EINE KURZE ZUSAMMENFASSUNG UBER DIE GRUNDSÄTZE DES  SIKHISMUS:

 

            Das Saatgut für die Reformation der Menschheit, das von Guru Nanak ausgestreut wurde und von seinen Nachfolgern bewässert wurde, reifte in der Zeit von Guru Gobind Singh und gipfelte in der Erschaffung der Khalsa. Das Schwert, welches die Khalsa auf den Weg zum Erfolg führte, wurde ohne Zweifel von Guru Gobind Singh geschmiedet, aber der Stahl des Schwertes kam von Guru Nanak. Der ganze Prozess, der von Guru Nanak eingeleitet wurde, erreichte seinen Gipfel als der zehnte Guru Nanak (Guru Gobind Singh) das „Guru Nanak Jot“ zu dem Adi Granth, der heiligen Schrift schlechthin, hinzufügte, und es als da Guru Granth Sahib ausrief, dem letzen Guru aller Zeiten.

            Vom Zeitpunkt der Initiierung Guru Nanaks an und seiner Einsegnung durch den zehnten Meister, Guru Gobind Singh, über einen Zeitraum von 239 Jahren hinweg, bekam der Sikhismus seine heilige Schrift, Zeichen und Symbole, und seine unvergleichbare Form oder Stanza. Der Übergang von einem Guru zum anderen ist vergleichbar mit dem Anzünden einer Lampe, die daraufhin mit ihrer Flamme eine andere Lampe anzündet. Der heilige Übergang von einem Guru zum anderen wird als EINER angesehen, da alle von der von der gleichen Göttlichen Flamme stammten und durch die gleiche Göttliche Mission weitergeführt wurden. Die Etablierung der Guruschaft, die Geschichte der Nachkommenschaft, die Gründung von Amritsar und anderen Standorten des Sikhismus, die Zusammenstellung des Adi Granth, die Institution des Sangat (das Heilige Zusammenkommen) und Pangat (die kostenlose Küche des Gurus), das Martyrertum der Gurus, die schmückende Ausstattung und der Federschmuck der Macht, die Investitur der Khalsa, alle diese Ereignisse und noch viele andere, aus denen die Chronik der Sikh Religion besteht, gaben dem Sikhismus seine allerhöchste Auszeichnung.

            Im Sikhismus steht die Guruschaft nicht nur für den bloßen Auftrag von Esoterikern, da der Guru keine Abkehr von den Werten des Weltlichen Lebens verlangt. Diejenigen, die diese Abkehr ausübten, wie die Yogis und Siddhas wurden als Drückeberger angesehen- man sah sie als Flüchtlinge aus der sozialen Verantwortung und Pflicht an. Im Sikhismus wird ein Mensch dazu aufgefordert den Willen Gottes zu akzeptieren und seinen Kummer und den Verzicht zu vergeistigen. Der Sikhismus glaubt an das Überkommen von Kummer und Leiden, und schreibt endlose Anstrengungen vor.

           

ETHISCHE UND MORALISCHE LEHREN:

 

            Guru Nanak legte drei Grundbedingungen für den Tagesablauf fest:

 

1. Naam Japo: das immerwährende Gedenken an Gott (die Meditation), weil ein Körper ohne Leben und ein Leben ohne Naam (der Name Gottes) tot ist. Naam ist die Basis von allem.

2.      Kirat Karo: Verdiene deinen Lebensunterhalt auf eine ehrliche Weise.

3.      Vand Chhako: Teile die Früchte deiner Arbeit in Seinem Namen und lass sie den Ausdruck der Liebe an der Menschheit darstellen.

 

 

Weiterhin wird auf folgende Dinge Wert gelegt:                 

 

a.       Lebe gemäss der Wahrheit: das gesamte Gerüst der Sikh Religion ist auf dem wahrheitsgemäßen Leben aufgebaut. Der Guru sagt: „Die Wahrheit steht hoch, aber noch höher steht das Leben gemäss der Wahrheit.“

(Sri Raag Moh. 1, S.62)

            b) Die moralische Beherrschung: Der Ehebruch ist in der Sikh Religion absolut  

    verboten.

c)      Rauche nicht und nimm auch keine anderen Drogen.

 

d)      Verleugne niemanden und nichts. (Die Falschheit oder falsche Interpretation)

 

DER SINN DES LEBENS:

 

            Dem Guru nach, besteht ein moralisches Leben nicht aus ein paar Gesetzen, einem Kode oder einem Ritual, sondern das moralische Leben ist eine Frucht des Lebens,  die nach spiritueller Erleuchtung strebt, und unglaublich harte Disziplin erfordert. Die meisten Leute sind randvoll mit materialistischen Dingen. Deshalb wiederholt sich das Leben immer wieder, bis sich eine Person spirituell und körperlich ausgelaugt wiederfindet. Angelockt durch den Zauber und den Erfolg in der Materialistischen Welt, denkt man weder oder überhaupt nicht an die Ewigen Werte des Lebens.

            Den östlichen Religionen nach, gibt es 84 Lakhs (8,4 Millionen) Leben in der Welt, die Hälfte von diesen leben im Wasser, die andere Hälfte auf dem Land oder in der Luft. Jedes Leben ist vergänglich. Das Leben geht weiter im Rad der Wiedergeburt gemäss seinen Karmas oder seinen guten und schlechten Taten. Die menschliche Seele wird nach der Widergeburt durch verschiedene, niedrigere Leben erhalten, so wie es das Gurbani (das Göttliche Wort) bestätigt:

 

            „ In wie viel Geburten wirst du ein Wurm oder eine Motte!

            In wie vielen Geburten wirst du ein  Elefant, ein Fisch oder ein Hirsch?

            In wie vielen Geburten wirst du ein Vogel oder eine Schlange!

            In wie vielen Geburten wirst du ein Pferd oder ein Ochse!

            Triff auf den Herrn dieser Welt, jetzt ist die Zeit ihn zu treffen

            Du hast nach einer langen Zeit deinen menschlichen Körper erhalten.“

 

Das Gurmat (die Lehre des Gurus) erklärt den Sinn des Lebens in dieser Weise:

 

“Dieses mal wurdest du als Mensch geboren

Es ist an der Reihe den Obersten Gott zu treffen.

Deine anderen Taten werden dir am Lebensende nicht zu Gute kommen,

Umgib dich mit den heiligen,

und denk nur über Gott nach.

Konzentriere dich darauf den Ozean des Lebens zu überqueren;

Denn das Leben ist nur eine Verschwendung,

wenn du dich nur auf die Vergnügen konzentrierst.“

                                                                        (Asa Mohalla 5, S.12)

 

 

Die menschliche Seele ist die Tür zur Freiheit, wird aber von der materialistischen Welt verzaubert, man verliert dadurch die wertvollste Chance des Lebens:

 

            „Oh Mensch, du bist auf dieser Welt, um die spirituelle Erlösung zu erlangen,

            Aber wie oberflächlich bist du,

            wahrend die Nacht des Lebens vorübergeht.“

                                                                        (Sri Rag Mohalla 5, S.43)

 

‚Durch das Verschlafen verschwendet man die Nacht,

Durch Essen verschwendet man den Tag,

Und auf diese Weise, wird das Juwel des Lebens auf eine banale Weise vergeudet.’

                                                                        (Gauri Bairagan Mohalla 1, S.156)

 

“nachdem du durch 8,4 Millionen verschieden Lebewesen gewandert bist,

hast du das wertvolle menschliche Leben erhalten,

Nanak, erinnere dich an den Nam,

denn deine Tage sind gezählt.“

            (Sri Rag Mohalla 5, S.50)

 

“Ohne den Namen Gottes, ist die Geburt in diese Welt fruchtlos,

Ohne Nam isst man Gift, redet böses, stirbt ohne Verdienst und wird wiedergeboren.“

                                                                        (Bhairo Mohalla 1, S.1127)

 

Oh Gott, die Mütter von denjenigen, die Gottes Namen nicht in ihren Herzen tragen, sollen, sollen unfruchtbar sein.“

Denn sie gehen ohne den Namen durchs Leben, welken dahin und sterben im Zorn.

                                                            (Jaitsari Mohalla 4, S.697)

            Der Sinn des menschlichen Lebens ist laut Sikhismus nicht ins Paradies oder ins Swarga laut beliebten Begriff der Hindus zu kommen, sondern Gott zu suchen, und dich mit ihm zu vereinen. Das oberste Ziel der Sikh Religion ist es mit der obersten Seele zu verschmelzen und die Ununterbrochene Glückseligkeit für immer zu genießen.  Ein Sikh sucht nach der spirituellen Vereinigung mit dem Herrn- einem Zustand der Glückseligkeit. Das menschliche Leben ist das Werkzeug, um dies zu erreichen, wenn man diese Chance verpasst, so fällt der Mensch in den Kreis der Wiedergeburt zurück.

 

GOTTESVORSTELLUNG IM SIKHISMUS:

 

            Die Definition Gottes wird im allerersten Satz des Guru Granth Sahibs vorgegeben, der Mool-Mantar heißt (Vorrede zu Japji): 

           

            Es gibt nur Einen Gott

            Er ist die Ewige Wahrheit

            Der Schöpfer, der Allesdurchdringende Göttliche Geist

            Unerschrocken, Ohne Hass und Feindseligkeit

            Unsterbliches Wesen, Ungeborener, Selbstexistierender und

            Er wird erkannt durch Deine Gnade, Wahrhaftiger Guru.

            Meditiere auf den,

            Der vor der Schöpfung Wahrhaftig war,

            Der am Anfang der Schöpfung Wahrhaftig war,

            Der Wahrhaftig ist und, O Nanak,

            Der für Immer Wahrhaftig sein wird.

 

In der Tat ist der Guru Granth Sahib in seiner Ganzheit die Erläuterung der obigen Definition. Der Guru führt die Gottesvorstellung in Rag Sorath näher aus:

 

 

            Der Unsichtbare, Unbegrenzte, Unzugängliche, Unfassbare Gott ist dem

            Tode oder Schicksal nicht untertan.

            Er gehört keiner Kaste an, ist ungeboren, selbstexistierend, ohne Angst oder

            Zweifel.

            Ich bin den Treusten der Treuen ein Opfer.

            Er hat weder Gestalt, noch Farbe, noch Umriss;

            Er wird durch das wahre Wort offenbart.

            Er hat weder Vater noch Mutter, Sohn oder Verwandte;

            Er empfindet keine Lust und hat keine Gattin

            Oder Familie; Er ist rein, endlos und unbegrenzt; alles Licht ist

            Dein, O Herr.

            Gott ist in jedem Herzen verborgen; Sein Licht ist in jedem Herzen.

            Er, dessen Verstandes unnachgiebige Türen durch des

            Gurus Lehre geöffnet werden, richtet seinen Blick fest auf den Unerschrockenen.

            Indem Gott die Tiere schuf, machte Er sie dem Tode untertan und

            behielt alles Erfundene in Seiner Eigenen Macht.

            Er, der dem Wahrhaftigen Guru dient, erhält den wirklichen Segen und wird

            durch die Wiederholung des Wortes erlöst.

            Wahrheit ist in reinen Gefäßen enthalten; nur wenige gibt es, derenTaten

            rein sind.

            Indem sie Deinen Schutz sucht, sagt Nanak, vermengt sich die Seele mit

            der Höchsten Seele.

                                                                                    (Sorath Mohalla 1, Seite 597)

 

           

Gott ist sowohl Unpersönlich (Nirgun), als auch Persönlich (Sargun). Der Unpersönliche Gott ist Formlos und außerhalb menschlicher Reichweite. Wenn Er Sich durch Seine Schöpfung offenbart, wird Er greifbar und persönlich. Es verhält sich genau wie mit den Sonnenstrahlen. Die Quelle ist Formlos und das ganze Universum ist Seine Persönliche Form. Keine Form, egal wie einzigartig sie auch sein mag, ist unabhängig von Ihm. Unbegrenztes kann sich in einer unbegrenzten Anzahl von Begrenzten manifestieren, doch kann jegliche Anzahl von Begrenztem, entweder allein oder zusammen, dem Unbegrenzten nicht gleich kommen. Folglich kann keine begrenzte Form als Gott verehrt werden, Der Unbegrenzt und Formlos ist:

 

            „Gott ist Formlos, farblos, makellos,

            Er ist kastenlos, klassenlos, bekenntnislos;

 

 

            Seine Gestalt, Farbschattierung, Form und sein Gewand

            Können von niemandem beschrieben werden,

            Er ist der Geist der Ewigkeit,

            Selbststrahlend scheint Er in Seiner Pracht.“

                                                                        (Guru Gobind Singh)

 

Gott wird weder geboren, noch stirbt er:

 

            „Verbrannt werde die Zunge, die sagt,

            Der Herr nehme Geburt an und erlebe den Tod.“

                                                                         (Bhairon Mohalla 5, Seite 1136)

 

Der Guru warnte, er sei nicht Gott, und dass diejenigen, die ihn Gott nannten, hinab in die Hölle fallen sollten:

 

            „Möge jeder, der mich Gott nennt,

            hinab in die Hölle fallen.“

                                                                        (Guru Gobind Singh)

 

            i)  Gott schützt Seine Heiligen und Verehrer vor Gefahren, es sei denn, er beabsichtigt einen höheren Zweck ihrer Leiden und ihres Märtyrertums. Seine Höchste Eigenschaft (Birdh) ist der Schutz  der Rechtschaffenen. Angesichts einiger dringender Gefahren haben Heilige um die Unterstützung und das Eingreifen Gottes in der Not gebeten. Gott kam ihnen zu Hilfe, und schützte sie auf wundersame Weise. Die Geschichten von Prahlada, Dhruva und anderen, sowie die autobiographischen Aussagen Namdevs und Kabirs im Guru Granth Sahib, sind Beispiel für seine Höchste Eigenschaft, die Rechtschaffenen zu schützen. Solche Wunder sind Teil der Lehre der göttlichen Vorsehung und Bewahrung. Diese übernatürlichen Wunder Gottes sollte man gegen die von Menschen durch ihre okkulten Mächte vollbrachten Wunder abgrenzen, die im Sikhismus für gefährlich und unziemlich gehalten werden.

 

            ii) ‚Wie du säst, so wirst du ernten’, führt zur Theorie des ‚Karma’: Taten, gut oder schlecht, für die ein Mensch belohnt oder bestraft wird. Darum wird der schlimmste Sünder gemäß der Karmatheorie immer für seine Taten leiden und niemals Seelenheil erlangen. Dies hat Guru Nanak zurückgewiesen, indem er erklärte, dass sogar die

 

Vergebung des schlimmsten Sünders zur Höchsten Eigenschaft (Birdh) Gottes gehört:

            „Patat pavan prabh birdh tumaro.“

                                                                        (Bilawal Mohalla 5,  Seite 829)

            ‘Den reuevollen Sünder zu erlösen ist was Dich auszeichnet.’

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

Der Guru betont, dass der Sünder, dem niemand auf der ganzen Welt Schutz gewährt, wenn er sich vor dem Allmächtigen ergibt, rein wird, von Seiner Gnade gesegnet wird:

            „Jis papi kau milai na dhoee

             Saran aawai ta nirmal hoee.“

                                                                        (Bhairon Mohalla 5, Seite 1141)

            ‘Der Sünder, der in der Welt ohne Schutzherrn ist,

            Er wird erlöst, wenn er sich Gott ergibt,.’

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

Der Guru wiederholt, dass es die Haupteigenschaft Gottes ist, die Heiligen zu erretten, die Rechtschaffenen zu schützen und auch die reuevollen Sünder zu erlösen.

 

DAS KONZEPT VON NAM (GÖTTLICHER NAME):

 

            Laut Gurmat (Gurus Lehre) wohnte Gott vor der Schöpfung Ganz Allein, Formlos. Als er Sich offenbarte, formte Er Sich zuerst zu NAM (Göttlicher Name) und schuf dann die Natur. Nachdem er die Natur schuf, entfernte er sich nicht von ihr, sondern Er erhielt seine Schöpfung durch Seine Eigene Anwesenheit und war erfreut.

 

„Aapinai aap sajio aapinai rachio Nao                        

Dui kudrat sajiai kar asan ditho chao.“

                                                                        (Asa Mohalla 1- pauri 1, Seite 463)

            „Gott schuf Sich Selbst und nahm einen Namen an

            Zweitens schuf Er neben Sich die Natur

            In der Natur sitzend betrachtet Er mit Freuden das, was er erschafft.’’

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

1)      NAM (Göttlicher Name) und Gott sind nicht zwei verschiedene Wesen.

 

 

Nam ist lediglich ein anderer Aspekt des Allmächtigen, immer noch Formlosen. Nam ist der Inbegriff all dessen, was Gott ist. NAM erhält alles:

            „Nam erhält und lenkt alle Wesen

            Nam trägt das Universum und seine Regionen.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 16-5, Seite 284)

 

            2) Nam erhält seine Bezeichnung nicht durch ein bloßes Substantiv, und es bedeutet nicht, dass es einen besonderen Namen Gottes gibt, durch dessen Verzauberung man ihm begegnen wird. Er ist Unendlich und kann mit unendlichen Namen benannt werden, doch wer vermag es seine unendlichen Namen zu zählen? Die Erleuchteten und die Seligen denken an Ihn wegen seiner Eigenschaften:

Tav sarb Nam kathai kavan                                   

Karm nam barnat sumat.“

                                                            (Guru Gobind Singh- Jap Sahib)

            Wer kann alle Namen Gottes aufsagen!

            Der Weise denkt an Ihn wegen seiner Eigenschaften.

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            3) Gott kann eine Vielzahl an Namen von seinen Verehrern zugewiesen bekommen, welche diese Namen gemäß den Eigenschaften ihrer Gottheit schaffen, aber der ursprünglichste Name Gottes ist eindeutig ‚SAT’ (Ewige Wahrheit), was die ewige Existenz Gottes ausdrückt.

„Kirtam nam kathai terei jihba                               

SatNam tera pra purbla.“

                                                            (Maru Mohalla 5, Seite 1083)

            Meine Zunge hat Deine Dir Zugeordneten Namen gesprochen,

            Aber ‚Ewiger Name’ ist Dein ursprünglicher.

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            4) Das Wort NAM ist einerseits ein im praktischen religiösen Leben und in der Meditationsdisziplin gebrauchtes mystisches Wort. Man denkt an Gott durch Seine Ihm zugeordneten Namen. Andererseits wird der Begriff wahrer Name genannt, welcher aus der persönlichen Erfahrung eines Propheten hervorgeht. Er entsteht aus einer Vision, die

 

 

 der Prophet vom Göttlichen Wesen hat. Ein solches Wort in der Sikhreligion heißt ‚Waheguru’, oder Wunderbarer Guru, oder ,Guru der Gurus’.  Wahrer Name steht nicht für das Wort, mit welchem wir einen Gegenstand beschreiben, sondern für die gesamte Macht, Beschaffenheit und Natur der Wirklichkeit. Durch das Wort ‚Waheguru’ hat der Prophet versucht, die mystische Macht und das Erleben Seiner Gegenwart im Ganzen zu beschreiben. Propheten haben uns Göttliche Namen des namenlosen Gottes gegeben, die sich als Seine Präsenz in unserem Bewusstsein widerspiegeln.

 

            5) Gurbani (Göttliches Wort) selbst ist NAM (Naam).

a)         Gurbani selbst ist Nam:

            „Gurmukh bani Nam hai, Nam ridai vasaie.“

                                                            (Sarang ki Var-pauri, Seite 1239)

            Des Gurus Wort ist (des Herrn) Name

            Diesen Namen ehre ich in meinem Herzen.

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

b)         Der Beriff ‚Nam Japo’ steht für das Gedenken an Gott, und dafür, Seine Gegenwart im eigenen Bewusstsein zu erzeugen. Alle Meditationsarten bringen den Verehrer in die Gegenwart Gottes; laut Gurbani jedoch, stellt Hari Kirtan, der musikalische Vortrag des Gurbani, die ultimative Meditationsform dar. Er bringt das Bewusstsein auf die höchste Ebene, in die Gegenwart Gottes:

            „Har kirat utam nam hai vich kaljug karni sar.“

                                    (Kanre ki Var Mohalla 4, Seite 1314)

            Des Herrn Lob ist Sein Herrlicher Name

            Darüber nachzusinnen ist die überragende Tat in der Kalyug (dunklen Zeit).

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

c)         Gurmat erklärt, dass das Rezitieren des Wortes ‘Har Har...’ Nam Japna ist:

            „Har har har har Nam hai gurmukh pavai koei.“

 

 

                                                            (Kanre ki Var Mohalla 4, Seite 1313)

Der Ausspruch von ’Har, Har, Har, Har’ steht für das Nachsinnen über den Namen des Herrn

es wird durch die Gnade des Gurus erlangt.

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

d)         Das Seelenheil kann nicht ohne Nam erlangt werden. Somit ist alles Nam, was zum Seelenheil führt. Da Gurbani das Seelenheil bringt, entspricht Gurbani folglich Nam:

            „Sachi bani mithi amritdhar                                                      

            Jinh piti tis mokhdwar.“

                                                            (Malar Mohalla 1, Seite 1275)

            ‘Wahres Bani ist süßer Nektar

            Wer auch immer sich ihm widmet, wird Seelenheil erlangen.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

            „Sachi bani sion dhare piyar

             Tako pavai mokhdwar.“

                                                            (Dhanasari Mohalla 1, Seite 661)

            ’Wer auch immer dem Ewigen Bani gewidmet ist,

            Wird befreit.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

            Es ist somit ganz klar und offensichtlich, dass jegliche Form des Vortrags von Gurbani, sei sie nun einfaches Vorlesen mit Aufmerksamkeit und Andacht, oder das Meditieren über einem beliebigen Shabad des Gurbani oder Kirtan des Gurbani, als Nam Japna gilt (das Meditieren über Nam), das heisst, die Gegenwart Gottes im eigenen Bewusstsein anzurufen.

            An dieser Stelle sei erwähnt, dass es kleine Sekten gibt, die unschuldige Sikh in Bezug auf Gurbani und Nam in die Irre führen. Die Sektenführer sagen unschuldigen Sikh ausdrücklich: „Man muss laut Gurbani über Nam meditieren, aber Gurbani ist nicht Nam. Kommt, wir werden euch Nam geben.“ Dann flüstern sie ihnen einen unvollständigen Satz aus dem Gurbani ins Ohr, welchen sie Nam nennen, und warnen sie davor, es an dritte weiterzusagen, mit der Drohnung, dass ein Fluch auf ihnen lasten würde,  würden sie dieses Nam preisgeben. Auf diese Weise führen sie ihre Sekte. Auf diesem Wege werden unschuldige


Sikh Religion

 

Sikhs und andere in die Irre geführt und in ihre Herde gelockt. Die Sikhs sollten sich deshalb sehr vor solchen Sekten in acht nehmen. Diejenigen, die sagen, Gurbani sei nicht Nam, sind entweder fehlgeleitet oder betrügerisch. Gemäß der Gurmat (Gurus Lehre) ist Gurbani alles:

 

                        Gurbani ist Nam: „Gurmukh bani Nam hai..“

                                                            (Sarang ki Var-pauri, Seite 1239)

                        Das Wort des Gurus ist der Name Gottes.

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

                        Gurbani ist Guru: „Bani Guru, Guru hai Bani…“

                                                                        (Nat Mohalla 4, Seite 982)

                        Gurbani (Göttliches Wort) ist  der Guru und Guru ist das Göttliche            

                        Wort.              

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

                        Gurbani ist Nirankar: „Wauh wauh bani nirankar hai

                                                                        Tis jiwad avar na koi.“

                                                                        (Slok Mohalla 3, Seite 515)

 

                        ‘Wauh wauh Bani ist der Formlose

                        Es gibt keinen, der so groß ist wie Er.’

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

Gurbani ist jede Nad (heilige Note) und jedes Ved (Vedas –Göttliches Wissen):

 

                        „Sabh nad beid gurbani

                        Man rata sarang pani“

                                                            (Ramkli Mohalla 1, Seite 879)

                        ‘Das Wort des Guru ist die heilige Note und Vedas

                        Denn durch sie wird man mit dem Herrn des Universums erfüllt.’

                                                                                    (Übersetzung des Obigen)

            Darum ist es Nam, welcher einen Menschen schließlich zur Ewigen Wonne hinführt. Denn Gott ist Bewusstsein; man muss mit Nam in Kontakt kommen, aber ohne


Eine Kurze Übersicht der Grundbegriffe des Sikhismus

 

den Guru kann man Nam nicht erlangen und würde in der Finsternis wegirren.

 

            „Sollten hundert Monde erscheinen

            Sollten tausend Sonnen aufgehen

            Gäbe es trotzdem größte Finsternis,

            Gäbe es keinen Guru.“

                                                            (Asa di Var, Mohalla 2, Seite 463)

            „Lasst niemanden auf der Welt noch daran zweifeln,

            Dass es je möglich sein könnte ohne den Guru errettet zu werden.“

                                                            (Gaund Mohalla 5, Seite 864)

            „In diesem Zeitalter der Falschheit liegt Nam verborgen

            Obschon der Herr alle Herzen erfüllt,

            Wird das Juwel von Nam nur im Herzen derjenigen offenbar,

           

 

            Die Zuflucht bei Guru suchen.“

                                                            (Parbhati Mohalla 3, Seite 1334)

            „Alle wiederholen Gottes Namen, doch wird Er nicht erlangt,

            Außer wenn, durch die Gnade des Guru,

            Gott kommt, um im Geiste zu wohnen.

            Nur dann wird einem das Leben fruchtbar.“

                                                            (Gujri Mohalla 3, Seite 491)

 

DAS KONZEPT DES GURU:

 

            Das Konzept des Guru ist in den vorhergehenden Kapiteln erklärt worden. Ein Yogi fragte Guru Nanak wer sein Guru war. Er erwiderte, „Das Wort[1] ist Guru.“ Gott salbte Guru Nanak mit Seinem Wort, Seiner Weisheit (Logos), und die ganze Persönlichkeit des Gurus war personifiziertes Wort. Der Guru stellte ganz klar fest, dass sein menschlicher Körper nicht der Guru war, und dass weder sein bloßer äußerlicher Anblick, noch das Glaubensbekenntnis an ihn, ihm den Jünger nahe bringen konnte. Das Licht des Wortes in seinem Herzen war der wirkliche Guru, und der Jünger sollte auf ihn mit aufnahmebereitem Verstand zugehen, um Sein Licht zu empfangen.

 

DIE TAUFE IM SIKHISMUS:

 

            Nam ist die ganze Quelle, die einen in den Unmanifestierten zurückbringt. Guru ist der einzige Weg zum Nam. In der Gurmat heißt es, dass das Juwel von Nam nur im Herzen derjenigen offenbar wird, die Gurus Zuflucht suchen.

 

Wie wenden wir uns an Guru um Zuflucht zu finden?

 

            Wenn wir zu Guru kommt, gibt er uns Nam, und dann meditieren wir über Guru, was uns wiederum zu unserem Ziel, dem Allmächtigen, zurückbringt. Wie kommt man zu Guru?

            Im Sikhismus ist die Taufe der einzige Weg, über den man zu Guru kommt. Ein Sikh muss Pauhal oder Amrit, von den Fünf Geliebten (Panj Pyare), nehmen, nur dann wird er einer von Guru oder Guruwala. Ohne die Taufe bleibt ein Sikh ohne Guru oder Nigura.

 

            „Nigure ka hai nau bura.“

                                                            (Rag Asa Mohalla 3 Pati, Seite 435)

            ‘Derjenige, der  ohne Guru ist, ist böse.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

            Jeder wiederholt den Namen Gottes, doch durch bloße Wiederholung wird Er nicht erlangt. Erst wenn Nam durch die Gnade Gurus den Verstand bewahrt, werden unsere Bemühungen beim Meditieren von Erfolg gekrönt. Ohne die Gnade Gurus kann

ein Sikh sein Ziel des Seelenheils nicht erlangen. Um die Gnade Gurus zu suchen, müssen wir zu ihm kommen. Dies erfolgt nur durch die Taufe

            „Ram Ram sabh ko kahai kahiai ram na hoi

             Gurparsadi Ram man vasai ta fal pavai koi.“

                                                            (Gujri Mohalla 3, Seite 491)

            ‘Alle wiederholen Gottes Namen, doch Er wird nicht erlangt,

            Außer wenn, durch die Gnade Gurus,

            Gott kommt, um im Verstand zu wohnen.

            Erst dann wird jemandes Leben fruchtbar.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

 

            Es stellt sich nun die Frage, ob es irgendeinen anderen Weg gibt, durch den ein Sikh sein Ziel des Seelenheils erlangen kann?

 

            Laut Gurmat ist die Antwort Nein, es gibt keinen anderen Weg. Diese Welt ist ein enormes, gewaltiges Meer des Maya (Materialismus). Ein Sikh muss dieses Meer durchqueren, um seinem Geliebten Gott zu begegnen. Das Meer scheint endlos zu sein, und es liegen zahllose Hindernisse im Weg. Um dieses gefährliche und gewaltige Meer zu durchqureren, benötigt man ein starkes Schiff, und dieses Schiff ist allein Guru, das Göttliche Licht. Um an Bord des Schiffes zu gelangen, braucht ein Sikh einen Pass, welchen die Taufe darstellt.

 

            „Bhavjal bikham dravno na kandhi na par

             Na beri na tulha na tis vanj malar

             Satgur bhai ka boihtha nadri par utar.“

                                                            (Sri Rag Mohalla 1, Seite 59)

            ‘Das fürchterliche Meer der Welt ist gefährlich und gewaltig;

            Es hat weder Strand noch Grenze,

            Weder Boot, noch Floß, noch Mast, noch Bootsmann;

            Aber der wahre Guru hat ein Schiff für das schreckliche Meer und

            Befördert den hinüber, auf den er günstig blickt.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            Die Taufzeremonie wurde vom allerersten Guru eingeführt. Diejenigen Menschen, die Gurus Sikh wurden, wurden von Guru getauft. Durch das bloße Beiwohnen der Versammlung des Guru wurde man noch nicht ohne weiteres einer seiner Sikh. Vom ersten bis zum zehnten Guru bestand die Taufzeremonie darin, dass man Charanpahul nahm, das heißt, Gurus Zeh (oder Fuß) wurde ins Wasser eingetaucht, welches dem Verehrer anschließend zum Trinken gegeben wurde. Auch Gurmantar (Wort) wurde vom Guru gegeben. Nach der Einführung des Khalsa änderte der zehnte Guru diesen Brauch und vertraute diese Zeremonie den Fünf Geliebten an. Danach wurden diejenigen, die Gurus Religion (die Sikhreligion) annahmen,  getauft und wurden die Khalsa (die Bezeichnungen ‚Sikh’ und ‚Khalsa’ wurden Synonyme) genannt. Guru

 

 

ordnete an, dass alle getauft werden und sich dem Khalsaorden anschließen sollten. Guru Gobind Singh wurde als erster durch die Fünf Geliebten getauft. Deshalb muss sich jeder Sikh darüber im klaren sein, dass man sich von den Fünf Geliebten taufen lassen

 

muss, um in Gurus Herde aufgenommen zu werden und Gurus Gnade zu suchen. Erst dann werden alle Bemühungen um Spiritualität fruchtbar. Von Guru Nanak bis hin zu Guru Gobind Singh wurden diejenigen, die sich Gurus Sikh nannten, stets von den Gurus getauft. Es ist der Befehl des Guru an jeden Sikh, sich taufen zu lassen, und deshalb kann man nach Befolgung seines Befehls von Guru angenommen werden:

 

            „Hukam maniai howai parvan ta khasmai ka mahal paisi.“

                                                                        (Asa di Var pauri 15, Seite 471)

            ’Indem man Seinem Befehl befolgt, ist man annehmbar

            Und wird dann den Hof seines Meisters erreichen.’

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

            Die Taufe ist erst der Anfangspunkt, um das geistige Ziel zu erlangen. Eine tugendhafte und religiöse Lebensführung soll laut Guru Maryada (Verhaltenskodex) im praktischen Alltag kultiviert werden. Zu den Verhaltenskodizes gehören geistiges Erwachen, gewissenhafte Pflichtausführung, Demut, Mäßigkeit und Nächstenliebe. Der bloße äußerliche Glauben ohne praktisches Befolgen der Verhaltenskodizes wird den Jünger nicht zum geistigen Ziel hinführen. Nach der Taufe sucht der Jünger die Gnade des Guru durch ständige Hingabe und tief empfundene Liebe gegenüber den Anordnungen des Guru in jeder Lebenslage. Durch die Unterwerfung und die vorbehaltlose Ergebung vor dem Guru ist der Verehrer wiedergeboren im Geiste des Gurus; erst in diesem Stadium wird ein Jünger wahrhaftig ein Sikh genannt:

 

            „Guru sikh, sikh guru hai eko gur updes chalai

             Ram Nam mant hirdai devai Nanak milan subhai.“

                                                                        (Asa Mohalla 4, Seite 444)

            ‘Der Guru ist ein Sikh, der Sikh ist ein Guru; sie sind beide eins,

            aber nur der Guru allein erteilt Anweisungen

            Er setzt den Zauber von Gottes Namen ins Herz, O Nanak,

            und dann wird Gott leicht erlangt.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

HAUMAI (EGOISMUS – ICH-BIN-HEIT):

 

Gott ist überall und auch in uns, aber ein Schleier des Ichs trennt uns von Ihm, es verbirgt die Wahrheit vor uns.

 

            „Gott, der Unbegreifliche, ist in uns, wird jedoch nicht wahrgenommen

            Denn der Schleier des ‚Egos’ hängt dazwischen.“

                                                                                    (Rag Sorath Mohalla 5, Seite 624)

                                                                                               

            Alle fünf Untugenden—Wollust, Zorn, Habgier, Anhaften und Ego—sind die Hindernisse auf dem Wege des geistigen Pfades, aber Egoismus ist das höchste von allen.

 

In den Worten des Guru ist Haumai (Ich-bin-heit) einer der am häufigsten wiederkehrenden Hauptbegriffe, der als Synonym des allerheimtückischten Bösen gilt. Egoismus ist das moralische Böse, das Grund und Ursache aller Übeltaten ist. Dieser Egoismus ist die Folge einer Illusion, wobei man sich selbst als wie von vorrangiger Wichtigkeit betrachtet. Sein ganzes Dichten und Trachten ist allein auf sich selbst gerichtet. „Im Ego ist er geboren, und im Ego stirbt er,“ (Asa Mohalla 1, Seite 466). Es verdirbt die Frucht großer Bußen. Wenn der Schleier des Egos auf einen großen Yogi herabfällt, führt es dazu, dass er in einem Augenblick alles verliert, was er durch jahrelange Selbstdemütigung erlangt hatte. Dieser Egoismus ist eine Krankheit und ein Hindernis auf dem Wege der geistigen Erbauung eines Individuums. Der Zweck des Lebens zentriert sich auf die geistige Errettung eines Menschen durch die Verherrlichung des Göttlichen und das gleichzeitige Aufnehmen Göttlicher Eigenschaften. Geblendet durch das Ichgefühl kann der Mensch die Herrlichkeit des Göttlichen nicht wahrnehmen. Darum wird Nam nicht im Verstand wohnen, solange das Ichgefühl vorhanden ist. Nam und das Ichgefühl sind zwei sich entgegengesetzte Elemente:

 

            „Haumai nawai nal virodh hai doai na vasai ek thai.“

                                                            (Wadhans Mohalla 3, Seite 560)

            ‘Egoismus und der Name stimmen nicht miteinander überein

            Die beiden können einander nicht ausstehen.’                  

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

 

            Der egoistische Verstand kann die von dem Guru dargelegte ‘Moral’ nicht erfassen, so dass die bedrückte Seele im Dunkeln umhertappt und ihr Ziel niemals erreicht. Egoismus steht der erwünschten geistigen Errungenschaft im Wege. Der Guru nennt den egoistischen Menschen ‘Manmukh’. Durch die Gnade des Gurus wird das Ego allein durch folgendes Shabad verbrannt:

 

            „Gur kai Shabad parjaliai ta eh vicho jai.“

                                    (Bilawal ki var, Mohalla 3, Seite 853)

            ’Wenn der Mensch es durch das Wort des Gurus abbrennt,

            Dann verschwindet es.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

DAS SEELENHEIL – DER WEG ZU GOTT:

 

            Ein Leib ist tot ohne das Leben, und das Leben selbst ist tot ohne Nam. Nam ist das Elixier, ohne welches das Leben bedeutungslos und eine angesammelte Verschwendung ist. Nam zu vergessen quält die Seele.  Es gibt kein geistiges Erwachen, keinen innerlichen Frieden,  keine Freude und keine Wonne ohne Nam. Die Realisierung von Nam ist die Grundbedingung für ein wahres und fruchtbares Leben.

            „Es ist besser, dass die Zunge, die Seinen Namen nicht wiederholt

            Stück für Stück herausgeschnitten wird“

                                                                        (Funhe Mohalla 5, Seite 1363)

            Die Gurmat lehnt alle Arten von Fasten, Riten und Ritualen, als Mittel zum Erlangen des Seelenheils, ab. Die Gurmat lehnt die Ansprüche von Yoga ab, sowie die Kasteiung des Leibes, Selbstfolter und Bußen oder jedwede Art von Entsagung. Die Gurmat glaubt nicht an die Verehrung von Göttern und Göttinnen, Steinen, Statuen, Grabmälern, Krematorien, Samadhien, Idolen und Bildnissen. Die Gurmat verbietet jegliche Verehrung eines Teils der Schöpfung zum Zwecke des Erlangens von Seelenheil. Nur ein Gott, der Formlose, der Schöpfer der Welt, soll verherrlicht werden.

            Die Straße, die zu Gott führt, ist die schwierigste und komplizierteste. Guru Nanak hat diese Straße einfach und klar wie Kristall geschaffen, indem er uns eine technische Herngehensweise näher brachte. Der Guru erklärt, dass, da menschliches Leben erlangt wird, nachdem man schon zahlreiche Leben durchgemacht hat, es

 

 

unterwegs die Verunreinigungen von jedem der durchgemachten Leben angesammelt hat. Der menschliche Verstand ist durch diese Verunreinigungen schwarz geschmiert worden:

            „Die Unreinheit vieler Geburten hat sich an den menschlichen Verstand

angeheftet und, wird sehr schwarz.’’

                                                            (Slok Mohalla 3, Seite 651)

            Solange der menschliche Verstand unrein bleibt, wird er sich nicht mit dem Absolut Reinen vereinigen. Indem der Verstand rein wird, vereinigt sich die Seele mit der Höchsten Seele. Wie wird der Verstand rein?

 

            „Maen te dhokha ta lahai ja sifat kari ardas.“

                                                            (Rag Wadhans Mohalla 1, Seite 557)

            ‚Lob und Gebet (zu Gott) reinigt den Verstand.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

            Diejenigen, die es geschafft haben, haben das Meer von Maya überquert und sich mit Ihm vereinigt:

            „Tu sacha sahib sifat sualio jin kiti so par piya.“

                                                            (Slok Mohalla 1, Seite 469)

            ‚Du bist der Wahre Herr, Schön ist Dein Lob;

            Wer es ausspricht, wird erlöst.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

Erklärung: Ist ein Glas voll von schmutzigem Wasser, so gieße man ständig reines Wasser darein. Das ständige Gießen reinen Wassers ins Glas wird das schmutzige Wasser aus dem Glas herausdrängen, und das Glas wird letztendlich voll von reinem Wasser sein.

 

In gleicher Weise wird das ständige Gebet und Lob Gottes den verunreinigten Verstand reinigen. Der menschliche Verstand ist in chaotischem Zustand. Er ist behaftet mit den fünf Untugenden: Wollust, Zorn, Habgier, Anhaften und Ichgefühl. Dies sind die Hindernisse, welche der Realisierung von Nam im Wege stehen. Sinnesreinheit ist notwendig für geistige Erbauung. Kein Mensch oder Mönch kann das Seelenheil erlangen, ohne die Welt des innerlichen Chaos zu disziplinieren. Diese Disziplin des innerlichen Chaos, die durch die Verbannung der fünf Untugenden aus dem Sinn erlangt wird, ist Voraussetzung für die spirituelle Vorzüglichkeit, wie sie vom Guru verlangt wird.

 

 

Von der Herrlichkeit des Herrn, des mächtigen Königs, zu singen, wird dabei helfen, den Verstand von Verunreinigungen zu reinigen. Indem man den Göttlichen verherrlicht, nimmt der menschliche Verstand göttliche Eigenschaften auf. Wenn alle Verunreinigungen hinfort sind, wird Nam den reinen Verstand bewahren. Das wird von einem chaotischen zu einem erhöhten Geisteszustand führen. Spirituelle Entwicklung wird sich in Himmlischer Wonne niederschlagen:

 

            „Gebet und Gotteslob werden zu innerlichem Nam erheben.“

                                                                        (Ramkali Mohalla 3-Anand, Seite 917)

 

            In der Gurmat heißt es weiter, dass Hände, wenn sie mit alltäglichem Schmutz beschmiert sind, mit einfachem Wasser gereinigt werden können. Wenn Urin das Tuch besudelt, lässt es sich nicht mit einfachem Wasser waschen. Wenn unser Verstand voller Verunreinigungen (Sünden) steckt, braucht er gleichermaßen ein starkes Waschmittel, und dieses Waschmittel ist Nam:

 

            „Wie Wasser mit Schlamm beschmuzte Hände oder Füße

            Weiß wäscht;

            Wie Kleidung, dunkel von Schmutz,

            Mit Seife hell gemacht wird;

            So wird allein das Gebet die Seele heil machen,

            Wenn Sünde sie befleckt.“

                                                            (Japji- pauri 20, Seite 4)

            Die Wirkung des Gebets und des Lobes ist erstens, dass alle Verunreinigungen des Verstandes weggewaschen werden, so dass er rein wird, und zweitens, ergibt sich daraus, dass wenn der Geist rein wird, dass der Nektar von Nam den Verstand bewahrt:

 

„Gebet und Lob des Allmächtigen entfernen die Unreinheiten des Verstandes

Und der duftende Nektar Nam erfüllt dann den Geist.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 1-4, S. 263)

 

            Das ist das Stadium, nach dem sich der wahre Verehrer sehnt. Durch Gebet und Lob kommt der Verstand in Berührung mit Nam und wird erleuchtet. Ein erleuchteter Verstand tritt zutage und ein Mensch wird im Geiste des Gurus

 

 

Wiedergeboren, und beginnt, nach und nach geistige Fortschritte zu machen. Nam wird vom Bewusstsein wahrgenommen und dringt in die menschliche Seele, sowie in den Verstand ein. Diese prächtige Umformung oder Verwandlung hilft dabei, die menschliche Seele in einen Zustand Absoluter Wonne zu erheben. Es ist eine Wandlung im Menschen, die innerhalb des Selbst stattfindet, und zwar aus der einen Form in eine andere. Der Aspekt der Bewusstwerdung Gottes bewirkt eine innere Wandlung und hebt den Verehrer aus dem Persönlichen ins Unpersönliche empor. Alle Grenzen, Beschränkungen und Hindernisse werden durchbrochen und die individuelle Seele beginnt, sich mit der Höchsten Seele zu vereinen; wie Wasser sich mit Wasser mischen lässt, so vermengt sich das Licht mit dem Göttlichen Licht:

 

„Seine Seele und sein Leib, mit dem Namen des Einen Gottes gefärbt,

            Sollen immer bei der Höchsten Seele verweilen.

            Wie sich Wasser mit Wasser mischt,

            So wird Licht mit dem Licht gemischt.

            Die Seelenwanderung ist zu Ende, und Ruhe erlangt:

            Nanak ist dem Herrn stets ein Opfer.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 11-8, Seite 278)

 

WORÜBER MAN MEDITIEREN SOLL ODER WIE MAN LOBT UND BETET:

 

            Ein Sikh soll nur den Einen Gott verehren und Keinen anderen. Aber worüber soll man meditieren, wenn Gott Formlos ist? Während des Gesprächs mit den Siddhas fragte ein Yogi, der Charpat hieß, den Guru, „O Guru, du sagst, man solle nicht auf die Welt verzichten, sondern in ihr leben, aber das Element der Maya (Materialismus) ist so gewaltig; wie kann man es überwinden und sich mit Gott vereinen, während man noch im Maya selbst lebt? Erkläre bitte deine Logik dahinter.“

 

            „Das große Lebensmeer zu überqueren ist schwer. Sag uns bitte, wie man es

            schafft.“

                                                            (Sidh Gosht- Charpat, Seite 938)

 

 

Guru Nanak gab zwei Beispiele:

 

            Eine Lotusblume treibt immer über der Wasseroberfläche. Sie kann nicht ohne Wasser fortbestehen, doch bleibt sie unberührt von den Wellen und steigt immer über den Wasserspiegel. Eine Ente schwimmt auf dem Wasser, jedoch lässt sie niemals zu, dass ihre Flügel nass werden. Sollten ihre Flügel nass werden, so würde sie ertrinken und die Ente weiß es.  Obschon die Ente nicht ohne Wasser leben kann, doch schenkt sie den Wellen keine Beachtung.

            In gleicher Weise kann ein Mensch nicht ohne Maya (Materialismus) in der Welt leben, jedoch sollen wir, während wir darin leben, über Maya hinweg leben. Materielle Bedürfnisse sind erwünscht und sind notwendig, um die ganz wesentlichen Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Darum, wie eine Lotusblume und eine Ente nicht im Wasser ertrinken, während sie darauf wohnen, so soll ein Mensch unabhängig von und desinteressiert an Maya bleiben und Gott nicht vergessen. Das ist möglich durch Lob und Gebet.  Gemeinschaft mit Shabad (dem Göttlichen Wort) wird das Element des Maya unterdrücken und Nam im Menschen bewahren. Dies wiederum würde einen Menschen dann zurück ins Unmanifestierte  führen:

 

            „Wie eine Lotusblume auf dem Wasser unberührt bleibt,

            Wie auch eine Ente darauf schwimmt und nicht vom Wasser durchnässt wird,

            So, mit festem Vorsatz Nam durch Shabad zu Realisieren,

            O Nanak, wird das fürchterliche Weltmeer sicher überquert.“

                                                (Ramkali Mohalla 1, Sidh Gosht.5, S. 938)

 

            Um ein Ziel im Leben zu erreichen, ist ganze Aufmerksamkeit und Hingabe erforderlich. Sinnesreinheit und aufrichtiger Vorsatz sind die Voraussetzungen, um ein solches Ziel zu erlangen. Diese Aufgabe wird immer schwieriger, wenn das Ziel der Formlose Gott ist. Wenn wir Gurbani rezitieren und die Bedeutung des zu rezitierenden Shabads nicht wissen, wird unsere Meditation mechanisch, formalistisch und zudem zwecklos. Das Ergebnis kann nicht positiv sein. Zweitens wird das Ergebnis, gleichwohl wir die Bedeutung des Shabads wissen, unser Verstand sich jedoch nicht auf das Shabad konzentriert und immer wieder davon wegwandert, noch während wir das Shabad rezitieren, nicht von Bedeutung sein. Darum muss man daran denken, dass zerstreutes Gebet nicht fruchtbar und dem Herrn

 

 

somit nicht annehmbar sein wird ('Ardas hazuri di manzoor hundi hai'). Ein aufmerksamer, makelloser Verstand ist erforderlich für das Meditieren. Immer wenn wir Gurbani (Shabad) lesen, hören oder singen, müssen wir darum unsere ganze AUFMERKSAMKEIT AUF DIE BEDEUTUNG DES SHABADS konzentrieren, das gerade gelesen, gehört oder gesungen wird. Wenn die Aufmerksamkeit unseres Geistes sich mit dem Shabad vereint, beginnt unser Verstand die Bedeutung des Sinnes des Shabads aufzunehmen, und aus dieser GEMEINSCHAFT ERGEBEN SICH WONNE, FRIEDEN UND IMMERWÄHRENDE FREUDE. Bei dieser Gemeinschaft erlebt man einen Geschmack, der sich nicht beschreiben lässt, und der Himmlisches Elixier (Hari Ras) genannt wird:

 

            „O Mensch, alle anderen ‘Rasas’ (Genussgegenstände), die du kostest,

            Löschen nicht mal einen Augenblick lang deinen Durst.

            Doch solltest du je das Himmlische Elixier (Hari Ras) kosten,

            Wirst du einfach wie vom Donner gerührt sein.“

                                                                        (Gauri Guareri Mohalla 5, Seite 180)

            Wenn die Gemeinschaft des Verstands mit dem Shabad aufgebaut ist, wird der Jünger im Geiste des Gurus wiedergeboren. Er vermengt sich dann mit dem Wort (Shabad) und steht dem Tode nach dieser geistigen Wiedergeburt niemals gegenüber:

 

            „Wer im Wort stirbt, stirbt nimmer wieder

            Und seine Hingabe wird fruchtbar.“

                                                                        (Rag Sorath, Slok Mohalla 3, Seite 649)

 

            Diejenigen, die Gemeinschaft mit dem Shabad (dem Gurbani – dem Göttlichen Wort) aufbauen, werden gewiss ununterbrochene Wonne erleben:

 

            „Er wird heilig, heilig, heilig werden, wird zweifellos heilig sein,

O Nanak, der Nam mit tief empfundener Liebe ausspricht.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 12-8, Seite 279)

 

ANMERKUNG: Für eigentliche Meditation sei auf den Eintrag ‘MEDITATION’ im Anhang verwiesen.


                                                                                               

 

EIN PAAR LOBES- UND GEBETSSHABADE:

           

            „Du bist der Herr, Dir spreche ich dieses Gebet;

            Seele und Leib sind Deine Gaben.

            Du bist Mutter und Vater, wir sind Deine Kinder;

            Durch deine Gunst erhalten wir viele Annehmlichkeiten.

            Niemand kennt deine Grenzen;

            O Gott, Du bist der Allerhöchste der Erhöhten.

            Die ganze Schöpfung beugt sich deinem Willen;

            Und muss die Gebote befolgen, die Du erlässt.

            Du allein keinst Deine Eigenen Bedingungen und Grenzen;

            Nanak, Dein Knecht, ist Dir stets ein Opfer.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, IV-8, Seite 268)

                                                -----------------------

            „O Ewiger, O Unbegrenzter, Unvergänglicher, Sündenzerstörer;

            O Wissender, O Allesdurchdringender, Leidenzerstörer, Meer

            der Tugenden.

            O Begleiter, O Formloser, O Leibloser, Stützer aller;

            O Weltschöpfer, O Schatz von Eigenschaften, an Deinem Hof

            herrscht ständig Gerechtigkeit.

            O Unfassbarer, Sündenzerstörer, am entferntesten bist Du,

            O Steter Begleiter von Heiligen, Beistand von Beistandslosen.

            O Herr! Ich bin Dein Knecht, ich bin tugendlos, ich habe keinen Verdienst;

Sagt Nanak, gewähre mir die Gabe Deines Nam, auf dass ich es in mein Herz einschnitzen mag.’’

                                                            (Gauri Bavan Akhri Mohalla 5, 55, Seite 261)

                                                -----------------------

            „Du bist mein Vater, Du bist meine Mutter,

            Du bist mein Verwandter, Du bist mein Bruder,

            Du bist mein Schützer an jedem Ort; also warum soll ich mich fürchten

            Oh mein Geist!

 

 

            Durch deine Gunst erkenne ich Dich;

            Du bist mein Obdach, Du bist meine Ehre.

            Außer Dir gibt es keinen anderen; die ganze Welt ist die Bühne Deines Stückes.

            Menschen und niedere Tiere, sie alle hast du erschaffen;

            Du hast ihnen jegliche Pflichten auferlegt, die Dir gefallen.

            Alles geschieht gemäß Deinem Willen; nichts ist unser.

            Ich habe großen Trost gefunden, indem ich über Deinem Namen meditiert habe;

            Und mein Verstand wird erquickt, indem ich Dir lobsinge.

            Der vollkommene Guru hat mir gratuliert; Nanak hat seine Hürden genommen.

                                                                        (Majh Mohalla 5, Seite 103)

                                                -------------------------

            „Meer der Barmherzigkeit, verweile für immer in meinem Herzen;

            Erleuchte mir den Verstand, so dass ich Dich lieben möge, O Gott.

Möge ich den Staub von den Füßen Deiner Heiligen erhalten und ihn auf meine Stirn streichen;

            Möge ich von meinem Sünderdasein befreit werden, indem ich Dir lobsinge;

            Möge mir Dein Befehl süß sein und das, was Du tust, mir gefallen;

            Möge das, was Du schenkst, mich sättigen, und möge ich keinem anderen folgen,

O Herr, möge ich stets erkennen, dass Du mir nah bist, und möge ich als Staub aller Männer Füße bleiben;

            Möge ich der Gesellschaft der Heiligen begegnen, auf dass ich meinen Gott

            erlange.

            Wir sind immer und ewig Deine Kinder; Du, O Gott, bist unser Meister;

            Nanak ist dein Kind, Du bist Mutter Vater: lege mir Dein Nam in meinen Mund.’’

                                                                                    (Todi Mohalla 5, Seite 712)

                                                --------------------------

            „O Herr, der Vergebende, O Mitleidiger gegenüber den Armen,

            O Gütiger gegenüber den Heiligen und stets Barmherziger.

            O Schutzherr der Schutzlosen, Weltschützer, Welterhalter,

            Du schätzt alle Geschöpfe.

 

 

            O Urwesen, der Schöpfer der Welt,

            Du bist der Beistand der Seelen der Verehrer.

            Er wird rein werden, der Deinen Namen wiederholt:

            Mit Hingabe, Zuneigung und tief empfundener Liebe.

            Wir sind tugendleer, niedrig und unwissend;

            Nanak sucht Deinen Schutz, O Höchste Macht.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 20-7, Seite 290)

 

PILGERREISEN- Sich an heiligen Stätten baden:

 

            Viel Betonung auf Ritualien war für Millionen von Menschen der Kern indischen religiösen Lebens gewesen, bevor Guru Nanak auf dem Plan erschien. Egal wo Guru Nanak hinging, bemühte er sich darum, die Menschenmengen von den Fesseln des Aberglaubens und Unwissens zu befreien und Glauben an den Allesdurchdringenden und Formlosen Gott anzuerziehen. Damals glaubten die Menschen, dass ihnen das Baden im Gangesfluss ihre Sünden erlassen würde. Der Guru erklärte, das bloße Baden an heiligen Stätten würde den mit der Unreinheit des Egoismus durchsetzten Verstand nicht reinigen.

 

           

            „Tirath bharmas biadh na jawai

             Nam bina kaise sukh pawai.“

                                                            (Ramkali Mohalla 1, Seite 906)

            ‘Durch das Wandern durch Pilgerstätten

            Wird man seiner tiefsitzenden Übeln nicht ledig.

            Es kann keinen Frieden geben ohne Nam.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            Der Guru betonte, kein bleibender Friede könnte erlangt werden, ohne auf dem Göttlchen Namen zu meditieren. Das Meditieren auf Nam ist die einzig wahre Pilgerfahrt:

 

            „Tirath nahvan jao tirath nam hai

             Tirath Shabad vichar unter gian hai.“

                                                            (Dhanasri Mohalla 1, Seite 687)

 

 

            ‘Sollten wir hingehen, um an Pilgerstätten zu baden?

            Nein. Nam ist die einzig wahre Pilgerfahrt.

            Die Pilgerfahrt ist das Nachsinnen über das Wort,

            Das inneres geistiges Licht spendet.’

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            Der Guru betont die Sinnlosigkeit davon, zu den heiligen Badestätten für den Sündenerlass.hinzueilen. Guru Nanak sagt in Japji, er würde an den für heilig gehaltenen Stätten baden, wenn es dem Herrn gefallen könnte. Es folgt daher, dass solche Zeremonien an sich Gottes Beifall nicht gewinnen würden, ohne ein moralisches Leben zu kultivieren:

 

            „Gefiele es dem Herrn,

            So würde ich an den heiligen Stätten baden.

            Wenn es ihm aber nicht gefällt,

            So ist diese Pilgerfahrt wertlos.

            Ich sehe ringsumher in der ganzen Welt,

            Dass nichts ohne rechtes Handeln erreicht werden kann.“

                                                            (Japji, pauri-6)

 

            An einer anderen Stelle hat der Guru diejenigen, die an heiligen Stätten baden, um Verdienste zu erhalten, mit Gefäßern voller Gift verglichen, die nur äußerlich gewaschen sind. Es bedeutet, dass das Böse im Menschen ungeachtet äußerlicher ritualer Handlungen nicht entfernt werden kann.

 

 

 

DAS KASTENSYSTEM UND SOZIALE GLEICHBERECHTIGUNG

 

            In einer Zeit, in welcher der Klassenunterschied sehr streng war und in der das Kastensystem Indiens das Volk in verschiedene Klassen unterteilte, lehrte Guru Nanak Gleichberechtigung und Brüderschaft. Der Guru stand über Riten und Ritualen, über Überzeugungen und Konventionen, über allen nationalen Kulten und allen Rassenunterschieden,  und vertrat eine Vision von Taten aus Liebe. Er predigte eine Religion der Liebe, der Opfer- und Dienstbereitschaft. Die absolute Gleichberechtigung unter den Menschen wurde von den Gurus des Sikhismus als grundlegendes Prinzip eingefordert, um die sozialen Beziehungen und die Verständigung zwischen den Menschen zu verbessern.

            Der Guru hebt hervor, dass es gemäß des Körperbaus unter den Menschen der  verschiedenen Kastensysteme keinen Unterschied gäbe. In einer polemischen Diskussion mit den Brahmanen, erkundigt sich Kabir:             

 

„Wie kommt es, dass du Brahmane bist, und ich in einer niederen Kaste geboren wurde,

            Ist der Grund hierfür, dass ich Blut in meinen Adern habe und du Milch?“

                                                            (Gauri Kabir S.324)

 

            Dieser Kommentar bringt zum Vorschein, wie absurd die Behauptung oder der Anspruch einer höheren Kaste ist, dass sich Menschen der verschiedenen Kasten auch physisch unterschieden.

            Der Guru hebt hervor, dass die Naturgesetze den Menschen einer höheren Kaste keine Vorteile eingeräumt hätte. Die Natur entscheidet nicht zum Vorteil eines Menschen, der höher im Kastensystem steht, noch erkennt sie dessen Überlegenheit in irgendeiner Weise an. Dieser Mythos von der Überlegenheit einer höheren Kaste findet seinen Ursprung ganz klar in der Menschheitsgeschichte. Der Guru erklärt:

 

            “Welchen Vorteil verspricht man sich von dem Kastensystem?

            Die Wahrheit ist, dass jeder, der Gift zu sich nimmt, sterben wird.“

                                                            (Var Majh, Mohalla 1, S.142)

 

Der Guru sieht im Kastensystem nichts anderes als eine Abnormalität, ja eine Perversion, wenn er erklärt:

           

            „Jedermann sagt, dass es vier Stufen im Kastensystem gäbe, aber nur die folgende  Aussage stammt von Gott, nämlich dass der Ton, der die Erde formt, überall der Gleiche ist;

Der menschliche Körper besteht aus fünf Elementen, und wer kann von sich behaupten, dass er ein Element mehr oder weniger hätte?“

                                                            (Rag Bhairon Mohalla 3, S.1128)

 

Der Guru verneint die Aussage, dass es das Kastensystem schon immer gegeben hätte. Im uranfänglichen Zustand:

 

            “Damals gab es kein Kastensystem..............................

            Es gab keine Unterscheidung nach Hautfarbe oder Kleidung oder nach Brahman oder Kashatriya.“

                                                            (Maru Mohalla 1, S.1035-36)

 

Auch die Behauptung, dass das Kastensystem aus einem Urmenschen hervorginge wird von dem Guru dementiert:

           

            “Seine Kaste ist keine Kaste. Er wurde nicht wiedergeboren, Er ist er selbst-

            Alle Herzen werden vom Licht des Herren erleuchtet....“

                                                            (Sorath Mohalla 1, 1-2 of 6, S.597)

 

            Daraus folgt, dass der Guru das Kastensystem in seiner sozialen Ethik nicht anerkennt und dementiert, dass Gott einzelne Menschen begünstigt hätte, indem er diese wenigen aus seinen wichtigen Körperteile geschaffen hätte. (Dies waren nur einige der Argumente der Brahmanen um die Überlegenheit ihrer Kaste gegenüber den anderen Kasten zu rechtfertigen).

            Zum Schluss erklärt der Guru, dass die Stellung in einer Kaste für die spirituelle Erkenntnis nicht von Relevanz wäre, und dass die Menschen einer niedrigeren Kaste nicht darauf warten sollten in einer höheren Kaste wiedergeboren zu werden, um Erlösung zu erlangen.

           

            "Tumra jan jat avijata har japio patat pavichhe."

                                                                        (Basant Mohalla 4, S.1178)

            « Wer auch immer sich auf Gott besinnt, Kaste oder nicht Kaste,

            wird ein gesegneter Anhänger Gottes.“           

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

           

            Der zehnte Meister, Guru Gobind Singh, erklärte das Kastensystem zu einem Tabu im Orden des Khalsa. In Akal Ustat sagt er aus: „Es gibt keine Berücksichtigung einer Kaste oder einer Mitgliedschaft in einer Kaste.“ Weiterhin schreibt er: „Ich soll die Gewohnheiten irgendeines Glaubens nicht annehmen, sondern ich soll den Samen der puren Liebe Gottes säen.“ (Vachitar Natak, Kapitel 6, Vers 34). Jeder der fünf ersten der  - gemäß des Ordens der Khalsa- getauften Sikhs gehörte zu einer anderen Kaste. Die Theorie von den verschiedenen Pflichten von Menschen verschiedener Kasten wurde durch die gleichen ethischen und religiösen Pflichten für alle Menschen ersetzt. Deshalb wurde die fundamentale Gleichberechtigung aller Menschen durch die freie und freiwillige Aufnahme in den Orden des Khalsa gesichert.             

 

Soziale Gleichberechtigung:

 

            Genau wie das Kastensystem den Menschen von Geburt an eine Kaste zuweist, so teilt auch der Reichtum die Menschen in verschiedene Klassen ein. Der Sikhismus beschäftigt sich auch mit Klassenunterschieden aufgrund von materiellem Wohlstand und lehnt dabei die Überlegenheit der ökonomisch besser gestellten Klassen im Vergleich zu anderen Klassen ab. Der Guru sagt:

 

            “Der Mensch, der Gott erfahren hat, sieht alle Menschen als gleich an,

            denn der Wind weht auf den Untertan und auf den König in der gleichen Weise.“

                                                            (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 8-1, S.272)

 

            Im Sikhismus haben alle Menschen, egal ob reich oder arm, ein Recht darauf in der gleichen Weise behandelt zu werden. Da der Tod uns alle gleichmacht, hebt der Guru dies hervor:     

           

            „Man lebt nicht für immer auf dieser Welt;

            Weder König noch Bettler werden hier bleiben, sie alle gehen und kommen.“

                                                             (Ramkali Mohalla 1, 11, S.931)

 

            Daher beruht die falsche Betrachtung von Überlegenheit einer Klasse auf einer falschen Betrachtung der Natur selbst. Die Notwendigkeit von der Anerkennung menschlicher Würde, unabhängig von  jedweden Klassensystemen, wird deshalb in einer Anekdote aus der Biografie Guru Nanaks hervorgehoben. Diese Anekdote wird die Geschichte des Bhai Lo und Malik Bhago genannt. In jener Geschichte wies Guru Nanak ein üppiges Abendessen von Malik Bhago zugunsten von gewöhnlichem Brot and Grobkorn des Bhai Lao zurück. Die Moral der Geschichte ist, dass man arme Leute nicht aufgrund ihrer Stellung als minderwertig betrachten darf. Jeder muss gleich behandelt werden, unabhängig von Reichtum.

 

DIE STELLUNG DER FRAUEN:

 

            Die Stellung der Frau in der Gesellschaft Indiens war nicht immer die Gleiche. In manchen Zeiten war die Stellung der Frau in Indien sehr hoch, aber es gibt auch historische und biblische Belegstellen in denen die Stellung der Frau sehr niedrig war. Am Anfang des Sikhismus war die Stellung der Frauen sehr niedrig.

            Im Sikhismus gilt  es als  absurd, eine Frau als „Verführerin“, „Versucherin“ oder gar als „unrein“ zu betrachten. Der Guru sieht eine Frau nicht als ein Hindernis auf dem Weg zur Ewigen Glückseligkeit an. Da dies so ist, lehnt der Guru die Entsagung und den Verzicht als den notwendigen Weg ab, und sieht das Leben eines Mannes, der ein Haus und eine Familie hat – sofern es in der richtigen Art und Weise gelebt wird-, als besser an als das Leben eines Asketen. Um diese Betrachtungsweise hervorzuheben, betont der Guru, dass Frauen eine ehrenwerte Stellung in allen Schichten der Gesellschaft genießen sollen. Guru Nanak unterstreicht, dass die Frauen den Männern in keiner Weise unterlegen sind:

           

            „Von Frauen werden wir geboren, wir wachsen im Mutterleib einer Frau,

            Mit Frauen sind wir verlobt, mit Frauen sind wir verheiratet;

            Die Frau ist unsere Freundin, und von einer Frau kommt die Familie;

            Wenn eine Frau stirbt, so suchen wir eine andere;

            Warum sollten die Frauen schlecht sein, wenn sie diejenigen sind, die den Königen die Geburt schenken?

Von der Frau kommt die Frau, ohne Frauen gäbe es niemanden;

Oh Nanak, nur Gott ist nicht von den Frauen abhängig.

                                                            (Var Asa Mohalla 1, 2-19, S.473)

 

            Diese Erklärung zeigt unumstritten wie hoch die Stellung der Frau im Sikhismus war. Die Frau “als Mutter der mächtigen Helden“ wird in der Hierarchie der Lebewesen auf die höchste Stufe gestellt.

            In den Verhaltensregeln des Sikhismus finden sich einige gerichtliche Verfügungen gegen unethische Praktiken gegen Frauen, wie (i) weibliche Kindstötung; (ii) die Opferung einer Witwe (Sati) mit dem verstorbenen Ehemann, und (iii) das Tragen von Schleiern. In früheren Zeiten, war es in Indien an der Tagesordnung , dass sich die Witwen von verstorbenen Männern selbst opferten. Dies war der einzige lobenswerte Weg, den eine tugendhafte Frau einschlagen konnte; eine Frau würde so nicht nur die ewige Glückseligkeit mit ihrem Ehemann im Himmel genießen, sondern ihre Opferung würde auch die Sünden von drei Generationen der Familie ihres Mannes aufheben, auf beiden Seiten der Mutter und des Vaters.[2]

            Guru Amar Das, der dritte Guru, sprach sich vehement gegen diese Praktik der Sati aus. Indem er dies tat, emanzipierte er die Frauen und befreite sie von sozialer Unterdrückung und religiöser Grausamkeit. Der Guru erklärte, dass „die Sati eine Frau ist, die zufrieden lebt und sich selbst mit einer lobenswerten Lebensweise verschönert und den Herrn preist und sich immer auf ihn beruft.“ (Rag Suhi, Slok Mohalla 3, 2-6, S.787)

            Die Emanzipation der Frau war eine der bemerkenswertesten Verbesserungen der Gesellschaft. Viele Frauen fanden durch die Lehren des Gurus ihre Erlösung. Im Sikhismus wird es der Frau auch erlaubt wieder zu heiraten, wodurch sie wieder in die Gesellschaft eingegliedert wird, wenn sie es so wünscht.

            .

           

DIE INSTITUTIONEN SANGAT UND PANGAT:

 

SANGAT- Die Gesellschaft der Heiligen:

           

            Sangat bedeutet Verbindung oder Versammlung, aber im Sikhismus wird Sangat gewöhnlich Sat Sangat (heilige Versammlung) genannt, welches als Haus der Wahrheit bezeichnet wird, ein Ort an dem die Leute Gott lieben und lernen in Seinem Geiste zu leben:

 

            "Sat Sangat kaisi janiai jithai eko nam vakhaniai."

                                                            (Sri Rag Mohalla 1, S.72)

           

            “Wie sollen wir von der heiligen Versammlung hören?

            Sie ist dort, wo die Liebenden der Wahrheit die Kommunion mit dem Einen Gott alleine halten.“

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

Und wieder definiert der vierte Guru den Sangat:

           

            “Sat Sangat ist die Schule des Wahren Gurus,

            Dort lernen wir Gott zu lieben und Seine Größe zu schätzen.“

                                                            (Var Kanra Mohalla 4, S.1313)

 

            Guru Nanak maß der Einrichtung der Sangats, der heiligen Versammlungen, große Bedeutung bei, und wo immer er auch hinging, versuchte er diese zu gründen. Das Göttliche Wort (Gurbani) and der Sat Sangat waren die einzigen Hilfsmittel des Gurus um die Menschen von ihrem Egoismus und ihren schlechten Eigenschaften zu befreien; und er benutzte sie auch dazu, die Menschen zu erlösen und mit Gott zu vereinen:

 

            “Sat Sangat ist der Schatz des Göttlichen Namens,

            Dort treffen wir auf Gott;

            Durch die Würde des Gurus,

            erlangt man dort das Licht und alle Dunkelheit erlischt.“

                                                            (Sarang ki Var, Mohalla 4, S.1244)

 

            Es ist eine Tatsache, dass ein Fortschritt auf spiritueller Ebene nicht ohne die Gesellschaft der Heiligen erlangt werden kann. Die Gesellschaft der Heiligen ist das Mittel um den Egoismus zu zerstören und sich von schlechten Eigenschaften zu befreien.

 

            “Der Schmutz des Egoismus, der seit Ewigkeit besteht und die Seele verschmutzt hat,

            wird nur durch die Gesellschaft der Heiligen entfernt.

            Genau so wie Eisen auf dem Wasser treibt, wenn man es an Holz bindet

            Genau so wird man den Ozean des Lebens durchschreiten, wenn man den Worten des Gurus in Anwesenheit der Heiligen folgt.“

                                                            (Kanra Mohalla 4, S.1309)

 

            “Oh Freund, sag mir, wie ich den schwierigen Ozean von Maya durchschreiten soll;

            Wenn dir Gott in Seiner Gnade die Begleitung des Wahren Nanaks schickt, so kann Maya nicht einmal in deine Nähe kommen.“       

                                                            (Bavan Akhri Mohalla 5,(7), S.251)

           

            Wohin auch immer Guru Nanak ging, bauten die Sikh eine Gurdwara (Das Haus des Gurus) und hielten dort jeden Tag Treffen ab. Diese Zusammenkünfte wurden mit der Zeit zu regelmäßigen Sangats. Seit der Zeit des dritten Gurus, Guru Amar Das, befand man es für wichtig, dass die Sikhs ihre eigenen Religionszentren haben sollten. Amar Das gründete die Stadt Chak Ram Das, die dann ihren heutigen Namen, Amristsar, erhielt; und er ließ eine Bawli (eine Quelle, deren Treppe hinunter zur Wasseroberfläche führte) in Goindwal erbauen. Die vierten und fünften Gurus zeigten auch großes Interesse daran, neue religiöse Zentren für die Anhängerschaft der Sikh zu bauen, so wie das schon in Amritsar und Kartapur und so weiter geschehen war. Diese religiösen Zentren bildeten eine anziehende Kraft für die immer größer werdende Sikh Gemeinschaft. Die Sikh Sangats von nah und fern besuchten diese Zentren und hatten dort nicht nur die Gelegenheit den heiligen Guru anzutreffen und seinen Segen zu empfangen, sondern auch in engen Kontakt mit anderen Sikh zu treten. Während sie diese Zentren besuchten, wurden sie mit kostenloser Unterkunft und kostenlosem Essen versorgt. Simran (die Teilnahme am täglichen Gottesdienst) und Seva (Die Teilnahme an den Projekten der Gemeinde) waren die zwei wesentlichen Aufgaben der besuchenden Sikh. Diese engen Kontakte zueinander bildeten die Grundlage für eine gut funktionierende Sikh-Organisation.

            Der Prozess der Integration des Sikhismus ging Hand in Hand mit der Ausdehnung seines Wirkungsbereichs. Zu der Zeit des dritten Gurus, gab es zweiundzwanzig Manjis and zweiundfünfzig Piris, die alle große oder kleine Zentren für die Verbreitung des Sikhismus darstellten. Guru Ram Das, der vierte Meister, gründete einen neuen Orden von Missionaren, die Masands genannt wurden. Dieser neue Orden wurde vom fünften Guru umstrukturiert und ausgearbeitet. Als die Anzahl der neuen Sikh Sangats im Lande anstieg, wurde allen befugten Missionaren erlaubt, den Initiierungsprozess angehender Sikhs durch die Zeremonie von Charanpahul (Charanamrit) durchzuführen. Obwohl die ideale Charanamrit vom Guru selbst durchgeführt wurde, wurde dieser Initiierungsprozess auf die Missionare übertragen, da es dem Guru nicht möglich war überall präsent zu sein. Die Menschenmengen, die zur Gemeinde der Sikh hinzukamen war ein Resultat der oben beschriebenen Anstrengungen, und entstammten hauptsächlich aus den kaufmännischen Schichten der Städte. Zur Zeit des fünften Gurus, wurde diese Bewegung auch in ländlichen Gegenden sehr beliebt, mit dem Ergebnis, dass sich einen große Anzahl von Majha Jats zum Sikhismus bekannte. 

            Finanzen sind für den Erfolg jeder Bewegung notwendig. Am Anfang waren die freiwilligen Spenden der Anhängerschaft ausreichend. Als man sich an größere Projekte machte, waren diese jedoch nicht mehr ausreichend. Um diese Situation zu meistern, wurde es nötig, dass die Masands sich nicht nur ausschließlich auf die Verbreitung der Sikh-Lehren konzentrierten, sondern auch freiwillige Spenden von den Gläubigen sammelten und zum Hauptsitz des Gurus brachten.

            Am Anfang war der Sikh Sangat nichts anderes als ein religiöses Zusammenkommen von Anhängern, das mehr oder weniger isoliert fungierte. Nach und nach wurden ihm jedoch mehr Aufgaben zu teil. Die Vorbereitung von Kopien der Heiligen Schrift, der Aufbau von gewissen religiösen Zentren und die Institutionen der Manjis und Masands als Agenturen der zentralen Führerschaft und der Zusicherung des Prinzips der obersten Gewalt des Gurus. All diese Faktoren wurden dazu benötigt, um das eine mit dem anderen zu verbinden. Deshalb wurde die Isolation schrittweise aufgelöst. Diese Bewegung hielt an bis sie in die Einrichtung der Khalsa gipfelte. Die Khalsa setzte auf die ausbalancierte Kombination der Ideale von Bhakti und Shakti, also auf eine Verbindung von moralischer und spiritueller Vortrefflichkeit mit militärischem Heldenmut oder Heldentum der höchsten Ordnung                                                                                                                              Einen Tag, bevor Guru Gobind Singh verschied, erfolgte seine historisch bedeutsame Ankündigung:   die Folge der persönlichen Gurus sollte abgeschafft und die Macht der Beratung auf die Khalsa ubertragen werden. Mit der Gründung der Khalsa, wurde das Netzwerk der halbintegrierten Sangats völlig integriert. Die oberste Macht in der Khalsa zu integrieren, markierte den Meilenstein der Vollendung dieses langen Prozesses, der zwei ein halb Jahrhunderte dauerte.

Jeder, unabhängig vom Kastensystem, dem Glauben und der Volkszugehörigkeit, kann ein Mitglied des Sangats werden. Alle Dienste können von Sikh und Nicht-Sikh ausgeführt werden, außer der Taufe, die nur von Mitgliedern der Khalsa ausgeführt  werden kann, die den Idealen entsprechen. Der Sangat ist nicht nur ein Zusammenkommen von Gläubigen und es ist auch nicht nur ein Forum für diejenigen, die Erlösung und Segen suchen, sondern er steht für die völlige Neuorientierung der Leben der Einzelnen und einer Gesellschaft, die nach einer kreativen und bedeutungsvollen Existenz strebt. Der Sangat war so bedeutungsvoll, dass sich sogar die Gurus nach seinen Entscheidungen richteten. Guru Arjan verheiratete seinen Sohn nicht mit der Tochter von Chandu, weil sich der Sangat dagegen aussprach. Der Sangat kann nur ein kleines Element darstellen, aber in seiner Ganzheit nennt man ihn Panth- Den Heiligen Weg des Lebens.

 

           

DAS PANGAT –Die kostenlose Küche des Gurus, bekannt als Langar

 

            Noch eine Institution, die des Pangats oder Langars (das gemeinsame, kostenlose Essen) wurde fast gleichzeitig mit dem des Sangats organisiert. Es wurde von Guru Nanak eingeführt and seine Konsolidierung und sein Ausbau wurde vom dritten Guru vorangetrieben. Den Regeln des Langar nach, müssen alle Teilnehmer in der gleichen Reihe sitzen und das gleiche Essen einnehmen ohne zwischen einer höheren oder niederen Kaste, ohne zwischen arm und reich und zwischen Prinz und Bettler zu unterscheiden. Es war eine Verfügung des Gurus Amar Das, das niemand von ihm eine Audienz bekäme, bevor er im Langar gegessen hätte. Als der Raja von Haripur oder sogar der Herrscher Akbar kamen, um den Guru zu sehen, mussten auch sie beim gemeinen Volk sitzen und mit ihnen essen, bevor der Guru einwilligte ihnen Audienz zu gewähren. Auf diese Weise sahen sich die Leuten gezwungen ihre sozialen Vorurteile abzulegen. Die gemeinsame Küche diente auch als Mittel der sozialen Integration.      

            Die Institution Pangat verlieh dem Sangat eine säkulare Dimension. Ihre wichtigste Aufgabe bestand jedoch darin, das Prinzip der Gleichberechtigung auch in die Tat umzusetzen. Sie diente überdies zum Zusammenhalt der Anhängerschaft des Sikhismus. Diese Institution stellt einen Schutz gegen den unmoralischen Brauch der Unberührbarkeit -ein Nebenprodukt des Kastensystems- dar.

Sie wird mit der Hilfe und den Beiträgen aller geleitet und nicht nur von einer einzelnen Person oder einer Klasse von Personen. Die freie Küche, in der Prinz und Bettler zusammen essen können, förderte den Geist von Nächstenliebe und hatte eine große bindende Wirkung.

           

 

ALLGEMEINE BRUDERSCHAFT:

 

Das Ideal der sozialen Gleichberechtigung ist nicht das höchste Ziel der Ethik des Sikhismus. Diese Gleichberechtigung kann auch ohne das Gefühl von Zuneigung oder Rücksicht auf den Nächsten aufrechterhalten werden. Diese Gleichberechtigung wäre nicht genug, da sie nicht den Idealen der humanistischen Wertgebung entspricht. Deshalb sollte man, um diese Ideal zu erreichen, die Gleichberechtigung mit der Idee der spirituellen Einheit der Menschheit erfüllen. Der Guru sagte:

           

            “So wie aus einem einzelnen Feuer, Tausende Funken steigen; so steigen diese Funken alleine auf, kommen jedoch - wenn sie ins Feuer zurückfallen- wieder zusammen. So wie von einer Staubwolke, Staubkörner aufsteigen und die Luft erfüllen, und wieder eine Staubwolke bilden. So wie sich aus einem einzelnen Fluss unendliche Wellen erheben und -da sie ja aus Wasser bestehen- wieder Wasser werden. So entstehen aus Gott lebendige und leblose Dinge und da sie von Gott kommen, werden sie wieder ein Teil Gottes.“          

                                                            (Guru Gobind Singh- Akal Ustat)

 

 

Dies bedeutet, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat als Mitglied der menschlichen Brüderschaft behandelt zu werden. Alle Menschen sind gleichgestellt, keiner ist „anders“ Der Guru sagt:

 

"Nachdem ich den Guru getroffen hatte, habe ich vom Glauben an die Andersartigkeit abgelassen.”

(Bhairo Mohalla 5, 1-29-42, S.1148)

 

Tatsache ist: der Andere ist kein “Anderer ”, sondern jemand, der aus der gleichen Quelle hervorkam und auch ein Teil der gleichen spirituellen Ordnung ist. Dieser Sinn  von der Brüderschaft der Menschheit verbindet deshalb mehr als eine Familie, oder soziale und nationale Verwandtschaften. Diese Brüderschaft ist die gesamte Menschheit, die durch den gemeinsamen Vater Gott verbunden ist, wird deshalb vom Guru hervorgehoben.

 

            “Du bist der Vater von uns allen…..alle sind Gefährten.

            Du bist keinem fremd.“

                                                            (Majh Mohalla 5, S.97)

 

Der Guru weist auf die gemeinsamen Bindungen  in der Welt hin:

 

            “Die Luft ist der Guru, das Wasser der Vater, die große Erde die Mutter;

Umsorgt wie ein Kind von Mann und Frau – Tag und Nacht – wird die Welt eins.“

                                                            (Japji, Slok, S.8)

 

            Dem Guru zufolge, ist die Brüderschaft die Wirklichkeit, die uns jedoch aufgrund des Schleiers des Houmai (Ich-Bezogenheit) verborgen bleibt. Houmai ist der Schmutz auf unserem Geist, der sich im Laufe der Seelenwanderung angesammelt hat. Sobald dieser Schmutz entfernt wird und sich der Schleier des Houmai (Ich-Bezogenheit) lüftet, so wird die Verbindung zwischen den Menschen klare Wirklichkeit. So lange unsere Seelen unter dem Schleier der Ich-Bezogenheit bleiben, so lange wird unser Verständnis nicht ausreichen und nicht der Realität entsprechen. Wie also können wir unsere Seelen reinigen?

 

            Wie schon erwähnt, gibt der Guru Anweisungen, um die Seele zu reinigen:

 

            „Nur durch das Lob Gottes und Gebet zu Gott, wird unser Geist rein werden.“         

                                                            (Wadhans Mohalla 1, S.557)

           

            Sobald unser Geist rein wird, erhält er eine spirituelle Größe, in der sich die Wirklichkeit offenbart. Jegliche Täuschung verliert ihre Macht, und nur die allgemeine Brüderschaft bleibt übrig.

           

            „Es gibt nur Einen Vater von uns allen

            Und wir sind die Kinder des gleichen Vaters.“

                                                            (Sorath Mohalla 5, S.611)

 

            “Ich bin weder Hindu noch Moslem;

            Meine Seele und mein Körper gehören zu Gott, egal ob man ihn Allah oder Ram nennt.“

                                                                        (Bhairo Mohalla 5, S.1136)

 

           

            “Oh meine Augen, Gott hat ihnen das Licht geschenkt, seht auf keinen anderen als auf Gott; seht ihn euch aufmerksam an.

            Die ganze Welt, die ihr betrachtet ist ein Abbild Gottes; Als ich durch die Gnade des Gurus das Verständnis dafür erhielt, sah ich, dass Gott eins ist, und das nichts ihm gleichkommt.

            Saith Nanak, diese Augen waren blind, aber durch die Begegnung mit dem wahren Guru haben sie das göttliche Licht erhalten.

                                                            (Ramkali Mohalla 3, Anand-36, S.922)

 

 

 

 

            Sobald unser Herz durch die Gnade des Gurus vom Göttlichen Licht erfüllt ist, gibt es keine “Anderen”, es gibt keinen Feind, keinen Hass mehr, sondern alles besteht aus Nächstenliebe und Dienst für die menschliche Brüderschaft. Als Beispiel finden wir die Geschichte des Bhai Ghanaya. Auf dem Schlachtfeld war es seine Aufgabe den durstigen Männern Wasser zu bringen. Man sah ihn sowohl den Sikh als auch den Hindus und Moslems Wasser bringen. Die Sikh beschwerten sich beim Guru, dass Bhai Ghanaya auch den feindlichen Soldaten Wasser brachte, die dadurch natürlich erfrischt wurden und gegen die Sikhs kämpften. Der Guru ließ nach Bhai Ghanaya schicken und erzählte ihm, worüber sich die Sikh beschwert hatten. Bhai Ghanaya antwortete daraufhin: “Oh du wahrer Gott, ich unterscheide nicht zwischen Freund und Feind. Ich sehe euer Abbild in jedem Mann. Ich sah nur, dass sie alle eure Sikh waren und deshalb brachte ich jedem Wasser.“

            Dies ist der angestrebte geistige Zustand, der vom Guru angeordnet wird, wenn sich der Geist einer Person über die verschiedenen Religionen, über Hautfarbe, Rasse oder nationale Einheit hinwegsetzt;  und somit ist der Geist der universellen Brüderschaft geboren:

 

            „Es gibt keinen Feind, keinen 'Anderen'

           

             Ein Gefühl der allumfassenden Brüderschaft ist zu mir gekommen.“

             

                                                                        (Kanra Mohalla 5, S. 1299)

Sikhismus glaubt daran, steht dafür und ergreift praktische Maßnahmen, um dies zu verwirklichen. Es gibt zahlreiche Beispiele in der Geschichte der Sikh, die diese Tatsache  betonen. Guru Nanak zog vierzehn Jahre zu Fuß umher und bereiste dabei ein Gebiet, das die Assan Berge im Osten Indiens, den Iran und Irak im Westen, Tibet im Norden und Ceylon im Süden umfasst. Während dieser langen Reise besuchte er zahlreiche berühmte Hindu Tempel und ihre Lernzentren, Maths der Sidhas, und die verschiedenen Stääten der Muslime, einschließlich Mekka, um die Göttliche Botschaft (von der Bruderschaft der Menschheit und der Vaterschaft Gottes) zu überliefern, für die er in diese Welt gekommen war. Niemals drängte er jemanden dazu, sein Anhänger zu werden, um in das Himmelreich eingehen zu können. Vielmehr versicherte er der gesamten Menschheit, dass ein jeder, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Kaste, Glauben, Geschlecht, Religion oder Nationalität erlöst werde, sofern er über den Einen Formlosen Gott meditiere:

 

            "Jo jo japai so hoai punit

             Bhagat bhai lavai manhit."

                                                (Gauri Sukhmani Mohalla 5, 20-7, S. 290)

              „Derjenige soll rein werden, der Seinen Namen wiederholt       

              Voll Hingabe, Zuneigung und innigster Liebe.“

                                                (Übersetzung des Obigen)

 

Sikhismus steht gänzlich für die allumfassende Bruderschaft im Wort und im Geiste. Ein jeder Sikh, in jeder Ecke der Welt, spricht folgende Worte, wenn er das Morgen- oder Abendgebet beendet:

 

            "Möge ein jeder auf dieser Welt durch Deine Gnade gesegnet sein."

           

BILDER DER GURUS:

 

            Einige Künstler haben aus ihrer Vorstellungskraft heraus Bilder von allen zehn Gurus gemalt. Haben diese Künstler die Gurus jemals gesehen? Man kann diese Bilder in beinahe allen Gurdwaras und in den meisten der Sikh Haushalte finden. Es scheint eine Ironie des Schicksals zu sein, dass viele Sikh diese Bilder mit Blumengirlanden schmücken und auch Räucherstäbchen vor ihnen verbrennen. Ist das nicht eine (bildliche) Form der Götzenverehrung? Wie können wir diese Gurmat nennen? InZafarnama, welches Guru Gobind Singh dem Herrscher Aurangzeb schrieb, sprach er von den Rajas der Berge: „Sie waren Götzenverehrer und ich ein Götzenzerstörer.“ War der Guru was ein Götzenzerstörer, so sind seine Sikh jetzt zu (bildlichen) Götzenverehrern geworden!

            Von Guru Nanak bis zu Guru Gobind Singh, wurde Wert auf die Verehrung de Einen Gottes gelegt, des Formlosen. Sie verbaten strikt die Anbetung von Idolen, Krematorien, Samadhies, Grabstätten, etc., etc. Diese Bilderverehrer zitieren folgende Verse des Gurbani,

um ihre Taten zu rechtfertigen:            

 

                        'Gur ki murat man meh dhyan.'

                                                            (Gaund Mohalla 5, S. 864)

                        “Verehre das Bild des Gurus im Geiste”

                                                (Übersetzung des Obigen)

                        'Satgur ki murat hirdai vasai.'

                                                            (Dhanasri Mohalla 1, p-661)

                                       “Bewahr das Bild des Gurus im Geiste”

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

Was ist GURU and was ist Gurus MURAT (Bild)?

           

            Wie bereits zuvor in diesem Buch erklärt, ist –gemäß dem Gurbani- der Guru nicht Körper (deh), sondern Guru ist Jot (Göttliches Licht) und Gurus Murat (Bild) ist das Göttliche Wort (Gurbani):

 

                        'Jot roop har aap gur nanak kahaio.'

                                                            (Swayas Bhattan p-1408)

                        “Guru, die Verkörperung des Lichts, hat veranlasst,

                                    dass er selbst Guru Nanak genannt werden solle.”

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            Die Gurmat (Lehre des Gurus) erklärt, dass der wahre Guru kein physischer Körper ist und dass der Körper es deshalb nicht wert ist, auf irgendeine Weise verehrt zu werden:

 

                        'Satgur niranjan soi

                         Manukh ka kar roop na jan.'

                                                            (Ramkali Mohalla 5, S. 895)

                        “Der wahre Guru selbst ist der unbefleckte Herr

                         Wisse, dass er nicht nur ein menschlich Wesen ist.“

                                                            (Übersetzung des Obigen)

 

            Aus diesem Grunde bedeuten die Worte "Gur ki murat man meh dhayan" ganz klar nicht, dass man das Bild des Gurus verehren soll, sondern dass man seine Aufmerksamkeit dem Sabad (Wort) schenken sollte. Gurbani bestätigt, dass durch das Betrachten des physischen Körpers des Gurus, das Seelenheil nicht erlangt werden kann:

 

                        'Satgur no sabh ko vekhda jeta jagat sansar

                         Didhai mukat na hovai jichar sabad na kare vichar.'

                                                                        (Slok Mohalla 3, S. 594)

                        “Sie ganze Welt sieht den Guru,

             wird aber die Erlösung nicht finden, wenn sie sich nicht auf das Wort

             besinnt.“

                                                                        (Übersetzung des Obigen)

 

 

            Könnte man durch das Sehen des Körpers des Gurus das Seelenheil erlangen, so hätte Mehta Kaluji seinen Sohn Guru Nanak nicht geohrfeigt. Da der Vater den Guru gesehen hatte, hätte er das Seelenheil finden müssen. Stattdessen zeigen die Geschichtsaufzeichnungen, dass Mehta Kaluji das Göttliche Licht seines Sohnes nicht sehen konnte und dass er ihn weiterhin schlug. Könnte man durch das Sehen des Körpers des Gurus wirklich Erlösung finden, hätten die beiden Söhne Sri Chand and Lakhmi dem Guru, ihrem Vater, nicht den Gehorsam verweigert. Der Scharfrichter, der heißen Sand über den nackten Körper von Guru Arjan schüttete, hätte das nicht tun können, weil er ja den Guru gesehen hatte und somit das Seelenheil hätte finden müssen.  Der Scharfrichter hätte den Kopf von Guru Tegh Bahadur nicht abgetrennt, weil er den Guru gesehen hatte. Aus diesem Grunde: wäre das Guru Jot im menschlichen Körper, müsste sein Anblick dem Menschen das Seelenheil schenken. Da das Sehen des physischen Körpers dies aber nicht tut, wie sollen diese falschen Bilder dies tun? Sie können uns nur von unserem wahrhaft vorgeschriebenen Pfad des Gurmat abbringen.

                       

            In Tavparsad Swayas beschreibt der Guru, wie jene, die Götzen verehren, Tieren ähneln (Pas):

                       

                        "Kou butan ko pujat hai 'pas' kou butan ko pujan dhayo."

 

            Übersetzung:

 

                        “Einige legen Gebetssteine auf ihre Köpfe,

                                     andere hängen sich Lingams um den Hals;

                         Einige sehen Gott im Süden,

                                    andere verneigen sich gen Westen;

                         Einige Narren verehren Götzen,

                                    andere beschäftigen sich mit dem Totenkult;

                         Die ganze Welt, verstrickt in falschen Zeremonien,

                                    hat das Geheimnis Gottes nicht gefunden.”

                                                                        (Guru Gobind Singh- Tavparsad Swayas)

  

            Einige Sikh tragen auch Halsketten mit dem Bild des Gurus. Ist das Gurmat? Dies ist völlig überflüssig, dies ist eine Perversität. Guru ist kein Götze. Guru ist kein Bild. Guru ist kein menschlicher Körper. Nachdem er seinen letzten Atemzug getan hatte, konnte niemand Guru Nanaks Körper finden. Deshalb ist Guru JOT. Guru ist Göttliches Licht. Guru ist Alles durchdringender Göttlicher Geist. Guru ist das Göttliche Wort (Gurbani). Alles mit den Phantasiebildchen des Gurus zu schmücken ist völlig gegen die Gurmat. Wie können wir den Segen des Gurus haben, wenn wir kein sein eigenes Gebot handeln?

 

            Das Unpersönliche Absolute kann nicht als Bild aufgestellt werden. Er hat keine Form und dadurch kann er auch nicht mittels Symbolen beschrieben werden. Solche Taten würden nicht die Zustimmung des Gurus gewinnen. Ohne absolute Treue zu den Anordnungen des Gurus würde der Glaube der Sikh tief unter einem Haufen sinnloser Dogmas, bedeutungsloser Rituale und zeremonieller Handlungen begraben werden.

 

            Sikhismus ist kein  Dogma, sondern ein Lebensweg, der dem Guru Rahit Maryada (Verhaltenskodex) folgt. Für einen Sikh muss das Wort seines Gurus im täglichen Leben von höchster Wichtigkeit sein. Versäumt man es Seine Gegenwärtigkeit in der menschlichen Existenz zu preisen, so wird dieses menschliche Leben vergiftet und verschmutzt und wird in einen bedauernswerten Zustand verfallen, der zur spirituellen Degeneration führt. Tiefe und beständiges Nachsinnen über Nam ist von Nöten und unerlässlich für den erhabenen Status eines Sikh Charakters. Nam ist weder Philosophie, noch Wissen, dass durch Bücher erworben werden könnte. Es verweilt im Innern und wird von Innen heraus durch die Gnade des wahren Gurus (Gurbani – Göttliches Wort) verwirklicht. Lasst das Folgende unser täglich Gebet sein:

 

            “O  mein Freund, der Göttliche Guru!

            Erhelle meinen Geist durch deinen Göttlichen Namen!           

            Lass den Namen, der mir vom Guru offenbart wird, mein Lebensbegleiter sein;

            Und lass mir die Gesänge zu deinen Ehren, zur alltäglichen Gewohnheit werden.“

 

                                                            (Rag Gujri Mohalla 4, S. 10, Guru Granth Sahib)

 

           

 

                                               

 

 

 

 

 

 

                                                                       



[1] Sidh Gosht, S. 938 f

[2] R.C. Majumdar- British Paramountcy and Indian Renaissance, S. 823.