungen zu Bhim Chand hin. Bhim Chand antwortete, daß er sich lieber verteidigen würde als den Tribut zu zahlen. Jedoch riet Bhim Chand sein Premierminister, daß der von ihm gewünschte Sieg nur dann gewährleistet werden könnte, wenn er Unterstützung vom Guru erhielte. Daraufhin sandte Bhim Chand seinen Premierminister zum Guru hin, um seine active Unterstützung zu erbitten. Der Guru erklärte sich bereit die Bewegung der Nichtzahlung des Tributs zu unterstützen, was den Auflehnungsgeist gegen den Mugalimperialismus symbolisierte. Der Guru kam persönlich an der Spitze eines starken Truppes. Auch die Rajas von Jaswal, Dadhwal und Jasrot kamen, um an dem bevorstehenden Krieg teilzunehmen.

      Bhim Chand began den Angriff mit spitzen Pfeilen, doch konnten sie dem Feind wegen dessen Stellung nichts anhaben und sie trafen nur die hölzernen Dachsparren der Festung. Den Truppen von Bhim Chand wurde der Kampf langsam gleichgültig. In diesem kritischen Augenblick spielte der Guru äußerst effektiv seine Rolle. Er nahm seine Schusswaffe und richtete sie auf Raja Dayal. Tapfer kämpfend fiel der Raja zum Boden. Der Guru schoss Pfeile, einen nach dem andern, auf den Feind. Pfeile und Kugeln flogen im Überfluss und die Schlacht schlug sich zu ihren Gunsten um. Alif Khan und seine Männer flohen und Bhim Chand trug den Sieg davon. Er verweilte eine Zeit lang zu Nadaun, wo er mit Alif Khan zu einer Übereinstimmung kam, und zwar durch Kirpal, der die Rolle eines Vermittlers spielte.

      Nachdem er etwa eine Woche lang dort geblieben war, kehrte der Guru nach Anandpur zurück. Sein Sohn, Jujhar Sing, wurde am siebten Tag des Monats Chet, Sambat 1747 (1691 n. Chr.) geboren.

 

DILAWAR KHANS VERSUCH DES GURUS MACHT ZU SCHWÄCHEN:

 

      Dilawar Khan, der im Punjab an die Macht kam während Aurangzeb im Daccan (Süden) war, wurde neidisch wegen des Gurus Ruhm und Erfolg. Er sandte seinen Sohn, Khanzada, mit einem Trupp von tausend Mann hin, um die Macht des Gurus zu Anandpur einzuschränken. Gegen Mitternacht setzte Khanzada den Fluss Satluj unter Deckung der Dunkelheit über, als sich der Kundschafter des Gurus, Alam Khan, beeilte, ihm die Nachricht in bezug auf die heranrückende feindliche Streitmacht zu überbringen. Die Trommel (Ranjit Nagara) wurde sofort gerührt und die Männer des Gurus marschierten unverzüglich an den Fluss. Die schnelle Aufstellung der Sikhs verwirrte den Feind und die Schusswaffen, die anfingen Salven abzufeuern, versetzten die Männer von Khanzada in Schrecken, sodaß sie sich taumelnd zurückziehen mussten. Dennoch plünderten sie den Dorf Barwa auf dem Rückweg. Vor Scham konnte Khanzada sich seinem Vater gegenüber nicht verantworten, als dieser ihn wegen seiner Feigheit zensierte. Das geschah Ende 1694.

 

HUSSAIN KHANS EXPEDITION:

 

      Dilawar Khan hatte einen Sklaven namens Hussain, der damit prahlte, daß er, wenn ihm dazu Gelegenheit geboten werden würde, des Gurus Stadt Anandpur ausplündern und von Bhim Chand und den anderen Hügel-Rajas Tribut erzwingen würde. Khanzadas Misserfolg veranlasste Dilawar Khan einen größeren Angriff auf den Guru zu planen, also schickte er Hussain Khan mit einer Streitmacht von zweitausend Mann. Hussain zwang den Raja von Dadhwal in die Knie und plünderte Dun. Raja Kirpal von Kangra schloss sich ihm an. Auch Bhim Chand tat sich mit Hussain zusammen. Dann plante er mit Hilfe von Kirpal und Bhim Chand nach Anandpur weiterzureisen. Der Guru hielte seine Truppen bereit, jeglichen unmittelbar drohenden Angriff abzuwehren.

      Als Hussain Vorbereitungen für den Marsch auf Anandpur traf, sandte Raja Gopal von Guler seinen Boten hin Frieden mit ihm zu schließen. Hussain erwiderte, daß er sich gerne mit Raja Gopal treffen würde, falls dieser ihm etwas Geldhilfe zukommen ließe, wie andere Rajas es getan hatten. Gopal ging mit etwas Geld hin, aber Hussain war nicht mit seinem Beitrag zufrieden. Hussain setzte die Bezahlung von zehntausend Rupien als Bedingung voraus, sonst würde er Gopal und seine Truppen hinrichten lassen. Gopal beteuerte seine Unfähigkeit diesen großen Betrag zu zahlen und kehrte also zurück. Jetzt sandte Gopal seinen Boten zum Guru hin, auf daß er für ihn um einen ausgehandelten Vergleich mit Hussain bete. Der Guru sandte seinen Vertreter, Sangtia, mit sieben Reitern als Geleitschutz, einen Friedensvertrag zwischen Gopal und Hussain auszuhandeln. Beide Parteien konnten keine Einigung erzielen, was einen darauffolgenden Kampf zur Folge hatte zwischen Hussain, Kirpal und Bhim Chand auf der einen Seite und Raja Gopal und Raja Ram Sing auf der anderen. Nachdem er sehr tapfer gekämpft hatte, ging Hussain auf dem Schlachtfeld zugrunde. Raja Kirpal von Kangra wurde auch erschlagen. Himmat und Kimmat, zwei Offiziere Hussain Khans, wurden auch getötet. Auf der anderen Seite wurden der Bote des Gurus, Sangtia, sowie dessen sieben Reiter alle getötet. Als er das sah, floh Bhim Chand mit seinem Heer. Nach seinem Sieg ging Raja Gopal mit großen Opfergaben zum Guru hin und dankte ihm für seine Gnade, die ihn erfolgreich auf dem Schlachtfeld gemacht hatte.

      Ein dritter Sohn, Zorawar Singh, wurde dem Guru am Sonntag, dem ersten Tag der zweiten Hälfte des Monats Magh, Sambat 1753 (1697 n. Chr.) geboren.

      Die Niederlage verärgerte Dilawar Khan und er sandte Jujhar Singh und Chandel Rai nach Jaswan, jedoch konnten sie das Vorhaben nicht erfüllen. Dennoch nahmen sie Bhalan in Besitz, einen Ort von strategischer Bedeutung in dem Staat. Bevor sie weitergehen konnten, fiel Gaj Singh von Jaswal auf sie. Jujhar Singh und Chandel Rai kämpften alle beide wie Löwen, aber Jujhar Singh wurde getötet und Chandel Rai floh vom Feld.

      Die Niederlage der kaiserlichen Truppen versetzte Aurangzeb in Angst und er sandte seinen Sohn, Prinz Muazzam, später unter dem Namen Bahadur Shah bekannt, um Ordnung in den Hügeln wiederherzustellen. Im August 1696 übernahm der Prinz den Befehl und setzte Mirza Beg ein, um den Hügel-Rajas eine Lektion zu erteilen. Er brachte dem Feind Niederlage um Niederlage bei, steckte Dörfer in Brand und plünderte das Territorium. Nach Mirza Beg sandte der Prinz vier weitere Offiziere hin, welche die Hügel-Rajas Seite an Seite züchtigten und die Häuser von Abtrünnigen plünderten, die der Vernichtung durch Mirza Beg entflohen waren.

      Nach einiger Zeit wurde dem Guru ein vierter Sohn, Fateh Singh, am Mittwoch, dem elften Tag von Phagan, Sambat 1755 (1699 n. Chr.) geboren.

      In der Abgeschiedenheit und Ruhe der Berge übersetzte der Guru die Sanskritwerke im Sambat 1755 (1699 n. Chr.). Es war am 14. Juni dieses Jahres, daß der Guru seiner eigenen Geschichte zufolge die Übersetzung des Ram Avtars aus dem Sanskrit ins Hindi fertig stellte. Die meisten schriftlichen Arbeiten, die vom zehnten Guru verfasst worden sein sollen, sind nicht von ihm. Macauliffe schreibt:

           

      „Das, was man den Granth des zehnten Gurus (Dasam Granth) nennt, ist nur zum Teil von ihm. Der Großteil davon wurde von von ihm angestellten Barden verfasst. Die beiden sich darin befindenden Werke mit den Titeln Chandi Charitar und die Bhagauti ki Var sind abgekürzte Übersetzungen von verschiedenen Schreibern (jeder, der das Hindi auch nur flüchtig kennt, kann an internen stilistischen Merkmalen erkennen, daß diese Übersetzungen von verschiedenen Personen gemacht worden sind) der Durga Sapt Shatti, oder den siebenhundert Sloks zum Thema Durga, einer Begebenheit im ‘Markandeya Purana’ über die Wettkämpfe der Göttin Durga mit Dämonen, die Krieg gegen die Götter geführt hatten.“

      Es gab zweiundfünfzig[3] Barden am Hof Guru Gobind Singhs, um das  

Mahabharata, das Ramayana und die großmütigen Leistungen von Rama, Krishna, Chandi und anderen zu übersetzen. Es lässt sich nicht daraus schließen, der Guru hätte diejenigen angebetet, deren Taten so gefeiert wurden; es wurde nur zu dem Zweck getan, um zur Tapferkeit anzuregen, Feigheit zu verbannen und das Herz seiner Truppen mit Mut zu erfüllen den Glauben zu verteidigen. Das erklärt der Guru selbst in seiner Übersetzung des zehnten Liedes des Bhagwats: „In die gemeine Mundart habe ich das zehnte Kapitel des Bhagwats übersetzt, und zwar zu keinem anderen Zweck, als nur um Begeisterung für religiöse Kriegsführung zu wecken.“

      Der Guru setzte sein Vertrauen in und verehrte keinen anderen, als nur den Einen Unsterblichen Gott. Im Akal Ustat schreibt er:

 

„Außer dir (Gott) bete ich niemanden an

Jeden Segen, den ich mir wünsche, erhalte ich von dir.“

 

Der Guru verdeutlicht den obigen Sachverhalt in seinen dreiunddreißig Swayas:

 

„Manche machen sich ein Götterbild an die Brust fest; manche sagen, Shiva sei Gott,

Manche sagen, Gott sei im Tempel der Hindus; andere glauben, er sei in der Moschee der Moslemen;

Manche sagen, Rama sei Gott; manche sagen Krishna; manche nehmen die Inkarnationen im Herzen als Gott an;

Aber ich habe alle unnützen Religionen vergessen und weiß in meinem Herzen, daß der Schöpfer der einzige Gott ist.“

(Swaya- XII)

„Warum soll man Shiva Gott nennen, und warum soll man von Brahma reden, als sei er Gott? Gott ist nicht Rama Chandra, Krishna, oder Vishnu, die ihr meint, sie seien die Herren dieser Welt.

Sukhdev, Prasar und Vyasa gingen in die Irre, indem sie den Einen Gott verließen und viele Götter verehrten.

Alle haben falsche Religionen aufgestellt; ich glaube in jeder Hinsicht, daß es nur Einen Gott gibt.“

(Swaya-XV, Guru Gobind Singh)

 

GRÜNDUNG DER KHALSA:

 

      Der Guru sandte Hukamnamas zu seinen Jüngern im ganzen Land hin, auf daß sie Anandpur zur Zeit des Baisakhi Festivals besuchten, das im Sambat 1756 (1699 n. Chr.) gehalten werden sollte; und sie kamen aus allen Teilen des Landes.

      Ein kleines Zelt wurde auf einem kleinen Hügel aufgeschlagen, das jetzt Kesgarh Sahib zu Anandpur heißt und eine Dewan (Versammlung) wurde im Freien abgehalten. Der Guru zog sein Schwert aus der Scheide und sagte mit Donnerstimme, „Ich will ein Haupt, ist hier jemand, der mir eines anbieten kann?“ Diese äußerst ungewöhnliche Aufforderung sorgte für etwas Schrecken unter den Versammelten und die Leute waren wie vom Donner gerührt. Es herrschte Todesstille. Erneut machte der Guru die Aufforderung. Niemand meldete sich. Es herrschte weiterhin Stille. Beim dritten Aufruf stand Daya Ram, ein Khatri von Lahore, der sagte, „O wahrer König, mein Haupt steht dir zu Diensten.“ Der Guru nahm Daya Ram beim Arm und führte ihn ins Zelt. Ein Schlag und ein dumpfer Aufschlag waren zu hören. Dann kam der Guru, sein Schwert mit Blut triefend, heraus und sagte, „Ich will noch ein Haupt, ist hier jemand, der es mir anbieten kann?“

 

ANMERKUNG: Die meisten Autoren, einschließlich vieler Sikh-Autoren, behaupten, daß der Guru fünf Ziegen am Vorabend im Zelt verborgen hatte, ohne irgendjemand Bescheid zu sagen. Daher enthauptete er eine Ziege anstatt Daya Ram, als er diesen ins Zelt brachte. Diesen Autoren fällt es schwer die übernatürlichen Taten des Gurus anzuerkennen. Sie können es nicht begreifen, daß er Guru Daya Ram enthaupten, ihn dann wieder lebendig aus dem Zelt bringen konnte. Sie müssen einsehen, der Guru war ein göttlicher Jot, der auf dem göttlichen Thron Guru Nanaks saß. Sie zeigen sich dem Guru gegenüber völlig respektlos, indem sie andeuten, er sei nicht in der Lage übernatürliche Taten zu vollbringen. Durch diese Art von Gedanken begehen diese Schreiber ein Sakrileg gegen die Guruwürde. Der Guru hatte Macht die Toten zu erwecken. Das göttliche Wort bestätigt:

 

„ Satgur mera mar jiwalei.“

            (Bhairon Mohalla 5, S. 1142)

     

      „Mein Herr kann die Toten zum Leben erwecken.“

            (Übersetzung der obigen Aussage)

Das war keine gewöhnliche Leistung, das war die unvergleichbarste, übernatürlichste Tat, die unmittelbar durch den Willen Gottes vollbracht wurde. Der Guru selbst erklärt diese Tat für echt:

 

„Khalsa ist das Heer Gottes.

Khalsa ist durch den Willen Gottes erschaffen.“

                              (Guru Gobind Singh- Sarbloh Granth)

Wiederum trat Dharam Das beim dritten Aufruf nach vorne und sagte, „O wahrer König! Mein Haupt steht dir zur Verfügung.“ Der Guru brachte Dharam Das ins Zelt, ein Schlag und ein dumpfer Aufschlag waren abermals zu hören und er kam mit seinem mit Blut triefenden Schwert heraus und wiederholte, „Ich will noch ein Haupt, ist hier irgendeiner geliebter Sikh, der es mir anbieten kann?“

      Daraufhin bemerkten einige der Versammelten, der Guru hätte den Verstand ganz und gar verloren und gingen, sich bei seiner Mutter zu beschweren. Mokham Chand[4], ein Wäscher aus Dwarka (Indiens Westküste) brachte sich als Opfer dar. Der Guru brachte ihn ins Zelt und führte den gleichen Vorgang aus. Als er herauskam, rief er nach einem vierten Kopf aus. Die Sikhs fingen an zu glauben, er würde sie alle töten. Einige von ihnen liefen weg und die anderen ließen sich das Haupt hängen. Himmat Chand, ein Koch von Jagan Nath Puri, bot sich als ein viertes Opfer an. Der Guru machte einen fünften und letzten Aufruf nach einem fünften Haupt. Sahib Chand, ein Friseur aus Bidar (in Zentralindien), trat nach vorne und der Guru brachte ihn ins Zelt. Ein Schlag und ein dumpfer Aufschlag waren zu hören.

      Beim letzten Mal blieb er länger im Zelt. Die Leute fingen an erleichtert auszuatmen. Der Guru kleidete sie in prächtige Gewänder. Sie boten dem Guru ihr Haupt an und jetzt hatte ihnen der Guru sich selbst und seine Ehre gegeben. Als sie herausgebracht wurden, waren die von der glänzendsten Gestalt. Es gab Aufschreie der Verwunderung und Seufzer des Bedauerns auf allen Seiten. Jetzt tat es dem Volk Leid, daß sie ihr Haupt nicht angeboten hatten.

      Seit den Tagen Guru Nanaks war Charanpahul die übliche Einweihungsform gewesen. Die Leute sollten Weihwasser trinken, das vom Zeh oder Fuß des Gurus berührt oder gewaschen worden war. Der Guru weihte sie dann in seinen neuen Orden ein, indem er fünf glaubenstreue Sikhs bat aufzustehen. Er tat reines Wasser in ein eisernes Gefäß oder eine eiserne Schüssel (Batta von Sarbloh) und rührte es mit einem Khanda (einem kleinen, zweischneidigen Schwert). Während er das Wasser mit dem Khanda umrührte rezitierte er Gurbani oder das Göttliche Wort (fünf Banis: Japji, Jap Sahib, Anand Sahib, Swayas und Chaupai). Zuckerkristalle, genannt ‘Patasas’, welche die Frau des Gurus zufälligerweise in dem Moment hergebracht hatte, wurden ins Wasser gemischt.

      Dann stand der Guru auf mit dem heiligen Amrit (Nektar) in der stählernen Schüssel zubereitet. Jeder der fünf Gläubigen kniete einer nach dem anderen auf das linke Knie und schaute zum Meister hoch, um sein Ewiges Licht zu empfangen. Jedem einzelnen gab er fünf Palme voll Amrit zu trinken und sprenkelte ihn denen fünfmal in die Augen, wobei er sie aufforderte, bei jedem Sprenkeln „Waheguru ji ka Khalsa, Waheguru ji ki Fateh“ zu wiederholen (Das hieß: Khalsa gehört Gott und seinem Namen sei aller Triumph). Dann salbte er sie mit fünf Sprenkeln in die Haare. Auf diese Weise wurde den fünf Gläubigen Amrit aus der selben Schüssel geschenkt. Danach bat er sie einen kleinen Schluck Amrit aus der gleichen Schüssel zu trinken, um ihre Einladung zur Aufnahme in die kastenlose Bruderschaft der Khalsa zu symbolisieren. Alle fünf Gläubigen wurden auf diese Weise vom Guru getauft, der sie dann ‘PANJPYARE’ oder Fünf Geliebte nannte. Er verlieh ihnen die Bezeichnung SINGHS oder Löwen und sie wurden von Daya Ram in Daya Singh, Dharam Das in Dharam Singh, Mohkam Chand in Mohkam Singh, Himmat Chand in Himmat Singh und Sahib Chand in Sahib Singh umbenannt. Der Guru sprach sie dann als die Obersten, die Befreiten, die Reinen an und nannte sie DIE KHALSA.

 

      Er befahl ihnen dann Folgendes zu tun:

 

I. Erstens müssen sie folgende Artikel tragen, deren Bezeichnungen mit ‘K’ anfangen:

 

      1. Kes: ungeschorenes Haar (ungeschnittenes Haar). Das stellt    

            das natürliche Erscheinungsbild der Heiligkeit dar. Das ist

            das erste Zeichen der Sikh-Religion.

      2. Kanga- Ein Kamm zum Saubermachen des Haares.

      3. Kachha- Ein Unterkleid zum Zeichen der Keuschheit.

      4. Kara- Ein stählerner Armreif, ein Symbol der Hingabe dem

            Göttlichen Bräutigam gegenüber.

      5. Kirpan- Ein Schwert zur Selbstverteidigung und ein Symbol

            der Würde, der Macht und des unbesiegbaren Geistes.

 

II. Sie müssen folgende Richtlinien beachten:

 

      1. Kein Haar vom Leibe entfernen.

      2. Auf Tabak und andere Rauschmittel verzichten.

      3. Kein ‘Kutha’ essen, das Fleisch eines nach und nach in

            langsamen Graden geschlachteten Tieres, wie die Mosleme

            es tun.

4. Keinen Ehebruch begehen- ‘Par nari ki sej, bhul supne

                                                hun na jayo’

                                    (genieße nie, auch nicht im Traum, das Bett

                                    einer Frau außer der eigenen Frau)

         (Eine weitere Anordnung wurde dahingehend erlassen, daß

         ein jeder, der eine der vier Richtlinien nicht beachtete, wieder

         getauft werden muss, Bußgeld bezahlen und versprechen

         muss nicht mehr dagegen zu verstoßen, sonst müsse er von

         der Khalsa exkommuniziert werden).

 

III. Beim Tagesanbruch müssen sie aufstehen, sich baden, über

      Gurmantar- ‘Waheguru’ meditieren, sowie Moolmantar, die

      Vorrede des Japjis, und morgens fünf Banis- Japji, Jap Sahib

      und Swayas rezitieren; Rehras am Abend und Sohela in der

      Nacht zur Schlafenszeit.

 

IV. Sie dürfen keine ehelichen Beziehungen mit Rauchern haben,

      mit Personen, die ihre Töchter getötet haben, mit Nachkommen

      oder Anhänger Prithi Chands, Dhir Mals, Ram Rais, oder

      Masands, die von den Lehren und Grundsätzen Guru Nanaks

      abgeirrt waren.

 

V. Sie dürfen keine Götzen, Friedhöfe oder Einäscherungsgelände

      verehren und müssen an nur Einen Unsterblichen Gott glauben.

 

      Des weiteren legte der Guru fest, sie sollten Kampfkünste üben und dem Feind niemals den Rücken zeigen auf dem Schlachtfeld. Sie sollten immer bereit stehen, den Armen zu helfen und diejenigen zu schützen, die ihren Schutz suchten. Sie sollten ihre früheren Kasten für gelöscht und sich alle als Brüder einer einzigen Familie halten. Sikhs sollten untereinander heiraten.

 

DER MEISTER WIRD ZUM JÜNGER:

 

      Nachdem der Guru seinen Fünf Geliebten Amrit geschenkt hatte, stand er auf im Gebet und mit verschränkten Händen und bat sie, ihn auf die gleiche Weise zu taufen, wie er sie getauft hatte.  Das war der Höhepunkt dieser bemerkenswerten Begebenheit, wobei der Welt ein unvergleichbares Beispiel gegeben wurde, indem er zunächst als Guru die Khalsa gründete und sie mit Macht, Vormacht und Herrlichkeit segnete und dann wurde er selbst ihr Jünger- Wunderbar ist Guru Gobind Singh, selbst der Meister und selbst der Jünger. In den Annalen der Menschheitsgeschichte konnte ein Jünger ein Guru, aber niemals ein Guru ein Jünger werden. Die Fünf Geliebten waren verwundert bei einem solchen Vorschlag und erklärten ihre eigene Unwürdigkeit, sowie die Größe des Gurus, den sie für Gottes Vizekönig auf Erden hielten. Sie fragten ihn, weshalb er eine solche Bitte machte und warum er in Bittstellerhaltung vor ihnen stand. Er erwiderte, „Ich bin der Sohn des Unsterblichen Gottes. Es ist nämlich auf sein Geheiß hin, daß ich geboren worden bin und diese Taufform festgesetzt habe. Diejenigen, die sie annehmen, werden fortan als die KHALSA bekannt sein. Die Khalsa ist der Guru und der Guru ist die Khalsa. Es besteht keinen Unterschied zwischen dir und mir. So wie Guru Nanak Guru Angad auf den Thron setzte, so habe ich euch auch zu einem Guru gemacht. Darum schenkt mir ohne jegliches Zögern von dem Taufnektar.“

      Dementsprechend tauften die Fünf Geliebten den Guru mit den gleichen Zeremonien und Formeln, die er selbst eingesetzt hatte. Der Guru wurde dann Gobind Singh genannt anstatt Gobind Rai.

      Guru Gobind Singh war der erste, der Amrit von der Khalsa, den Fünf Geliebten, nahm. Etwa 80.000 Männer und Frauen wurden innerhalb weniger Tage zu Anandpur getauft.

      Indem er die Khalsa gründete, bettete der Guru zwei Eigenschaften in eine Person ein. Eine Khalsa ist ein Heiliger-Soldat. Ein Sikh ist ein Heiliger, weil er den Alles-Durchdringenden Göttlichen Geist verehrt und jemand ist, in dem jener Geist Tag und Nacht leuchtet wie beim Vollmond. Ein Sikh ist ein Soldat, weil er immer bereit ist zu den Waffen zu greifen, um Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten.

      Der Guru versprach den Fünf Geliebten (der Khalsa), er würde ihrem Vorschlag zustimmen, wann auch immer sie auf ihn riefen. Das war die Gründung der demokratischen Khalsa. Der Guru erfüllte dieses Versprechen, indem er der Forderung der Fünf Geliebten bei der Schlacht zu Chamkaur beugte und die Garhi verließ.

 

      Der Guru selbst definiert seine geliebte Khalsa:

 

      „Wer stets im Sinne behält,

      auf das Immer Wache Lebendige Licht des Bewusstseins

      bedacht

      Und nie vom Gedanken des Einen Gottes abweicht;

      Und der mit vollem Glauben an ihn geziert ist,

      Und der ganz von der Liebe des Herrn durchdrungen ist,

      Und auch durch Irrtum sein Vertrauen nie ins Fasten setzt

      Oder in die Verehrung von Grabmälern, Grabstätten oder

      Krematorien,

      Sich nicht um Wallfahrten, Almosen, Wohltätigkeiten,

      Bußen oder Entbehrungen kümmernd;

      Oder sonst noch etwas außer Hingabe an den Einen Gott;

      Und in dessen Herzen und Seele das Göttliche Licht

      Hervorleuchtet wie der Vollmond;

      Er ist als Khalsa bekannt, der reinste der Reinen.“

                              (Guru Gobind Singh- Swayas)  

      Der persische Geschichtsschreiber Gulam-ul-din, der Nachrichtenschreiber jener Periode, schickte ein Exemplar der Ansprache des Gurus an seine Sikhs am 1. Baisakh, Sambat 1756 (1699 n. Chr.), die folgendermaßen lautet:

 

      „Lasst alle einen Glauben bereitwillig annehmen und

      Religionsverschiedenheiten vertilgen. Lasst die vier

Hindukasten, die verschiedene Regeln für ihre Leitung haben, sie alle aufgeben, die eine Verehrungsform annehmen und Brüder werden. Lasst niemand sich einem anderen für überlegen halten. Lasst niemand den Ganges beachten und andere Wallfahrtsorte, von denen mit Ehrfurcht in den Shastras gesprochen werden, oder Inkarnationen wie Rama, Krishna, Brahma und Durga anbeten, sondern glaubt an Guru Nanak und die anderen Sikh-Gurus. Lasst Männer der vier Kasten meine Taufe empfangen, aus einer Schale essen, und sich gegenüber keinen Abscheu oder keine Verachtung empfinden.“

      Als der Guru die Versammelten ansprach, standen mehrere Brahmans und Khatris auf und bekehrten sich zur Religion Guru Nanaks während andere darauf bestanden, sie würden nie irgendwelche Religion annehmen, die gegen die Lehren der Vedas und Shastras war.

      Bis dahin war die Herrschaft in den Händen der nichtkämpferischen städtischen Khatris geblieben, von denen die Mehrheit der Masands stammten, aber jetzt hatte sich die Lage völlig geändert. Das Landsvolk und andere Bevölkerungsschichten aus ländlichen Gebieten bildeten den Großteil der Bekehrten. Sogar diejenigen Menschen, die für den Abschaum der Menschheit gehalten worden waren, wurden wie durch einen Zauber in etwas reiches und hervorragendes verwandelt. Die Kehrer, die Friseure und Zuckerbäcker, die noch nie ein Schwert berührt hatten und deren ganzen Generationen als Sklaven der höheren Kasten gelebt hatten, wurden tapfere Krieger unter der anregenden Führung des Gurus.

      Ideologisch gesehen wurde die Khalsa deswegen gegründet, um eine ausgeglichene Verbindung der Ideale Bhakti und Shakti zu erzielen, der moralischen und geistigen Vortrefflichkeit, sowie kämpferischen Heldenmut oder Heroismus höchsten Ranges; oder mit anderen Worten sollte die Khalsa eine Bruderschaft im Glauben und eine Bruderschaft unter Waffen zu einer und derselben Zeit. Die Khalsa symbolisierte an sich die Entschlossenheit, die von Guru Nanak eingeführte soziale und religiöse Revolution zu vollenden. Der für die neulich gegründete Khalsa vorgeschriebene Verhaltenskodex war so entworfen, daß den Sikhs eine strenge Disziplin auferlegt wurde, um auf deren Seite strenge Einhaltung der und Verpflichtung zu den heiligen und hochfliegenden Idealen des Sikhismus zu gewährleisten.

      Mit der Gründung der Khalsa einhergehend wurden einige neue Lehren festgelegt. Die erste Lehre der Khalsa war die Lehre der theokratischen Demokratie durch seine fünf ausgewählten, nicht gewählten, Vertreter des Volkes von überall im ganzen Lande während die zweite die Lehre der kollektiven Verantwortung war, wobei allein die Fünf Geliebten bevollmächtigt waren, in der Gegenwart des heiligen Guru Granth Sahibs Befehlsgewalt zu übernehmen, der von der ganzen Nation bedingungslos Folge geleistet werden sollte.

      Der Guru befreite die Seelen der Khalsa und erfüllte ihnen das Herz mit einem hochfliegendem Sehnen nach religiöser und sozialer Freiheit und nationaler Vorherrschaft. Darum nahm die Khalsa die Herausforderung an, den durch die Tyrannei des mächtigen Mogul-Imperiums insperierten Terror zu bekämpfen und mit einem nationalen Befreiungskampf anzufangen.

 

BHAI NAND LAL:

 

      Bhai Nand Lal Goya, geboren 1643 zu Ghazni in Afghanistan, war ein gekonnter persischer Gelehrter, der Gott und Guru Gobind Singh zum Lob Verse komponierte. Er war kaum neunzehn Jahre alt, als seine Eltern verstarben und danach zog er nach der Stadt Multan um. Da der Nawab von Multan von seinen akademischen Talenten und seiner Persönlichkeit beeindruckt war, ernannte er ihn zu seinem ‘Mir Munshi’ (Steuerbeamten). Mit 45 kündigte Nand Lal den Dienst und machte sich auf die Suche nach Frieden auf. Endlich gelangte er nach Anandpur. Nand Lal wollte den Guru auf die Probe stellen, bevor er ihn annehmen konnte. Er zog in ein kleines Haus und begann darin zu wohnen und entschloss sich, er würde erst dann zum Guru gehen, wenn der Guru ihn herbeirief. Eine Zeit lang rief der Guru nicht. Während dieser Periode wurde Nand Lal sehr ruhelos, was er aufzeichnete:

 

      „Wie lange soll ich geduldig warten?

      Mein Herz sehnt sich ruhelos nach deinem Anblick,

      Meine tränenvollen Augen, sagt Goya,

      Sind zu überflutenden Liebesströmen geworden,

      In leidenschaftlicher Zuneigung an dich heranfließend.“

                                (Nand Lal- Übersetzt)

Endlich rief der Guru nach Nand Lal. Als er dort ankam seinen heiligen Anblick zu bekommen, saß der Guru in einer Trance mit geschlossenen Augen. Als Nand Lal den Meister sah, war er sehr verwundert und er schrieb:

 

      „Mein Leben und Glauben sind in Gefangenschaft gehalten,

      Von seinem süßen und engelsgleichen Angesicht;

      Die Herrlichkeit des Himmels und der Erde

      Ist kaum

      Ein Haar seines goldenen Aussehens wert.

 

      O! Wie kann ich das Licht ertragen,

      Vom durchdringenden Blick seiner Liebe ausgestrahlt,

      Um das Leben zu erheben und erleuchten

      Genügt ein flüchtiger Blick auf den Geliebten.“

                                   (Bhai Nand Lal)

      Nach einer kurzen Weile öffnete der Meister die Augen und lächelte, als er seinen Blick auf Nand Lal richtete. Durch das bloße Aufmachen seiner Augen befähigte er Nand Lal das Göttliche zu sehen. Sein einziger Gnadenblick öffnete Nand Lal die geistigen Augen. Er neigte sich und sagte, „Herr, meine Zweifel sind verbannt. Ich habe die Wahrheit erkannt. Die Türen meines Herzens stehen offen und ich habe Frieden erlangt.“

      Darum wohnte Nand Lal weiterhin zu Anandpur im Dienste und in der Liebe des Meisters. Eines Tages befahl ihm der Guru, „Du hast dein Zuhause verlassen und die Welt abgeschworen; eine solche Entsagung ist mir nicht annehmbar. Kehre zurück und lebe in der Welt; arbeite für deinen Lebensunterhalt und diene der Menschheit, aber bleibe Maya (Materialismus) unabhängig und erhalte Gott lebendig in deinem Sinne.“ Nand Lal fragte, „Wohin sollte ich gehen, O Meister?“ Der Guru erwiderte, „In welche Richtung auch immer deine Füße dich tragen.“

      Bhai Nand Lal neigte sich und verließ Anandpur und nach einer Weile gelangte er nach Agra, der Stadt des Taj Mahals, wo Prinz Bahadur Shah seinen Hof hielte. Es gab einige vom Prinzen unterstützte Dichter, Gelehrte und Künstler. Nand Lal wurde bald zu Agra als ein großer Gelehrter anerkannt, wodurch er ein hohes Amt und Dienstbezüge vom Prinzen verdiente. Imperator Aurangzeb soll einen Brief an den König von Persien geschickt haben und Nand Lals Entwurf dieses Briefes wurde für den passendsten befunden. Daraufhin schickte Aurangzeb nach Nand Lal und nach einem Interview bemerkte er seinen Höflingen, es sei schade, daß ein solcher Gelehrter ein Hindu bleiben soll. Aurangzeb befahl Prinz Bahadur Shah, Nand Lal wenn möglich durch Überredungskunst zum Islam zu bekehren und wenn nicht durch Gewalt. Diese Nachricht wurde bekannt und Bhai Nand Lal entkam eines Nachts aus Agra mithilfe von Ghiasuddin, einem moslemischen Bewunderer und Anhänger, und floh nach Anandpur, dem einzigen Ort, wo solche Flüchtlinge sicheres Asyl finden konnten.

      Bhai Nand Lal genoss das glückselige Leben zu Füßen des Meisters zu Anandpur und gewöhnte sich dann an die Routine eines ergebenen Jüngers. Er schenkte dem Guru ein persisches Werk, das Bandagi Nama, Gott zum Lob hieß, ein Titel, den der Guru in Zindagi Nama, oder Shenker Ewigen Lebens, umbenannte. Die folgenden paar Auszüge stammen aus diesem Werk:

 

„Beide Welten, hier und das Jenseits, sind mit Gottes Licht erfüllt; Die Sonne und der Mond sind bloß Diener, welche seine Fackel halten.

............................................................

Diejenigen, die Gott suchen, sind immer zivil…………

                                   (Bhai Nand Lal- Übersetzt)

Eine sehr wichtige Anmerkung: Manche behaupten, Bhai Nand Lal und Bhai Ghanaya hätten keinen ‘Amrit’ von den Fünf Geliebten genommen und es sei folglich nicht notwendig ‘Amrit’ zu nehmen oder Amritdhari Sikh (ein getaufter Sikh) zu werden. Sie irren sich. ‘Amrit’ von den Fünf Geliebten (Panj Piare) ist jetzt die einzige Taufform (Guru dharan karna) in Sikhismus. Ohne sie kann man der Herde des Gurus nicht beitreten oder ‘Guruwala’ (des Gurus) werden. Vom ersten bis den zehnten Guru wurde die Taufzeremonie von den Gurus selbst vollzogen und erst nach einer solchen Zeremonie konnte jemand ‘Guruwala’ (dem Guru gehörend) werden. Sowohl Bhai Nand Lal als auch Bhai Ghanaya wurden vom Guru getauft, bevor die Fünf Geliebten 1699 gegründet wurden. Nach der Taufe muss man nicht wieder getauft werden, es sei denn, man begeht ‘kurehat’ (Sünde). Um Gurus Sikh zu werden, muss man getauft werden. Nach der Zeit der Gurus ist ‘Amrit’ von den Fünf Geliebten die einzige Taufform in der Sikh-Religion. Die Fünf Geliebten werden Naam spenden. Die Meditation über Naam bringt das Seelenheil. In Sikhismus kann niemand außer Panj Piare Naam spenden. Diese Vollmacht Naam zu spenden hat nur Panj Piare durch den Guru inne. Ohne Naam kann man das Seelenheil nicht erlangen und man kann Naam nicht erlangen ohne den Guru:

 

„In all den vier Zeitaltern ist die Herrlichkeit durch Gottes Namen

Und wer sich dem Namen widmet ist befreit, (aber)

Ohne den Guru erhält niemand den (Wahren) Namen.“

                                    (Ramkali Moh. 3, S. 880)

Ohne die Taufe kann man die Stufen der geistigen Leiter nicht hinaufsteigen, um zur Stufe äußerster Wonne zu gelangen.

 

BHAI JOGA SINGH:

 

      Von seiner frühen Jugend an wohnte Joga Sing im Darbar des Gurus und war ein bedeutender Anhänger. Eines Tages fasste ihn der Guru ins Auge und er fragte nach seinem Namen. Er antwortete, „O wahrer König, mein Name ist Joga Singh.“ Der Guru fragte, „Wessen Joga bist du?“ (Joga bedeutet für wessen Dienst er taugt oder einfach wem er gehört?) „Ich bin Guru Joga (Ich bin im Dienste des Gurus),“ erwiderte Joga Singh. Daraufhin versprach der Guru, „Wenn du Guru Joga bist, dann ist Guru tere Joga (dann ist der Guru für dich).“

      Nach einiger Zeit reiste Joga Singh heim nach Peshawar für seine Hochzeit. Als die Trauung um die Hälfte vorbei war, kam ein Mann an mit einer dringenden Botschaft vom Guru, er solle unverzüglich nach Anandpur reisen. Joga Singh las den Befehl und machte sich sofort nach Anandpur auf, ohne die Trauung vollzogen zu haben. Gurus Befehl zu gehorchen stellte er über alles andere. In der Tat ist der Pfad der Anhänger schärfer als die Klinge eines Rasiermessers und sogar schmäler als die Haaresbreite, worauf sie zu treten haben.

      Joga Sing setzte seine Reise nach Anandpur so schnell er konnte fort. Nachdem der durch Lahore und Amritsar gereist hatte, erreichte er eine Raststätte zu Hoshiarpur. Auf dem Weg wurde er mit Stolz aufgeblasen und er dachte, „Wer hätte wie ich handeln können? Bestimmt würden sehr wenige Sikhs den Befehl des Gurus so ausführen wie ich.“ Dieses Stolzgefühl brachte ihn zum Fall. Des Nachts wurde er von böser Leidenschaft überwältigt und er ging auf das Haus einer Dirne hin. Joga Singh trug Gurus Uniform- einen Turban und einen Bart. Auf dem Weg zur Dirne redete Joga Singh vor sich hin, „Falls mich jemand beim Betreten des Hauses einer Dirne sieht, wird es dem Guru eine Schande machen. Äußerlich trage ich Gurus Kleidung. Darum sollte niemand mich sehen, wie ich ins Haus der Dirne hineingehe.“

      Sobald er in der Nähe vom Haus der Dirne kam, erschien ein Wächter, der laut sagte, „Seid auf der Hut, Genossen!“ Joga Singh konnte das Haus nicht betreten und er ging zur nächsten Strasse. Als er um sich herumblickte und meinte, der Wächter könnte vielleicht weggegangen sein, eilte er wieder auf das Haus der Dirne zu. Zu seiner Verwunderung erschien der Wächter abermals und rief, „Seid auf der Hut, Genossen!“ Joga Singh konnte es sich nicht leisten, von irgendjemandem gesehen zu werden, wie er ins Haus der Dirne ging, da er im Herzen wusste, es würde Gurus Namen in Verruf bringen, zumal er Gurus Uniform trug. Endlich gab er seine böse Tat auf, nachdem er sie ein paar Mal ohne Erfolg versucht hatte. 

      Am nächsten Morgen begann er seine Reise und gelangte nach Anandpur. Joga Singh stand stumm mit herabhängendem Haupt vor dem Guru. Der Guru fragte nach seinem und seiner Familie Wohlergehen, doch Joga Sing stand stumm da. Der göttliche Meister sprach dann zu ihm, „Weißt du noch, wie du gesagt hast, du wärst Guru Joga und der Guru versprach, wenn du Guru Joga wärst, dann Guru tere Joga?“ Daraufhin erklärte der Guru weiter, „In der Tracht eines Wächters habe ich dich letzte Nacht auf den Straßen von Hoshiarpur vor sündhaften Taten geschützt und bewahrte dich somit vor Schande.“ Joga Singh fiel dem Guru zu Füßen und bat um Verzeihung.

      So sind die Wege des Meisters. Sobald wir unser ganzes Vertrauen in ihn setzen, verlässt er uns nicht. Der Guru bestätigt:

 

      „Solange die Khalsa eigenständig und intakt bleibt

Werde ich sie auf jede Weise segnen;

Wenn sie vom vorgeschriebenen Pfad abirren,

Verabscheue ich sie für immer.“

                              (Guru Gobind Singh)

 

TÄTIGKEITEN NACH DER KHALSA-ZEIT:

 

      Die Hügel-Rajas einschließlich des Rajas von Kahlur kamen den Guru zu besuchen und redeten viel über das Für und Wider der Khalsa. Er riet ihnen die Khalsa-Religion bereitwillig anzunehmen, und zwar um den gefallenen Zustand ihres Landes zu verbessern. Die Hügel-Rajas nahmen ihren Abschied, ohne dem Vorschlag des Gurus zuzustimmen, den Khalsa-Glauben anzunehmen.

      Die unmittelbare Wirkung von der Gründung der Khalsa war die Angst der Hügel-Rajas, welche die Tätigkeiten des Gurus für eine starke Bedrohung für ihre eigene Religion und Staatsgewalt hielten. Der Guru bat seine Sikhs, wo auch immer sie wohnten, nach Anandpur zu kommen und die Taufe zu empfangen und somit Mitglieder der Khalsa werden. Sie fingen an in großen Mengen zu kommen, ihm ihre Ehrerbietung zu bezeigen und getauft zu werden. Diese zunehmende Anzahl getaufter Sikhs, von ihrem Geist der Gleichberechtigung inspiriert und von der orthodoxen Lebenweise gelöst, die immer bereit schien das Böse zu bekämpfen, alarmierte die Hügel-Rajas, die es als eine direkte Kampfansage gegen ihr Feudalsystem und ihre orthodoxe Lebensweise betrachteten.

      Eines Tages ging der Guru auf Jagd im Dun, als Balia Chand und Alim Chand, zwei Hügelhäuptlinge, einen Überraschungsangriff auf seine Gruppe machten. Nur ein paar Sikhs waren mit dem Guru dabei. Beide Seiten kämpften wie verzweifelt. Alim Chand zielte einen Schlag seines Schwertes auf Alim Singh, der ihn an seinem Schild auffing und dann den rechten Arm Alim Chands mit seinem Gegenschlag abhieb. Er schaffte es zu entkommen und überließ Balia Chand das alleinige Kommando der Truppen. Balia Chand aber wurde bald von Ude Singh erschossen. Die Hügel-Truppen, da sie einen ihrer Häuptlinge tot auffanden und der andere entflohen war, verließen das Schlachtfeld, sodaß die Gruppe des Gurus den Sieg davontrug.

 

ERSTE SCHLACHT ZU ANANDPUR:

 

      Nach dieser Niederlage hielten es die Hügelrajas für sehr gefährlich die Sikhs an Macht und Zahl wachsen zu lassen. Darum beschlossen sie, sich gemeinsam bei der Regierung in Delhi gegen die Sikhs zu beschweren. Aurangzeb war noch im Süden beschäftigt. Der Vizekönig von Delhi sandte General Din Beg und General Painde Khan mit jeweils fünftausend Mann hin, um des Gurus Beeinträchtigungen der Rechte der Hügel-Rajas Widerstand zu leisten. Als die kaiserlichen Truppen nach Rupar gelangten, schlossen sich denen die Hügel-Rajas an.

      Der Guru ernannte die Fünf Geliebten als Generäle seines Heeres. Der Chronist der Sikhs schreibt, daß, als der Kampf zu Anandpur begann, die Türken vom unablässigen und tödlichen Waffenfeuer der Sikhs geröstet wurden. Als General Painde Khan den entschlossenen Widerstand der Sikhs sah, rief er seinen Truppen zu, sie sollten bis zum Tode gegen die Ungläubigen kämpfen. Er trat nach vorne, um dem Guru einen Einzelkampf zu liefern, und forderte den Guru auf den ersten Schlag zu machen. Der Guru lehnte die Rolle eines Angreifers ab und behauptete, er hätte geschworen nie anzugreifen außer zur Selbstverteidigung. Daraufhin ließ Painde Khan einen Pfeil fliegen, der dem Guru am Ohr vorbeischwirrte. Er schoss einen weiteren Pfeil ab, der das Ziel gleichermaßen verfehlte. Der ganze Leib Painde Khans war von seiner Rüstung umhüllt. Da er dies wusste, schoss der Guru einen Pfeil mit solcher Treffsicherheit auf sein Ohr, daß er vom Pferde fiel und nie wieder aufstand. Das jedoch machte der Schlacht kein Ende. Din Beg übernahm das alleinige Kommando der Truppen. Vom Tode Painde Khans erzürnt fochten sie mit großer Verzweiflung, aber sie konnten der festen Stellung der Sikhs nichts anhaben. Auf der anderen Seite aber richteten die Sikhs verheerende Schaden unter dem Feind an. Die Hügelhäuptlinge verließen das Feld. In der Zwischenzeit wurde Din Beg verwundet und er zog eilends zurück, wurde aber von den Sikhs bis nach Rupar verfolgt (bis nach dem Dorf Khidrabad bei Chandigarh, wo eine Gurdwara zum Gedenken daran steht). Diese Schlacht wurde Anfang 1701 gekämpft.

 

ZWEITE SCHLACHT ZU ANANDPUR:

 

      Die Rajas von Jammu, Nurpur, Mandi, Bhutan, Kullu, Kionthal, Guler, Chamba, Srinagar, Dadhwal, Handur und andere versammelten sich zu Bilaspur, um über die neulich enstandene Situation zu diskutieren. Raja Ajmer Chand von Kahlur (Sohn des  Raja Bhim Chands) sprach sie dahingehend an, daß sie, wenn sie über die wachsende Macht des Gurus hinwegsähen, eines Tages von ihm aus ihren Territorien vertrieben werden würden. Falls sie auf der anderen Seite wieder und immer wieder Hilfe von Delhi suchten, könnten sie vielleicht für immer vom Mogul Imperium übernommen werden. Es wurde darum beschlossen, sie mussten sich verteidigen. Wenn alle Hügel-Rajas ein angemessenes Aufgebot an Truppen beitragen würden, könnten sie ein genügend großes Heer zusammenrufen, den Guru und Seine Sikhs zu vernichten. So wurde ein einfacher, machbarer Plan ausgedacht, die Hauptstadt des Gurus, Anandpur, zu belagern und seine Bewohner verhungern zu lassen, bis sie sich unterwerfen ließen.

      Dementsprechend brachten alle Rajas ihre Trupps mit und marschierten nach Anandpur. Als sie in der Nähe der Stadt ankamen, schickten sie einen Brief an den Guru, worin sie schrieben, „Das Land Anandpur gehört uns, wir haben deinem Vater erlaubt darauf zu wohnen und er bezahlte nie irgendwelches Pachtgeld. Nun hast du eine neue Religion gegründet, die gegen unser Religionssystem ist. Das alles haben wir bis in die Gegenwart hingenommen, doch können wir nicht länger darüber hinwegsehen. Du sollst das rückständige Pachtgeld für die Bewohnung unseres Landes bezahlen und uns versprechen, es künftig regelmäßig zu bezahlen. Wenn du es versäumst diese Bedingungen anzunehmen, sollst du dich auf deine Abreise aus Anandpur vorbereiten oder aber bereit sein die Folgen zu tragen.“ Der Guru erwiderte, „Mein Vater hat dieses Land gekauft und hat dafür bezahlt. Wenn ihr mir Anandpur beraubt, werdet ihr es haben mit Kugeln obendrein. Sucht meinen Schutz und ihr werdet glücklich in beiden Welten sein. Sucht auch den Schutz der Khalsa und legt eueren Stolz ab. Jetzt ist die Zeit für eine Schlichtung. Ich werde die Rolle eines Vermittlers spielen zwischen der Khalsa und euch. Dann dürft ihr eure Staaten ohne Sorgen regieren.“

      Nun war es den Rajas klar, der Guru würde sich nicht ergeben. Am nächsten Morgen rührten sie die Kriegstrommel. Wie erwartet scharte sich eine große Anzahl von Ranghars und Gujars unter dem Befehl von Jagatullah zur Seite der Hügel-Rajas.

      Fünfhundert Männer aus dem Majha Gebiet kamen unter Duni Chands Befehl an, um sich den Truppen des Gurus anzuschließen, und andere Verstärkungstruppen aus anderen Orten kamen auch in dem kritischen Augenblick an. Es gab zwei Hauptfestungen[5], Logarh und Fategarh. Der Guru befahl seinen Truppen nicht vor die Stadt vorzurücken, sondern soweit wie möglich in der Defensive zu bleiben. Sher Singh und Nahar Singh wurden als Hauptmänner bestimmt Lohgarh zu bewachen und Fatehgarh wurde Ude Singh anvertraut. Sahibzada Ajit Singh, Gurus ältester Sohn, bat seinen Vater um die Erlaubnis, sich Ude Singh anzuschließen.

      Die Hügel-Rajas eröffneten das Feuer mit großen Kanonen auf die Festung des Gurus. Mehrere tapfere Sikhs leisteten dem Feind unbeirrt Widerstand und zwang sie in den Rückzug. Die allierten Häuptlinge hielten dann einen kurzen Kriegsrat ab, wobei es beschlossen wurde, Raja Kesari Chand, den hochmütigen Häuptling von Jaswal, zu entsenden, die rechte Flanke und Jagatullah die linke Flanke von der Stellung des Gurus anzugreifen, während Ajmer Chand selbst und seine Truppen einen Frontalangriff auf Anandpur machten. Jagatulla wurde von Sahib Singh erschossen und die Sikhs zogen nicht zurück, um den Feind seine Leiche entfernen zu lassen. Raja Ghumand Chand von Kangra sammelte seine Truppen, konnte die Sikhs aber nicht in den Rückzug zwingen. Die Hügel-Rajas waren sehr bestürzt um deswegen, wie die Schlacht ausgegangen war und hielten des Nachts einen Kriegsrat ab. Raja Ajmer Chand riet dem Rat Frieden mit dem Guru zu schließen und sagte, der Guru hätte Guru Nanaks geistigen Thron inne und es wäre keine Schande, als Bittsteller an ihn zu appellieren. Viele Rajas stimmten dem Vorschlag zu, aber Kesari Chand von Jaswal war gegen die Schlichtung und versprach am nächsten Tag mit mehr Entschlossenheit zu kämpfen, um den Guru aus Anandpur zu verjagen.

      Am nächsten Morgen gaben die allierten Truppen sich damit zufrieden, ihren Angriff auf einen bestimmten Stadtteil zu konzentrieren, aber die Sikhs leisteten abermals tapferen Widerstand. Die allierten Truppen sammelten sich viele Mal, konnten aber die mutigen Sikhs nicht überwältigen, also entschieden sie die Stadt zu belagern, was ein paar Wochen dauerte. Da die Blockade erfolgreich anhielte, bereitete Raja Kesari Chand sich vor, einen Elefanten zu berauschen und ihn auf die Stadt hin zu schicken. Der ganze Leib des Elefanten war mit Stahl umhüllt. Ein starker Speer ragte aus seiner Stirn hervor zum Zwecke eines Angriffs. Der berauschte Elefant wurde auf das Festungstor von Logarh gerichtet und das allierte Heer folgte ihm. Der Guru segnete seinen Sikh, Vichitar Singh, gegen den Elefanten zu kämpfen. Vichitar Singh nahm eine Lanze mit, um dem wütenden Tier entgegenzutreten. Er hob seine Lanze[6] und jagte sie durch den Kopfpanzer des Elefanten. Daraufhin schwenkte das Tier herum gegen die Hügel-Soldaten und tötete mehrere von denen. Währenddessen marschierte Ude Singh weiter gegen Kesari Chand, forderte ihn heraus und haute ihm dann mit einen Schlag das Haupt ab. Mohkam Singh, einer der Fünf Geliebten, schlug dem tobenden Elefanten mit einem Hieb seines Schwertes den Rüssel ab. Das, was an dem Hügel-Heer noch übrig blieb ergriff nun die Flucht. Beim Rückzug wurde der Raja von Handur von Sahib Singh schwer verletzt.

      Am darauffolgenden Tag richtete Ghumand Chand von Kangra die Anstrengungen seiner Truppen auf die Stadt. Ghumand Chands Pferd wurde von einer Kugel von der Flinte Alim Singhs getötet. Die Schlacht dauerte mit unterschiedlichem Erfolg bis Abend an, als Ghumand Chand, als er sich abends zu seinem Zelt begab, durch Zufall von einer Kugel tödlich verwundet wurde. Alle Hügelhäuptlinge wurden nun entmutigt und niedergeschlagen. Raja Ajmer Chand war der letzte, der Anandpur verließ und marschierte mitten in der Nacht heim. Diese Schlacht wurde 1701 gekämpft.

 

 DIE SCHLACHT ZU NIRMOH:

 

      Trotz der Niederlage der allierten Truppen entschloss sich Ajmer Chand den Guru zu verdrängen. Er sandte einen Boten zum Vizekönig des Imperators in Sirhind und einen weiteren Boten zum Vizekönig von Delhi, um sich über die Sikhs zu beschweren und suchte dabei ihre Unterstützung für die Hügelhäuptlinge, und zwar, um denen zu helfen die Macht des Gurus zu zerstören und ihn aus Anandpur zu vertreiben. Dementsprechend wurden den kaiserlichen Truppen befohlen den Hügelhäuptlingen Beistand zu leisten.

      Um das Gesicht zu wahren schlugen die Hügelhäuptlinge dem Guru gleichzeitig durch Pamma Brahman vor, sie würden für immer mit ihm befreundet sein, aber nur wenn er Anandpur eine Zeit lang verließe und erst später zurückkäme. Der Guru ging auf den Vorschlag ein und machte sich nach Nirmoh auf, einem Dorf, der etwa eine Meile von Kiratpur entfernt lag. Nachdem er Nirmoh erreichte, waren Raja Ajmer Chand und Raja von Kangra beide der Meinung, daß es am besten wäre einen Angriff zu machen, da er nun im Freien war und keine Festung um sich herum zum Schutz hatte. Sie griffen das Heer des Gurus an, ohne einmal die Ankunft des kaiserlichen Heeres abzuwarten. Darauf folgte ein grimmiger Kampf, wobei die Sikhs schließlich siegreich wurden. Eines Nachmittags, als der Guru am Hof im Freien saß, stellten die Hügelhäuptlinge einen mohammedanischen Kanonier ein, ihn gegen eine angemessene Belohnung zu töten. Der Kanonier feuerte eine Kanonenkugel ab, die den Guru verfehlte, die aber einen Sikh tötete, der ihn gerade fächerte. Der Guru nahm seinen Bogen auf und schoss einen Pfeil ab, der den Kanonier tötete, und mit einem weiteren Pfeil tötete er seinen Bruder, der ihm dabei Hilfe leistete. Als sie dies sahen, hörten die Hügelmänner auf zu kämpfen. Die zwei Mohammedaner wurden auf der Stelle begraben, der Siyah Tibbi oder der schwarze Hügel heißt, und eine Gurdwara wurde errichtet, um der Rettung des Gurus vor der Kugel zu gedenken.

      Das Heer Wazir Khans, des Vizekönigs von Sirhind, kam endlich an. Der Guru befand sich in einer sehr gefährlichen Lage zwischen den Hügel-Rajas auf der einen Seite und dem kaiserlichen Heer auf der anderen. Er entschloss sich aber, sich auf welche Weise auch immer zu verteidigen und seine Sikhs standen ihm treu und tapfer bei. Wazir Khan erteilte seinen Truppen den Befehl plötzlich vorzustürmen und den Guru zu packen. Der Guru wurde erfolgreich von seinem Sohn Ajit Singh und seinen anderen mutigen Kriegern geschützt. Sie hielten den Anmarsch der kaiserlichen Truppen auf und streckte sie reihenweise nieder. Das Gemetzel dauerte an bis Abend. Am nächsten Tag machte das kaiserliche Heer einen wilden Angriff, als der Guru entschied sich nach Basoli zu begeben, dessen Raja ihn öfters zu seiner Hauptstadt eingeladen hatte. Bis das Heer des Gurus den Fluss Satluj erreichte, setzte sich das grimmige Kämpfen fort, wobei Sahib Singh erschlagen wurde. An seinem Daumen beißend gab Wazir Khan zu, er sei noch nie Zeuge eines solchen verzweifelten Kampfes gewesen. Der Guru mit seinen Truppen setzten den Fluss über und gelangten nach Basoli. Die Hügelhäuptlinge waren außer sich vor Freude und schenkten Wazir Khan Elefanten und reisten nach ihrer Heimat ab. Wazir Khan kehrte nach Sirhind zurück. Diese Schlacht wurde Ende 1701 gekämpft.

      Daya Singh und Ude Singh baten den Guru nach Anandpur zurückzukehren. Nachdem er wenige Tage zu Basoli geblieben war, marschierte er zurück nach Anandpur und die Bewohner der Stadt waren entzückt ihn wieder unter sich zu sehen. Als er entdeckte, daß der Guru wieder seinen festen Sitz zu Anandpur innehatte, hielte es Raja Ajmer Chand für am ratsamsten Frieden nachzugehen. Der Guru sagte Ajmer Chand, er war bereit sich mit ihm zu einigen, doch würde er ihn bestrafen, falls er ihn wiederum des Verrats für schuldig befinden sollte. Ajmer Chand freute sich Frieden mit dem Guru zu schließen und sandte seinen Familienpriester zu ihm mit Geschenken. Die anderen Hügel-Rajas folgten Ajmer Chands Beispiel und versöhnten sich mit dem Guru.

      Danach reiste der Guru nach Malwa, um der Verbreitung seiner Mission nachzugehen. Im Januar 1703 ging er zu einer in Kurukshetra anlässlich einer Sonnenfinsternis abgehalteten Messe, und zwar um Pferde zu kaufen, um diejenigen zu ersetzen, die im vorigen Krieg getötet oder gestohlen wurden. Der Brauch Pferde zu verkaufen und zu tauschen fand auch zu den Zeiten des Gurus weite Verbreitung.

       Zwei mohammedanische Generäle, Saiyad Beg und Alif Khan, waren auf dem Weg von Lahore nach Delhi. Raja Ajmer Chand, der auch mit den anderen Hügelhäuptlingen nach Kurukshetra reiste, gedachte ihre Hilfe einzuholen. Er versprach den Generälen eine große Belohnung, wenn sie den Guru angriffen. Anstatt günstige Berichte über den Guru zu hören,  zog Saiyad Beg sein Heer zurück, und als der Kampf zu Chamkaur begann zwischen den Truppen des Gurus und denen von Alif Khan, schloss er sich den Truppen des Gurus an. Daraufhin schied Alif Khan aus dem Kampf aus, da er glaubte, er hätte keine Chance den Sieg davonzutragen. Der Guru kehrte nach Anandpur zurück. Saiyad Beg tat sich mit ihm zusammen und begleitete ihn nach Anandpur und blieb bei ihm als ein zuverlässiger und mächtiger Verbündeter.

      Nach zwei Jahren des Friedens tauchten die alten Feindseligkeiten wieder auf. Die Gründe dafür waren das zunehmende Ansehen des Gurus, sowie die sich daraus ergebenden Zusammenstöße zwischen den Hügel-Rajas und den Sikhs.

 

DIE DRITTE SCHLACHT ZU ANANDPUR:

 

            Zu dieser Zeit bestand die Armee des Gurus in Anandpur aus 800 Sikhs. Raja Ajmer Chand rief seine Verbündeten, Rajas von Handur, Chanba und Fatehpur , zusammen, um dem Guru eine Lehre zu erteilen. Alle Verbündeten sprachen sich für eine  Sofortmaßnahme aus und griffen die Truppen des Gurus in Anandpur an. In den vorhergegangenen Kämpfen in Anandpur blieben die Sikhs hinter ihren Festungsmauern, doch diese Mal trafen sie auf offenem Feld außerhalb von Anandpur auf ihren Feind. Die Sikhs kämpften wie immer mit Mut und Entschlossenheit. Die Anführer der feindlichen Armee konnten die Schlacht nicht für sich entscheiden und zogen sich niedergeschlagen aus der Schlacht zurück. Diese Schlacht fand im Jahr 1703 statt.

 

DIE VIERTE SCHLACHT ZU ANANDPUR:

 

Aufgrund der wiederholten Niederlagen der Anführer der feindlichen Armee, schickte der damalige Herrscher eine riesige Armee unter dem Kommando von General Saiyid Khan los, um den Guru zu unterwerfen. Saiyad Khan war der Schwiegerbruder von Pir Budhu Shah von Sadhaura, welcher an der Seite des Gurus in der Schlacht zu Bhangani kämpfte. Auf dem Weg nach Anandpur traf Saiyad Khan auf Pir Budhu Shah und hörte von ihm alle guten Taten des Gurus und wünschte sich deshalb, den Guru zu treffen.

            Dies geschah Ende März, im Jahre 1704, in der Zeit, in der die Sikhs ihre Ernte zuschnitten und deshalb die meisten nach Hause gegangen waren, um dies zu erledigen. Zu dieser Zeit waren deshalb nur fünf stärkere Truppen in Anandpur. Also musste der Guru aus den fünf Truppen das Beste machen. Maimun Khan, ein gläubiger Mohammedaner, der sich dem Guru angeschlossen hatte, bat den Guru um Erlaubnis, seine Tapferkeit unter Beweis zu stellen. Der mutige und gläubige Saiyad Beg tat desgleichen. Beide Muslims kämpften wie Tiger, und die Sikhs folgten ihnen.

            Die Sikhs errungen einen beträchtlichen Vorteil gegenüber ihren Feinden. Saiyad Beg kämpfte Mann gegen Mann gegen Raja Hari Chand. Nachdem sie sich gegenseitig immer wider verfehlt hatten, schlug Saiyad Beg zuletzt einem der Anführer den Kopf ab. Daraufhin rannte Din Beg, der für die Armee des Herrschers kämpfte auf Saiyad Beg zu und verwundete diesen tödlich. Maimun Khan, der zu Pferde saß, strömte in alle Richtungen aus und hinterließ eine große Verwüstung unter den Truppen des Herrschers. Der Guru wusste genau was der General Saiyad Khan im Sinn hatte, und forderte ihn heraus. Saiyad Khan stieg (aus seinem Wunsch heraus den Guru zum Anblick zu bekommen)  von seinem Pferd herab und fiel dem Guru  zu Füssen. Der Guru teilte diesem daraufhin den Wahren Namen mit.

            Nach dem Treuebruch des Saiyad Khans, übernahm Ramzan Khan das Kommando und kämpfte mit großem Mut gegen die Sikhs.

Der Guru schoss einen Pfeil ab, der das Pferd von Ramzan Khan tötete. Die Sikhs scharten sich zusammen und bildeten einen breite Front gegen den Feind, aber da sie zu wenig waren, unterlagen sie dem Feind bald. Als der Guru merkte, dass er keine Chance hatte, seinen Position zu halten, entschloss er Anandpur zu evakuieren.

Die Mohammedanische Armee plünderte die Stadt. Nachdem sie ihre Beute hatten, gingen sie nach Sirhind zurück. Aber als die Truppen des Herrschers bei ihrer Nachtruhe lagen, griffen die Sikhs plötzlich an,. Dies führte zu großer Verwirrung innerhalb des Lagers. Die Türken, die sich gegen die Sikhs gewendet hatten, wurden alle getötet und nur diejenigen, die flohen, entkamen der Rache der Truppen des Gurus.

Außerdem nahmen ihnen die Sikhs ihre ganze Beute weg, die sie in Anandpur gemacht hatten. Nach diesem Kampf, kehrte der Guru nach Anandpur zurück und nahm es wieder in besitz.

 

 

DIE FÜNFTE SCLACHT ZU ANANDPUR:

 

     Der Herrscher zog seine Truppen für ihre Feigheit zur Rechenschaft. Sie verteidigten sich damit, dass die Sikhs mit unfairen Mitteln gekämpft hätten, um dadurch einen Vorteil zu ziehen. An einem gewissen Punkt fragte der Herrscher, was der Guru denn für ein Mensch sei und welche Truppen er besäße. Ein Mohammedanischer Soldat schilderte den Guru von außergewöhnlicher Schönheit, Heiligkeit und Tapferkeit.

Er beschrieb ihn als jungen, gutaussehenden Mann, einen lebenden Heiligen, welcher der Vater seiner Leute sei und der im Krieg einhunderttausendfünfundzwanzig Männern glich. Der Herrscher war von dieser wohldurchdachten Preisung des Meisters natürlich nicht begeistert und befahl, dass ihm der Guru vorgeführt werden sollte.

In der Zwischenzeit bat Raja Ajmer Chand den Herrscher ausdrücklich darum, ihm zu helfen, den Guru zu unterwerfen. Deshalb wurde den Vizekönige von Sirhind, Lahore und Kashmir befohlen, gegen den Guru vorzugehen.

            Einige gläubige Sikhs überbrachten dem Guru die Nachricht von den Kriegsvorbereitungen, die aufgrund von Raja Ajmers Bitte im Gage waren. Der Guru nahm daraufhin die geeigneten Maßnahmen vor und schickte nach seinen Anhängern aus. Die Sikhs von Maajha, Malwa und Doaba und von anderen Orten strömten daraufhin in Anandpur ein. Sie freuten sich über die Aussicht auf einen Kampf und gratulierten sich selbst zu ihrem Glück für den Guru und ihren Glauben sterben zu dürfen. Der Guru bestätigte, dass der Tod auf dem Schlachtfeld im Namen des Glaubens einer jahrelangen Hingebung zum Glauben gleiche und versicherte denjenigen, die für ihre Religion in den Kampf traten, Ehre und Ruhm im nächsten Leben.

            Hierbei ist es notwendig zu sagen, dass der Guru, der eine Schlacht nach der anderen gewann, niemals einen Inch eines Territoriums  in Beschlag nahm, niemals Feindseligkeit förderte, und nie jemanden zuerst angriff.

            Indem er die Khalsa schuf, errichtet er Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen. Die unterdrückte Gesellschaft, die von jeher von den Brahmans und Khatris, die im Kastensystem höher waren, belächelt wurde, wurde nun zu unerschrockenen heiligen Kriegern nachdem sie vom Guru getauft worden waren und in die Brüderschaft der Khalsa eintraten. Die Brahmans und die Anführer der feindlichen Truppen sahen dies als Bedrohung für ihre Existenz an . Und deshalb führten sie immer wieder Kriege gegen den Guru und seine Sikhs.

            Diese Anführer, die sich gegen den Guru gestellt hatten, waren Raja Ajmer Chand von Hlur, Rajas von Kangra, Kullu, Kionthal,

Mandi, Jammu, Nurpur, Chamba, Guler, Garhwal, Bijharwal, Darauli

und Dadhwal. Diese wurden von den Gujars und den Ranghars dieser Region unterstützt und alle zusammen bildeten eine beträchtliche Armee.

Die herrschaftlichen Armeen der Vizekönige von Sirhind, Lahore und Kashmir waren auch von beträchtlicher Größe. Der Stadtschreiber beschreibt, dass die Khalsa begrüßt werden musste, da, obwohl sie in kleiner Menge waren, und weil sie den Segen des Gurus hatten selbstbewusst in den Kampf für ihre Religion eintraten und sich über den hereinbrechenden Kampf freuten. Es wurde berichtet, dass die Truppen in Anandpur aus zehntausend Sikhs bestanden, während die feindliche Armee ihnen etwa fünfzehn bis zwanzig Mal überlegen war.

     Die alliierten Truppen fielen wie Heuschrecken in Anandpur ein. Als der Guru das sah, befiehl er seiner Artillerie ihre Kanone auf die größte Menge der Feinde zu feuern. Der Feind versuchte diese Artillerie zu erobern, jedoch wurden sie bald von der Kunst, mit der die Sikhs ihre Waffen beherrschten, zurückgeschlagen. Diese wurden von der Infanterie unterstützt. Die Stadt Anandpur war etwas höher gelegen und so hatten die Alliierten  keinen Schutz, da sie auf offenem Feld kämpften.

Und deshalb fielen sie immer wieder zurück. Ein schwieriger Kampf wurde in den nächsten Tagen ausgetragen. Den Mohammedanischen Richtschützen wurde ein große Belohnung versprochen, wenn sie es schafften den Guru zu töten. Jedoch war ihre Waffe immer zu hoch oder zu niedrig gerichtet  und deshalb verfehlten sie das Ziel. Nachdem die feindliche Armee begriffen hatte, dass ihre Waffen nutzlos waren, versuchten sie Mann gegen Mann zu kämpfen. Als der Guru das sah, fing er an seine Pfeile zu schießen, die sehr wirksam waren. Das schreckliche Blutbad ging weiter, Pferde fielen und Männer fielen. Die Alliierten  versuchten sehr eindringlich die Schlacht für sich zu entscheiden, jedoch wurden sie immer wider so rigoros und erfolgreich zurückgeschlagen, dass sie sich am Ende des Tages zurückziehen mussten.

            Die Mohammedaner und die Oberanführer hatten verschiedene Theorien über den Erfolg der Sikhs. Manche dachten, dass der Guru höchste übernatürliche Kräfte besaß und dass die übernatürlichen Kräfte an seiner Seite kämpften. Andere hatten die Meinung, dass der Erfolg des Gurus darauf zurückzuführen sei, dass sich die Sikhs hinter ihren Wallen schützten. Während man darüber diskutierte, entschieden die Mohammedanischen Vizekönige die Festung zu stürmen, in der sich der Guru befand. Als die Sikhs das sahen, richteten sie ihre beiden Waffen, genannt Baghan (die Tigerin) und Bijai-ghosh (Der Klang des Sieges) auf ihr Ziel. Man zielte auf die Feinde. Die Zelte wurden weggeblasen und ein großes Blutbad wurde angerichtet. Als die Mohammedanischen Vizekönige das sahen, zogen sie sich zurück und die Armeen flohen. An diesem Abend bot der Guru einen Dankesgottesdienst an und er schlug die Trommel des Sieges.

            Nachdem das direkte Gefecht fehlgeschlagen hatte, plante man die Belagerung der Stadt Anandpur, indem man alle Ein- und Ausgänge für Waren und Personen unzugänglich machte. Sie belagerten die Stadt völlig und dem Guru mangelte es an Nachschub. Die Nahrung wurde extrem knapp und die Sikhs mussten einige gefährliche Expeditionen auf sich nehmen. Sie schlichen sich nachts aus der Stadtmauer, um von den Besatzungstruppen Nahrung zu stehlen. Nach einiger Zeit sammelten die Alliierten ihren Vorrat zusammen und lagerten ihn an einem Platz, der Tag und Nacht bewacht wurde.

            Als der Feind von der qualvollen Lage der Sikhs hörte, klügelten sie einen anderen Plan aus, um den Guru dazu zu bringen, die Stadt zu verlassen. Raja Ajmer Chand sandte einen Boten aus, um dem Guru mitzuteilen, dass wenn er Anandpur verlasse, würden sich die Truppen zurückziehen und danach könnte er jeder Zeit wieder nach Anandpur zurückkehren.  Der Guru verschwendete keinerlei Zeit mit diesem Vorschlag. Das Angebot wurde mehrmals wiederholt, aber der Guru wies es immer wieder ab. Nachdem die Sikhs bittere Not erlitten hatten, flehten sie den Guru an, die Festung zu evakuieren, aber der Guru bat sie noch ein bisschen Geduld zu haben. Die Sikhs, die von dem Vorschlag des Feindes gehört hatten, gingen zu der Mutter des Gurus, um sie dazu zu bringen, ihren Einfluss auf den Guru spielen zu lassen. Sie redete auf ihn ein, aber vergeblich. Der Guru erklärte ich, dass der Vorschlag des Feindes scheinheilig sei, weil der Feind plante, die Sikhs aus dem Schutz der Stadt zu locken und sie dann anzugreifen. Einige der Masands und Sikhs, die von den Oberanführern beeinflusst worden waren, drängten darauf den Vorschlag der Feinde anzunehmen und die Stadt zu verlassen. Einige der Sikhs wurden ungeduldig und entmutigt. Der Guru bat sie ihre Loyalität zu erklären. Vierzig von ihnen unterschrieben einen Widerruf, dass er ihr Guru sei und dass sie Sikhs seien. Nachdem sie den Widerruf unterschrieben hatten bekamen sie die Erlaubnis vom Guru die Stadt zu verlassen. Dann eröffnete der Guru seinen Sikhs einen Plan, um die Scheinheiligkeit des Feindes zu enttarnen.

            Der Guru rief nach den Boten von Raja Ajmer Chand und sagte ihm, dass er Anandpur evakuieren werde, wenn die Alliierten ihm erlauben würden erst seine Schätze und sein Eigentum zu entfernen. Die Hindi schwuren auf den Salgram (ihr Gottesbild) und die Mohammedaner auf den heiligen Koran, dass sie die Sklaven, die das Eigentum des Gurus mit sich trugen weder täuschen noch belästigen würden. Darauf bestellte der Guru sofort einige Kisten, die mit nutzlosen Dingen gefüllt waren. Man befestigte Fackeln an die Hörner der Ochsen und mitten in der Nacht, begannen die Ochsen und einige der Sikhs mit den Kisten aus der Stadt zu marschieren.

Als der Zug die feindlichen Linien überschritt, vergaß man all die Schwüre und fiel über die Sikhs her, um den Schatz zu erbeuten. Natürlich waren sie sehr enttäuscht, als sie feststellen mussten, dass der Schatz nur aus nutzlosem Zeug bestand. So enttarnte der Guru den Verrat des Feindes und sagte seinen Sikhs, dass all das Leid gottgewollt wäre und er zitierte Guru Nanak: „Glückseligkeit ist eine Krankheit, die Medizin dafür ist unglücklich zu  sein.“

             Zuletzt kam ein vom Herrscher unterzeichneter Brief an den Guru: „Ich habe geschworen, euch nicht zu verletzen. Sollte ich es dennoch tun, so möge ich in Gottes Hof keinen Platz finden! Hör auf Krieg zu führen, und komm zu mir . Solltest du nicht wünschen hier herzukommen, so geh wohin du willst.“ Der Bote des Herrschers fügte hinzu, dass der Herrscher dem Guru kein Leid zufügen werde. Die Rajas schwuren auch bei ihrer Kuh and machten ihre Gottesbilder zu Zeugen ihrer Schwüre, dass sie den Guru passieren lassen würden, ohne ihm Leid zu tun.  Der Guru sagte dem Feind:„Ihr seid alle Lügner, und deshalb wird euer Reich und euer Ruhm untergehen. Ihr alle habt geschworen und dann eure Schwüre gebrochen.“

            Die Sikhs wandten sich wieder an die Mutter des Gurus, um sich über die erneute Ablehnung zu beschweren. Aber der Guru dachte, dass ihr Bitten nicht vernünftig sei  und dass es nicht akzeptabel wäre den Vorschlag des Feindes anzunehmen und das Fort zu verlassen. Die Sikhs, die Hungersnot erlitten, unterstützten den Vorschlag des Boten des Herrschers. Der Guru sprach ihnen Mut zu: „ Meine Brüder, schwankt nicht, ich meine es nur gut mit euch. Ihr wisst nicht, dass  diese Leute Betrüger sind und es darauf anlegen, uns Leid zuzufügen. Wenn ihr noch ein bisschen länger aushaltet, so werdet ihr genug Nahrung haben.“

Als die Sikhs sich weigerten noch länger auszuharren, bat er sie noch ein paar Tage länger auszuharren und dann würde ihnen der große Gott selbst Abhilfe[7] bringen. Die Sikhs aber weigerten sich, sogar noch einen Tag auszuharren. Der Guru wiederholte seine Bitte und sagte ihnen, dass sich der Feind  in ein paar Tagen zurückziehen werde und dann alle glücklich wären. Er warnte die Sikhs aber auch: „Oh geliebte Khalsa, du eilst in dein Elend, während ich versuche dich zu retten.“

            Die Sikhs wurden so vom Hunger gequält, dass sie sogar ablehnten, noch einen Tag auszuharren. Die Mutter des Gurus sprach sich auch dafür aus, das Fort zu evakuieren. Die Alliierten sandten einen Saiyid (einen Mohammedanischen Priester) und einen Brahman, die beide schwören mussten, dass sei den Guru sicher begleiten werden, sobald er Anandpur evakuieren werde. Als die Sikhs das sahen, begannen sie an ihrer Loyalität zu dem Guru zu schwanken und am Ende blieben nur vierzig Sikhs beim Guru und wollten ihr Schicksal mit ihm teilen. Er sagte ihnen, dass auch  sie ihn verlassen könnten. Sie lehnten dies ab und sagten ihm, dass sie entweder mit ihm in der Festung blieben oder ihren Weg nach draußen erzwingen würden, so wie der Guru befahl. Er wusste, dass der Samen seiner Religion gedeihen würde. Dann entschied er, endlich Anandpur zu verlassen und befahl seinen Männern bei Nacht aufzubrechen. Anandpur wurde doch noch evakuiert, das geschah  am 6-7 Poh, Sambat 1762 (am 20-21. Dezember 1705).

            Bahi Daya Singh und Udde Singh gingen vor dem Guru, Mohkam Singh und Sahib Singh waren zu seiner Rechten, das zweite Bündel der getauften Sikhs zu seiner Linken. Seine Söhne Ajit Singh und Jujkar Singh folgten mit Pfeil und Bogen. Darauf folgte Bhai Himmat Singh, der Munition trug. Gulab Rhai, Sham Singh und andere Sikhs and Verwandte begleiteten ihn. Der Rest der Anhänger bildeten den hinteren Teil, etwa 500 insgesamt.[8]

            In dem Moment, als der Feind von dem Aufbruch des Gurus hörte, vergaßen sie all ihre Schwüre und brachen zu einer heißen Verfolgungsjagd auf. Scharmützel begannen von Kiratpur an. Als der Guru die hereinbrechende Gefahr bemerkte, beauftragte er Ude Singh mit der Verantwortung, die Position des Feindes ausfindig zu machen. Bhai Ude Singh kämpfte eine blutige Schlacht bei Shahi Tibbi. Der Feind umzingelte und tötete den unerschrockenen und mutigsten Krieger des Gurus, Ude Singh. Als der Kampf zu Shai Tibbi andauerte, hatte der Guru das Ufer des Flusses Sarsa erreicht. Zu diesem Zeitpunkt erreichte ihn die Nachricht, dass ein Kontingent feindlicher Truppen sehr schnell im Anzug war. Bhai Jiwan Singh[9] erhielt einhundert Mann, um auf die heranrückenden Feinde zu treffen. Mit dem Rest seiner Leute tauchte der Guru in den überfluteten Sarsa ein. Die Flut war so stark, dass viele ertranken und dass viele in verschiedene Richtungen verstreut wurden, dies beinhaltete auch die Mutter des Gurus mit ihren zwei jüngeren Söhnen, Zorawar Singh und Fateh Singh. Außerdem verlor man wertvolle Literatur und wertvolles Eigentum. Der Guru, der seine beiden ältesten Söhne begleitete und einige ältere Sikhs erreichten das Dorf Ghanaula auf der anderen Seite des Flusses Sarsa. Der Guru wusste, dass der vorausliegende Weg voll mit Gefahren war, und deshalb entsandt der Guru Bhai Bachitar Singh mit einhundert Sikhs und gab ihm den Auftrag direkt auf dem Weg nach Pupar zu bleiben. Während er und ein paar ältere Sikhs eine längere Route vorzogen und Kotla Nihang, das in der Nähe von Rupar lag, um dort bei Pahthan Nihang Khan zu verweilen, welcher ein alter und hingebungsvoller Anhänger des Gurus war. Bhai Bachitar Singh und seine Männer mussten sich ihren Weg durch die Absperrkette der Ranghars von Malikpur, einem Ort in der Nähe von Rupar, und durch die Absperrkette der Pathanen von Rupar kämpfen. Während des schweren Kampfes, der dadurch stattfand, fanden die meisten Sikhs ihren Tod und Bachitar Singh wurde tödlich verletzt.

            Der Guru verweilte nicht lang bei Kotla Nihang. Es scheint, als ob er nach Machiwra und Rai Kot gehen wollte. In Begleitung seiner beiden ältesten Söhne und von vierzig Sikhs, stoppte der Guru in Bur Majra nach Jotla Nihang. Eine Nachricht wurde überbracht, dass eine große Menge von den Truppen aus Sirhind hinter ihnen her war. Sofort traf der Guru die Entscheidung die feindlichen Truppen innerhalb von Garhi von Chamkaur zu empfangen und eilte dorthin. Er war sich deren Wichtgkeit (der Wichtigkeit der Grahi –der  Schlammfestung) wohl bewusst, da er an diesem Ort schon einmal eine Schlacht ausgetragen hatte.

 

DIE SCHLACHT ZU CHAMKAUR[10]:

 

Die herrschaftliche Armee, die sich immer noch auf ihrer Hetzjagd befand, belagerte die Festung. Dieser folgten die Oberanführer, die Ranghars und die Gujars. Der Guru beauftragte acht Männer, um die vier Wände der Festung zu bewachen. Zwei Sikhs hielten Wache beim Eingang und zwei andere wurden als Schildwachen benutzt. Der Guru selbst, seine zwei Söhne, Daya Singh und Sant Singh gingen in das oberste Stockwerk. Die Sikhs hielten der Belagerung trotz der schlechten Aussichten, eine lange Zeit statt. Nahar Khan und Ghairat Khan, beide herrschaftliche Offiziere, versuchten die kleine Festung zu erklettern, aber wurden vom Guru niedergeschossen. Danach versuchte keiner der Mohammedanischen Offiziere mehr, dies auch zu versuchen. Fünf Sikhs kämpften weiterhin mit dem Feind. Nachdem sie mit großem Mut gekämpft hatten, wurden sie getötet. Die Sikhs führten dies in Gruppen zu je fünf Leuten weiter. Der älteste Sohn des Gurus, Ajit Singh (etwa 18 Jahre alt) bat seinen Vater um Erlaubnis, den Feind bekämpfen zu dürfen. Der Guru erlaubte es ihm und so schloss sich Ajit Sing den fünf  Helden der Sikhs an. Er war leider nachsichtig und wurde sofort getötet, während er mutig mit seinen Kameraden kämpfte. Nachdem Jujhar Singh (15 Jahre alt) das Unglück seines Bruders mit angesehen hatte, konnte er sich nicht beherrschen und bat seinen Vater auch um Erlaubnis kämpfen zu dürfen. So kämpfte auch Jujhar Singh in der Schlacht, aber nach einer Weile drehte er sich um und bat um Wasser. Der Guru schrie: „Geh zurück, es gibt kein wasser mehr für dich auf dieser Welt. Sieh, dort drüben hält Ajit Singh einen Kelch Nektar für dich bereit.“  Jujhar Singh ging zurück zum Schlachtfeld und verursachte ein Blutbad unter seinen Feinden und starb tapfer. Daraufhin schien der Guru überglücklich. Seine geistliche Gelassenheit ließ den göttlichen Schein zum Vorschein kommen, der auf dem ruhmreichen Ende seiner Söhne lag. Nachdem seine Söhne ihre ruhmreiche Mission erfüllt hatten, machte sich der Guru bereit, um zu kämpfen. Die wenigen übriggebliebenen Sikhs fielen vor ihm auf ihre Knie und baten ihn nicht zu gehen. In diesem Moment bestand ihr Sieg daraus, den Guru zu retten. Wenn er am Leben bliebe, argumentierten sie, könnte er Millionen Männer wie sie erschaffen. Deshalb wollten sie den Guru davon überzeugen, diesem Ort zu entfliehen, doch der Guru hörte nicht auf sie. In diesem Moment erinnerte sich Bhai Daya Singh, der einer der Ersten Fünf Vielgeliebten war, daran, dass der Guru zu der Zeit zu der die Khalsa entstand, versprochen hatte, dass das Mandat der Fünf Vielgeliebten auch für den Guru bindend war. Daraufhin rief Bhai Daya Singh vier andre Sikhs zusammen und verabschiedete eine Gurmate (einen Entschlusss) und sagte: „Oh Wahrer König, die Khalsa befiehlt dir nun diesen Ort zu verlassen.“ So wie der Guru zu der Zeit als er Amrit in die Hände der Fünf Vielgeliebten gegeben hatte,versprochen hatte,  unterwarf sich der wundervolle hohe Guru Gobind der Khalsa und akzeptierte ihren Entschluss, dass er die Garhi (Festung) verlassen musste.

            Sant Sangh und Sangat Singh boten an, in der Festung zu verweilen, während Daya Singh, Dharam Singh, und Man Singh dazu bestimmt waren den Guru zu begleiten[11]. Man erzählt sich, dass Sant Singh dem Guru sehr ähnlich sah. Deshalb gab er ihm seinen Federschmuck, kleidete ihn in seine Rüstung und setzte ihn in den obersten Raum, in dem sich der Guru befand. Er und drei Begleiter flüchteten in der Nacht. Er sagte ihnen, dass falls sie von ihm getrennt werden würden, sollten sie in die Richtung eines bestimmten Sterns gehen, den er ihnen zeigte. Es war eine kalte Dezembernacht und die Alliierten ruhten in ihren Zelten. Der Guru beschloss den Feind aufzuwecken, sie sollten nicht denken, dass er flüchtete. Er schoss zwei Pfeile auf türkische Wachposten. Zuerst trafen die Pfeile die Fackeln, welche die beiden Wachen in der Hand hielten und dann durchbohrten sie ihre Körper. In der Dunkelheit, die aufgrund der ausgegangenen Fackeln herrschte, entflohen sie. Ein bisschen weiter entfernt, klatschte er in die Hände und schrie, dass er die Festung verlassen hatte und, dass wenn ihn jemand Gefangen nehmen wollte, so sollte man das nur versuchen[12].

            Als er floh, bat er seine Männer die Stellung zu halten. Die Sikhs, die zurückgelassen wurden, richteten einen großen Verlust unter ihren Feinden an. Zuletzt war es den Mohammedanern zumindest gelungen, die Festung zu erklettern und sie glaubten, dass sie den wahren Guru gefangen genommen hätten. Sie waren natürlich sehr enttäuscht, als sie feststellen mussten, dass der Mann, der den Federschmuck und die Rüstung des Gurus trug, nicht der Guru war, sondern Sant Singh, and dass der Guru geflohen war. Die Alliierten zogen sich daraufhin zu ihrem Lager zurück. Wazir Khan befahl in alle Richtungen seiner Gebiete, dass wenn irgend jemand dem Guru seine Hilfe anbot, so würde derjenige schwer bestraft werden, und derjenige, der ihn gefangen nehmen würde oder sein Versteck preisgab, der würde eine große Belohnung erhalten.

            Nachdem er die Grahi verlassen hatte, führte er seinen Weg barfuss und allein weiter und nachdem er durch Jandsar und Behlolpur gegangen war, erreichte er die dornigen unzivilisierten Gebiete von Machhiwara, einem Ort zwischen Rupar und Ludhiana. Durst, Hunger und Schafentzug machten ihm zu schaffen. Seine Füße waren von Blasen bedeckt. Als er zu einem Garten kam, legte er seinen Kopf auf einen kleinen Hügel aus Erde nieder und schlief ein. Während er schlief, erreichten ihn seine drei Begleiter, Daya Singh, Dharam Singh und Manh Singh und leisteten ihm Gesellschaft. Die Situation war sehr besorgniserregend, da der Feind auf einer heißen Hetzjagd war. Gulaba, ein alter Masand aus Machiwara, brachte den Guru und seine drei Begleiter zu sich nach Hause, aber schon bald bekam er Angst und fürchtete um sein eigenes Leben, wenn er den Guru bleiben ließe. In diesem kritischen Augenblick, kamen zwei Pferdehändler aus Pathan, Nabi Khan und Ghani Khan, die alte Bekannte des Gurus waren und entschieden sich ihr Leben in den Dienst des Gurus zu stellen. In diesem Ort lebte auch eine Sikh, die früher für den Guru Kleidung gesponnen und gewebt hatte und versprochen hatte diese zu behalten, bis der Guru in den Ort kam, um die Kleidung abzuholen. Der Guru ließ die Kleidung blau einfärben und ein Mantel wurde in Imitation der Amtstracht von Mohammedanischen Pilgern angefertigt. Er zog den blauen Mantel an und verließ dann den Ort Gulaba. Er wurde von Nabi Khan und Ghani Khan, der vorher ging , auf einer Bahre getragen, und Dharam Singh und Man Singh gingen am hinteren Ende, während Daya Singh mit einem Chauri[13] über ihm wedelte. Jedem, der fragte,  erzählten sie, dass sie einen Uch da Pir[14] oder einen hohen Priester begleiteten. Da Nabi Khan und Ghani Khan sehr berühmte Pferdehändler in diesem Gebiet waren, glaubte man ihnen.

            Von dort aus, kamen sie in Ghangharali an und dann in Lal. In dem Ort Lal, der etwa fünf Meilen von Doraha im Ludhiana Gebiet liegt, zweifelte ein Militäroffizier an ihrer Geschichte und versuchte sie zu durchsuchen. Pir Mohammad von Nurpu, den der Guru kannte, wurde gebeten, den Mann auf der Bahre zu identifizieren. Dieser bestätigte, dass er der Uch da Pir war, woraufhin der Offizier den Guru gehen ließ. Von Lal aus, besuchte er Katana und dann Kanoch, wo sich der Masand Fateh mit Entschuldigungen aus der Affäre zog, und ihn nicht bleiben ließ. Von dort aus kam er nach Alm Gir. Dort gab ihm Nand Lal ein Zamindar-  ein Pferd[15] und so konnte er von der Bahre auf das Pferd wechseln. Die Situation wurde einfacher und der Guru bat Nabi Khan und Ghani Khan nach Hause zurückzukehren, nachdem er ihnen einen Brief der Anerkennung (Hukam Nama) gab, in dem er sie für die Betrachtung der Gläubigen empfahl. Pit Mohammad bekam auch so einen Brief der Anerkennung. Von Alam Gir aus, ritt er auf seinem Pferd weiter in die Richtung von Rai Kot. In Siloani  wartete der Herrscher von Rai Kot, Rai Kalla, ein Anhänger des Gurus und enger Verwandter von Nihang Khan von Kotla Nihang, auf ihn und brachte ihn nach Rai Kot. Dort überbrachte ihm Nura Mahi die Nachricht von den jüngeren Söhnen des Gurus.

 

 

UNSCHULDIGE KINDER WERDEN GEPEINIGT:

           

            Während der Katastrophe, die sich ereignete, als man den überfluteten Fluss Sarsa überquerte, wurden die Begleiter und die Familie des Gurus in verschiedene Himmelsrichtungen verstreut.

Mata Jit Kaur, Mata Sahib Kaur und ihre weibliche Dienerschaft, Bhai Mani Singh, Dhana Singh und Jawahar Singh waren alle zusammen in einer Gruppe. Jawahar Singh, ein Bewohner von Delhi, brachte die ganze Gruppe zu seinem Haus in Delhi. Die Mutter des Gurus und seine beiden jüngeren Söhne gingen zusammen mit Gangu Brahman zu seinem Dorf Saheri, das in der Nähe von Morinda liegt. Gangu hatte seit einundzwanzig Jahren in der Küche des Gurus gearbeitet. Die Mutter des Gurus, Mata Gujri trug Geld in ihrer Tasche. Als er Matas Geld sah, wurde Gangu in Versuchung geführt und vergaß , dass er das Salz des Gurus seit einundzwanzig Jahren gegessen hatte. Während Mata Guijri döste, stahl Gangu das Geld und rief: „Ein Dieb, ein Dieb!“ um es so hinzustellen, als ob ein Dieb das Geld gestohlen hätte. Mataji setzte dem entgegen, dass sie niemanden ins Haus hätte kommen sehen. Daraufhin versuchte sich Gangu damit zu verteidigen, dass er nur deshalb beschuldigt werde, da er den Obdachlosen und von der Gesellschaft Ausgestoßenen ein Dach über dem Kopf gegeben hätte. Anstatt seine Tat einzugestehen, befahl er ihnen sein Haus zu verlassen. Gangu übergab sie schließlich einem Militäroffizier von Morinda, der sie wiederum Wazir Khan, dem Vizekõnig von Sirhind übergab. Sie wurden in einem Turm gefangen gehalten.     

            Am nächsten Morgen wurden die beiden Kinder Zorawar Singh und Fateh Singh im Hof des Vizekönigs zur Schau gestellt. Wazir Khan meinte, dass wenn die Kinder des Gurus Mohammedaner werden würden, so wäre das eine große Ehre für seinen Glauben- dem Islam. Deshalb sagte er ihnen, dass wenn sie seinen Glauben annehmen würden, so würde er ihnen ein Anwesen übergeben, er würde sie mit den Prinzessinnen verheiraten und sie würden glücklich sein und vom Herrscher gerühmt werden. Der neunjährige Zorawar Singh antwortete darauf: „Unser Großvater, Guru Tegh Bahadur, trennte sich von seinem Kopf, aber nicht von seiner Religion und er befahl uns seinem Beispiel zu folgen. Es ist das beste, wenn wir unser Leben im Namen der Sikh Religion hergeben und Gottes Rache auf die Türken projizieren,“ fuhr Zorawar Singh fort. „Oh Vizekönig, ich lehne deine Religion ab und werde mich nicht von meiner trennen. Es ist eine Tradition in meiner Familie eher das Leben zu verlieren als unsere Religion. Warum versuchst du uns mit weltlichen Dingen zu locken? Wir werden von deinem dubiosen Angebot nicht auf den falschen Weg gebracht werden.“

              Wazir Khan konnte diese Offenheit nicht ertragen und wurde sehr erzürnt. Er entschied die Kinder zu töten. Sucha Khan, ein Minister der Hindi unterstützte seine Entscheidung, indem er andeutete, dass die Meinung der Kinder unerbeten wäre. Er spornte den Zorn von Wazir Khan noch mehr an, indem er sagte, dass wenn die Kinder einmal groß wären, würden sie in die Fußtapfen ihres Vaters treten und auch ihre Feinde zerstören. Deshalb müssten schon vorzeitig Maßnahmen getroffen werden, um dieses Gift der Kobra im Keim zu ersticken. An diesem Punkt mischte sich Nawab Sher Mohammad Khan von Maler Kotla ein: „Oh Vizekönig, diese Kinder trinken immer noch Milch und sind zu jung, um eine so große Beleidigung zu begehen, denn sie können gut und böse noch nicht voneinander unterscheiden. Deshalb lass sie gehen.“ Trotz dieses gutgemeinten Versuches, bestätigte der Qazi, dass das heilige Gesetz des Islams Ungläubigen eine Wahl zwischen dem Islam und dem Tod gebe.

     Man erzählt sich, dass man am nächsten Tag die Kinder durch eine sehr kleine Tür gingen ließ, während der Koran auf der anderen Seite auslag. So versuchte man sie zum Islam zu bekehren. Die Idee dahinter war, dass wenn die Kinder mit geduckten Köpfen durch die Tür gingen, würde man ihnen sagen, dass sie sich vor dem heiligen Koran verneigt hätten und so auch vor dem Islam. Als die Kinder auf diese Falle aufmerksam wurden, ging der sieben Jahre alte Sahibzada Fateh Singh mit den Füßen voraus durch die kleine Tür anstatt seinen Kopf zu neigen. Mit den Füßen voran dem Islam zu begegnen, war eine große Beleidigung. Deshalb konnte Wazir Khan die neun- und siebenjährigen Söhne von Guru Gobind nicht auf seine Seite bringen. Als jeder Versuch, sie zum Islam zu konvertieren scheiterte, beschloss man sie bei lebendigen Leib in eine Wand einzumauern. Deshalb zog man eine Mauer hoch, die die Kinder umgab, die bis zu den Schultern von Sahibzada Fateh Singh reichte. Der Hinrichter kam mit seinem Schwert auf die beiden Kinder zu und fragte, welchen Kopf er zuerst abschlagen sollte. Sahibzada Fateh Singh sagte: „Hör mir zu Vollstrecker, weil die Mauer meine Schulter zuerst erreicht hat, schlag meinen Kopf zuerst ab.“ Sahibzada Zorawar Singh ermahnte ihn jedoch: „Nein, du kannst seinen Kopf erst abschlagen, nachdem du meinen abgeschlagen hast, ich bin der ältere und deshalb gebührt mir die Ehre, als erster zu sterben. Schlag meinen Kopf zuerst ab.“ Nachdem sie diese Diskussion mit angehört hatten, war die ganze Versammlung im Hof von Wazir Khan sehr erstaunt. Die kleinen Kinder belächelten den Todesengel. Der Stadtschreiber überliefert, dass der Kopf von Fateh Singh zuerst abgeschlagen wurde. Deshalb wurde dieser Platz Fatehgar Sahib genannt,  zum Andenken an die jungen Kinder. Als diese Nachricht Mata Gujri im Turm , in dem sie auf die Kinder wartete, erreichte, starb auch sie an gebrochenem Herzen. Diese heimtückische Tat fand am 13. Poh 1762 (am 27. Dezember 1705) statt.

 

Ein reicher Sikh, namens Todar Mal, kam, um die Leichen der beiden Kinder zu verbrennen. Wazir Khan sagte zu ihm: “Wenn du die Leichen verbrennen möchtest, so musst du das Land kaufen. Wie groß du das Land auch haben möchtest, du musst es völlig mit Goldstücken bedecken und dann erst ist das Land dein.“ Todar Mal kaufte das Stück Land, indem er es mit den Goldstücken bedeckte und so war es ihm möglich die Leichname von der Mutter des Gurus und der beiden Kinder zu verbrennen[16]. Dort gibt es eine Gurdwara, zum Andenken an diese.

            Als Nura Mahi diese traurige Geschichte erzählte, waren alle davon stark betroffen und weinten bitterlich. Nur der Guru war von der Geschichte unberührt und so gelassen wie nie zuvor.  Als Mahi mit dem Erzählen seiner Geschichte fertig war, dankte der Guru Gott für das ruhmreiche und triumphale Ende seiner Söhne. Dann wandte er sich direkt an Gott: „Oh mein Gott, du hast mir einen Vater, eine Mutter und vier Söhne geschenkt. Sie standen für das Vertrauen, das Du in mich gesetzt hast. Heute war es mir mõglich dir diese Vertrauen völlig zurückzugeben. Darüber bin ich sehr froh und glücklich. Während der Guru der Geschichte von Mahi lauschte, grub er einen Busch in den Boden ein. Dann ließ er Folgendes verlauten: „So wie ich diesen Busch von den Wurzeln an aus dem Boden grabe, so sollen die Türken ausgelöscht werden.“[17] Der Guru bemerkte weiterhin: „Nein, meine Söhne sind nicht tot. Sie sind zu ihrem Ewigen zu Hause zurückgekehrt. Sirhind soll sterben.[18]

            Der Guru nahm seinen Marsch nach Hehar wieder auf, wo er zwei Tage mit Mahant Kirpal Das verbrachte, einem Helden aus der Schlacht von Bhangani. Der nächste Halt war Lamma Jatpura. Hier war es, dass Rama Kali, der den Guru begleitete, sich vom Guru trennte. Als der Guru bemerkte, dass die Umgebung von Rai Kot nicht für ein Treffen auf den Feind geeignet war, führte der Guru seine Feinde in die Richtung des Dschungels Desh, das Land der Brars. Auf dem Weg dorthin ging er durch die Dörfer von Manuke, Mehdiana Chakkar, Takhatpur und Madhen und erreichte Dina, das im Ferozepur Gebiet lag.

Dort empfing ihn Dina, ein hingebungsvoller Sikh, mit einem ausgezeichneten Pferd, dass er annahm und sein altes Pferd gab er Bhai Daya Singh. Bald wurde die Ankunft des Gurus im Dorf bekannt und die Leute begannen sich um ihn zu scharren. Unter den einflussreichen Leuten, die den Guru in Dina trafen waren Shamira, Kakhmira und Takhat Mal, die Enkel von Jodha Rai, der den Guru Har Gobind mit Kriegsmaterial im der Schlacht zu Gurusar unterstützt hatte.

Param Singh und Dharam Singh, Enkel von Vbhai Rup Chand, kamen auch zum Guru. Dem Vizekönig von Sirhind kam zu Ohren, dass der Guru von Shamira und seinen Brüdern aufgenommen worden war. Deshalb schrieb er Shamira und befiehl ihm den Guru zu verhaften und auszuliefern. Shamira antwortete daraufhin, dass er den Guru nur aufgenommen hatte und dieser nur seine Sikhs besuchte und keinem etwas zu Leide täte. Aber Shamira fürchtete, dass der Vizekönig seine Truppen schicken würde, um den Guru zu verhaften und so sandte er einen Spitzel aus, um das Vorgehen des Vizekönigs auszuspionieren.

            Der Guru blieb ein paar Tage in Dina. Hier war es, wo er seine gefeierte „Zafarna“[19] schrieb, oder die persische Epistel zum Herrscher Aurangzeb. Tatsächlich war es eine wohlgeschriebene Antwort auf die Einladungen an den Guru, die er vom Herrscher bekommen hatte. Der Brief ist charakteristisch für den Guru, denn er ist mit Erhabenheit geschrieben und jede Zeile ist voll mit der Wahrheit und angebrachter Empörung. Er schrieb dem Herrscher, dass er nicht an seine Versprechungen und seine Schwüre auf den Koran glaube. Schließlich war es eine Tatsache, dass er, der Herrscher, seine heiligen Schwüre bei jeder Gelegenheit vergessen zu scheint und sich als gemein, falsch und heimtückisch darstellt. Der Guru schrieb,.....Obwohl meine vier Söhne getötet wurden, bin ich immer noch hier, wie eine zusammengeringelte Schlange. Was für ein Mut ist das, jemandem das Leben zu nehmen? Du schürst das brennende Feuer nur noch mehr an............So wie du dein Versprechen an diesem Tag vergessen hast, so wird dich auch Gott vergessen. Gott wird dir alle dein bösen Machenschaften auf dich implizieren........Du bist stolz auf dein Reich, ich hingegen bin stolz auf das Reich des Unsterblichen..........Wenn du Gott zum Freund hast, was kann dir dann ein Feind antun, selbst wenn er sich hundertfach auftürmt? Selbst wenn der Feind tausendmal angreift, so kann er jemanden, den Gott zum Freund hat, nicht einmal ein Haar krümmen.“

            Der Brief wurde von Bhai Daya Singh und Dharam Singh dem Herrscher, der sich in Daccan befand,  überbracht. Dieser Brief erweckte das bis dahin schlafende Gewissen des Herrschers und weckte ihn ihm wahre Reue. Der Brief hatte einen so großen Effekt auf ihn, dass er anfing zu schmachten und bald ans Bett gebunden war. Kurz bevor er starb, diktierte Aurangzeb seinem Sohn einen Brief, in dem er die Niederlage seines Lebens zugab.

           

            „Was ich auch immer getan habe, das nehme ich auf meine ungewisse Reise mit...........Mir ist nicht klar, was mich erwarten wird. Alles, was ich weiß ist, dass ich enorme Sünden begangen habe.

Kannst du mir sagen, was für eine Strafe mich erwarten wird........“

 

            Während seines Aufenthaltes in Dina, besuchte der Guru einige Orte in der Nachbarschaft. In der Zwischenzeit, wurde er darauf aufmerksam, dass der Vizekönig über seinen Aufenthaltsort unterrichtet war, und so war er damit beschäftigt einen geeigneten Platz für da s Treffen auf den Feind zu finden. Also verließ er Dina und besuchte viele Orte wie Bander, Bargarh, Baihbal und Saravan usw. In Saravan unterrichtete der Guru seine Leute ein bisschen im Bogenschießen. Dann ging er nach Jaito, Kotla Maluk Das und Lambhawali weiter und kam nach Kot Kapura. Als er merkte, dass der Feind im Anzug war, bat der Guru Chaudri Kapura, einen Brar Jat, ihm seine Festung für ein paar Tage auszuleihen. Da dieser aber den Zorn der der Moguls fürchtete, weigerte er sich, ihm zu gehorchen. Von dort aus kam der Guru nach Dhilwan Sodhian, wo ihn einer seiner Verwandten mit mit großer Wärme und Herzlichkeit empfing. Hier war es, wie die Tradition sagt, dass einer von Prithi Chands Nachkommen, Kaul Deb den Guru besuchte und ihm Kleidung gab. Der Guru zog sein blaues Gewand aus, das er seit dem Auszug aus Machhiwara getragen hatte, und riss es in Stücke und verbrannte es im Feuer. Die historischen Worte, die er bei dieser Gelegenheit von sich gegeben hatte, sind erwähnenswert.

 

            „Ich habe die blaue Kleidung, die ich getragen habe, zerrissen, und damit endet die Herrschaft der Türken und Pathanen.“

           

            Chaudry Kapura, der seine schändliche Tat inzwischen bereute, kam, um den Guru zu sehen und bat ihn um Vergebung, was der Guru ihm dann auch gestattete. Dann gab Chaudry Kapura  dem Guru einen guten Führer., mit dem der Guru Richtung Westen in Richtung Dhab Khidrana marschierte. Auf seinem Weg marschierte er durch Ramina, Mallan, Gauri Sanghar und Kaoni.

            In der Zwischenzeit hatte sich eine große Menge von Anhängern um den Guru versammelt. Die vierzig Sikhs, die ihn in Anandpur im Stich gelassen hatten und die ihm den Widerruf gegeben hatten, wurden von ihren Frauen ausgespottet und konnten nicht einmal ihr eigenes Haus betreten. Sie kamen zurück, um wieder in die Armee des Gurus einzutreten. Eine mutige Frau, namens Maii Bhago, kam dem Guru mit einer großen Menge von anderen Maja Sikhs zu Hilfe. Der Guru hatte seine Position auf einem Sandhügel bei Khidrana im Gebiet von Ferozepur eingenommen. Die Mogulische Armee schritt seinem Lager entgegen, doch bevor sie angreifen konnten, mussten sie erst durch eine Truppe unter dem Kommando von Mai Bhago und Jathedar Mahan Singh.

Ein harter Kampf brach aus. Sie alle wurden überwältigt, jedoch nicht bevor sie ihren Eifer zur Schau stellen konnten. Sie waren die stärksten Gegner, mit denen es der Kommandant der feindlichen Armee je zu tun hatte. Der Guru schoss von seiner höheren Lage aus, die etwa zwei Meilen von dem Kampf entfernt war Pfeile los, die einen tödlichen Effekt auf die Mohammedaner hatten, die nicht sehen konnten aus welcher Richtung die Pfeile kamen. Da die Krieger der feindlichen Armee dürsteten und der Wasserkessel bei Khidrana leer war, entschied Wazir Khan umzudrehen, ohne den Hauptgegenstand der Khalsa, den Guru Har Gobind, anzugreifen. Der Guru ging als Sieger hervor.

 

         Nach dem Rückzug der Mohammedanischen Armee, entschied der Guru sich den Kriegsschauplatz anzusehen und wusch die Gesichter der Verwundeten und Getöteten und rühmte ihren unübertroffenen Mut. Er erfuhr, dass  alle vierzig Sikhs, dessen Kommandant Mohan Singh, der dem Guru in Anandpur den Widerruf gegeben hatte, getötet worden waren, während sie tapfer gekämpft hatten. Der einzige Überlebende war Mahan Singh, aber er war so sehr verwundet, dass er dem Tod nahe war. Der Guru bat ihn seine Augen zu öffnen und sagte:  „Bitte nach jedem Segen, den du wünscht, im Reich der Erlösung.“ Nachdem er seine Augen geöffnet hatte, freute er sich den Guru zu sehen und antwortete: „Oh wahrer König! Wir sind in Sünde gefallen, weil wir dir in der Notlage in Anandpur  in den Rücken gefallen sind. Die Tore des Himmels sind für diejenigen geschlossen, die vor mir von der Erde gegangen sind. Oh Gott, erweise uns deine Gunst und schau über unseren Verrat hinweg.“ Es wird berichtet, dass der Meister das unterschriebene Papier des Widerrufs, dass er zu aller Zeit in seiner Weste trug, zerriss, um ein Zeichen der Vergebung und Aussöhnung zu setzen. Mhan Singh sah das mit seinen eigenen Augen und starb glücklich in Vergebung und gleichberechtigt.

Die Seelen der vierzig wurden auch gleichberechtigt. Diese vierzig Sikhs werden Vierzig Mukte –die Erretteten oder die Gleichberechtigten genannt und wir erinnern uns an sie in unseren täglichen Gebeten als die Vierzig Muktas. Khidrana wurde von diesem Zeitpunkt an Mukatsar genannt oder der Kessel der Erlösung. Dann fand der Guru Mai Bhago, der diese vierzig Sikhs inspiriert hatte. Mit ein bisschen Hilfe wurde sie wiederbelebt und sie wurde  vom Meister gesegnet.

            Von Mukatsar aus reiste der Guru nach Rupana, Bhander, Gurusar, Theri Bamiha, Rohila, Jangiana, und Bhai Ka Kot. Dann ging er nach Sahib Chand weiter und nach Chatiana, wo die Brars, die für ihn gekämpft hatten, ihre Bezahlungen einklagten und ihm damit drohten seinen Weitermarsch zu verhindern, würde er sie nicht bezahlen. So geschah es von Gottes Gnaden, dass ein Sikh aus der Nachbarschaft genügend Geld brachte, um all seine Schulden abzubezahlen. Aber dem Anführer der Brars, Chaudhri Dana tat das arrogante Verhalten seiner Leute sehr leid und er nahm den Teil seiner Bezahlung nicht an. Auf den Wunsch von Chaudhri Dana hin, ging der Guru dann zu dessen Geburtsort Mehma Swai. Als er dort ankam, schlug er sein Lager an einem Ort auf, der nun Lakhisar genannt wird. Von dort aus besuchte er andere Orte in der Nachbarschaft. Auf den Wunsch von Chaudhry Dalla, entschied sich der Guru dann nach Talwandi Sabo zu gehen. Auf seinem Weg dorthin ging er durch  Chatiana, Kot Sahib Chand, Kot Bhai, Giddarbaha, Rohila, Jangirana, Bambiha, Bajak, Kaljhirani, Jassi Bagwali, Pakka Kalan, Chak und Hira Singh,  und erreichte schließlich Talwandi Sabo, dass heutzutage Damdama Sahib oder Takhat Damdama Sahib genannt wird. Dieser Platz gefiel dem Guru so sehr, dass er dort einen permanenten Wohnsitz suchte und dort für neun Monate und neun Tage blieb.

 

 

DER GURU IN DAMDAMA SAHIB:

                       

Zu dieser Zeit waren alle Beschränkungen gegen den Guru  von der  Mogulischen Regierung  aufgehoben worden. Im Auftrag von Zafarnama, wurde den  Gouverneuren von Aurangzeb befohlen, alle Belästigungen des Gurus einzustellen.

            Hier war es, wo der Guru auf seine Frau traf. Als sie ankam, wurde sie zu der großen Versammlung seiner Anhänger hinzugesetzt. Sie wandte sich an den Meister:

   

            „Wo sind meine vier Söhne?“

    

Der Meister antwortete:

 

„Was wenn sie nicht mehr da sind?

            Sie leben dennoch, und werden immer leben- die Khalsa,

            Millionen unserer tapferen Söhne.“

 

    

Die friedliche Zeit in Damdama Sahib wurde vom Guru bestens genutzt. Er legte ein bleibendes Fundament des Sikhismus im Malwa Gebiet. Grosse Mengen kamen von nah und fern und stellten das Neue Anandpur dar. Der Guru besuchte die Nachbarorte sehr oft. Viele alte und angeborene Sikhs wurden getauft und wurden immer stärker in die Khalsa eingebunden. Dalla, der Herrscher von Talwandil Tiloka, der Nachfahre von Nabha State, und Ramam, der Nachfahre von Patiala State, sind herausragende Beispiele. Natürlich wurden auch Viele erst zum Glauben konvertiert.

            Der Meister ließ nach dem Adi Granth schicken, welches sich in Kartarpur, in der Nähe von Beas befand, um die Hymnen von Guru Tegh Bahadur darin aufzunehmen. Das Original befand sich bei den Dhirmalias und diese wollten das Original nicht aus der Hand geben und ließen verlauten, dass, sollte Guru Gobind Singh der echte Guru sein, dann sollte er doch eine Kopie für sich selbst machen. An dieser Stelle beschloss Guru Gobind Singh das ganze Granth Sahib, so wie es heute existiert, Bhai Mani Singh zu diktieren. Der heilige Band schließt die „Rag Mala“ (1430 Seiten) ein. Es scheint, als ob die Rag Mala keinen wichtigen Platz in dem Guru Granth Sahib einnimmt.  Die Überschrift von jedem Sabad (jeder Stanze) im Guru Granth Sahib gibt uns Aufschluss  über ihren Autor, aber die Überschrift der „Rag Mala“ gibt keinen Hinweis darauf, wer der Autor ist. Max Arthur Macaufliffe (der Autor der Sikh Religion –6 Bände, die 1909 veröffentlicht wurden) schreibt: 

 

            “Ein Mohammedanischer Dichter, der Alim genannt wurde, schrieb in A.H. 991

            (1583 A.D.) ein Werk, das aus 353 Stanzen bestand, generell bestanden diese Stanzen aus vier bis sechs Zeilen, und wurden ‚Madhava Nal Sangit’ genannt. Diese wurden angeblich für die Liebe von Madhava Nal und einer Frau namens Kam Kadala geschrieben. Die Rag Mala, die am Ende des Guru Granth Sahib steht und eine Liste von Rags und Raginis und deren Unterteilungen enthält, ist ein Teil von Alims Werk, das von der sechsunddreißigsten bis zur zweiundsiebzigsten Stanze reicht. Es ist unklar, warum man sein Werk in den Heiligen Band aufnahm, Die Rags, die darin stehen, sind nicht die gleichen wie in dem Granth Sahib.“

    

            Dieser heilige Band wird ‘Damdama Sahib di Bir’[20] genannt. Dieses Bir wurde in Hari Mandar Sahib eingeführt, ist aber zur heutigen Zeit nicht mehr erhältlich. Man weiß, dass es entweder zerstört wurde oder es wurde von Ahmed Shah Abdali mitgenommen,  als er die Stadt Amritsar überfiel.

 

            Die Ordnung der Nirmala Sikhs wurde an dieser Stelle auch geschaffen,  mit der Absicht,  innerhalb der Sikhs eine Gruppe von Sikhs zu haben , die sich ausschließlich der Lehre und der Predigt des Sikh Glaubens widmete. Das Darbar des Gurus war an dieser Stelle genau so hervorragend wie in Anandpur. Zahlreiche Dichter und Schüler kamen in seinem Hof zusammen. Aus all diesen Gründen, wurde Damdama Sahib ein berühmtes Bildungszentrum. Der Guru strukturierte auch seine Truppen um. Seine Stärke war um einiges gewachsen. Neben der regulären Anhängerschaft, stellte er auch Dogras und Bras in seinen Dienst[21].

 

DER GURU ZIEHT WEITER IN DEN SÜDEN, UM AURANGZEB ZU SEHEN.

 

            Als Antwort auf den Brief des Gurus, der ‚Zafarnama’ genannt wurde, geschah es hier, dass er auf herrschaftliche Boten stieß, die zu ihm kamen, um den Wunsch des Herrschers zu überbringen, sich  persönlich mit dem Guru zu treffen.  In der Ahkam-I-Alamgiri (das Schreiben von Aurangzeb), ist der Empfang des Briefes des Gurus vom Herrscher eingetragen und dieses Schreiben enthält Befehle, die er an Munim Khan von Lahore gab, um mit dem Guru in Einklang zu kommen und auch um günstige Bedingungen für die Reise des Gurus in den Süden zu schaffen. Aus der Ahkam –iI Alamgiri wird auch klar, dass Aurangzeb Angst hatte, auf den Guru zu treffen. Es könnte sein, dass der Herrscher den Frieden im Punjab sichern wollte, um sich auf seine Pläne zu konzentrieren, die Marahtas im Süden in die Knie zu zwingen. Deshalb geschah es am dreißigsten Oktober 1706 (manche sagen, es war am zwanzigsten Oktober ), dass der Guru entschied, in den Süden zu reisen, um Aurangzeb zu treffen.

            Er begann seine Reise in Richtung Rajasthan auf dem Weg nach Ahmednagar , wo der Herrscher sein Lager aufgeschlagen hatte. Von Damdama aus, durch Kewal und Jhora, erreichte er Sarsa. Dann ging er nach Nohar, Bhadra, Sahewa, Madhu Singhana und dann nach Pushkar weiter, einem Ort der den Brahmas heilig war. Dann ging er nach Nairanpur, dass allgemein als Dadudwara bekannt ist, und der Ort ist, in dem der heilige Dadu lebte und in dem seine Sekte bekannt wurde. Der Guru stoppte an seinem Schrein und führte eine Diskussion mit Mahant Jait Ram. Hier wurde der Guru von seinen Sikhs getadelt, da er seinen Pfeil auf Dadu’s Grabstätte senkte. Mina Sigh führte dem Guru seine handgeschriebene Anweisung vor die Augen: „Preise keine, nicht einmal aus Versehen, Mohammedanische oder Hinduistische Grabstätte oder Verbrennungsstätte.“ Der Guru erklärte, dass er dem Schrein seine Ehre erwies, um seine Sikhs zu testen und ihre Erinnerung an seine Ausführungen zu prüfen. Der Guru aber, gab zu, dass er sich der Strafe, die auf die Ehrenzeugung vor einem Schrein steht, annehmen werde und zahlte frohen Gemüts hundertfünfundzwanzig Rupien.    

            Hier traf er auf Bhai Daya Singh und Daram Singh, die von der offiziellen Mission des Aurangzeb zurückkehrten. Dann erreichte er Baghaur, wo er vom Tod des Aurangzeb unterrichtet wurde und auch davon, dass unter seinen Söhnen ein Krieg um die Nachfolgerschaft ausgebrochen war. Es machte von diesem Augenblick keinen Sinn mehr weiterzugehen und deshalb blieb er für einige Zeit dort.

            Bahadur Shah, der älteste Sohn von Aurangzeb, eilte nach Peshawar zurück, um sich seinem jüngeren Bruder Azim, der sich selbst als Herrscher proklamiert hatte, entgegenzustellen. Bhai Nana Lal hatte dem Prinzen Bahadur Shah jahrelang gedient,  bevor er auf den Hof des Gurus zog. Deshalb suchte Bhadur Shah durch das Amt von Bhai Nand Lal[22] Unterstützung beim Guru und versprach dem Guru, dass er ein gerechter Herrscher werden würde und die Hindi und die Moslems gleich behandeln würde und alle schlechten Taten seines Vaters gut machen werde. Also half ihm der Guru mit seinen Truppen und kämpfte in der Schlacht von Jaju, die Bahadur Shah siegreich hervorgehen ließ. Aus großer Dankbarkeit für die prompte Hilfe, lud Bahadur Shah den Guru nach Agra ein, wo er gekrönt wurde. Dem Guru wurde am vierundzwanzigsten Juli 1707 ein königliches Ehrengewand verliehen.

            Während sich der Guru in Agra aufhielt, machte er einen Ort namens Dholpur, der etwa zwanzig bis dreißig Meilen von Agra entfernt liegt, zu seinem Missionszentrum.

            Er führte seine Missionen in den Gegenden von Mathura, Aligarh, Agra und auch in den Städten von Bharatpur und Alwar für viele Monate aus, bevor er nach Dacaan weiterging. Viel wurden Anhänger des Gurus. Man sagt, dass der Guru mit dem Herrscher Bahadur Shah Gespräche führte, aber diese Gespräche waren noch zu keinem Ergebnis gekommen, als der Guru nach Rajasthan reisen musste, um die Revolten von einigen Rajput Anführern zu unterdrücken. Er bat den Guru mit ihm zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Bhadur Shah die Neuigkeiten erreicht, dass sein jüngerer Bruder, Kam Bakhsh, sich im Daccan selbst zum Herrscher von Indien gemacht hatte. Bahadur Shah wanderte über Chittorgarh nach Daccaan. Von dort aus verließ er  Burhanpur und der Guru begleitete ihn auf seinem Weg nach Hyderabad. Der Guru blieb dort eine lange Zeit und traf auf Jogi Jiwan Das. Er traf auch Mahant Jait Ram von Dadudwara, der zufällig auch am gleichen Ort war. Beide erzählten dem Guru von Bairago Madho Das. In der Zwischenzeit war der Guru alles andere als zufrieden mit Bhahadur Shah’s ausweichenden Antworten auf eine Entscheidung gegen Wazir Khan, dem Vizekönig von Sirhind, und anderen Offizieren über die Schreckenstaten im Punjab. Der Herrscher vermied es eine klare Aussage zu treffen und schob Ausreden vor. Deshalb trennte sich der Guru vom Herrscher in Higoli und ging nach Nader weiter, welches er im Juli 1708 erreichte.

 

            Einige Schreiber wie Bute Shah und Malcolm sagen, dass der Guru nach Daccan ging und an den Kehrseiten und dem Verlust, welche sein Schicksal begleiteten, verzweifelte und eine Veränderung brauchte. Andere sagen, dass er in den Dienst der Mogul eintrat. Cunningham sagt, dass der Guru im Tal von Godavari eine militärische Führungsposition einnahm.

 

            Diese Geschichten sind nicht wahr und sind unverantwortlich, sie stellen eine Missachtung des Sikh Glaubens dar. Es scheint, also die Mehrheit der Schreiber die Grundlagen des Sikhismus nicht kennen. Man sollte diese Schriftsteller mit den Grundlagen des Gurus (von allen Gurus ) vertraut machen:

 

 

          "Tera kia meetha lagai, Har Nam padarath Nanak Mangai."

                                        (Asa Mohalla 5, S.394)

         “Nanak erhält das Geschenk von Nam.”

           Süß ist mir dein Wille, oh Herr.

                                                            (Übersetzung des Obigen)           

                                       

            Im Alter von neun Jahren, opferte Guru Gobind Singh seinen Vater, um den Hinduismus zu retten and stand Angesicht zu Angesicht mit dem Respekt einflößenden Mughla Reich, das sich am Scheitelpunkt befand. Als ihn seine Frau fragte, wo ihre vier Söhne hingegangen wären, sagte er:

 

„Was, wenn sie fortgegangen sind?

Sie leben trotzdem und sollen immer leben- in der Khalsa,

Millionen unserer mutigen Söhne.“

 

In dem Brief  „Zafarna“ bedrohte er den Herrscher öffentlich, als er schrieb:

    

“Meine Söhne sind umgebracht worden, aber solange die Khalsa lebt, leben alle meine Söhne!Was für ein Mut ist das ein paar Funken von Leben zu ersticken? Du bist dabei ein tobendes Feuer zu entzünden, je mehr...“

 

Diese Zeilen enthalten keinen Schimmer von Trauer oder Verzweiflung.

Angesichts dieser unanfechtbaren Beweise, ist es absurd, den Glauben des Gurus  als  Mutlosigkeit zu deuten.

 

            Die Theorie, dass der Guru in den Dienst der Mogulen eingetreten wäre,  kann auch zurückgewiesen werden, angesichts der Ideologie und den Idealen des Gurus. Warum sollte er in den Dienst der Mogulischen Regierung treten? Er wurde von seinen Anhängern als echter ‚König’ verehrt und er war tatsächlich ein wahrer König, der auf dem Thron von Guru Nanak saß. Als ein wahrer König hatte er einen großen Reichtum und eine wahre Anhängerschaft. Wenn wir diesem Schreibern auch nur einen Moment glauben, - war die Erinnerung an die Schandtaten, die gegen ihn und seine Anhänger gerichtet waren, noch zu frisch, um in die Armee der Unterdrückung einzutreten. Diese Theorie steht auch nicht im Einklang mit dem Auftrag des Gurus von Banda Bahadur und der Herrschaft der Punjab Khalsa. Das ganze Argument entbehrt jeglicher Grundlage und scheint mehr eine Verleumdung auf Seiten dieser Schreiber  zu sein, um zu sagen, dass der Guru in den Dienst der Mogulen eingetreten wäre.

 

DER GURU IN NADAR:

 

            In Nader suchte sich der Guru einen schönen Platz am Flussufer des Godavris aus. Dies machte er aus zwei Gründen. Zunächst wollte er Banda Bairagi sehen und dann gab es da noch acht Ashrams von verschieden religiösen Sekten. Der Guru wollte mit den Leitern der heiligen Stätte das Gespräch suchen und ihnen den richtigen Weg zeigen und diese zu seinem eigenen Glauben konvertieren.

Deshalb war es wahrscheinlich auch, dass er sich sofort an ganze Versammlungen wandte. Leute, die nach spiritueller Erleuchtung suchten, kamen zu ihm in Scharen. Bald wurde ‚Anandpur’ in Dacaan umgesetzt.

            Es trafen die Neuigkeiten ein, dass die Armee des Herrschers die Stadt Sadhaura plünderte und Pir Budhau Shah als Rebellen ansah , weil er an Guru Gobind Singh glaubte und sie ihn als ‚Kafir’ oder Ungläubigen ansahen. Eines Tages ging der Guru zu Bairago Madho Das, einem Eremiten. Da der Bairagi nicht anzutreffen war und der Guru hörte, dass dieser übernatürliche Kräfte besaß, die jeden, der auf seiner Liege saß umwerfen konnte, fasste der Guru Mut, auf dessen Liege zu sitzen.         

Die Anhänger des Gurus töteten eine Ziege und kochten sie an einem verbotenen Platz von Bairagi. Ein Schüler ging los, um die Leute von den Taten des Gurus zu unterrichten. Es war ein Sakrileg ein Tier am Platz von Bairagi zu töten and auch  Besitz von seiner Liege zu nehmen,  die ihm als Thron diente. Bairagi war natürlich verärgert und stürzte kopfüber auf den Guru zu. Er versuchte alles, um den Guru zu verletzen, doch seine Kräfte waren nutzlos. Als er sich selbst als hilflos wiederfand, fragte er den Guru, wer er wohl sei. Der Guru antwortete, dass er der Gobind Singh ist. Bairagi war beschwichtigt und seine Wut schlug in Verehrung über, Das Göttliche Licht von den Augen des Gurus erhellte alle Dunkelheit des Geistes von Bairagi , der sofort vor dem Meister niederkniete und mit ganzer Unterwerfung verkündete, dass er  sein  Banda- ein Sklave (des Gurus) sei.

            Der Meister wies ihn dann in die Grundsätze des Sikhismus ein und taufte ihn. Er wurde Gurbakhsh Singh genannt, war aber weiterhin als Banda oder Bada Singh bekannt. Er hatte von den Sikhs die Gräueltaten des Moslemischen Herrschers gehört , die auch unschuldige Kinder töteten, und war deshalb sofort dazu bereit,  jeglichen Dienst für den Meister auszuführen. Daraufhin gab ihm  der Guru den Befehl, ins Punjab zu gehen und dort gegen die Unterdrückung der Herrschers im Namen des Khalsa zu kämpfen.

            Während er dies sagte, zeigte er ihm Pfeil und Bogen und sagte: „Solange du zufrieden bleibst, so lange soll dein Ruhm größer werden. Jemand der zufrieden ist, der dreht sich von einem Kampf nicht weg, seine Gegner können ihm nicht widerstehen. Sobald du die Prinzipe des Khalsa aufgibst, und dich illegal mit einer Frau einlässt, dann soll dein Mut und Ruhm vergehen.“ Der Guru sandte einige seiner Gurus mit ihm auf den Weg, um ihn zu unterstützen. Danda legte den Eid ab, verneigte sich und ging los. Dies war ein herausragendes Beispiel für die Macht des Gurus Gobind Singh, einen Spatzen den Geier jagen zu lassen und einen Sikh gegen hundertzwanzigtausend Mann kämpfen zu lassen. Banda Bahadur, der eine Eremit war und mit dem Glauben an Gewaltverzicht eng verwurzelt war, wurde einer der berühmtesten Generale zu dieser Zeit, in welcher der Guru die Herrschaft hatte. (Banda Bahadur hisste die Flagge des Gurus in einem Dorf ungefähr fünfunddreißig Meilen von Delhi. Die Sikhs kamen aus allen Gegenden des Punjab unter seiner Flagge zusammen und attackierten ihre Gegner so stark und verheerend, dass sie innerhalb von nur ein paar Monaten Samana ausgelöscht hatten, und Shahbad , Sadhaura und Chhat Banur in den Boden gestampft hatten. Danach kam Sirhind. Banda Bahadur attackierte den Feind so stark und durchschlagend, dass der Feind gegen die Armee  von Banda nicht standhalten konnte. Wazir Khan und sein Diener Suchnand wurden mit dem Schwert auf den Herrscher angesetzt. Der Herrscher Bahadur Shah konnte ihn nicht vernichten und starb in dem Glauben daran, dass er die Sikhs vernichtet hatte.

            Nachdem Banda verschieden war, lebte der Guru an verschiedenen Orten in einer Gegend, die Shikar Ghat genannt wurde, und dort wo er regelmäßig jagen ging, nämlich in Nagina Ghat, dort beschenkte ihn ein Sikh mit einem wertvollen Siegelring, den er ins Wasser warf. Dies geschah am Hira Ghat, wo er schon einmal einen wertvollen Diamantring weggeworfen hatte und auch an dem Ort, genannt Sangat Sahib, wo er seinen Anhängern Religionsunterricht gab.

            Die engen Verbindung zwischen dem Guru und dem Herrscher Bahadur Shah war Wazir Khan ein Dorn im Auge (er war der Vizekönig von Sirhind). Er hatte befohlen, die Söhne des Gurus bei lebendigem Leib einmauern zu lassen und dann zu enthaupten. Er war es, der für die Schreckenstaten gegen die Sikhs im Punjab verantwortlich war. Er fürchtete um sein Leben , wenn es zwischen dem Guru und dem Herrscher zu einem Kompromiss käme. Deshalb plante er seine Verschwörung und wollte den Guru töten lassen. Er entsandte zwei Pathaner, Gul Khan alias Jamshed Khan und Ata-ullah, um den Guru zu töten.   

            Alle möglichen Leute kamen zu der Versammlung des Gurus in Nader zusammen Bald kamen auch die beiden Parthaner hinzu, die vom Guru eröffnet wurde. Am dritten oder vierten Tag der Zusammenkunft, fand Jamshed Khan eine Möglichkeit und als der Guru sich in seine Behausung zurückzog und seine Abendgebete sagte, ging Jamshed in sein Haus, und verletzte ihn mit einem Dolch. Der Guru tötete in sofort, obwohl er selbst schwer verwundet war. Jamsheds Begleitung, die sofort von der Zusammenkunft floh, wurde von einem Sikh, der Geräusche in der Behausung des Gurus hörte, verwundet.

             Verschiedene Meinungen und Perspektiven wurden über die Ereignisse der Tötung des Gurus erzählt. Cunningham schreibt, dass ein parthansischer Verkäufer, der dem Guru Pferde verkauft hatte, eines Tages zum Guru kam und ihn um sofortige Bezahlung bat. Der Guru, der nicht genügend Geld zur Verfügung hatte, bat ihn doch an einem anderen Tag wiederzukommen. Der Parthaner machte eine böse Geste, und nachdem er den Guru Gewalt androhte, tötete ihn der Guru. Der Körper des Parthaners wurde weggebracht und begraben, und die Familie des Parthaners zeigte sich versöhnlich mit dem Schicksal. Seine Söhne wollten Rache und Sie waren erfolgreich sich in den Ruhesitz des Gurus zu schleichen und verwundeten ihn tödlich, während er schlief. (Cunningham- Die Geschichte der Sikhs, S.82)

           

 

Andere Schriftsteller, so wie Mc Gregor (Die Geschichte der Sikhs, Band 1, S.99-

100) behaupten, dass der Guru kurze Zeit später seine Fehler einsah und als Kompensation für das Schicksal seines Opfers, erwies er der Witwe einen besonderen Gefallen und erzog ihren Sohn, so wie es ein Vater tun würde. Als der Junge zum Mann wurde, wurde er vom Guru angewiesen ihn zu töten. Dies tat der junge Mann auch und der Guru erlag seinen Verletzungen. Trumpp glaubt auch an diese Version der Geschichte und um es glaubhafter zu machen, sagt er dass der Guru ohnehin mit dem Leben unzufrieden war und sterben wollte.

 

            Diese Geschichten entbehren jeglicher Grundlage. Die Schriftsteller sollten verstehen, wer der Guru war. Guru Gobind Singh saß auf dem Göttlichen Thron von Guru Nanak, und deshalb war er die Verkörperung des Göttlichen Lichtes; Das Göttliche fühlt sich niemals schlecht oder entmutigt. Der Guru äußerte niemals ein Wort der Trauer um seine Tat und er zeigte auch keinerlei Anzeichen von Verzweiflung, während er durch all sein Leid tapfer ging. Es wurde nie in seine Predigten oder Schriften aufgenommen,  dass er seine Taten bereute und an seinem Leid zerbrach. Als ihm Nur Mahi die Neuigkeiten von der brutalen Ermordung seiner vier Söhne berichtete, dankte der Guru Gott: „Vater, Mutter und vier Söhne, sie waren mir von Dir anvertraut. Heute wurde es mir zu teil, Dir dieses Vertrauen zurückzugeben. Darüber bin ich sehr glücklich.“ Ein solches Beispiel lässt sich in der menschlichen Geschichte nicht oft wiederfinden.

 

Kürzlich wurde auch ein neues Licht von Hukkamnana auf diese Ereignisse geworfen. Von dem Parthanischen Kaufmann ging keine Forderung aus, das Geld gleich zu zahlen. Der Pathaner wollte vom Guru überhaupt kein Geld annehmen, obwohl ihn der Guru daran erinnerte. Dies wird im Huknanman (ein Brief der Wertschätzung, der vom Guru geschrieben wurde ) bewiesen. Der Guru schickte  diesen Brief an den Parthaner, um diesen für sein gutes und freundliches Verhalten zu danken . Der Brief wird von der Nachkommenschaft des Pathaners immer noch aufgehoben. (Kartar Singh: Das Leben des Gurus Gobind Singh, S.263)

   

Ein Ausflug in die historischen Umstände, führt zu der Einbindung des Herrschers in die ganze Geschichte. Der Herrscher war sehr wütend über die Einmischung Bandas im Punjab, der den Kampf erneute und Wazir Khan zu Fall brachte. Es scheint, als ob der Herrscher so verängstigt wat, dass der Guru die Marahattas in ihrem Kampf gegen die Mogulen (was zur gleichen Zeit in Hyderabad und unter der Führung seines Bruders stattfand) helfen würde. Deshalb wollte er wahrscheinlich nicht vom Guru ablassen. Bahadur Shah stand unter der Meinung, dass mit dem Tod des Gurus seiner Revolution im Punjab nichts mehr im Wege stehen würde. Deshalb plante er die Verschwörung mit den beiden Parthanern , die von Wazir Khan angeheuert wurden, um den Guru zu toten. Die folgenden historischen Tatsachen untermauern diese Ansicht:

 

 

Am achtundzwanzigsten Oktober des Jahres 1708, ließ der Herrscher ein Trauergebet anordnen, dass für den Sohn des Jamshed Khan Afghan , der vom Guru getötet wurde, gehalten werden sollte. Das herrschaftliche Rundschreiben von Bahadur Shahs Hofaufnahmen liest sich wie folgt:

        

            "Keh Guru Gobind Singh Rai Jamshed Khan Afghan ra bajan

           Kushtah bud khilat-e-Matami bapisar-i-Khan Mazkur

           Mrahmat shud."

           (Akhbarat-i-Darbar-i-Mualla, dated 24 Shaba, second year

           of Bahadur Shah (Oct. 28, 1708) quoted by Dr. Ganda

           Singh in Makhiz-i-Twarikh-i-Sikhan, S. 83)

 

    

            Jamshed Khan war kein hoher Würdentarger , auf den der Herrscher so groβen Wert legte. Er war nur ein Spion von Wazir Khan.

 

Zwei Tage später, am dreißigsten Oktober 1708 befiel der Herrscher einen Trauerzug im Gedenken an Guru Gobinds Familie.

 

Dies bedeutet, dass der Herrscher Jamshed Khna und Guru Gobind Singh auf die gleiche Stufe stellte, was wiederum bewiest, dass Jamshed Khan die Unterstützung des Herrschers hatte.

 

Am elften November des Jahres 1708 wurde festgestellt, dass der Guru ein großes Vermögen zurückließ. Die Höflinge fragten , wie es denn aufgeteilt werden sollte. Es wurde befohlen, dass solches Hab und Gut nicht in die Königliche Schatzkammer eingehen sollte. „Dies war das Eigentum eines Darvesh - eines Heiligen.“ Man sollte sich da nicht einmischen, befahl der Herrscher.

 

Der Einwand des Herrschers, das Hab und Gut des Gurus gegen den Willen der Höflinge zeigen seine  Diplomatie und Klugheit. Es war wie ein Bewies für seine Beihilfe zum Tod des Gurus, schreibt H.R. Gupta in seiner Eine Geschichte der Sikh Gurus auf Seite 240.

 

Die Wunde des Gurus wurde sofort von den europäischen Ärzten des Herrschers zugenäht und innerhalb ein paar Tagen sah es so aus, als wäre die Wunde verheilt.

Bald nachdem sich der Guru verbeugte, öffnete sich die schlecht verheilte Wunde und blutete sehr stark.  Da wurde es dem Guru klar, dass ihn der Vater aus dem Himmel zu sich rief, und deshalb, gab er seine letzte und fortdauernde Nachricht von seiner Mission an die Versammlung des Khalsa weiter. Am Mittwoch, den 6. Oktober des Jahres 1708 (am Budhwar, Katik Chauth, Shukla Pakkh, samvat 1765) bat er Bhai Daya Singh in Nander (Deccan) das Sri Granth Sahib zu ihm zu bringen. Dann öffnete er den Granth Sahib, legte fünf Paise und eine Kokosnuss davor and verneigte sich vor seinem Nachfolger, dem Guru Granth Sahib. Während er 'Waheguru

ji ka Khalsa, Waheguru ji ki Fateh' von sich gab, wanderte er um den heiligen Band herum and rief aus: „Oh geliebte Khalsa, lass denjenigen, der wünscht mich zu erblicken, das Guru Granth erblicken. Gehorche dem Guru Granth. Es ist der sichtbare Körper des Gurus und lass den, der wünscht mich  zu treffen, Seine Hymnen sorgfältig nachschlagen.“ Dann sang er eine selbstkomponierte Hymne[23]:

 

     "Agya bhai Akal ki tabhi chalayo Panth                     

      Sabh Sikhan ko hukam hai Guru manyo Granth                 

      Guru Granth Ji manyo pargat Guran ki deh                  

      Jo Prabhu ko milbo chahe khoj shabad mein le."              

 

 

“Unter dem Auftrag der Unsterblichen, wurde der Panth geschaffen.

Alle Sikhs sind zusammengekommen, um das Granth als ihren Guru zu akzeptieren.

Sieh das Guru Granth als Verkörperung des Gurus an.

Diejenigen, die Gott treffen wollen, können ihn in Seinen Hymnen finden.“

 

            Die oben benannte Zeremonie wird in Bhatt Vahi Bhadson Parganah Thanesar (einem Schriftstück von Bhatt) wie folgt beschrieben:

 

            ,, Guru Gobind Singhji, mahal daswan, beta Guru Tegh

Bahadurji ka, pota Guru Hargobindji ka, parpota Guru

Arjanji ka, bans Guru Ramdasji ki, Surajbansi, Gosal gotra,

Sodhi Khatri, basi Anandpur, parganah Kahlur, muqam Nander,tad Godavari, des Dakkhan, sammat satran sai painsath, kartik

mas ki chauth, shukla pakkhe, budhwar ke dihn, Bhai Daya Singh                        se bachan hoya, Sri Granth Sahib lai ao, bachan pai Daya Singh

Sri Granth Sahib lai aye; Guruji ne panch paise ek narial aagey

bheta rakha, matha teka, sarbatt sangat se kaha, mera hukam

hai, meri jagah Sri Granthji ko janana, jo sikh janega tis ki

ghal thaen paegi, Guru tis ki bahuri karega, satt kar manana.”         

 

Übersetzung des obigen Zitats:

 

            ,,Guru Gobind Singh, der Zehnte Meister , Sohn von Guru Tegh Bahdur, Enkel von Guru Hargobind, Großenkel von Guru Arjan, aus der Familie von Guru Ram Das, der Sippe Surajbansi Gosal, Sodhi Khatri, Einwohner von Anandpur, parganah Kahlur, jetzt in Nander, im Godavari Land in Deccan, bat Bhai Daya Singh am Mittwoch, Katik chauth, shukla pakkh, samvat 1765 (am 6. Oktober 1708) darum, Sri Granth Sahib zu bringen. Der Anweisung folgend brachte Daya Singh die Granth Sahib herbei. Der Guru legte fünf Paise und eine Kokosnuss vor sie auf den Boden und verneigte sein Haupt vor ihr. Dann sagte er zu der Sangat (zu der heiligen Versammlung): ,,Es ist mein Gebot: Besitze Sri Granthji an meiner Stelle. Wer auch immer es so annimmt, wird seine Belohnung erhalten. Der Guru wird ihn retten. Dies ist die Wahrheit.”

 

            Guru Granth Sahib wurde dann willkürlich geöffnet und die folgende Passage daraus wurde gelesen (eine solche Rezitation nennt man ,Hukam’ oder die Göttliche Regel des Tages):

 

,,Mein Schicksal ist erwacht, Gott hat sich mir gnädig gezeigt, und ich singe ihm Lob. Meine Pein hat ein Ende, ich habe Frieden gefunden, und all meine

Irrfahrten sind beendet.

Ich habe nun die Würde Ewigen Lebens erlangt.

Geschützt im Hort der Heiligen gedenke ich in meinem Geist einzig und allein meinem Gott, meinem Schöpfer (Pause).

Ich habe Habsucht, Zorn, Geiz und Laster hinter mir gelassen, und alle Gegner überwältigt.

Mein Herr ist allgegenwärtig und wacht stehts über mir,

Er ist mir nie fern.

Durch die Hilfe der Heiligen habe ich Glück gefunden

und Frieden ist eingetreten, und all meine Wünsche werden wahr.

Augenblicklich reinigte der Herr die Sünder

Das Lob Gottes ist unbeschreiblich.

Ich bin angstlos geworden, all meine Angst ist unter der Obhut der Göttlichen Füße entschwunden.

Nanak, der Tag und Nacht davon eingenommen ist, singt dem Herrn Lob.”

 

                                                (Maru Moh. 5, Seite 1000)

 

In dankbarer Anerkennung für die geistlichen Wohltaten des Gründers seiner Religion sagte er einen persischesn Vers auf, der übersetzt wie folgt lautet:

 

            ,,Gobind Singh erhielt von Guru Nanak

            Gastfreundschaft, das Schwert, Sieg und schnellen Beistand.”

            (Diese Zeilen waren ursprünglich die Inschrift eines Siegels, welches von den Sikhs angefertigt  wurde, nachdem der Guru seine himmlische Behausung verließ. Später wurden sie von Ranjit Singh für seine Münzen übernommen, nachdem dieser den Titel des Maharadscha von Punjab angenommen hatte.) Er ging dann fort zu seiner himmlischen Unterkunft. So, wie er es ihnen aufgetragen hatte, erledigten die Sikhs die Vorbereitungen zu seinen letzten Riten. Das Sohila wurde gesungen und Parshad (heiliges Essen) wurde verteilt.

            Während alle über den Verlust trauerten, kam ein Sikh an und sagte: ,,Ihr seid der Annahme, dass der Guru tot ist. Ich habe ihn erst am heutigen Morgen sein braunes Pferd reiten sehen. Nachdem ich mich vor ihm verneigt hatte, fragte ich ihn, wohin er ginge, und er antwortete mit einem Lächeln, dass er auf dem Weg zu einem Jagdausflug in den Wald war.”

            Die Sikhs, die dies hörten, kamen zum Schluss, dass alles nur ein Spiel des Gurus war, dass er in ungetrübtem Glück verweilte, dass er sich immer dort zeigte, wo an ihn gedacht wurde. Derjenige, der auch nur ein kleines Fünkchen von Gottes Liebe in seinem Herzen trägt, ist der Gelobte, und der Guru zeigt sich solchen treuen Anhängern auf mysteriöse Art und Weise. Deshalb sollte um solch einen Guru, der körperlich in den Himmel aufgestiegen ist, nicht getrauert werden.

            Der Meister kehrte am fünften Tag der hellen Hälfte des Katik, Sambat im Jahre 1765 (am 7. Oktober 1708 n. Chr.) zu seinem Ewigen Heim zurück. Er war 42 Jahre alt.

            Bevor er diese Welt verließ, verordnete der Guru folgendes: ,,Wenn irgendjemand mir zu Ehren einen Schrein erbaut, soll sein Nachwuchs verenden.”

            Der Sikhtempel in Nader heißt Abchalnagar. Er wurde von Maharaja Ranjit Singh im Jahre 1832 unter Mißachtung des Verbots des Gurus gebaut. Deshalb ist nach Maharaja Ranjit Singh die Regierung seiner Dynastie am Ende gewesen. Die Prophezeiung des Gurus wurde wahr.

 

                       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Eines Tages kam ein Sikh und hielt um die Hand der Tochter des Gurus an. Ihr Name war Sundri. Der Guru begrüßte das Bündnis nicht, aber er wurde von seiner Mutter dazu gedrängt. Man glaubt jedoch, dass Sundri – was „die Schöne“ bedeutet – ein Beiwort Jitos war und nicht die zweite Frau des Gurus. Man glaubt weiterhin, dass Jito der Name war, der ihr von ihren Eltern gegeben worden war, während Mata Jitoji der Name Sundri von Gurus Seite gegeben worden war. Dies passiert häufig in der Gesellschaft.

[2] Raipur liegt in der Nähe von Ambala. Im Fort von Repur steht eine Gurdwara an der Stelle, wo der Guru als Ranis Gast speiste. Dort steht auch eine Gurdwara außerhalb des Forts an dem Ort, wo sein sein Zelt stand.

[3] Zweiundfünfzig Barden waren ständig in seinen Diensten, aber ihre Zahl stieg bei Zeiten auf bis zu 94 Barden.

[4] Manche sagen, dass Himmat Chand der dritte Sikh war, der hervortrat und Mokham Chand der vierte.

[5] In Wirklichkeit wurden fünf Festungen (Forts) im Jahr 1689 bei Anandpur erbaut, nämlich Anandgarh, Lohgarh, Fatehgarh, Kesgarh und Holgarh.

[6] Vichitar Singh war kein großer Mensch und seine Lanze wog über 40 Pfund. Sie ist im Innern der Festung Anandgarh bei Agandpur noch immer zu sehen.

[7] Der Guru wartete damals auf Verstärkung von den Malwa Sikh, dies war der Grund, warum er um Aufschub bat. Die Verstärkung traf tatsächlich ein, erschien aber zu spät für die Verteidigung von Anandpur.

[8] Einige Schreiber meinen, es hätte 1500 Sikh gegeben, die dem Guru folgten.

[9] Bhai Jaitas Name nach seiner Taufe. Bhai Jaita hatte den Kopf von Guru Tegh Bahadur von Delhi nach Anandpur gebracht.

[10] Ein Ort, 10 Meilen von Rupar entfernt.

[11] Einige Autoren sagen, es seien elf Sikh gewesen, die im Innern der Garhi gelassen worden waren.

[12] Es steht eine Gurdwara mit dem Namen Tari Sahib an der Stelle, wo er in die Hände klatschte. Bei Chamkur Sahib stehen vier Gurdwaras. Die erste heißt Damdama Sahib, wo er sich ausruhte, bevor er die Garhi betrat; dann Garhi Sahib, die Festung; dann Katalgarh Sahib, wo die Körper der Sähne des Gurus verbrannt wurden und schließlich die letzte: Tari Sahib.

[13] Chauri- das sind eine Hand voll Straußenfedern, mit denen über ihm gefächert wurde, als Zeichen des Respekts.

[14] Uch da Pir bedeutete Priester (ein muslimischer Fakir) von Uch, einer Stadt im südwestlichen Punjab. Dieser Ausdruck bedeutete auch Hohepriester.

[15] Man sagt auch, dass der Guru den älteren Bruder von Bhai Mani Singh, genannt Nagahia Singh, traf. Er und sein Sohn waren Pferdehändler und sie boten dem Guru das Pferd an.

[16] Im „Suraj Parkash“ steht, dass Tilok Singh und Ram Singh, die Söhne von Baba Phul von Mehraj die Körper verbrannten.

[17] Guru Nanak hatte dem Mogul Herrscher Babar seinen Segen für eine lange Herrschaft seiner Dynastie gegeben. Da sich die Mogul Monarchen aber Ungerechtigkeit, Falschheit, Täuschung, Tyrannei und Unterdrückung hingaben, musste ihre Herrschaft enden. Indem er einen Busch ausgrub, löste er eigentlich die Wurzeln der Mogul Herrschaft, die dann schließlich auch endete.

[18] Drei Jahre nach dieser Gräueltat löschte Banda Singh Bahadur ganz Sirhind vollständig aus und zerstörte die feindlichen Wurzeln und Äste.

[19] Zafarnama- Zafar bedeutet Sieg. Es handelte sich dabei um einen Brief an den Herrscher, der in persischen Versen verfasst worden war. Sie ist auch berühmt als ein Meisterwek der persischen Sprache.

[20] Später wurden Kopien von diesem Bir angefertigt.

[21] Koer Singh- Gur Bilas Patshahi 10: „Jeden Tag verteilte der Guru Gold- und Silbermünzen, so dass es zahllose Soldaten an diesen Ort zog.“

[22] Einige Schreiber sagen, dass Bahadur Shah andere Menschen zum Guru sandte.

[23] Giani Gian Singh, Sri Guru Panth Parkash, Seite 1719.